Das Textdepot

Entries categorized as 'Akademisches'

Wissenschaftsblogs: Posten mit Siegel? Eher nicht.

13 April 2008 · 15 Comments

Unter einigen Wissenschaftsbloggern wird gerade ein “Siegel” diskutiert, mit dem Blogposts versehen werden können, die sich mit Artikeln beschäftigen, die in Reviewed Journals erschienen sind. Wer mitmachen möchte, registriere sich unter germanresearchblogging.org. Ich werde das allerdings erst mal nicht tun, da ich von der Sache (noch?) nicht überzeugt bin.

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, was Sinn der Übung ist. Tobias Maier, einer der Initatoren, schreibt dazu in seinem Blog WeiterGen:

“Für den Leser ist mit diesem Gütesiegel sofort erkennbar, dass der Eintrag sich fundiert mit rezensierten Quellen aus anerkannten Magazinen auseinandersetzt, und trotzdem eine individuelle Leistung des Blogautors ist, also nicht nur wiedergegeben wird, was sowieso schon in der Originalveröffentlichung steht.”

Ich kann dies nur begrenzt teilen. Meiner Meinung nach ist es noch kein Zeichen von Qualität, wenn ich als Autor einen Beitrag mit einem Logo versehe. Das ist nicht mehr als eine Orientierung und vielleicht vergleichbar mit einer Kategorie im Blog oder mit Tagging. Das ist sicher nützlich, aber dann von einem Gütesiegel für Blogposts oder von Qualität zu sprechen, geht mir wirklich zu weit. Und etwas anderes, das in dieser Idee mitschwingt, ist mir nur begrenzt sympathisch: Ich werde den Eindruck nicht los, dass hier assoziiert werden soll, dass wissenschaftliche Qualität nur in Peer Reviewed Journals zu finden ist. Ja, das ist ein großes Fass, und schon viel wurde hierüber diskutiert. Meine Meinung dazu nur ganz kurz: Ich respektiere Peer Review als einen (!) Ansatz der Qualitätskontrolle, sehe dort aber auch Schwächen und schon gar keinen Absolutheitsanspruch. Anders ausgedrückt: Wissenschaftlich gute Arbeit entsteht an so vielen verschiedenen Stellen, dass ich Blogbeiträge nicht deshalb hervorheben möchte, weil sich sich mit einem Artikel in einem solchen Journal beschäftigen. Vielleicht ist meine Abneigung gegen die Logoidee (es ist IMO kein Siegel) auch eine Frage der Wissenschaftskultur. Für die Naturwissenschaften etc. kann ich nicht sprechen. Doch in der Kommunikationswissenschaft wie auch in den Sozialwissenschaften allgemeiner wird aus meiner Sicht auch außerhalb von Journals oft genug gute Forschung publiziert. Immer häufiger geschieht das auch mehrstufig - erst auf der eigenen Website, dann (meist mit Monaten Verzögerung) im Journal. Zumindest für mein Gebiet traue ich mir aber zu, auch Forschung zu beurteilen, die (noch) nicht dem Review-Prozess unterworfen wurde.

Natürlich kann man die Logoidee auch als einen Ansatz interpretieren, die interne Wissenschaftskommunikation zu verbessern. Diesen Wunsch kann ich nachvollziehen. Allerdings gefällt mir dazu die Idee besser, den Diskurs dort zu ermöglichen, wo die Originalveröffentlichung steht - in den Journals selbst (die idealerweise online mit Open Access verfügbar sind). Marc hatte dazu die selbe Idee, die ich vor einiger Zeit in eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) eingebracht habe: Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel in blogähnlichen Onlinejournals mit Kommentar- und Trackbackmöglichkeit. Randbemerkung: Bin gespannt, ob und wie das Konzept eines solchen Open Access-Journals auf der Jahrestagung der DGPuK Ende Anfang Mai diskutiert wird.

Und wie handhabe ich das mit dem Thema Wissenschaftlichkeit im Textdepot? Da ich mich im Sinne der Hard bloggin Scientists eher als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis/Öffentlichkeit und als Teilnehmer eines offenen (!) Diskurses sehe, aber auch ab und zu eher Wissenschaftliches aufgreife, nutze ich für Letzteres die Kategorie “Akademisches“. Dort finden sich mal Literaturvorstellungen, mal eigene Papers, Tagungshinweise  oder auch auch Vorüberlegungen, die ich später in wissenschaftliche Publikationen einbaue bzw. - je nach Diskussionsverlauf - verwerfe. Vorgenommen habe ich mir übrigens, mich hier im Blog ein bisschen häufiger mit wissenschaftlichen Publikationen zu beschäftigen - wenn ich es zeitlich schaffe.

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Online-PR: Forschungsüberblick

7 April 2008 · No Comments

Mit dem wissenschaftlichen Publizieren ist das manchmal so eine Sache: Da setzt man sich einige Tage oder gar Wochen hin, schreibt einen Artikel, der in einer Zeitschrift oder in einem Sammelband erscheinen soll. Man freut sich, wieder eine kleine Nische mit Inhalten zu füllen. Aber der Texte erscheint nicht. Der Erscheinungstermin des Buches wird verschoben. Immer wieder. Man vergisst den Artikel. So ging es Christoph Neuberger (Uni Münster) und mir. Am Wochenende hatte mich nun ein Bekannter daran erinnert, dass wir vor zwei (!) Jahren einen Text zu Online-PR geschrieben hatten, aber der damals angekündigte Sammelband noch immer nicht erschienen ist. Wir haben keine Ahnung, wie viele Autoren für den Sammelband schon etwas geliefert haben. Jedenfalls haben wir beschlossen, das Ganze endlich online zu stellen - und zwar auf einfachstem Weg, hier im Blog.

