Dass die Situation in Birma nach dem Zyklon Nargis vor einigen Tagen nach wie vor katastrophal ist, ist allgemein bekannt. Die Ärzte ohne Grenzen (Österreich) wollen helfen und bitten um Spenden. Und wie ich finde, betreiben sie dazu sehr zeitgemäßes Online-Fundraising. Aufmerksam geworden bin ich auf die Fundraising-Aktion über Twitter - und zwar durch einen Aufruf der Organisation selbst, die Twitter seit einigen Wochen als Kommunikationskanal nutzt. Ein paar Minuten später haben andere Twitter-Nutzer meines Netzwerkes das Thema weiter getragen. Genau das ist das Ziel der Kampagne: Im Mittelpunkt der Fundraising-Aktion steht die Idee, Blogger und andere Bewohner des Web in die Kampagne einzubinden und zur Word of Mouth-Kommunikation zu bewegen. Hierzu gibt’s natürlich eine Microsite, auf der Material zur Verfügung steht - beispielsweise verschiedene Banner.
Elegant empfinde ich, dass die erwähnte Microsite “Schnelle Hilfe wirkt” dauerhaft im Netz ist und über eine Menge Social Media Features verfügt: Da kann man mit Hilfe von Google Earth sehen, wo Mitarbeiter der NGO unterwegs sind, es gibt einen Podcast, Handy-Downloads, einen Newsletter, den Twitter-Feed, die einfache Möglichkeit der E-Mail-Weiterleitung und den restlichen Social Media-Schnickschnack. Damit ist der Aufwand für einen aktuellen Spendenaufruf gering: Aktuelle Flickr-Bilder, eine Erklärung der Aktion und die entsprechenden Banner genügen, so dass für die Fundraising-Kommunikation in der heißen Projektphase nicht zu viele Kräfte gebunden sind. Gleichzeitig entsteht ein hoher Wiedererkennungswert, wenn Fundraising-Aktionen immer auf “Schnelle Hilfe wirkt” ihre Heimat haben. Ein wichtiger Aspekt wurde übrigens auch bedacht: Links als Währung des Social Web. Denn wer über die Kampagne berichtet, wird auf der Microsite erwähnt und verlinkt.
Insgesamt aus Kommunikationssicht eine gut gelungene Aktion, der man viel Erfolg wünschen kann. Nur einen kleinen Schönheitsfehler habe ich entdeckt. Doch womöglich ist der nicht ganz unbedeutend: Ich vermisse auf der Fundraising-Seite die allerneuesten Informationen zur Situation vor Ort, und zwar aus Sicht der NGO. Denn da gerade bei dieser Katastrophe für die Öffentlichkeit (und die Organisationen) zum großen Teil unklar bleibt, ob und wie unter den politischen Rahmenbedingungen die Hilfe funktioniert, ist der Informationsbedarf potenzieller Spender mit Sicherheit besonders groß. Dieses Problem hat sich in den letzten Stunden verschärft: Denn im Moment macht die Meldung die Runde, dass die Vereinten Nationen ihre Hilfe ausgesetzt haben, da die Junta die letzten beiden UN-Lieferungen konfisziert habe. Auf der Website der Ärzte ohne Grenzen steht jedoch unter “Aktuelles” noch ein Artikel vom 6. Mai, in dem vom Anlaufen der Hilfe die Rede ist. Dies kann von potenziellen Spendern als unbefriedigend wahrgenommen werden. Selbst wenn aktuell aus dem Krisengebiet kein Bericht möglich ist, würde ich mir doch konkretere Informationen zu den Prinzipien der NGO in solch schwierigen Situationen direkt auf der Fundraising-Microsite wünschen.
[Korrektur, 17:20 Uhr: Während ich diesen Beitrag geschrieben habe, wurde eine Presseinformation veröffentlicht. In ihr wird erklärt, dass die MSF die Birma-Hilfe verstärken. Da die Info nicht direkt auf der Fundraising-Seite eingebunden ist und inhaltlich nicht auf die die heute dominierenden Medienberichte eingegangen wird, löst dies aus meiner Sicht das beschriebene Kommunikationsproblem noch nicht vollständig.]
Bei Opel gibt’s ein neues Themenblog, das von zwei Testingenieuren gefüttert wird. PR-Blogger Klaus Eck hat den PR-Manager Ulrich Weber von Opel dazu befragt.
