Lesetipps zum Wochenende (KW 18)

 

Die re:publica (hier Eindrücke von Robert Basic, dort von Thomas Knüwer) war diese Woche kaum zu übersehen, deshalb noch ein paar kurze Tipps links und rechts davon:

  • Shitstorm überm Fressnapf: Die EM-Werbung mit einem fröhlichen Hund ist für die Tierbedarfs-Kette Fressnapf zum Bumerang geworden. Man kommt allmählich kaum mehr mit mit dem Auflisten der ganzen Facebook-Unwetter.
  • Öffentlichkeit im Wandel – Medien, Internet, Journalismus heißt ein Sammelband, den die Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben hat und zum freien Download zur Verfügung stellt.
  • Content Curation kann Marken zu Helden machen, meint Ed Wohlfahrt und erklärt wie und warum.
  • Kommunikationskodex: Ducken sich die PRaktiker weg? Seit März liegt wie schon mal hier berichtet vom Deutschen Rat für Public Relations ein Entwurf für einen solchen Kodex vor, der in einem Blog kommentiert werden kann. Erstaunlich aber ist, wie gering der inhaltliche Input von PRaktikern in dieser Diskussion ist. Umso besser, dass der DRPR für 19. Juni 2012 Interessierte nach Berlin zur Vorstellung des Entwurfs und seiner Diskussion lädt.

Lesetipps zum Wochenende (KW 17)

Nachdem ich ein paar Wochenenden mit den Lesetipps ausgesetzt habe, ist’s Zeit, diese Rubrik mal wieder anzukurbeln und ein paar Links, die mir in den letzten Tagen begegnet sind, zu empfehlen.

Howto: About-Seiten
Aktuell läuft noch eine Blogparade, die das Webmaster Friday-Blog ausgerufen hat und zwar zur Frage, was eine gute About-Seite eines Blogs bieten sollte. Gehe ich von Corporate Blogs aus, sollte aus meiner Sicht diese Seite für das Erwartungsmangement genutzt werden. Dazu dürften die berühmten W-Fragen ganz hilfreich sein – wer bloggt was warum und für wen – und welche Regeln gelten für Autoren und Diskutanten? Ausgefeiltere Antworten sind in den Trackbacks beim Webmaster Friday.

Relaunch: zdf.de
zdf.de hat gerade einen Relaunch hinter sich. Meinungen dazu hat unser Online-Journalismus-Absolvent Martin Hoffmann via Storify eingefangen.

Imageeffekte: Facebook vs. Corporate Website
ethority hat sich eine Untersuchung des Web Excellence Forum (WebXF) angeschaut, in der Facebook-Fanseiten und Corporate Websites einander gegenübergestellt wurden. In Kürze: Facebook-Seiten verbessern in der Tendenz das Unternehmensimage; Corporate Websites wirken aber stärker und differenzierter. Fazit: Am sinnvollsten scheint, in Facebook präsent zu sein, um von dessen großer Community zu profitieren und die gewonnenen Fans dann auf die Corporate Website zu locken. Eine andere Herausforderung in diesem Zusammenhang: Wer eine Facebook-Seite einmal liked, kommt selten darauf zurück, sagt eine andere Studie, die in der Karrierebibel vorgestellt wurde.

Shitstorm im Rollenspiel
Michael Kausch hat in einem Online-Experiment mit Studenten der Hochschule Würzburg einen Shitstorm durchgespielt – live und in Farbe. Das Vorgehen im Rollenspiel rund um die erfundene Fränkische Bratwurstmanufaktur erklärt er ausführlich. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen hin- und her gerissen: Einerseits ist das Durchspielen solcher Rollen für die Studenten sicher ein super Lerneffekt, und wie man zum Beispiel negative Fundstücke aus der Suchmaschine durch eigenen Beiträge verdrängt, kann man nur so lernen. Andererseits: Es wurde mit Communities wie jene von chefkoch.de gespielt (es ging um die Qualität der Manufaktur-Wurst) – für mich ist das schon ein bisschen grenzwertig. Umso wertvoller die Erkenntnisse und Tipps bei Michael Kausch.