Wir hatten versucht, einen Überblick zur ersten Dekade der deutschsprachigen Forschung zu Online-PR zu geben. Außerdem haben wir eine Definition zu Online-PR gegeben, die ich hier schon einmal vorgestellt hatte. Dass ein Text von vor zwei Jahren nur begrenzten Wert hat, ist klar - andererseits haben Forschungsbilanzen zumindest den Vorteil, dass sie einen klar umrissenen Zeitraum abdecken; und vielleicht findet der ein oder andere Diplomand einen nützlichen Literaturhinweis darin oder Ähnliches. Fertigstellung des Manuskriptes war jedenfalls Januar 2006.

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Neue Literatur zum Web 2.0 (und PR)

25 März 2008 · 5 Comments

Es ist höchste Zeit, dass ich kurz drei neue Bücher zum Socialweb vorstelle, die noch ziemlich frisch auf meinem Schreibtisch liegen. Das Schöne ist, dass sie aus mehreren Perspektiven mit verschiedenen Zielen geschrieben sind. Klar ist, dass das Mitmachweb ganz unterschiedliche Disziplinen beschäftigt und ihnen reichlich Nahrung gibt. Denn es hat beispielsweise auf die öffentliche Kommunikation genauso Auswirkungen wie auf Wertschöpfungsprozesse.

Letztere stehen beim ersten vorzustellenden Werk im Vordergrund: “Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien” heißt der von Bertold Hass, Gianfranco Walsh und Thomas Kilian von der Universität Koblenz-Landau herausgegebene Sammelband. Der Band hat eine klare betriebswirtschaftliche Ausrichtung. In ihm werden viele Grundlagen zum Web 2.0 erläutert - beispielsweise auch Geschäftsmodelle von Social Networking-Plattformen. Aber wenn die Autoren von “Medien” sprechen, dann meinen sie die Wertschöpfung von Medienunternehmen - etwa die Frage, wie User-Generated Content in diesem Sinne genutzt werden kann und dass Marketing absatzsteigernd wirken soll, ist klar. Fragen der Öffentlichkeit werden dagegen nur am Rande angesprochen. Neben Grundsatzartikeln wartet der Band auch mit einigen Fallbeispielen zum Einsatz von Web 2.0-Anwendungen in Unternehmen und Verwaltung auf. Aus meiner Sicht ist das Buch besonders für Marketing-Leute in der Praxis interessant. (Eine Rezension von mir erscheint dazu in der nächsten “Publizistik“.)

Ebenfalls an Praktiker wendet sich Melanie Huber (Blog) mit “Kommunikation im Web 2.0″. Sie spricht allerdings eindeutig PR-Leute an. Hier geht es ganz praktisch um einen Überblick zu Web 2.0, dessen Anwendungen und deren Bedeutung für die PR. Wer erfahren möchte, wie das mit Podcasts, RSS, Twitter etc. funktioniert und wie dies die PR verändert, findet bei Huber nicht nur Erklärungen, sondern auch Beispiele zuhauf. Man merkt: Die Autorin kennt die Entwicklungen der vergangenen Monate im Detail. Bezüge zu eher theoretischen Diskussionen oder zur Forschung allgemein sind dagegen die Ausnahme. Als Zielgruppe würde ich PR-Praktiker sehen, die gerade ins Thema einsteigen, es verstehen wollen und Anregungen für die eigene Arbeit suchen.

Ebenfalls noch ziemlich frisch aus der Druckerpresse ist das zweibändige Werk “Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web”, herausgegeben von Ansgar Zerfaß (Blog), Martin Welker (beide Uni Leipzig) und Jan Schmidt (Bredow-Institut, Blog). Das Ganze ist in der Reihe “Neue Schriften zur Online-Forschung” der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) erschienen. Hier geht es also klar um Forschung, genauer: Um eine Bestandsaufnahme der Forschung zum Social Web. Der erste Band dreht sich um die Grundlagen des Social Web: den Wandel von Öffentlichkeiten, “aktive Rezipienten” (seltsamer Begriff, stammt aus der Überschrift einer Rubrik - ich hätte “aktive Nutzer” erwartet) sowie um das Social Web als Forschungsinstrument. Im zweiten Band wird dagegen die Forschung zu praktischen Anwendungen vorgestellt: Der Bogen reicht von der journalistischen Recherche im Netz über Medienwatchblogs bis zu Social Software in politischen Kampagnen oder Podcasts, Wikis und Co. in der Unternehmenskommunikation. Beide Bände zusammen genommen sind sicherlich Pflicht für alle, die sich wissenschaftlich mit dem Social Web beschäftigen, der zweite Band ist aber auch für Praktiker, die den Einsatz von Social Media in Redaktionen, Unternehmen oder der Politik planen, interessant.

Hier noch die kompletten bibliographischen Angaben:

  • Hass, Berthold; Walsh, Gianfranco; Kilian, Thomas (Hrsg.) (2008): Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien, Berlin, Heidelberg: Springer, 348 Seiten, 64,95 Euro.
  • Huber, Melanie (2008): Kommunikation im Web 2.0, Konstanz: UVK, 226 Seiten, 24,90 Euro.
  • Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 1: Grundlagen und Methoden - Von der Gesellschaft zum Individuum, Köln: Herbert von Halem, 400 Seiten, 27,50 Euro
  • Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 2: Strategien und Anwendungen: Perspektiven für Wirtschaft, Politik und Publizistik. Köln: Herbert von Halem, 496 Seiten, 29,50 Euro

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Euroblog 2008: Letzte Vorbereitungen

12 März 2008 · No Comments

Morgen beginnt in Brüssel die Konferenz “Euroblog 2008“, der Koffer will gepackt werden. Freue mich schon auf viele Vorträge und natürlich noch mehr auf gute Gespräche. Für alle, die nicht dabei sein können: Philippe Borremans wird hier live berichten.

