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Communication Camp: Nachmachen erwünscht

Teilnehmerinnen beim Communication Camp sind Teilzeithelden. Mindestens.

Teilnehmerinnen beim Communication Camp sind Teilzeithelden. Mindestens.

Das zweite Communication Camp ist schon ein paar Tage her. Inzwischen haben wir* uns im Orga-Team nochmal zusammengesetzt und diskutiert, was gut lief und was weniger. Wichtiger aber: Vor allem haben wir aber auch den Blick in die Zukunft gerichtet. Die Idee: Das Format des Communication Camp soll als Barcamp der besonderen Art in den nächsten Wochen sauber dokumentiert und mit Tipps versehen werden. Denn: Nachahmer sind erwünscht.

Nochmal zur Einordnung: Das Ganze ist ein Barcamp für Macher, in dem es um das Verbessern der (Online-)Kommunikation einer gemeinnützigen Organisation geht, die sich keine professionelle Unterstützung leisten kann. Organisiert wurde das Ganze im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Studenten unseres Studiengangs Online-Journalismus gemeinsam mit einigen Absolventen, die sich mit einer PR-Agentur selbständig gemacht haben.

Ein kurzer Rückblick

Nachdem das erste Communication Camp im Sommer 2012 vorwiegend Studenten unserer Hochschule und nur wenige externe Teilnehmer angelockt hatte, waren beim zweiten Event in diesem Februar schon deutlich mehr Externe dabei. Diese Mischung ist natürlich super-spannend und eines der Ziele der Übung: Leute mit verschiedenen Hintergründen zu vernetzen. Allerdings nicht nur durch Diskutieren, sondern durch gemeinsames Tun. Deshalb wird für das Communication Camp ein Partner benötigt, für den man eben Gutes tun kann. Dies ist nach meinem Eindruck auch dieses Mal gelungen: Haben die Partner, die Darmstädter Underground-Truppe “Kulturhäppchen” durch die Diskussionen an eineinhalb Tagen doch nun mehr Klarheit über ihre Identität, ein neues Website-Konzept, eine frische Facebookseite, Flickr und die dazu gehörenden Anleitungen erhalten. Einschließlich eines Crashkurses in Medienrecht. Und ein einfaches Corporate Design, einen Vorspann für ihre Videos und eine Strategie, um Helfer und Mitmacher zu gewinnen. Das klingt nach richtig viel. Ist es auch. Obwohl manche Teilnehmer gern noch mehr gemacht hätten.

Damit man sich mehr unter der Veranstaltung vorstellen kann, haben die Studenten das Ganze per Storify und Video festgehalten:

Was haben wir gelernt?

Meine drei wichtigsten Learnings in Spiegelstrichen:

  • Projektpartner: Wir hatten bei beiden Veranstaltungen mit kulturellen Einrichtungen zusammengearbeitet. Beide Male hatte sich gezeigt, dass diese sich nicht leicht getan haben, zu erklären, was sie eigentlich machen, wer sie sind. Kurz: Die Identität war vage. Wir haben beides Mal versucht, in einem Workshop gleich zu Beginn hier mehr Klarheit zu bekommen. Es war toll, wie offen sich die Partner in beiden Fällen auf diesen Prozess eingelassen haben und dass dieser zu einem relativ raschen Ergebnis kamen. Allerdings: Die daran nicht beteiligten Teilnehmer des Communication Camp waren in dieser Phase ziemlich ausgebremst. Im Nachhinein wäre mir deutlich lieber, solche Klärungen wären abgeschlossen, bevor man über Kommunikationsstrategie und Maßnahmen diskutiert.
  • Teilnehmer: Eine Aufgabe mit Leuten zu lösen, die man nicht oder kaum kennt und die aus ganz unterschiedlichen fachlichen Richtungen kommen, ist gar nicht so einfach und benötigt genügend Anlaufzeit. Wobei vor allem wichtig ist, dass man weiß, wer was einbringen kann.
  • Veranstaltungsort: Man kann kaum zu viel Raum haben. Abgesehen davon, dass im Verlauf eines Communication Camps unterschiedliche Teams für die identifizierten Aufgaben entstehen, benötigt man ein Plenum, aber auch einen Rückzugsraum, an dem man mal für ein paar Minuten mit anderen Teilnehmern netzwerken oder einfach mal in Ruhe einen Kaffee trinken kann.