Lehrprojekte: Globales Lernen statt Zukunft Online-PR

In letzter Zeit wurde ich ein paar Mal gefragt, ob wir – sprich: ein Studententeam – bald wieder eine Konferenz organisieren. Die Reihe “Zukunft Online-PR“, die wir 2007, 2009 und 2010 (dann als Weiterbildung) gestartet hatten, war ein sehr schönes Format. Dennoch setzen wir es im Moment nicht fort, sondern gehen in eine andere Richtung: Am 23. Mai 2012 gibt es die Konferenz “Globales Lernen digital“, die ein Studententeam und ich gerade in Kooperation mit dem Portal Globales Lernen der Eine Welt Internet-Konferenz (EWIK) vorbereiten. Mit dem thematischen Shift ist auch verbunden, dass wir eine andere Zielgruppe ansprechen.

Warum diese Entwicklung? Ein Grund für mich war, dass nach meinem Eindruck eine kaum überschaubare Zahl von Veranstaltungen angeboten wird, die sich allgemein mit Online-PR und/oder Social Media beschäftigen. Deshalb erscheint mir im Moment spannender, das Thema Online-Kommunikation auf spezielle Fragestellungen zu beziehen und eine speziellere Zielgruppe anzusprechen. Und da sind wir dann beim anderen Grund: Durch einen Besuch einer Mitarbeiterin der EWK auf der Werkschau unseres Fachbereichs, der mediale*, im letzten Jahr bin ich auf das Thema Globales Lernen gestoßen. Was hinter diesem Begriff steckt, hat eine Studentin nebenan in den PR-Fundsachen beschrieben:

Globales Lernen ist ein Bildungskonzept, in dem fachübergreifend zu Eine-Welt-Themen, Menschenrechten oder Umwelt gearbeitet wird – meist mit partizipativen Lernmethoden. Neben Schülern und Lehrern sind NGOs, die in diesen Feldern aktiv sind, wichtige Akteure in diesem Umfeld.

Auf anderer Ebene habe ich mich mit einzelnen Fragen aus diesem Umfeld früher schon beschäftigt. Und klar, soziale Medien sollten da ja ideal hineinpassen. Erstaunlich für mich war zu erfahren, dass die Community des Globalen Lernens einen großen Informationsbedarf zum Social Media-Einsatz hat, obwohl große Organisationen wie Brot für die Welt natürlich auf vielen digitalen Kanälen unterwegs sind. Insofern haben wir uns vorgenommen, mit unserer Konferenz in zwei Richtungen zu gehen: Auf der einen Seite möchten wir PR-Praktiker vor allem von NGOs ansprechen, die im Umfeld Globales Lernen kommunizieren. Auf der anderen Seite möchten wir mit Lehrenden in und außerhalb von Schulen sowie mit Lehramtsstudenten diskutieren, wie soziale Medien das Globale Lernen inhaltlich unterstützen können.

Wie schon bei unseren früheren Veranstaltungen ist vorgesehen, dass Studierende das Event organisieren und durch Kommunikation begleiten, aber auch, dass ein Team sich inhaltlich beteiligt. Deshalb sind vier Workshops auf dem Programm, die Studierende vorbereiten und halten. Dabei haben sie jeweils einen Sparringspartner aus der Praxis oder der Wissenschaft an der Seite. Besonders freut mich in diesem Zusammenhang, dass meine Kollegin Mihaela Vorvoreanu von der Purdue-University ein Team unterstützt. Deshalb halten die Studenten einen Workshop auf englisch. Ebenso froh bin ich, dass wir einen Partner haben, mit dem es eine gute Arbeitsteilung, viel zu lernen und vor allem den Zugang zum Thema gibt. Wir haben es im Stundenplan so organisiert, dass es das eigentliche Projektseminar gibt und ein begleitendes Seminar, in dem es um fachlichen Input zum Globalen Lernen geht. Meine Zwischenbilanz bisher: Es ist ein gigantisches Projekt für Studierende im 4. Semester, die sich gerade erst für den PR-Schwerpunkt entschieden haben – auf sie stürzt gerade alles gleichzeitig ein. An der ein oder anderen Stelle lässt sich deshalb weniger umsetzen als wir uns vielleicht wünschen – auch, weil wir extrem wenig Vorlaufzeit haben. Die Motivation des Teams ist aber riesig: Im nächsten nach außen sichtbaren Schritt soll die bisher recht schlichte Website ergänzt und bloggend zum Leben erweckt werden.