Spannend ist die Konferenz, die sich mit dem Einsatz von Social Media im Kommunikationsmanagement befasst, aus meiner Sicht vor allem wegen ihrer Internationalität: In den ersten beiden Jahren stellte die Konferenz einen europäischen Austausch her, diesmal wird auch die Brücke über den Atlantik geschlagen, und es sind einige Größen aus den USA dabei, u.a. David Weinberger (Fellow Harvard Berkam Center), Tim Macmahon (NY University), Steve Rubel (Edelman) und Frank Ovaitt (Institute for Public Relations). Ein Panel wird es übrigens auch zum Thema Lehre geben.  Bin schon sehr gespannt.

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Schwimmende Vielfalt - oder: von der Medienkompetenz zur Unternehmenskultur zur PR-Theorie

29 Februar 2008 · 5 Comments

Manchmal ist es schon seltsam: Da arbeitet man fleißig vor sich hin, sitzt an den unterschiedlichsten Aufgaben, doch zum Bloggen entsteht eine seltsame Distanz. So jedenfalls ergeht es mir alle paar Wochen und so auch jetzt. Um den etwas lockerer gewordenen Faden etwas anzuziehen, will ich die für mich in der letzten Woche bemerkenswerten Erlebnisse und Diskussionen kurz rekapitulieren - beginnend mit Workshops bis zur Frage nach Tools für die Lehre.

Workshops zum Socialweb mit Praktikern machen mir großen Spaß. Einerseits, weil ich dort die typischen Fragen und Sorgen der Praxis erfahre, andererseits, weil sie mir als Seismograph für die Wahrnehmung des Themas dienen. So ging es mir auch vergangenen Freitag, als ich mit etwa 50 Leitern diakonischer Einrichtungen (von Kinderwohngruppen  über Pflegeheime bis zur Suchtberatung) in Schleswig-Holstein diskutierte. Obwohl die meisten von Social Networks, YouTube oder Blogs nur von ihren Kindern gehört hatten, war von der Ablehnung, die ich noch vor einem Jahr zumindest in Teilen solcher Gruppen zu spüren bekam, nichts mehr übrig. Obwohl den meisten die Welt des sozialen Netzes heute noch so fremd ist wie vor Monaten, wird dessen Bedeutung offenbar intensiver wahrgenommen. User Generated Content wie etwa Produktbesprechungen und -bewertungen, aber auch Blogs werden als Realität wahrgenommen. Und auch der Wert sozialer Netze, die mit Hilfe des Internet gepflegt und ausgebaut werden können, scheint weitgehend akzeptiert zu sein. Ein großer Teil der spannenden Diskussion drehte sich um die Frage der Orientierung in diesen Informationsfluten. Und hier waren wir uns einig, dass dies nur vordergründig eine Frage von Hilfsmitteln wie RSS oder von persönlichen Netzwerken zur Informationsselektion ist, sondern dass hier elementare Fragen der Medienkompetenz und eines bereits entstandenen digitalen Grabens aufgeworfen werden.

Am Montag ging es in Stuttgart mit einem Blogworkshop bei der Daimler AG weiter. Eine studentische Gruppe hatte sich die ersten drei Monate das Mitarbeiterblog von Daimler vorgeknöpft und beobachtet, wie es diskutiert wurde und wie es sich entwickelt hat. Diese Ergebnisse haben die Studenten vorgestellt. Daimler-Blogger Mario Jung hat seine Eindrücke hier notiert. Mein Part war vor allem, aus den Analysen Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Blogs abzuleiten. Vieles hatten die Studierenden schon sehr gut herausgearbeitet: Allein thematische Interessen der Leser - etwa nach Ausbildungs- und Berufsthemen - lassen sich mit den üblichen Statistiktools hervorragend identifizieren. Weitergehende Vorschläge betrafen die Aufbereitung von Beiträgen. Zur langfristigen Entwicklung des Konzeptes wurde natürlich auch diskutiert. Doch letztlich bin ich nicht in der Rolle des Beraters hier tätig, das Konzept des Blogs entstand aus der Zusammenarbeit von Daimler mit Edelman und wird in dieser Konstellation auch weiterentwickelt.

Spannend an der Diskussion im Workshop waren vor allem die Fragen der Organisations- und der Kommunikationskultur. Und hier ist Daimler mit dem Blog schon recht weit: Denn es ist für Unternehmen alles andere als selbstverständlich, Kommentare nicht erst vorzuzensieren (ich kenne Unternehmen, bei denen unliebsame Kommentare einfach nicht freigeschaltet werden) oder in der Blogroll auch auf Wettbewerber zu verlinken. Auch die grundsätzliche Idee, die traditionelle One-Voice-Policy zu ergänzen durch Mitarbeiterstimmen, ist ein bemerkenswerter Schritt. Allerdings - das nochmal zum Thema Kultur - entsteht generell durch solche Strategien in den Unternehmen erst einmal das große Problem, dass Mitarbeiter, die bisher möglichst wenig sagen sollten, plötzlich gefragt sind, und das sogar nach außen hin sichtbar. Das verwirrt manchen erst einmal ziemlich, und es muss intern erst verstanden werden, warum man nun so handelt, wie man es mit dem Blog begonnen hat. Vor allem für das mittlere Management scheint das ein Kulturschock zu sein. Die Angst vor Kontrollverlust scheint hier am größten.

Andere Themen dieser Woche waren die drei Semesterprojekte, die ich für die nächste Generation PR-Studenten vorbereitet habe. Beschäftigt hat mich übrigens wieder einmal die Frage, mit welchen Tools wir im kommenden Semester arbeiten. Habe mir dazu einen Zugang zum gerade eben vorgestellten Wiki von Google geholt (nicht verwirren lassen: Google nennt das Produkt Sites). Was mir daran auf ersten Blick gefällt, ist die Möglichkeit, Seiten wie in einem Blog zu kommentieren und Dateien hochzuladen. Ganz wie bei Zoho übrigens. Doch hierzu und zu den Projekten demnächst mehr. Denn ich will noch auf einen anderen, eher theoretischen Aspekt eingehen. Für eine kleinere Publikation bin ich gerade dabei, ein Kapitel zu PR-Theorie zu schreiben. Und dabei fiel mir ein Artikel von Klaus Merten in die Finger (pdf), in dem er drei Phasen der Entwicklung der PR unterscheidet:

  • In der ersten Phase ging es vor allem darum, Botschaften einer Organisation – und damit Partikularinteressen – für Medien so aufzubereiten, dass diese in den dortigen Produktionsprozess möglichst nahtlos integrationsfähig sind (Pressemitteilungen).
  • In der zweiten Phase beginnt dann die Differenzierung der Öffentlichkeiten, es geht also darum, nicht mehr jeden zu erreichen.
  • In der dritten Phase schließlich wird die Bedeutung der internen Kommunikation erkannt und es nimmt „die Differenzierung der PR in interne und externe PR Gestalt an“ (Merten).