Natürlich gibt es noch viele andere wichtige Punkte, die wir gelernt haben – ausgehend von der Kommunikation im Vorfeld, um Teilnehmer zu gewinnen, aber auch, um die Erwartungen von Teilnehmern und Projektpartnern zu managen. Und natürlich zum Ablauf des Ganzen, der einerseits Spontaneität erlauben muss, aber auch ein paar Leitplanken enthalten sollte.

Nächster Schritt: Wissenspool

Im Detail sollen diese Erfahrungen und Tipps nun dokumentiert werden. Was mich besonders freut: Dies ist möglich, weil auch nach Abschluss der Lehrveranstaltung das Orgateam weiter machen möchte. So soll auf der Website des Communication Camp alles so aufbereitet werden, dass auch andernorts ähnliche Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden können. Das Communication Camp wird also quasi unter CC gestellt ;)

Unser nächstes Communication Camp

Und wie geht’s in der Rhein-Main-Region weiter? Wir haben uns vorgenommen, einmal im Jahr ein Communication Camp zu organisieren. Der Februar scheint uns dabei ganz gut geeignet: Denn für die Studenten geht dann das Semester zu Ende, sie haben also im Wintersemester Zeit für die Vorbereitung, und die klassische BarCamp-Saison hat noch nicht begonnen, so dass das Gewinnen von Teilnehmerinnen ganz gut zu klappen scheint. Und mal schauen, vielleicht sind wir beim nächsten Mal nicht in Darmstadt, sondern an einem anderen Ort in der Region.

 

* Ich spreche zwar von “wir”, muss aber betonen, dass das Projekt von acht Studenten und den Absolventen Birte Frey und Jan-Kristian Jessen (quäntchen + glück) gestemmt wurde. Ich war nur punktuell dabei.

Die Abschlussarbeit publizieren?

Wie viel Aufmerksamkeit erhält man durch die Veröffentlichung der Abschlussarbeit?

Wie viel Aufmerksamkeit erhält man durch die Veröffentlichung der Abschlussarbeit?

Immer wieder fragen mich Studenten, ob es sich lohnt, die Abschlussarbeit zu veröffentlichen. Ihre Argumente: Die Auffindbarkeit in Bibliothekskatalogen und das gute Gefühl, dass die Arbeit nicht beim  Prof. verstaubt. Meist stoßen die Studenten auf einen der Verlage, die ein auf Print on Demand oder e-Books basierendes Publishing anbieten. Ich bin da etwas skeptisch und empfehle eher ein “Do it yourself-Publishing”. Allerdings kenne ich sicher einige Aspekte dieser Frage nicht und bin für Tipps dankbar.

Verlagsveröffentlichungen

Anbieter, die Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten veröffentlichen, gibt es viele. Meist ist es so, dass Absolventen oder Studenten für die Publikation nicht einmal etwas bezahlen müssen. Vielmehr wird sogar damit geworben, dass sie durch die Publikation etwas verdienen können. Tatsächlich erhalten sie von den Erlösen einen Anteil. Ich vermute jedoch, dass in den meisten Fällen hier kaum etwas zusammen kommt. Allerdings habe ich auch schon von Einzelfällen gehört, in denen ein paar hundert Exemplare einer sehr guten und sehr aktuellen Arbeit verkauft wurden. Doch den meisten Absolventen kommt es auf das Verdienen in diesem Fall gar nicht an.

Die Frage ist, wie das Ganze wirkt. Fördert eine solche Publikation die Reputation und verbessert womöglich Bewerbungschancen? Oder ist das Ganze womöglich kontraproduktiv, wie ich eben gefragt wurde.