Bis 13. Mai 2012 ist die Anmeldung möglich, die Teilnahme ist dank der Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kostenlos. Wie gesagt ist das Ganze aber wahrscheinlich für einen großen Teil der Leser dieses Blogs gar nicht sooo spannend. Sie lade bei dieser Gelegenheit natürlich gern auch zur diesjährigen Werkschau unserer Studenten, der mediale* ein, die schon am 21. Mai beginnt und wie die Konferenz in der Centralstation Darmstadt stattfindet (bis 23. Mai). Hier schon mal der mediale-Trailer.

Mehr Themenmanagement – weniger Presseinfos?

Grünes Licht für übergreifendes Themenmanagement?

Alte Erkenntnis: Pressemitteilungen nerven. Zumindest wenn sie inhaltsarm sind. Oder falsch adressiert. Umgekehrt sind die Unternehmen bzw. Absender genervt, wenn die mühsam produzierten Meldungen im digitalen Orkus landen. Stand der Diskussion dürfte sein: Trotz aller Vorbehalte haben Presseinfos auch heute ihre Berechtigung, aber es gibt zu viele davon. Und dann reden wir die ganze Zeit über Social Media. Werden wir deshalb künftig mehr Themenmanagement und womöglich weniger Presseinfos haben?

Die Frage ist natürlich ziemlich spekulativ. Aber hinter ihr steht eine andere Frage – ob die Beteiligung an der Kommunikation im Social Web sich auf die Pressearbeit auswirkt. Dies setzt natürlich voraus, dass die Kommunikation im Social Web in irgendwelchen Zusammenhängen mehr Nutzen bringt als die klassische Pressearbeit. Im Auftrag eines großen Unternehmens haben wir versucht, uns diesen Fragen anzunähern. Methodisch ist das nicht ganz trivial, und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob wir den besten Methodenmix gewählt haben. Ausgewertet haben wir Serverstatiken des Pressebereichs, haben Presseinfos angeschaut und die klassische Medienresonanz, das Corporate Blog unter die Lupe genommen und Journalisten befragt.

Allerdings muss ich vor der Vorstellung von Ergebnissen etwas einschieben. Denn auch die Fragestellung selbst ist nicht unproblematisch. Denn sie vergleicht eigentlich Äpfel mit Birmen. Auf der einen Seite ist die Pressearbeit, die – aktiv genutzt – Themen setzen möchte. Auf der anderen Seite ist die Kommunikation im Social Web ganz anders gestrickt und verfolgt meist auch andere Kommunikationsziele: Während die Presseinfo newsgetrieben ist und sich an journalistischen Nachrichtenwerten und Darstellungsformen orientiert, ist die Kommunikation im Social Web oft konversational, will Beteiligung initiieren o.ä. Insofern bewegt man sich auf dünnem Eis, wenn man zum Beispiel fragt, ob im Einzelfall eine Presseinfo oder ein Blogpost sinnvoller sind. Allerdings: Mit beiden sollen Stakeholder erreicht werden und manchmal ist es auch in einem Blogpost ok, einfach zu informieren – wenn’s richtig aufbereitet ist.

Manche Presseinfos funktionieren einfach nicht

Was haben wir also festgestellt? Wie bei jedem Unternehmen gibt es Presseinfos, die sich prima verbreiten (welche Kommunikationsziele erreicht werden, wissen wir bis dahin jedoch nicht). Und es gibt einen Teil der Meldungen, die nicht funktionieren. Dabei sind wir auf einen Anteil von Meldungen gestoßen, die im Online-Pressebereich fast nicht abgerufen wurden. Übrigens hat sich gezeigt, dass Meldungen, die in den ersten drei, vier Tagen nicht interessieren, auch nach zwei Jahren kaum aufgerufen worden sind. Jetzt könnte man meinen, diese Meldungen wären vielleicht durch die Push-Kommunikation, also den Versand an Redaktionen, schon erfolgreich gewesen, so dass ein Abruf von der Website unnötig sei. Pustekuchen! Eine Medienresonanzanalyse bezogen auf die “lame ducks” zeigte: Diese Meldungen hatten es auch nicht via Verteiler in die Print- oder Onlinemedien geschafft.