Einmal mehr das Thema Praktika in der PR: Daniel Krolzik argumentiert, unfaire Praktikumsangebote “versauen den Ruf der PR”. Sehr richtig. Solche Agenturen sollte man unbedingt mit CSR-Konzepten beauftragen
Am Beispiel der Auseinandersetzung um eine mögliche Zerschlagung von TUI zeigt der Spindoktor sehr schön, wie das so ist, wenn Gegner sich in der Öffentlichkeit bekämpfen und ihre PR-Agenturen in Front bringen.
John Cass: “A group of students from the University of Oregon have been reviewing Fortune 500 company blogs for their Advanced PR writing class.” Ebay, Microsoft, Nike & Yahoo
Mehrere Twitter-Accounts zu registrieren kann Ärger vermeiden und sogar für Rollenspiele recht nützlich sein. Wie das? Gerade habe ich mir neue Twitter-Accounts angelegt. Auslöser ist Robert Basic, der berichtet, dass in eBay bereits eine Twitter-Adresse versteigert wird. Also habe ich mir zur Sicherheit einen Account mit meinem Namen und einen für das Textdepot gesichert. Nicht, weil ich glaube, dass damit Geld zu verdienen wäre, sondern weil ich Ärger vermeiden und nicht möchte, dass dies jemand anderes macht. Wichtiger wäre natürlich, dass die Eigentümer von Marken dies tun. Ja, hatte ich schon mal gesagt. Dieser Tage ist mir denn nach dem Fall der Fake-Identität zur Berliner Morgenpost ein weiterer Markenname in Twitter begegnet, der vermutlich von einer Privatperson gegriffen wurde.
Doch was hat das nun mit den Rollenspielen auf sich? Damit will ich sagen, dass mit unterschiedlichen Twitter-Accounts durchaus Sinnvolles anstellen kann: Einen meiner neuen Accounts möchte ich privat lassen, die Beiträge sind also nur für den von mir definierten Kreis lesbar. Den “Textdepot”-Account werde ich (irgendwann) entweder zum Konferenz-Twittern, vielleicht aber auch für Lehrveranstaltungen verwenden. So kann ich (der sozialen Netzwerktheorie folgend) für unterschiedliche Rollen unterschiedliche Netzwerke pflegen. Dass ich bei weitem nicht erste mit einer solchen Idee bin, ist auch klar: Sebastian Keil zum Beispiel hat insgesamt schon sieben Twitter-Accounts registriert. Er verfolgt dabei eine ähnliche Strategie: Zum Beispiel nutzt er einen Account für seine Agentur, einen privat und geschützt, einen anderen, um englisch zu schreiben, zwei weitere nutzt er für Kunden.
Mein Standardaccount bleibt natürlich http://twitter.com/tp_da - wer mag, ist herzlich eingeladen, sich mit mir dort zu vernetzen.
strappato hat Indizien gesammelt, die dafür sprechen, dass die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie (DGBT) vom Pharmaunternehmen Allergan als Astroturfing-Instrument gesteuert wird. Ziel: Botox-Verkauf (gegen Falten)
Olaf Kolbrück fasst eine Studie von Universal McCann zur weltweiten Nutzung von Social Media zusammen. Demnach lesen drei von vier Onlinern Blogs und mehr als jeder zweite ist in einem Social Network.
“The John D. and Catherine T. MacArthur Foundation Series on Digital Media and Learning examines the effect of digital media tools on how people learn, network, communicate…” Eine Sammlung sehr interessanter Artikel (open Access)
Die einen machen sich darüber lustig - ich finde es lustig. Nein, eigentlich ist es eine absolut spannende Idee, die sich hinter 1000mikes verbirgt. Was genau ist diese Idee? Man wählt eine Festnetznummer, erzählt etwas, und es ist live im Netz. Und als MP3-Datei im Online-Archiv; einen Feed gibt’s auch. Vermarktet wird der kostenlose (und in Deutschland entwickelte) Dienst als Talk Radio 2.0, sozusagen als neue Form des Bürgerfunks. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass man diesen Ansatz z.B. auch in Online-Redaktionen oder Radiosendern nutzen könnte.