Mein Gefühl: Innerhalb der akademischen Community ist klar, dass bei diesen Verlagen jeder publizieren kann, d.h., fachlich findet zumeist keine Qualitätssicherung statt, die meisten Anbieter publizieren zudem zu praktisch jedem Thema. Ob das dann in einer speziellen Fachcommunity wahrgenommen wird, wäre zu hinterfragen. Ich gehe davon aus, dass eine solche Publikation für eine akademische Laufbahn vermutlich kaum etwas bringt, womöglich ist sie sogar kontraproduktiv, will man zum Beispiel später einmal promovieren. Wer dies vorhat, sollte stattdessen prüfen, ob seine Arbeit in ein fachlich einschlägiges Programm eines wissenschaftlichen Verlages passt. Problem dabei ist allerdings oft, dass man als Autor Geld mitbringen muss, einen so genannten Druckkostenzuschuss. Das macht die Sache meist natürlich unmöglich. Inhaltlich gehe ich zudem davon aus, dass die wenigsten Abschlussarbeiten aus Bachelor- oder Masterstudiengängen tatsächlich in einem solchen Rahmen eine Publikationschance haben.

Sinnvoller erscheint mir die Überlegung, aus den Ergebnissen der Arbeit ein Paper zu machen und dies bei einer Konferenz einzureichen. So erhält man nach positiver Begutachtung durch den Vortrag Sichtbarkeit in der Community und ist im Konferenzband mit einem Artikel vertreten. Das ist zwar zusätzlicher Aufwand, der aber meist der Qualität der Darstellung des Themas dient. Insofern ist dieser Weg sicher nur für sehr wenige Absolventen gangbar, die dazu zudem die Unterstützung ihres Betreuers benötigen. Wer nicht (ausschließlich) in Richtung Wissenschaft neigt, kann im Kommunikationsumfeld natürlich die Präsentation auf Veranstaltungen wie Barcamps oder Webmontagen nachdenken.

Online-Publikation

Skalierbar ist der Aufwand für die Online-Publikation einer Arbeit. Am nächsten liegt natürlich die Veröffentlichung auf dem Publikationsserver der eigenen Hochschule. Viele Unis und FHs bieten diese Open Access-Publikation ihren sehr guten (und meist auch den guten) Absolventen an. Im besten Fall ist damit auch ein Eintrag in die Bibliotheksverzeichnisse verbunden. Dies würde ich als den typischen Weg zur Publikation einer Abschlussarbeit sehen, auch weil hier die Arbeit typischerweise 1:1, also ohne zusätzlichen inhaltlichen Aufwand, erfolgt.

Allerdings: Wer keine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sondern durch eine eigene Publikation seine Bewerbungschancen verbessern möchte, sollte aus meiner Sicht (ergänzend) einen anderen Weg gehen. Der Königsweg zumindest in meinem Umfeld Onlinekommunikation, aber auch im Jornalismus, dürfte sein, zumindest bei einem praxisrelevanten Thema schon in der Recherchephase zur Abschlussarbeit mit einem Blog oder einer anderen begleitenden Online-Präsenz zu beginnen. Dann lässt sich am Ende die (hoffentlich sehr gut bewertete) Arbeit dort sehr gut einbinden. Statt auf einen eigenen Server würde ich sie dann jedoch auf eine exterene Plattform wie Scribt oder Slideshare laden. Gemäß dem “Prinzip kostenlos”  und dank der guten Sichtbarkeit solcher Plattformen in Suchmaschinen dürfte der Effekt einer solchen Strategie zumindest im Netz am größten sein.

e-Books und Fachartikel

Alternativ kann man natürlich das Ganze als “richtiges” e-Book veröffentlichen. Hierzu gibt es zahlreiche Anbieter, selbst Amazon oder Apple gehören dazu. Hierbei können (eher moderate) Kosten entstehen, und natürlich muss das Ganze mit Hilfe entsprechender Tools in die richtige Form gebracht werden. Tipps hierzu gibt es zum Beispiel bei der Karrierebibel.