Inzwischen, so bin ich überzeugt, sind wir schon wieder weiter: Die Differenzierung zwischen interner und externer PR ist bereits weitgehend wieder obsolet. Das zeigt sich übrigens auch am Daimler-Blog, das die Grenzen zwischen interner und externer Kommunikation aufhebt. Dies lässt sich übrigens auch an den Besucherstatistiken zeigen. Doch kennzeichnend für die gerade beginnende vierte Phase der PR-Entwicklung ist aus meiner Sicht, dass sie zunehmend von der Online-Kommunikation geprägt ist und diese sich dadurch auszeichnet, dass nun direkte und wechselseitige Kommunikationskanäle zwischen Organisationen und neu entstehenden Mikroöffentlichkeiten entstehen, die in Wechselwirkung zu den klassischen massenmedialen Öffentlichkeiten stehen.

So, genug PR-Geschichte und genug Geschichten für diese Woche…

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Konferenz: Politik und Web 2.0

18 Februar 2008 · No Comments

Beginnen wir die Woche mit einem Konferenzhinweis: Am 17. und 18 April 2008 findet an der University of London die Konferenz “Politics: Web 2.0” statt. Das Programm (pdf) ist zwar noch vorläufig, verspricht aber spannend zu werden, denn es wird ein Bogen von Politikkommunikation bis hin zu Partizipation im Netz geschlagen. Mit dabei ist neben zahlreichen Forschern u.a. Micah Sifri, Mitgründer des Personal Democracy Forums und des Gruppenblogs TechPresident, das die Webkommunikation der Kandidaten im Präsidentschafts-Vorwahlkampf der USA begleitet. Übrigens ist die Teilnahme an der Konferenz nicht exorbitant teuer: Inklusive einer Übernachtung kostet sie 159 Pfund.

Weitere Quellen:

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YouTube, Flickr und Co. im Abwind?

13 Februar 2008 · 3 Comments

Christiane Schulzki-Haddouti hat sich angeschaut, wie sich große File Sharing Communities entwickeln. Damit gemeint sind Plattformen, in die man Videos, Fotos, Musik, Präsentationen etc. hochladen und mit anderen teilen kann - also z.B. die YouTubes, Flickrs oder Slideshare. Überrascht stellte sie fest, dass einige große Anbieter stagnieren bzw. der Traffic sogar rückläufig ist. Fragt sich, was das bedeutet.

Christiane meint:

“Das Wachstum hat sich nicht nur verlangsamt, nein, es hat sich in einen schleichenden Niedergang verwandelt. Merke: “User Generated Content” generiert nicht automatisch steigende Nutzerzahlen.”

Und Nicole Erksmeier fragt ausgehend davon in ihrem Blog:

“Könnte es vielleicht sein, dass die Nutzer doch keine langfristige persönliche Befriedigung aus der Herstellung und Beschäftigung mit User-Generated-Content herausziehen können?”

Ich bin mit solchen Schlüssen sehr vorsichtig. Zunächst bin ich nicht sicher, ob es wirklich genug Anhaltspunkte gibt, um von einem Niedergang von File Sharing Plattformen zu sprechen. Und User Generated Content wiederum findet auch an vielen anderen Stellen statt. Auch innerhalb des Segements der File Sharing Communities lässt die Entwicklung großer Anbieter wie YouTube noch nicht auf das Gesamtfeld schließen. Und das wird nach meiner Beobachtung immer größer, es gibt immer mehr me-too-Plattformen (oder gar Klone). Einzubeziehen wären in eine systematische Analyse z.B. auch Communities, die sich an eine ganz spezielle Zielgruppe wenden und/oder an andere Angebote angedockt sind. Ich denke da zum Beispiel an Lesercommunities von Verlagen. Es kann theoretisch sein, dass es unter dem Strich also dennoch zu einem Plus kommt und nur die Platzhirsche in ihrer Bedeutung relativiert werden.

Hinzu kommt: Woran könnte man einen “Niedergang” festmachen? Am monatlichen Traffic? An einer abnehmenden Nutzungshäufigkeit der bisherigen User (und damit an geringer werdender Bindung)?

Ich habe leider keine Gelegenheit, solchen Fragen im Moment nachzugehen, deshalb mache ich es mir einfach und stelle hier ein paar Hypothesen zur aktuellen Entwicklung von File Sharing Communities zur Diskussion:

a) Die Zeiten des rasanten Wachstums von File Sharing Communities sind vorbei, es ist in ihrer Nutzung eine weitgehende Sättigung eingetreten.
b) Die Zahl der Plattformen hat sich in den vergangenen Monaten erhöht und wg. a) ging dies auch zu Lasten der etablierten Plattformen.
c) Für einen Teil der Nutzer von File Sharing Communities zählt deren Nutzung zur selbstverständlichen sozialen Praxis.
d) Ein anderer Teil der Nutzer hat sich nach einer Phase des Experimentierens gegen diese Adaption entschieden; die Accounts dieser Nutzer bleiben zwar erhalten, bringen aber kaum Traffic.

Vielleicht sind das ja ein paar hilfreiche Bruchstücke für jemanden, der in dieser Richtung forschen möchte.