Als ich über 1000mikes gestolpert bin, musste ich erst mal an eine fast vergessene Erfahrung aus meinem Studium in grauer Vor-Web-Zeit denken: Da hatte uns ein erfahrener Reporter des Bayerischen Rundfunks auf den Marktplatz der netten Kleinstadt geschleppt und uns die Aufgabe gegeben ohne Vorbereitung mindestens eine Zwei-Minuten-Reportage ins Mikrofon zu sprechen. Da lernt man, wie lang zwei Minuten sein können. Wer es aber geschafft hat, diese zwei Minuten ohne Stammeln zu überbrücken, war der Held. Ich bin bekanntlich nicht beim Radio gelandet. Etwas später aber besuchte ich für eine Nachrichtenagentur Pressekonferenzen. Die Herausforderung war eine Ähnliche: Unmittelbar nach Abschluss ein Telefon finden und möglichst druckreif eine Meldung abzusetzen, die dann von einer Assistentin getippt und nahezu im selben Moment versandt worden war.
Vergangene Zeiten. Aber warum eigentlich? Noch habe ich 1000mikes nicht probiert, aber die Idee, mit Hilfe des Handys eine kurze Reportage oder Meldung abzusetzen - oder gar ein Interview zu machen, finde ich spannend (ein ähnlicher Service ist Utterz, mit dem Kollege Heinz Wittenbrink in Graz experimentiert). So etwas kann natürlich einen eigenen Podcast ergeben. Vielleicht wieder als eine hübsche Übung für Studenten. Denn: Warum soll multimediales Publizieren im Online-Journalismus immer die Integration von Video bedeuten? Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch Audio-Live-Berichte journalistische Konzepte gut ergänzen könnten. Themen dafür könnte ich mir genügend vorstellen: Von der G8-Demo über das Fußballspiel bis zum Unfallbericht. Je nach Spielart könnte es sich um Berichte professioneller Journalisten handeln, oder man öffnet das Ganze für alle Interessierten. In diese konzeptionelle Richtung geht derzeit übrigens SWR2, wo Interessierte mit eigenen Beiträgen ins Radioprogramm kommen können:
“Mit dem DOKUBLOG fordert SWR2 alle Feature-Macher und O-Ton-Jäger auf, sich daran zu beteiligen. Bürgerjournalisten, unabhängige und professionelle Autoren finden hier eine gemeinsame Plattform und zugleich den Weg in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.”
Doch zurück zu 1000mikes: Eigentlich könnte man die Idee noch ein bisschen weiterspinnen. Man stellt einen mit 1000mikes/Utterz o.ä. erstellten Podcast mit dem PhoneCaster bereit. Dieser Dienst bewirkt, dass man Podcasts unter einer Festnetznummer “anrufen” kann. Wenn das nicht wirklich mobiles Radio ist - vom Handy zu vielen anderen Handies, deren Eigentümer wieder zu Sendern werden können. Schöne Grüße an Herrn Brecht…
Ein Blog für eine allseits bekannte Marke zu konzipieren, ist keine einfache Aufgabe. Henkel hatte nun diesen Mut und ein Weblog zu “Persil” aufgesetzt. Nicht trivial ist das Ganze, weil sich die Frage stellt, wen man mit einem Markenblog überhaupt ansprechen möchte. Die Kunden, die am Regal die richtige Wahl treffen sollen? Dann: Geht es um Kundengewinnung oder um Markenloyalität? Und vor allem: Wie funktioniert Dialog in der Markenkommunikation (wer bloggt, will ja einen Dialog)? Wer will mit oder über Marken kommunizieren? Gar zu einem Waschmittel?
Offenbar steht hinter dem Blog eine Entwicklung, die den Markenmanagern große Sorgen machen dürfte: Gerade bei Persil (und dem Weißen Riesen) scheinen die Stammkunden in Höchstgeschwindigkeit abzuwandern. [edit, 29.4.:2008: Brand Manager Tobias Feix sagt, das stimme so nicht, bitte Kommentare unten beachten] Die Kommunikationsleute sind also gefragt, und neue Ideen müssen her. Ich vermute, dass so (neben vermutlich vielen anderen Ideen) die Idee zum Blog geboren wurde. Doch wie kann dieses funktionieren?
Eine Strategie wäre, radikal auf Unterhaltung zu setzen (Brand Entertainment), ähnlich wie das VW mit der Kunstfigur Horst Schlämmer getan hatte - mit dem bekannten Ergebnis: Millionen Downloads der Videos, TV-Auftritte und jüngst auch Preise für’s Konzept. Produkte finden in einer solchen Kommunikation meist nur am Rande statt, viel wichtiger ist die Emotion.