Im nächsten Schritt haben wir geschaut, welche Themen das denn sind, die nicht so gut laufen. Bei unserem Unternehmen waren das vor allem Themen aus Umfeldern wie CSR, Employer Branding, aber auch Technologie/Innovation – im Gegensatz zu Wirtschaftsmeldungen oder Produktinformationen etwa. Schaut man sich die Themen an, dann sind bei den “lame ducks-Themen” – nennen wir sie lieber “weiche Themen” – die journalistischen Nachrichtenwerte viel weniger ausgeprägt (wobei ich mir nicht sicher erklären kann, weshalb das in unserem Fall auch für Technologiethemen galt). Alles aber Themen, zu denen ein gutes Storytelling, eine persönliche Note etc. gut vorstellbar sind – kurz: ein Blogpost.

Zeit für einen Schwenk: Die Analyse des Corporate Blog hat dann wieder ganz Interessantes zu Tage gefördert. Die Themen der Meldungen, die als Preseinfo nicht funktioniert haben, fanden kaum im Blog statt. Es zeigte sich: Es gibt – zumindest in unserem Beispiel – kein übergreifendes Themenmanagement. Allerdings zeigte sich auch, dass ähnlich gelagerte weiche Themen im Blog durchaus Leser finden können, manchmal sogar einige tausend Aufrufe. Allerdings: Wir haben eine kleine Gruppe (bei weitem nicht repräsentativ) von Fachjournalisten befragt, inwiefern sie denn das Blog des Unternehmens beachten. Ergebnis: Kaum. Lediglich bei manchen Recherchen wird der Diskussionsverlauf angeschaut, um sich ein Stimmungsbild zu einem Thema machen zu können. Unsere Idee, Social Media-Content hinüber in den von Journalisten genutzten Newsroom zu ziehen, hat damit einen Dämpfer bekommen. Nebenbei: Wir müssen grundsätzlich dringend untersuchen, wie Journalisten auf Social Media Newsrooms reagieren.

Noch ein letzter kleiner Check: Eine stichprobenartige Prüfung zeigte schließlich, dass die schlecht funktionierenden Presseinfos im Newsroom den Suchmaschinen weitgehend egal sind und selbst mäßig erfolgreiche Blogposts (gemessen an Abrufen) mit Blick auf SEO weit mehr brachten.

Wie steht es um Newsdesks in der PR?

An diesem Punkt habe ich volles Verständnis, wenn jemand sagt: Naja, das ist doch alles nicht überraschend. Ja, vieles, das wir an diesem Einzelfall festgestellt haben, war tatsächlich erwartbar. Hier aber konnten wir einiges konkret belegen und haben auch ein paar Zahlen herausbekommen. Mit ihnen in der Tasche könnte man fragen, ob man nicht auf manche Presseinfos – gerade zu den weichen Themen – verzichten sollte. Man könnte sogar ausrechnen, wie hoch der Aufwand für Meldungen ist, die absehbar kaum Resonanz bringen. Und schließlich müsste man diskutieren, inwiefern es ein übergreifendes Themenmanagement geben sollte. Hier könnte man nicht nur Pressearbeit und Social Media einbeziehen, sondern gleich auch über Corporate Publishing (Newletter, Kundenmagazin) und – ganz wichtig – interne Kommunikation diskutieren. Eigentlich erstaunlich: Im Journalismus ist von Crossmedia und Newsdesks seit Jahren die Rede, in der PR scheint mir dieses Thema ziemlich unterbelichtet. Klar bleibt, dass es sich um ganz unterschiedliche Instrumente mit verschiedenen Anforderungen dreht. Insofern müsste man sich genau anschauen, ob und wie so etwas praktisch sinnvoll umgesetzt werden kann. Gelingt dies, dürfte man aber öfter mal auch auf eine Presseinfo verzichten.

Was mich in diesem Zusammenhang besonders interessiert: Kennen Sie gute Beispiele, in denen ein solch übergreifendes PR-Themenmanagement gerade geplant ist oder bereits umgesetzt wird?

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Blogger Relations: Nicht wie ein Blumenverkäufer in der Kneipe

Blogger und PR - wie Hund und Katz?