Der Transparenz halber: Christiane ist Mitarbeiterin im Projekt Kooptech meines Kollegen Lorenz Lorenz-Meyer.

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Social Media im Wissensmanagement (CfP)

31 Januar 2008 · No Comments

Wie Social Media im Wissensmanagement genutzt werden können, ist Thema eines eigenen, ganztägigen Slots der diesjährigen Triple-I-Konferenz der TU Graz, die von 3. bis 5. September 2008 stattfindet. Gerade eben wurde der Call for Papers (pdf) veröffentlicht. Spannend finde ich die Konferenz, weil sich aus meiner Sicht durch die Nutzung von Social Media bisher getrennte Funktionen wie Unternehmenskommunikation, Innovationsmanagement oder Recruiting immer enger verzahnen müssen. Beispiele wie Dells Idea Storm, GMnext oder Gruppen innerhalb von Social Networks mit engem Bezug zu Unternehmen bzw. Marken, machen diese Herausforderung deutlich. Bin gespannt, wie dieser Aspekt in Graz diskutiert wird.

Wer in diesem Umfeld arbeitet, kann bis 14. April 2008 ein Full Paper einreichen. Die Palette der gewünschten Themen zeigt einen sehr interdisziplinären Ansatz, denn eingereicht werden können:

  • “Procedures and practices of implementing Social Media in enterprises and at the interface to the outside world of an enterprise
  • Social Media in different business processes such as marketing, product development, training, innovation, or customer relationship
  • Social Media in individual and collaborative work
  • Value analysis of Social Media
  • Social Network Analysis
  • Economic and social theories explaining Social Media issues
  • Integration of social software with mobile devices
  • Cross-linkage of Social Media applications
  • Social Media business models”

Ein Lesetipp für alle, die sich tiefergehend mit Social Media beschäftigen, sind übrigens die beiden dicken Konferenzbände aus dem Vorjahr, die hier kostenlos als Download zur Verfügung stehen.
Disclaimer: Ich bin Mitglied des Programm-Komitees der Konferenz (will heißen: ich darf einige der eingereichten Papers begutachten).

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Geisteswissenschaften: Zukunft im Netz

6 Januar 2008 · 3 Comments

Ein Lesetipp: “Wieder einmal müssen alte Zöpfe fallen” ist ein sehr empfehlenswerter Artikel von Stefan Heidenreich in der aktuellen taz überschrieben. Er hat sich zum gerade beendeten Jahr der Geisteswissenschaften Gedanken zum Status derselben gemacht und sieht ihre Bedeutung ähnlich bedroht wie es die Theologie vor 200 Jahren war - unter anderem von den Wirtschaftswissenschaften, die versuchten, das Thema Kultur mit der ihnen eigenen Brille zu vereinnahmen. Heidenreichs Ausweg ist das Netz, durch das sich die Geisteswissenschaften wandeln könnten:

“Der Schauplatz der Lösung liegt im Netz. Denn es treibt nicht nur den kulturellen Wandel an, sondern bildet auch das Fundament künftiger Wissenschaften. Das Netz ist nicht die Gefahr, sondern die Gelegenheit für die Geisteswissenschaften, wahrscheinlich die letzte Gelegenheit zur Rettung, wenn man es dramatisch sehen will.

(…)

Die Aufgaben sind einfach und schlicht: das Netz als Organisationsform von Wissen und Lehre ernst nehmen. Geschichte nicht als Selbstzweck, sondern Vergegenwärtigung betreiben. Und endlich der Theologie eine Absage erteilen: Rezeption also wieder an die Produktion binden, Wissen und Handeln vereinen.”

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Konferenzen und Rufe nach Papieren

6 Dezember 2007 · 6 Comments

Da sind die Stapfen des Nikolaus noch kaum verwischt, schon wird man von der Konferenzplanung für das nächste halbe Jahr erwischt. Gleich sechs Veranstaltungen sind mir in den vergangenen Tagen unter gekommen, und für mehrere laufen nun die Calls for Paper. Wer sich also beteiligen möchte: Nur zu. Was steht im Angebot?

  • Euroblog (13.-15. März 2008, Brüssel): Hier geht es wie in den Vorjahren um den Austausch zwischen Forschung und PR-Praxis. Bis zum 7. Januar muss ein Abstract eingereicht werden. Im internationalen Programmkomittee ist u. a. Ansgar Zerfaß, Uni Leipzig, vertreten. Veranstaltet wird das Symposium von der European Public Relations Education and Research Association.
  • IAOC-Konferenz (12./13. Juni 2008, Reykjavik): IAOC steht für “The International Association of Online Communicators”, und auch hier geht es um einen Austausch zwischen Forschern und Praktikern der Online-Kommunikation. Wie lange der Call for Papers noch läuft, wurde mir jedoch nicht klar.
  • DGPuK-Jahrestagung (30. März - 2. April 2008, Lugano): Hier trifft sich die deutschsprachige wissenschaftliche Community der Publizistik und Kommunikationsforschung. Bis 1. März können noch Papers für offene Panels eingereicht werden, der reguläre Call ist seit einer Weile abgeschlossen.
  • European Communication Summit (24./25. April 2008, Brüssel): Der Gegenpol zur DGPuK, denn dort treffen sich PR-Praktiker aus Europa.
  • EduCamp (18.-20. April 2008, Ilmenau): Keine klassische Konferenz, sondern ein Barcamp, und zwar v.a. zur Frage, wie neue Web-Formate in die Lehre integriert werden können. Wird u.a. von Steffen Büffel organisiert und steht im Geiste der LdL-Idee (Lernen durch Lehren).
  • PolitCamp (30./31. Mai 2008, Graz): Heinz Wittenbrink organisiert dieses BarCamp, das die politische (Online-)Kommunikation zum Thema hat.