Henkel ist einen anderen Weg gegangen: Im Persil-Blog scheint es darum zu gehen, eine Themenmischung zu finden, die recht nah am Produkt bleibt. Dazu gehören beispielsweise Blicke hinter die Kulissen (z.B. eines Fotoshootings) und Brancheninformationen bzw. Informationen zum Thema Waschen. Vom bisher Geschriebenen ist der Werbeblogger zumindest ziemlich enttäuscht. Sein Urteil: “Blass und ausgewaschen.”
Gebloggt wird bei Henkel ähnlich wie bei Daimler von mehreren Mitarbeitern aus dem Unternehmen - von der Praktikantin über die Marktforscherin bis zum Brand Manager. Allerdings scheint mir die Personalisierung ein wenig zurückhaltend - ähnlich wie man sich zum Konzept ein wenig bedeckt hält. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass man mit etwas zu viel Vorsicht ein neues Spielfeld betritt und deshalb auch erstmal den Lesern nicht ganz über den Weg traut: Die müssen sich registrieren, damit sie kommentieren dürfen. Auf Kommentare wird allerdings prompt geantwortet - auch, wenn es um Kritik am Blog geht. Und dass Kritik gleich veröffentlicht wird, ist sicher ein gutes Zeichen dafür, dass es mit dem Dialog ernst gemeint ist. Mal sehen, wohin das Ganze führt, beispielsweise auch im Vergleich zum Business Blog von Coca Cola, wo der Chefhistoriker das Blog füttert.
(gefunden im Twitter-Strom des Daimler-Bloggers Uwe Knaus)
Thomas Mrazek hat eine Menge Links rund um Online-Journalismus zusammengetragen - eigentlich für ein Seminar, aber netterweise auch im Blog veröffentlicht
Da haben wir uns gerade wieder über den Missbrauch von Facebook-Nutzern als Testimonials für Werbezwecke beruhigt, schon werden Wissenschaftler für die PR von Energiekonzernen eingespannt - zum Teil ebenfalls ungewollt. Sehr unappetitlich.
Ist die Generation Praktikum am Ende? Wird aus ihr die Generation Karriere? Wahrscheinlich ist beides nicht ganz richtig. Aber wenn ich mir die Ergebnisse unserer gerade eben veröffentlichten Absolventenstudie anschaue, kann ich unter angehenden (Online-)Journalisten doch einigen Optimismus verbreiten. Unter PR-Leuten natürlich auch, was aber weniger überraschen dürfte. Obwohl: Offensichtlich ist’s für die PRler sogar ein kleines bisschen mühsamer, in den Job einzusteigen, zumindest am Anfang. Insgesamt steigt nur ein Viertel unserer Absolventen mit einem Praktikum, einem Volontariat oder einer Traineestelle in den Job ein. Erstaunlich: Journalismus-Absolventen tun sich sogar etwas leichter, gleich in eine richtige Stelle zu kommen als PR-Leute. Deshalb verdienen die OJs zumindest als Berufseinsteiger gleich etwas besser.
Worauf diese Zahlen beruhen? Gemeinsam mit einigen Studenten hat mein Kollege Klaus Meier die gut 100 Absolventen unseres Studiengangs Online-Journalismus befragt, 81 haben teilgenommen. Wichtige Ergebnisse:
“Sie arbeiten zu 42 Prozent im Journalismus, zu 34 Prozent in der PR und zu 21 Prozent in anderen Berufen, verdienen überwiegend zwischen 500 und 2.500 Euro netto, sind fast alle mit ihrem Job „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ (91 Prozent) – und sie würden sich zu 73 Prozent wieder für den Studiengang Online-Journalismus entscheiden.”
Auch schön: Mehr als jeder dritte unserer Studenten hatte schon während des Studiums eine Zusage für die erste Stelle, knapp weitere 50 % waren nach einem halben Jahr im Job. Klaus Meier betont, dass dies dem Branchentrend klar widerspricht und zitiert das Dortmunder Journalistik-Journal:
„Berufseinsteiger müssen sich oft jahrelang mit unbezahlten Praktika und freier Mitarbeit durchkämpfen, um bei künftigen Arbeitgebern einen Fuß in die Tür zu bekommen.”