Blogger Relations gelten manchen PR-Leuten als die Königsdisziplin in der Kommunikation im Social Web. Für andere sind sie der Anfang. Blogger selbst sind mal gelassen, mal genervt davon. Für einige Unternehmen beginnen Blogger Relations ja unoriginell damit, dass sie Blogger mit ihren Pressemitteilungen beglücken. “Presseverteiler: Hilfe, ich will hier raus“, seufzte ich vor einigen Wochen, als ich in meiner Rolle als bloggender Mensch einige abstruse Presseinfos in dichter Folge erhielt. Der Seufzer führte mich zum Zimpel-Verlag, der Redaktions- und auch einige Bloggeradressen sammelt – und selbst ein Corporate Blog hat. Stefanie Weyrauch, die dieses Blog mit einer Kollegin betreibt, hat mich gebeten, ihren Lesern ein paar Einschätzungen zu Blogger Relations zu geben. Und sie hat betont, dass Kontaktdaten von Bloggern nur dann im Zimpel landen, wenn diese damit einverstanden seien.

An sich ist das Thema Blogger Relations ja alles andere als neu. Viele Unternehmen oder Institutionen wie Tourismusverbände betreiben seit langem ganz selbstverständlich und weitgehend geräuschlos Blogger Relations, manche lassen sich ganz Besonderes einfallen. Was nicht heißt, dass hier etwas Unseriöses läuft, sondern, dass viele Blogger längst damit umzugehen wissen, von Unternehmen angesprochen zu werden. Dies ist allerdings nicht immer so. Und so ärgere auch ich mich, wenn ich ungefragt Presseinfos zu Themen bekomme, mit denen ich nun gar nichts am Hut habe. Es gibt also nach wie vor Unternehmen und Agenturen, die in dieser Hinsicht nicht sehr professionell vorgehen.

Doch selbst wenn von Seiten der PR alles richtig läuft, läuft nicht immer alles rund. Diese andere Seite hat gerade eben Robert Basic beleuchtet. Er erklärt, warum die Zusammenarbeit und die Kommunikation mit Bloggern unberechenbarer sein kann als mit Journalisten, deren Beruf es ist, mit Informationen umzugehen und diese zu verarbeiten. Da haben Unternehmen gegenüber Bloggern wohl manchmal zu hohe Erwartungen – wenn sie schon viel Energie in den Aufbau einer persönlichen Beziehung mit Bloggern stecken.

Das aber tun eben einige Unternehmen und Agenturen nicht und verstehen nach wie vor Blogger als Adressaten, die halt den Presseverteiler komplettieren. Hiervor warnt auch Stefanie Weyrauch:

Vorsicht beim massiven E-Mailen ist bei Bloggern noch viel mehr als bei anderen Journalisten geboten: Denn wenn ein Blogger genervt ist und negativ über sie schreibt, bleibt das für alle Zeit im Netz stehen. (…) Der persönliche Kontakt zwischen Journalisten / Bloggern und PR-Verantwortlichen ist immer am wertvollsten und durch nichts zu ersetzen. Mein Fazit: mehr auf Personal Relations im Bereich der Public Relations setzen.”

Im Zimpel-Blog ist nun unsere Unterhaltung zum Bloggen und zu Blogger Relations erschienen. Einen Auszug daraus veröffentliche ich auch hier.

Stefanie Weyrauch: Als Professor für Online-PR kennen Sie ja beide Seiten bestens. Was empfehlen Sie PR-Profis zum Umgang mit Bloggern?

TP: Nach wie vor empfinde ich es am glaubwürdigsten, wenn die PR-Leute selbst aktiv Social Media nutzen und z.B. selbst bloggen. Blogger Relations beginnen aus meiner Sicht damit, dass man etwas Interessantes auf seiner eigenen Plattform sagen kann – noch lange bevor man Blogger direkt anspricht. Für mich lautet die Aufgabe: Vernetzen statt pitchen. Klar kann man manchmal auch Blogger direkt ansprechen. Während allerdings Journalisten als professionelle Kommunikatoren gewohnt sind, mit PR-Leuten und vielen Infos der PR umzugehen, ist das bei Bloggern oft nicht so. Insofern kann es sein, dass Blogger auf eine direkte Ansprache ganz unterschiedlich reagieren. Und natürlich gibt es ein paar Dinge, die einen respektvollen Umgang miteinander kennzeichnen.

Stefanie Weyrauch: In welcher Form und mit welchen Anliegen sollten PR-Leute Blogger kontaktieren?