Tja, eine hübsche Auswahl - und ich fürchte, die muss ich innerhalb dieses Angebots treffen. Zeit- und Reisebudget werden Abstriche erfordern. Und ich verspreche: Ich werde meine Besuche am wenigsten von den Tagungsorten abhängig machen ;-)

Erstaunt hat mich übrigens, wie oft das Lernen mit bzw. die Lehre über Web 2.0-Tools thematisiert wird. Mal sehen, vielleicht klinke ich mich hier ein bisschen ein.

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Wissenschafts-Café: Eine Heimat für wissenschaftliche Blogs

5 November 2007 · 1 Comment

Seit heute gibt es einen zentralen Anlaufpunkt für alle, die sich für wissenschaftliche Blogs interessieren: Das Wissenschafts-Café. Sehr schön, Marc - und ganz herzlichen Dank! Vor einigen Wochen hatte Robert gefragt, wo denn Wissenschaftler in der Blogosphäre zu finden seien - das Wissenschafts-Café kann nun Orientierung schaffen:

“Denn das »Wissenschafts-Café« ist Treffpunkt von bloggenden Wissenschaftlern und allen anderen, die an Blogs mit wissenschaftlicher Ausrichtung Interesse haben. Blogs, die bislang nur für Insider auffindbar waren, sollen von nun an hier etwas prominenter präsentiert werden. Das Café soll also auch ein Schaukasten sein, in dem gestöbert werden kann und soll…”

Sehr wichtig dabei: Es kommt auf den Inhalt (”eine wissenschaftliche Akzentsetzung”), nicht auf den Status der Autoren an ;-)

Und was bietet das neue Portal? Neben der thematisch gegliederten Übersicht zu wissenschaftlichen Blogs (wächst bestimmt noch) gibt es einen Newsticker, eine Tagcloud, eine Bewertungsfunktion und daraus resultierend ein kleines Ranking. Und alles ganz ohne große Sponsoren oder Apparate. Freue mich, dass wissenschaftliche Themen nun nach außen eine bessere Sichtbarkeit bekommen, aber auch, dass so neue Vernetzungsmöglichkeiten der akademischen Blogger untereinander entstehen.

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Nachhaltigkeit der Dax 30 im Netz: Lieber kein Dialog

29 Oktober 2007 · 4 Comments

In einer vor kurzem veröffentlichten Studie wurde ein Teil die Online-PR von Dax 30-Unternehmen unter die Lupe genommen. Genauer gesagt: Die Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Netz wurde untersucht. Erste Erkenntnis: Außer der Deutschen Börse stellen die Dax-30-Unternehmen solche Informationen im Netz bereit. Dass solche Informationen für die Reputation von Unternehmen zunehmend wichtig sind, dürfte angesichts der Diskussion um den Klimawandel und größer werdende Konsumentengruppen, die auf mehr als Qualität und Preis Wert legen (die Lohas), unstrittig sein. Doch was sind die Ergebnisse der Studie? Sagen wir es so: Überwiegend wird Web 1.0 State of the Art angeboten. An den Dialog mit den Stakeholdern im Netz traut sich noch kaum jemand. Doch dazu später mehr.

Immerhin bei der Hälfte der Unternehmen sind die Themen Nachhaltigkeit bzw. CSR von der Startseite aus nur einen Mausklick entfernt und nicht in irgendwelchen Tiefen des Webauftrittes versteckt. Und selbstverständlich ist es nun auch, dass die Texte nicht einfach per copy & paste von einer gedruckten Vorlage in die Website eingefügt werden, sondern internet-gerecht aufbereitet werden. Übrigens stehen in der Kategorie Informationsangebot BASF, Henkel und Bayer auf dem Treppchen.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die wirklichen Potenziale des Netzes wenig genutzt werden: 18 der 29 Unternehmen bieten erst gar keine aktuellen Informationen an, sondern offerieren ein sehr statisches Angebot. Thema Multimedia: Neun Unternehmen liefern nur Texte, sparen sich sogar Grafiken und Bilder! 15 Unternehmen bieten zumindest diese Selbstverständlichkeit, während fünf Unternehmen Audio- und/oder Videoelemente anbieten. Positiv überrascht mich dafür, dass nur fünf Unternehmen auf externe Verlinkungen verzichten. Das ist immerhin ein erster Schritt in Richtung Vernetzung, wenn auch noch kein wirklicher Dialog. Der wird (wenn überhaupt) offenbar lieber am runden Tisch Face-to-Face oder in der Gemeindehalle geführt. Im Netz haben die Forscher bei allen Unternehmen weder Umfragen noch konkrete Angebote zur Diskussion (z.B. in Foren Chats oder Blogs) vorgefunden. Überwiegend wird als Rückkanal nur ein Mail-Kontakt angeboten.

Zu Web 2.0 schreiben die Autoren (S. 22):

“Nur wenige Unternehmen haben bisher erkannt, dass das so genannte Web 2.0 nicht nur unter einem Risikogesichtspunkt, sondern auch als Quelle von Chancen für die Unternehmensentwicklung sowie Nachhaltigkeitskommunikation und -berichterstattung betrachtet werden kann. Auf internationaler Ebene haben einige Unternehmen damit begonnen, die Möglichkeiten des Web 2.0 als Ergänzung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und anderen bekannten Instrumenten der Stakeholderkommunikation zu erproben.”

Konkrete Web 2.0-Elemente setzt nur die Allianz ein, die mit der Knowledge Partnersite ein recht spannendes Portal geschaffen hat, das u.a. RSS, Multimedia, Tagging, Bewerten von Artikeln und Feedback zu Artikeln erlaubt.

Und was sind nun die Best-Practice-Beispiele aus der Studie? Die Autoren nennen fünf Unternehmen:

Die Beispiele werden in der Studie kurz besprochen (pdf-Download). Konzipiert und durchgeführt wurde die Studie von einer Forschergruppe des Instituts für Um-weltkommunikation (INFU) und des Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg bestehend aus Prof. Dr. Gerd Michelsen, Dr. Jasmin Godemann (beide INFU) und Christian Herzig (CSM) sowie Moritz Blanke (UPJ).