Der Grund für die Diskrepanz liegt im Wörtchen “online”: Dass unsere Absolventen gerade den Studiengang Online-Journalismus belegt hatten, war eines der wichtigsten Einstellungskriterien. Und wie ist das mit den PR-Leuten, also jenen, die den PR-Schwerpunkt im Studiengang wählen? Die allermeisten sind bei Unternehmen und Agenturen beschäftigt, also vorwiegend in der Profit-Kommunikation. Wichtig auch die Frage, was sie dort genau tun: Nur die wenigsten sind ausschließlich mit Online-PR beschäftigt; jeder zweite steckt maximal 30 Prozent seiner Arbeitszeit in die Online-Kommunikation. Das bestätigt unseren Ansatz, im optionalen PR-Schwerpunkt zunächst ein fundiertes grundlegendes PR-Wissen zu vermitteln - mit einem daran anknüpfenden intensiven Blick auf die Online-PR.
Was mich als PR-Ausbilder nicht befriedigt, ist die Tatsache, dass die PR-Absolventen eher nochmal eine Lehrrunde (Volontariat, Traineestelle) einlegen müssen als die Journalisten, obwohl beide Gebiete im Aufwind sind. Nach meiner Interpretation dürfte das zwei Gründe haben: Zum einen habe ich den Eindruck, dass viele PR-Arbeitgeber nicht nur aus sachlichen, sondern zu oft aus wirtschaftlichen Gründen an Traineeships und Volontariaten festhalten. Zum anderen merke ich immer wieder, dass einige Arbeitgeber mit einer akademischen PR-Ausbildung noch nichts anfangen können und unsere Absolventen erst einmal mit Quereinsteigern, die im Studium keine PR-Qualifikation erworben haben, gleichstellen wollen.
Zwei Ansätze innerhalb der Didaktik empfinde ich derzeit als besonders spannend: Da ist zum einen der des Konnektivismus von George Siemens, zum anderen “Lernen durch Lehren“. LdL, wie der Ansatz oft genannt wird, findet sich inzwischen in vielen Lehrplänen und hunderte von Lehreren setzen ihn ein. Was sich hinter LdL genau verbirgt, hat der Vordenker dieses Ansatzes, Jean-Pol Martin (Uni Eichstätt) nun in einem Videointerview erklärt.
Kern des Ansatzes ist, wie man vermutet, dass Schüler/Studenten nicht frontal mit Wissen zugeschüttet werden sollen, sondern sie sich in Gruppen einzelne Themen erarbeiten und dann didaktisch aufbereiten und den anderen in der Klasse vermitteln sollen. Das Lernen geschieht demnach besonders gut, wenn man die Inhalte selbst gut vermitteln kann. In der Didaktik ist da gern von gemeinsamer Wissenskonstruktion die Rede. Auf dem EduCamp in Ilmenau hat JPM seinen Ansatz vorgestellt. Wie er mir schrieb, gab es einige Diskussionen um die von ihm genannten Voraussetzungen und die benutzten Begriffe: Entscheidend ist aus seiner Sicht für den Erfolg des Lernens die Sinnfrage. Das heißt, Lernende sollen aus jeder Aufgabe, die sie erhalten, für sich einen Sinn erkennen können. Damit zusammen hängt wesentlich die Motivation. In der Konsequenz möchte Martin Lernen als Weltverbesserung verstehen: “Wissen muss zu Handlungen führen”, fordert er und meint damit Handlungen, die an irgend einer kleinen Stelle etwas zum Besseren verändern. Sein Optimismus: “Menschen wollen Gutes tun.” Besonders gut gelingt dies, wenn Wissen radikal geteilt wird (weshalb er fast nur im Internet publiziert). Sein Verständnis: “Wir sind Neuronen!”
“Es hat sich nun eine starke Gruppe gebildet, die “Weltverbesserungsprojekte” startet und wir treffen uns im Juni in Ludwigsburg” (JPM per Mail)
Disclosure: Ich kenne Martin schon lange, und zwar aus der Zeit, als die PR für die Eichstätter Uni verantwortet habe. Damals habe ich JPM nicht nur als Person schätzen gelernt, sondern war auch von seinem Ansatz fasziniert: Ein Professor, der sich von seinen Studenten via Internet durch New York manövrieren lässt oder seine Schüler im Französisch-Unterricht nicht stur Vokablen pauken, sondern Online-Dossiers zu aktuellen Themen Frankreichs erarbeiten lässt, ist natürlich bemerkenswert. Herausgekommen sind nicht nur schöne Themen, die mir als PR-Menschen Spaß machten, sondern manches Bruchstück, das ich damals kennen lernte, kann ich heute einsetzen, da ich selbst zum Prof. geworden bin - obwohl JPMs Arbeit damals wie heute von manchen als ziemlich abgedreht wahrgenommen wurde. Oder weil?