Eine weitere Möglichkeit, die ich vor Jahren mit meiner eigenen Diplomarbeit genutzt habe, ist die Veröffentlichung eines oder mehrerer Artikel zu den Ergebnissen der Arbeit in einer Fachzeitschrift. Das setzt natürlich voraus, dass man einen Redakteur von seinem Thema überzeugt. Alternativ könnten Absolventen solche Artikel auch als Gastbeiträge den Betreibern von Fachblogs anbieten.

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Frage der Publikation einer Abschlussarbeit je nach wissenschaftlicher Disziplin mit anderen Nuancen beantwortet wird. Und natürlich sollte man zunächst kritisch die Qualität der eigenen Arbeit betrachten. Und man sollte für sich klar überlegen, wie viel Aufwand man in die Publikation stecken kann. Da Wissenschaft für mein Empfinden der Öffentlichkeit bedarf, favorisiere ich immer den freien Zugang zu Publikationen. Dies ist auch mit Blick auf Bewerbungschancen bei Unternehmen positiv: Denn ein potenzieller Arbeitgeber kann sich so ein sehr gutes Bild von der Qualtität einer Arbeit machen und sieht nicht nur deren Titel in einem Verzeichnis.

Liege ich mit diesen Einschätzungen einigermaßen richtig? Habe ich wichtige Aspekte und Tipps vergessen?

Communication Camp 2: Kommunikationsleute können wieder Gutes tun

Die Premiere im vergangenen Sommer war gelungen, jetzt kommt die zweite Auflage des Communication Camp. Was das ist? Ein BarCamp für Macher. Also eines, bei dem weniger der Erfahrungsaustausch im Vordergrund steht, sondern das gemeinsame Arbeiten an einer Kommunikationsaufgabe – und zwar für einen guten Zweck. Am 15. und 16. Februar 2013 findet das Ganze in Darmstadt statt und wer dabei sein möchte, kann sich jetzt anmelden - wer weiß, vielleicht passt so was zum ein oder anderen Vorhaben zum neuen Jahr ;)

Die Idee des Communication Camp ist, dass Studierende, Kommunikationsprofis und Interessierte zusammenarbeiten und einer gemeinnützigen Organisation helfen, besser zu kommunizieren. Vielleicht ist es sinnvoll, Ehrenamtliche fit zu machen, um Presseinfos zu schreiben und Journalisten anzusprechen, vielleicht sollte die Website der Organisation inhaltlich gefüllt und optisch renoviert oder die Facebookseite aufgemöbelt werden? Aufgaben dieser Art sollen es sein, an denen die Teilnehmer des Communication Camp arbeiten, diesmal zu Gunsten der Darmstädter Gruppe Kulturhäppchen mit ihrer Early Late Night Show. Gefragt sind dabei alle, die hierzu etwas beitragen können: angehende oder erfahrende Programmierer, Gestalter, Fotografen, PR-Leute, Journalisten, Medientrainer etc. Und weil Profis und Studenten zusammenarbeiten sollen, dient das Communication Camp natürlich auch der Vernetzung von Hochschule und Praxis und dem gegenseitigen Lernen.

Hinter dem Communication Camp steht ein Team unserer Studenten der Hochschule Darmstadt, das gemeinsam mit Absolventen unseres Studiengangs Online-Journalismus das Ganze im Rahmen einer Projektlehrveranstaltung vorbereiten und organisieren. Im Herbst haben sie mit der Planung des zweiten Communication Camp begonnen, die Abläufe diskutiert, mit möglichen Projektpartnern gesprochen, die Website renoviert und begonnen, Teilnehmer zu gewinnen – unter anderem beim BarCamp Rhein-Main, demnächst auch auf dem WebMontag in Frankfurt (14.1.13). Eine der Herausforderungen im Vorfeld war natürlich, einen Projektpartner zu finden, der bereit ist, sich überraschen zu lassen und mit dem im Vorfeld unterschiedliche Aufgabenpakete grob überlegt werden können, die auch wirklich während des Communication Camp gelöst werden können.