Tipp für Diplomanden etc.: Es lohnt sich auch die Studie mit methodischer Brille näher anzuschauen. Sie zeigt sehr schön, wie Web-Angebote analysiert und verglichen werden können: Definiert werden dabei fünf große Kategorien (Usability, Informationsmanagement, Hypertextualität, Dialogangebot, Prozess), die dann mit konkreten Maßnahmen ausgefüllt werden. Je nachdem, ob und mit welcher Qualität ein Angebot vorhanden ist oder nicht, gibt es null bis drei Punkte.

Mehr zum Thema:

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Lobbying und PR: Tagung im November

29 Oktober 2007 · 3 Comments

Im Juli hatte ich auf eine sehr spannende Tagung zu Lobbying und PR in Ingolstadt hingewiesen. Damals musste sie verschoben werden. Sie findet nun am 23. und 24. November 2007 statt, die Anmeldefrist läuft. Was mir am Konzept dieses zweiten Weltinnenpolitischen Colloquiums gefällt, ist die Betrachtung des Themas aus den unterschiedlichsten Richtungen. Unter anderem wird Rudolf Speth (FU Berlin) Think Tanks vorstellen, Vertreter von Vattenfall, Reemtsma, Audi werden aus Unternehmenssicht ihre Positionen zur Diskussion stellen, während Bund Naturschutz, das Internationale Konversionszentrum und die Münchner Tafel Lobbying für Nonprofit-Themen beleuchten. Aus PR-Sicht für mich besonders interessant: Die internationalen Nichtraucher-Kampagnen der EU-Kommission. Die Organisation der Tagung liegt bei Prof. Dr. Ulrich Bartosch von der Katholischen Uni Eichstätt-Ingolstadt und Jochen Wagner von der Evangelischen Akademie Tutzing.

> Tagungsflyer Lobbying und PR (pdf)

Disclaimer: Ich war mehrere Jahre an der Eichstätter Uni beschäftigt; mit Ulrich Bartosch verbindet mich u.a. ein gemeinsames Seminar zu Nonprofit-PR.

Categories: Akademisches · PR · Politik
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PR-Forschung: Das Elend mit den Rezipienten

7 Oktober 2007 · No Comments

Es ist schon erstaunlich: Da forschen wir über PR-Instrumente und -Strategien, über Krisen, Produktkommunikation und noch vieles mehr - doch über die Rezipienten der PR wissen wir immer noch nur bruchstückhaft Bescheid. Auch nach der Tagung “Wer kommuniziert, wer rezipiert?“, von der ich gerade zurückkehre. Dabei handelte es sich um die Jahrestagung der Fachgruppe PR/Organisationskommunikation innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), die in diesem Jahr an der FU Berlin stattgefunden hat. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich empfand die Tagung als sehr anregend und wohl gelungen. Dennoch hat sie ein Schlaglicht darauf geworfen, wie jung die PR-Wissenschaft ist und wie groß die Lücken in der Forschung sind. Es ist ja auch ganz schön, zu wissen, dass es noch viel zu tun gibt…

Ein Perspektivwechsel war Idee der Tagung, zu der sich deutschsprachige PR-Forscher getroffen haben: Diesmal sollte es eben nicht um die instrumentelle Sichtweise der PR-Treibenden gehen, sondern die Rezipienten sollten im Mittelpunkt der Tagung stehen. Ich möchte diese an dieser Stelle nicht zusammenfassen, sondern ein paar subjektive Eindrücke diskutieren.

Höchst bedenkenswert für die Zunft begann die Tagung mit der Keynote von Anna-Maria Theis-Berglmair aus Bamberg. Ihr Ausgangspunkt: Kommunikation, von der wir ja immer als PR-Aufgabe sprechen, ist ein offener Prozess. Herrscht darüber generell Einigkeit, so dürfte dies jedoch die Frage provozieren, ob und wie PR da denn überhaupt funktionieren könne. Theis-Berglmair jedenfalls folgerte, dass “gezielte Kommunikation als Illussion” gesehen werden könne. Ein Problem, das schon vor vielen Jahren in der Forschung diskutiert wurde, aber nach meinem Eindruck im (Praxis-)Alltag von vielen inzwischen wieder verdrängt wurde. In den achtziger Jahren wurde deshalb v.a. von Roland Burkart Verständigung als bescheidenes PR-Ziel definiert, was im Zweifel weit von Einverständnis entfernt sein kann. Ulrike Röttger hat 2005 dann die Legitimationsfunktion der PR gegenüber Anspruchsgruppen betont: Die Anspruchsgruppen sollten, so das postulierte PR-Ziel, die Interessen einer Organisation als legitim ansehen.

Ob und wann dies gelingt, wurde jedoch auf der Tagung kaum weiter thematisiert. Spannend wäre in diesem Zusammenhang u.a. die Frage, wie Rezipienten PR-Aktivitäten wahrnehmen und welche Bedingungen sie schaffen, unter denen Organisationen überhaupt kommunizieren. Zwar wurde oft das Web 2.0 angesprochen, beispielsweise als eine Möglichkeit, ein Thema oder eine Organisation von viel mehr Seiten unter die Lupe zu nehmen als bisher (Theis-Berglmair). Oder als Möglichkeit der schnelleren Aktivierung von Teilöffentlichkeiten (Diana Ingenhoff/Ulrike Röttger). Fragen der Mediennutzung generell und der damit verbundenen Erwartungen, Fragen des Vertrauens gegenüber diesen Medien oder gegenüber Organisationen oder gar Fragen zur Wirkung medialer Inhalte scheinen jedoch noch ein weitgehend weißes Gebiet auf der Forschungslandkarte der PR zu sein - obwohl es zumindest zu Teilfragen durchaus Studien gibt (z.B. das Edelman Trust Barometer, die Studien Massenkommunikation oder die ARD-/ZDF-Online-Studie). Sie scheinen jedoch im akademischen Umfeld zumindest unter den genannten Aspekten noch wenig analysiert zu werden. Eine andere spannende Frage: Wie denn eine 1:1 abgedruckte Presseinformation in der Lokalzeitung oder im Wirtschaftsmagazin von deren Lesern wahrgenommen wird - oder eine Medienpartnerschaft.