Seit Dienstag gibt es ein neues PR-Blog. Gestartet wurde es von PR-Tochter ots der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Wenn ich es richtig sehe, begeben sich die fünf Autoren mit dem Bloggen in neue Gewässer. Viel Erfolg dabei!
Eigentlich bin ich gar kein so großer Fans von Videos im Netz. Doch heute bin ich gleich auf zwei gestoßen, die mich wirklich beeindruckt haben. Eines von Greenpeace, eines von amnesty international. Beeindruckt haben mich die Filme, weil sie aus meiner Sicht die Kommunikationsziele zweier Kampagnen hervorragend unterstützen.
Bei Greenpeace geht es um den Schutz des Regenwaldes in Indonesien - und darum, Unilever mit dessen Zerstörung zu konfrontieren. Der Vorwurf: Unilever kaufe für die Kosmetikmarke Dove Palmöl bei Lieferanten ein, die den indonesischen Regenwald zerstören. Das Video transportiert das in knapp 1:30
Da wird alles eingesetzt, was man sich von einem Clip wünscht, wie meine Studenten heute früh herausgearbeitet haben: Emotion, Personalisierung, Storytelling, Schock, Konfrontation und - zwei Überraschungen: Dialogbereitschaft und Humor. Humor? Ja, das Ganze ist eine Antwort auf einen bekannten Dove-Clip:
Dass der Greenpeace-Spot sehr erfolgreich ist, zeigt sich beispielsweise auf viralvideochart (kannte ich noch nicht, via gwa): Platz 5 in der 24 Stunden-Kategorie. Natürlich macht ein Video noch keine Kampagne, deshalb gibt es bei Greenpeace hier mehr zum Thema: Gemäß dem Open Campaigning-Ansatz können Besucher u.a. eine Petition abschicken, das Video bzw. das Thema viral verbreiten, etwa via Facebook, Digg oder mit vorgefertigten Bannern.
Auch bei amnesty wird die Beteiligung von Usern an der aktuellen Kampagne unsubscribe-me angestrebt. Hier steht im Video die Schockbotschaft gegen die Foltermethode des Waterboarding (via Basic Thinking) im Vordergrund (SpOn-Artikel dazu). Einen Teil zum Schockerlebnis trägt sicher bei, dass der Film nicht nur im Netz zu sehen ist und dort gestartet werden muss, sondern auch in britischen Kinos laufen wird - egal, ob man ihn sehen möchte oder nicht.
Helferlein für junge Selbständige: Lukas Schlömer stellt kurz den Projektkalkulator aus Österreich vor, mit dem Grafiker, Webworker, PRler oder andere Selbständige zu einer hoffentlich realistischen Kalkulation von Projekten kommen
Ähnlich wie Ning erlaubt Tribax den Aufbau von Social Networks. Einfachere sind kostenlos, es gibt auch Premium-Modelle. Und ich gestehe: ich wurde über Twitter dazu gepitcht. Da es hierher passt, ist das für mich ok.
Christiane berichtet kurz über den Wiki-Einsatz bei den beiden Unternehmen. V.a. bei Fraport scheint das Wiki im Alltag eine wichtige Rolle im Wissensaustausch zu spielen
Zwei Podcasting-Veranstaltungen wurden abgesagt - ein Zeichen für nachlassendes Interesse an Business Podcasting? Berechtigte Frage: Ein Zeit lang meinten Berater, Unternehmen seien an Podcasting eher interessiert als an Blogs…
Ein Artikel als Familientreffen, und inhaltlich ein guter Überblick zur Frage, wie die Blog-Kultur den Journalismus beeinflusst - oder wie der Journalismus von ihr profitieren könnte.
Julius Endert erklärt den Vertretern der alten Medienwelt, warum Social Networks auch für Verlage so interessant sein könnten. In der Tat: Wenn schon Greenpeace und Dove eigene Networks aufbauen, warum schlafen dann die Verleger?