Ich würde mich sehr freuen, wenn auch ein paar Leserinnen und Leser dieses Blogs dabei sind: Die Anmeldung für bis zu 20 Teilnehmer ist bis 31. Januar 2013 offen.

Damit man sich das Ganze besser vorstellen kann, hier noch ein Video zum ersten Communication Camp.

Dreisprung in die Zukunft: Von Online-PR zu Onlinekommunikation zu Kommunikation

So eine Blogparade hat einen besonderen Charme: Wenn’s klappt, gibt es viele Perspektiven und Ideen zu einem gemeinsamen Thema. Da mich das aktuell von Ed Wohlfahrt gesetzte Thema Zukunft der Online-PR als Ausbilder direkt betrifft, mache ich gern mit. Allerdings mit einer Gegenposition, die vielleicht nicht allen gefällt. Ich frage mich: Brauchen wir wirklich mehr PR für Online-PR? Ich halte den Begriff heute noch für notwendig, würde ihn morgen aber lieber durch Onlinekommunikation ersetzen und langfristig von Kommunikation sprechen. In diesem Sinne denken wir auch neue Studiengangskonzepte.

Was läuft über die Netze? Ist's Online-PR? Marketing? Oder einfach Kommunikation?

Was läuft über die Netze? Ist’s Online-PR? Marketing? Oder einfach Kommunikation?

Dies klingt auf ersten Blick vielleicht irritierend, wo alle davon reden, wie wichtig Social Media für die PR seien. Daraus könnte man ja ableiten, dass mit dieser Entwicklung – die begleitet wird durch einen Bedeutungsverlust der Pressearbeit (dies allerdings von einem sehr hohen Niveau) – eine großartige Zukunft der Online-PR eingeläutet wird. Und ja, viele Social Media Manager haben einen PR-Hintergrund. Es macht mich ja auch stolz, wenn unsere Absolventen solche Jobs machen.

Marketing und PR: Wir müssen voneinander lernen

Aber schauen wir uns das Ganze ein kleines bisschen genauer an. Sind Social Media exklusive Spielwiesen der PR? Beileibe nicht. Und so ist die Social Media Managerin selbstverständlich Mittlerin zwischen Interessen und Abteilungen, de facto zwischen Disziplinen. Es ist ja schön, dass wir PR-Leute uns einbilden, diese Aufgabe besonders gut übernehmen zu können, weil wir eben nicht nur Kunden im Blick haben, sondern auch die interne Kommunikation, die gesellschaftliche Akzeptanz des Unternehmens (“license to operate” ) oder auch die Beziehungen im Lokalen (Community Relations). Und auch Issues Monitoring, Reputationsmanagement oder Krisenkommunikation sind Fähigkeiten, die aus der PR kommen. Dennoch ist das Silodenken – vor allem zwischen Marketing und PR- ein Hemmschuh, gerade wenn wir über Onlinekommunikation sprechen.

Ich will zwei ganz kleine Beispiele nennen:

  1. Die Krisenkommunikation von BP zur Katastrophe der Deepwater Horizon. Hier wurde unter anderem intensiv mit Google AdWords gearbeitet, um möglichst viele User auf die von der Corporate Website losgelöste Krisenwebsite zu lotsen und natürlich, um Suchbegriffe zu besetzen. Ganz klar eine Strategie, die im Online-Marketing gang und gäbe ist.
  2. Facebook: Hier bediene ich mich der Argumentation von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der neulich sehr gut auf den Punkt gebracht hat, dass Facebook mittlerweile die uns schon bekannten unterschiedlichen Möglichkeiten bietet – von der Kommunikation mit Multiplikatoren, über Werbung bis zu Advertorials. Entscheidend dabei sei, dass jede seriöse Beratung diese drei Elemente zusammen denken (und beherrschen!) müsse.