Natürlich gab es auf der Konferenz wichtige konzeptionelle Überlegungen und spannende Teilergebnisse. So führte z.B. Stefan Wehmeier (Greifswald) den Neo-Institutionalismus in die Diskussion ein, ein Ansatz, der Organisationen aus Sicht der Umwelten betrachtet. Eine der wenigen Analysen aus Rezipientensicht präsentierte Jochen Hoffmann (Bern): Er befragte die Leser einer Verbandszeitschrift zu deren Erwartungen an das Medium. Dies ist besonders spannend, da Corporate Publishing-Produkte ja im Zwischenfeld zwischen PR und Journalismus angesiedelt sind. Meine Erkenntnis daraus: Die Leser wollen in einer solchen Zeitschrift nicht hauptsächlich Selbstdarstellung der Organisation (schon gar nicht Top Down-Kommunikation vom Vorstand), sondern auch viele Informationen zum Gebiet, in dem die Organisation tätig ist - und dies am besten aktuell und mit genügend Unterhaltung versetzt. Aus Sicht des Nutzers kann also eine journalistische Funktion einer solchen Zeitschrift angenommen werden und aus Sicht der Organisation eine PR-Funktion (v.a. Identifikation).

Ein interessanter Aspekt noch zur Pressearbeit: René Seidenglanz hat Mittler zum Rezipienten, also Journalisten, zur Glaubwürdigkeit der Pressearbeit von drei großen Unternehmen befragt. Sein Ergebnis: Die meisten Journalisten halten von PR insgesamt recht wenig, schätzen aber doch die PR-Leute, mit denen sie regelmäßig zu tun haben und halten diese für ziemlich glaubwürdig - wobei Fachjournalisten diese Glaubwürdigkeit in der Tendenz höher einschätzen, während sich Wirtschaftsjournalisten lieber gleich an den Vorstand halten. Nett übrigens: Der Forscher hat von einzelnen Redakteuren ob seiner Befragung erboste Mails bekommen. Tenor: Die Befragungsergebnisse mögen hoffentlich den nervenden und unglaubwürdigen PR-Leuten als Denkzettel dienen. Die Ergebnisse der Studie geben diesen Denkzettel jedoch bei weitem nicht her.

Genauere Zahlen und ein vollständiges Bild von der Tagung gibt es demnächst, wenn die Vortragsfolien online sind. Werde dann darauf hinweisen.

Categories: Akademisches
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Akademische Blog-Sammlung

18 September 2007 · No Comments

Markus, Student an der TU Berlin, hat ernst gemacht und das Wiki zum Sammeln akademischer Blogs, über das wir gestern bei Robert diskutiert haben, schon aufgesetzt. Dort können nun also munter Blogs eingetragen werden. Eingerichtet sind bisher drei Kategorien, und zwar für Blogs von Profs, Blogs von Studenten und Blogs aus dem Mittelbau. In die erste Kategorie ist schon Roberts Liste eingefügt, die anderen warten noch auf Input…

Denke, es ist gut, mit einer solchen Liste im Wiki einfach mal zu beginnen, die Zeit wird zeigen, ob sich dazu eine andere Darstellungsform lohnt/eignet. Wenn mal genügend Input vorhanden ist, wäre sicher Tagging o.ä. sinnvoll.

Categories: Akademisches · Socialweb · Wiki

Online-Studie: Eher Infobeschaffung als Unterhaltung

4 September 2007 · 4 Comments

Die neueste ARD/ZDF-Online-Studie ist veröffentlicht. Die ausführliche Vorstellung gibt’s wie immer in den Media Perspektiven.  Wichtige Ergebnisse: Das Wachstum bei der Internet-Nutzung ist bei Frauen und Silver Surfern am größten (der - statistische! - Nachholbedarf legt dies auch nahe). Und:

“Das Internet dient der Mehrheit der Anwender weiterhin vor allem der Informationsbeschaffung. Ein Unterhaltungsmedium, das in Konkurrenz zum Fernsehen und Hörfunk steht, ist das Internet für die Wenigsten. So charakterisieren drei Viertel der Onliner (72 %) ihren Umgang mit dem Internet als überwiegend informationsorientiert. Für 14 Prozent der Onliner steht die Unterhaltung im Netz an erster Stelle.”

Interessant für Informationsanbieter: Gefragt sind besonders

  • aktuelle Nachrichten
  • Service- und Verbraucherinformationen
  • regionale Informationen

Klingt fast nach einem redaktionellen Konzept für ein Online-Magazin ;-)

(via Wortfeld)

Categories: Akademisches · Medien · Netz-News

Portal zu Kommunikationscontrolling

28 August 2007 · 1 Comment

Vor wenigen Tagen ist ein neues Portal zum Kommunikationscontrolling online gegangen. Das Ganze wird von der Uni Leipzig und der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) betrieben und ist nach meiner Einschätzung im deutschen Sprachraum das bisher umfangreichste (und beste) Angebot zu Fragen der Evaluierung und Wertschöpfung von Kommunikation.

Da von PR-Praktikern innerhalb ihrer Unternehmen oder Einrichtungen mehr und mehr gefordert wird, dass sie den Nutzen ihrer Arbeit belegen, zählt das Kommunikationscontrolling sicher zu ihren größten Herausforderungen. Wer sich darin fit machen möchte - egal, ob PR-Praktiker oder Student - findet im Portal viele Materialien zum Selbstlernen.

Disclaimer: Mit Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, der das Ganze verantwortet, arbeite ich in einem Projekt zusammen.

Categories: Akademisches · PR · PR-Beruf