Wer länger bloggt, kennt das Problem vermutlich: Martin Oetting hat mal einen kritischen Beitrag geschrieben, aber nun seine Meinung geändert. Doch was tun mit dem veralteten Text? Fazit der Diskussion: Nicht löschen, aber korrigieren.
Wieder mal: Facebook hat einen großen Teil der Netzgemeinde verärgert. Ungefragt wurde mit den Namen szenebekannter Mitglieder geworben. Auf Druck wurde das nun abgestellt; von einem Preis für Krisen-PR sind sie aber meilenweit entfernt.
Auf dem Fundraising-Kongress hat gestern die Berufsorganisation der professionellen Spendenwerber, einen Ethik-Kodex verabschiedet. Nach dem enormen Vertrauensverlust in das Fundraising, den vor allem Unicef ausgelöst hatte, geht es den Nonprofit-Organisationen nun darum, Vertrauen zurückzugewinnen. Dass der 19 Punkte umfassende Kodex für ethisches Fundraising bei einer Enthaltung einstimmig angenommen wurde, ist sicher ein wichtiges Zeichen, das der Deutsche Fundraising-Verband da setzen konnte. Wie zu erwarten, war die Frage von Provisionszahlungen an Spendenwerber am intensivsten diskutiert worden, wird aus der Diskussion berichtet.
Im Wortlaut ist der Kodex bei menschenfischer.net nachzulesen. Ich will nur auf einzelne Aspekte kurz eingehen. Zunächst war ich erstaunt, im Kodex Dinge zu lesen, die ich für absolut selbstverständlich halte (z.B. Achtung der Menschenwürde, Orientierung an Recht und Gesetz), bei anderen Punkten denke ich, ist es gut, dass sie formuliert sind (z.B. Transparenz, keine Vorteilsnahme, Respektierung der Privatsphäre, Datenschutz). Am wichtigsten jedoch ist aus meiner Sicht, dass es einen Schiedsausschuss geben soll, dessen Rolle ich ähnlich sehe wie die von Presserat oder PR-Rat: als oberste Beschwerdeinstanz für alle, die den Eindruck haben, dass eine Organisation gegen die Grundsätze verstoßen hat.
Doch die Frage der Bezahlung von Fundraisern scheint mir mit der jetzigen Formulierung des Kodex noch nicht dauerhaft geklärt zu sein. Im Kodex heißt es unter Punkt 14:
“Vergütung
Wir treten ein für eine leistungsgerechte Vergütung aller entgeltlich im Fundraising Tätigen und die transparente Handhabung von Vergütungsmodellen. Eine Vergütung überwiegend prozentual ohne Begrenzung zum Spendenerfolg und zu akquirierten Zuwendungen lehnen wir ab.”
Damit ist betont, dass Fundraising nicht ausschließlich ehrenamtlich funktioniert, sondern dass da in den meisten Fällen (und zu Recht) Profis am Werk sind, die entsprechend bezahlt werden müssen. Hier gibt es bekanntlich unterschiedliche Modelle. Während manche Organisationen nur mit fest angestellten Fundraisern arbeiten, die meist ähnlich wie im öffentlichen Dienst entlohnt werden, existieren auch Dienstleister, die sich ganz auf Mitglieder- bzw. Spendenwerbung konzentrieren, und schließlich gibt es noch die besonders umstrittenen Provisionsmodelle (pdf). Dass diese besonders problematisch sind, gesteht offenbar auch der Verband zu, weshalb von einer Deckelung die Rede ist- allerdings durch eine wie ich finde sehr, sehr weiche Formulierung. Ob das als vertrauensbildende Maßnahme genügt?
In der Kommunikationspraxis würde ich mir jedenfalls wünschen, dass auf der Website einer Spenden sammelnden Organisation Ross und Reiter benannt werden. Dazu gehören aus meiner Sicht u.a. die Satzung der Organisation, eine nachvollziehbare Rechnungslegung (Einnahmen, Ausgaben, Verwaltungsanteil), laufende Projektberichte und schließlich die Offenlegung des Bezahlungsmodells der Fundraiser. Dann kann sich jeder Spender selbst sein Bild machen.
... ist eine private Website von Thomas Pleil. Ich sammle hier Versatzstücke zu den Themen, die mich (beruflich) am meisten beschäftigen: Public Relations, Medien und ab und zu ein bisschen Marketing. Und wer mag, erfährt auf den Seiten oben ein wenig mehr über meine Arbeit.