Was bedeutet das? Ich denke, statt über Abteilungen und Disziplinen in Unternehmen und deren Grenzziehungen und Dominanzen zu streiten, müssen wir viel stärker die Perspektive der Stakeholder einnehmen. Sie sind mal Kunden, mal Anwohner, sie sind potenzielle Bewerber oder Regulierer, Shareholder oder Mitarbeiter. Und das in beliebigen Kombinationen, denken wir rollenbasiert. Das ist ein Verständnis, für das beispielsweise seit langem David Meerman Scott steht. Ganz ähnlich argumentiert Meike Leopold in dieser Blogparade. Und ich glaube ausdrücklich nicht daran, dass es uns hilft, den einzelnen Begriff Online-PR auf’s Podest zu stellen, um eine ”Marketing- und Kommunikations-Sauce” zu vermeiden.

Vielmehr scheint es mir wichtiger, voneinander zu lernen und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Die beiden kleinen Beispiele oben zeigen aus meiner Sicht, dass wir künftig in der Onlinekommunikation Kenntnisse benötigen, die nicht klassisch aus der Online-PR kommen, sondern eher aus dem Online-Marketing. SEO, Insights, AdWords, Search Engine Marketing, Landing Pages sind nur ein paar Buzzwords dazu. Umgekehrt könnte man zugespitzt formulieren, lernen die Marketing-Leute gerade den Wert von Content, von Stories und Personen, die diese erzählen, kennen. Meine Schlussfolgerung hieraus ist deshalb, dass wir mittelfristig statt von Online-PR und Online-Marketing von Onlinekommunikation sprechen sollten (womit ich mich zumindest auf mittlere Sicht auch gegen den Begriff Social Media Management wende).

Verbinden statt trennen: Onlinekommunikation als Studiengang

Da wir in Hessen die politische Vorgabe haben, dass die Fachhochschulen in den nächsten Jahren deutlich wachsen sollen, haben wir im Moment die Chance, neue Studienangebote zu schaffen (und nicht nur mehr Studenten in bestehende zu stecken wie es in der Vergangenheit war). Vor diesem Hintergrund denken wir sehr intensiv über einen neuen Studiengang Onlinekommunikation nach – für den wir dann hoffentlich auch die notwendigen Ressourcen erhalten. Die Idee: Bisher sind Online-PR und Online-Marketing an unserer Hochschule Studienschwerpunkte in unterschiedlichen Studiengängen. Nun möchten wir beide Gebiete in einem gemeinsamen Studiengang integrieren. Zudem haben wir einen dritten Baustein vorgesehen: Dieser soll die Studierenden dazu befähigen, Online-Kompetenz im Unternehmen kontinuierlich zu fördern – also die Rolle des Enablers in Bezug auf Onlinekommunikation einnehmen, weshalb wir zum Beispiel schon bisher versuchen, unsere Studenten zu befähigen, Schulungen oder Workshops durchzuführen.

Mir ist klar, dass ein solches Konzept nicht ohne Risiko ist – auch, weil eben der Begriff Onlinekommunikation recht weit ist und dieser teilweise wiederum auch von anderen Kollegen reklamiert wird, beispielsweise jenen mit Designhintergrund. Und natürlich ist das Etikett eines Absolventen im ersten Moment nicht so anknüpfungsfähig wie Online-PR oder Online-Marketing. Da sich Arbeitgeber in Zeiten von Bologna aber ohnehin genauer anschauen müssen, was im Studiengang eines konkreten Bewerbers genau drin steckt – und dies auch sehr transparent ist – scheint mir das Loslassen von Begriffen, die ich mittelfristig nicht für hilfreich halte, gerechtfertigt.