TP: Zum Beispiel, wenn es etwas zu korrigieren gibt. Es ist natürlich hundert mal besser, wenn PR-Leute ein direktes Gespräch suchen anstatt dass gleich die Hausjuristen aktiviert werden, falls sich in einen Blogbeitrag einmal falsche Fakten oder ein anderes Problem einschleichen.
Weitergehend kann es sich anbieten, Kontakt aufzunehmen, wenn sich offensichtliche Anknüpfungspunkte ergeben. Dazu sollte man sich die Themen und Interessen eines Bloggers genauer anschauen und auch, ob erkennbar ist, ob eine Kontaktaufnahme gar nicht gewünscht ist. Das ist zu respektieren.
Über die Anknüpfungspunkte hinaus ist natürlich die Frage, was man zu bieten hat, wenn man jemand nahe kommen möchte, der womöglich privat und ohne alle kommerziellen Interessen im Netz aktiv ist. Und damit meine ich nicht Vergünstigungen oder ähnliches. Statt dessen sollte man sich fragen, warum genau sich ein Blogger mit meinem Thema befassen sollte. Eine Presseinfo, die von klassischen Medien vielleicht im Dutzend 1:1 übernommen wird, ist für Blogger oft gerade langweilig. Statt dessen muss man schon andere Perspektiven eröffnen können, sprich: die Presseinfo und schon gar die ungefragte Aufnahme in Presseverteiler sind in der Regel die schwächsten Strategien der Kontaktaufnahme.

Stefanie Weyrauch: Ist es überhaupt sinnvoll mit PR-Themen oder Pressemitteilungen Blogger zu kontaktieren?

TP: Da scheiden sich die Geister. Manche PR-Leute erzählen mir, dass sie damit gute Erfahrungen gemacht haben. Und auch viele Blogger haben keine Probleme damit. Manchmal ist es sogar so, dass Blogger von Unternehmen Vorab-Informationen bekommen, die sich dann sehr schnell verbreiten können.
Wenn ich mal von mir ausgehe: Als Blogger interessiere ich mich für Pressemitteilungen kaum. Ich bin zwar in ein paar Verteilern drin (für die ich mich ausnahmslos selbst entschieden habe), aber meist empfinde ich die Meldungen als belanglos. Ein kleiner persönlicher Hinweis auf ein Thema ist mir da oft lieber, vorausgesetzt, ich kann dann bei Interesse tiefer eintauchen.

Stefanie Weyrauch: Warum sollte man keinen Blogger ungefragt in seinen Verteiler aufnehmen?

TP: Aus dem selben Grund, aus dem viele Menschen in der Fußgängerzone nicht angequatscht werden möchten.

Stefanie Weyrauch: Sehen Sie Blogger als Multiplikatoren für die Meinungsbildung?

TP: Jeder, der öffentlich kommuniziert, beteiligt sich an Meinungsbildung. Das Ausmaß hängt natürlich von vielen Faktoren ab, beispielsweise von der Vernetzung oder Reputation einer Person.

Stefanie Weyrauch: Wie hat sich die Blogosphäre Ihrer Meinung nach in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt?

TP: Zunächst: Mein Eindruck ist, dass einige Hypes in der Wahrnehmung mancher die Entwicklung der Blogs überlagert haben. Aber aus meiner Sicht sind die Produkte der Online-Journalisten sowie die Blogs das Öl der digitalen Öffentlichkeit. Hier entstehen die Inhalte, die zu einem wichtigen Teil andere Plattformen wie Twitter, Google+ oder Facebook in Bewegung halten. Ohne die deutschsprachige Blogosphäre systematisch betrachtet zu haben, ist mein Eindruck, dass sich sie sich entwickelt und vor allem ausdiffernziert hat – und dass trotzdem viele Blogs auf großes Interesse stoßen.

Stefanie Weyrauch: Was geben Sie Ihren Studenten in Bezug auf Blogger und Online-PR mit auf den Weg?

TP: Zwei Dinge sind mir wichtig: Dass sie sich auf diesen Kulturraum einlassen und Teil der Party werden anstatt wie Blumenverkäufer kurz mal aufzutauchen, um gleich weiter zu ziehen. Und zum anderen, dass Online-PR dennoch strategische Kommunikation ist. Das setzt unter anderem voraus, Ziele zu formulieren und Strategien zu entwickeln, um diese zu erreichen.

(Foto von nicephone, Lizenz: CC BY 2.0)

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