Wie genau ein Studiengang Onlinekommunikation aussehen wird, ist natürlich noch längst nicht festgezurrt, auch ist seine Einrichtung noch nicht durch die Hochschulgremien verabschiedet. Wir gehen zunächst von der erwähnten Hypothese aus, die drei genannten Gebiete Online-PR, Online-Marketing und Medientraining zusammen zu bringen. Notwendige Fundamente sind sicher ein grundsätzliches Verständnis von öffentlicher Kommunikation, der Onlinekommunikation, von Unternehmen und grundlegendem didaktischem Wissen. Jenseits der Fundamente, so meine ich, müssen wir nicht statische Studiengangsschwerpunkte vorzeichnen, sondern sollten den Studierenden erlauben, eigene Profile zu entwickeln. Aber Hypothesen müssen getestet werden. Insofern freue ich mich jetzt schon auf Rückmeldungen hier im Blog und in den nächsten Monaten in Gesprächen, die wir mit Praktikern wie mit Kollegen aus Hochschulen führen möchten.

Bleibt am Ende dieses Beitrags noch eine Frage offen: Warum soll dann irgendwann der noch weitere Begriff “Kommunikation” verwendet werden? Mein Eindruck ist: Wir haben in vielen Unternehmen zunächst einen riesigen Bedarf an Leuten, die Onlinekommunikation verstehen, laufend dazu lernen, ausprobieren und nicht von den bisher üblichen analogen Kommunikationsmustern ausgehen. Deshalb sehe ich Onlinekommunikation als nächsten Leitbegriff. Auf längere Sicht werden wir aber nicht mehr zwischen online und offline unterscheiden, wir werden einfach für Unternehmen kommunizieren. Oder für NGOs. Dann sprechen wir wohl wieder von Unternehmenskommunikation und Nonprofit-Kommunikation. Hatten wir schon mal, nicht wahr?

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CommunicationCamp: Ein Barcamp für Macher. Funktioniert das?

Barcamps sind ein längst selbstverständliches Veranstaltungsformat geworden. Sie finden auf der Alm statt genauso wie in Firmenheadquarters. Groß ist mittlerweile auch die Themenpalette, die von Tourismus über Politik, Lernen, mobiles Internet bis – na klar – PR reicht. Aber: Das Barcamp ist ein Konferenzformat. Als solches ist es offen und spontan, und es dient dem Austausch und der Vernetzung von Menschen. Dies funktioniert sehr oft sehr viel besser als bei anderen Konferenzformaten. Allerdings bleibt eine Konferenz eben eine Konferenz. Als Besucher kann man viel für sich mitnehmen und damit ein Barcamp funktioniert, müssen Besucher aktive Teilnehmer sein, die Themen, Ideen und Engagement mitbringen. Aber: Können diese Mitbringsel auch eingesetzt werden, um gemeinsam etwas zu erreichen? Um etwas umzusetzen? Dies waren wichtige Fragen, die hinter dem ersten CommunicationCamp standen – einem Barcamp für Macher. Ein paar Eindrücke zu einem neuen Format, das PR-Studenten und Absolventen unseres Studiengangs ausprobiert haben.

Die Idee

Zunächst nochmal zum Hintergrund: Eine fünfköpfige Gruppe meiner PR-Studenten hat gemeinsam mit der Agentur Quäntchen + Glück, die letztes Jahr von einer Hand voll Absolventen gegründet worden war, nach einem neuen Veranstaltungsformat für die Region Darmstadt gesucht. Die Idee war: Wir möchten Menschen, die sich mit Kommunikation, dem Internet, mit Design, mit Coden etc. beschäftigten, zusammenbringen. Erfahrene Praktiker genauso wie Studenten. Das Team schaute sich deshalb viele Veranstaltungsformate an: Beispielsweise den Webmontag, die Twittwoch-Reihe, die Idee des Social Media Clubs, Stammtische – und stolperten auch über einen Artikel von Robert Basic: Er hatte kritisiert, dass sich das Format des Barcamps in einigen Jahren kaum weiterentwickelt hatte und einige Nachteile dieses Veranstaltungstyps beispielsweise in Bezug auf die Nachhaltigkeit benannt.

Und weil wir am Studiengang immer wieder von Unternehmen, oft aber auch von sozialen Einrichtungen oder Vereinen gefragt werden, ob wir nicht einmal für sie aktiv werden könnten – zum Beispiel durch ein Lehrprojekt oder eine Abschlussarbeit – kamen die beiden Ideen zusammen: Es entstand die Idee einer Wochenendveranstaltung, die wie ein Barcamp Leute zusammenbringt und sehr offen ist – aber eine etwas andere Zielsetzung hat: Am Ende soll für einen Projektpartner etwas entstanden sein, konkreter: Er soll Hilfestellung für seine Kommunikation erhalten.

Die Umsetzung

CommunicationCamp, Tag 2: Die einen texten, andere programmieren, wieder andere basteln die Facebook-Chronik zusammen.

Auf dieser Grundlage entstand “Tu was Gudes“: Vor zwei Wochen “opferten” etwa 20 Leute ihr Wochenende und kamen in einem kleinen alternativen Theater in Darmstadt, dem HoffART, zusammen. Mit den Theaterleuten war im Vorfeld besprochen worden, dass man sich um ihr etwas wildes Durcheinander aus vier Websites und die brach liegende Facebookseite kümmern könnte. Für weitere Ideen waren die beiden glücklicherweise sehr offen. “Tu was Gudes” war Motto (mit hessischem Kolorit) der Veranstaltung, das Format tauften wir CommunicationCamp – eine Markenbildung, an der wir noch arbeiten müssen. Ziemlich schwierig war auch, Teilnehmer zu gewinnen: Dies mag daran gelegen haben, dass in Hessen bereits die Schulferien begonnen hatten, aber auch daran, dass das Format neu war und den Teilnehmern ein komplettes Wochenende abverlangte. Die, die da waren, hatten dafür richtig Spaß – und sie haben einiges erreicht:  Eine tolle Fotoserie zum Theater und eine renovierte Facebookseite waren in kürzester Zeit entstanden. In den nächsten Tagen werden die alten Websites durch eine völlig neu konzipierte Website ersetzt – und natürlich wurden die Theaterleute geschult, damit sie beides künftig selbst füttern können. Selbst die wichtigsten rechtlichen Regeln haben die Teilnehmer ihnen zusammengestellt. Möglich wurde all dies, weil in der Gruppe eine unglaubliche Dynamik herrschte und Leute mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen kamen: Programmierer, Designer, Texter, Fotografen, Erfahrene in Kultur-PR, Konzeptioner – und Hobbyköche, die eine tolle Suppe zaubern konnten.

Die Startseite der neuen Website des HoffART-Theaters

Die Startseite der neuen Website des HoffART-Theaters

Was haben wir gelernt?

In unserer Nachbesprechung waren wir uns über einige Punkte einig: Dass die erwähnten Produkte entstanden sind, ist kein Automatismus. Sprich: Ein CommunicationCamp darf keine zu hohen Erwartungen wecken. In unserer ersten Veranstaltung war das Ganze positiv verlaufen, weil die Mischung der Leute gestimmt hat und die Projektpartner bereit waren, sich mit Haut und Haaren einem Abenteuer zu verschreiben. Hinzu kommt: Die Website wurde in den zwei Tagen zwar konzipiert,  und gestaltet, es wurde getextet, fotografiert und programmiert. Aber es sind noch Nacharbeiten notwendig, die die Teilnehmer mit Begeisterung erbringen. Selbstverständlich ist das sicher nicht. Geklappt hat dies vermutlich nur, weil die Agentur q+g das Projekt zu ihrem Projekt gemacht hat.

Session zur Identität des HoffART-Theaters

Ein anderer Lerneffekt für viele: Wollten die Studenten ziemlich rasch mit Website und Facebook loslegen, so zeigte sich, dass dies zunächst gar nicht wirklich möglich war. Warum? Es hatte sich schon bei der Vorstellung des Theaters gezeigt, dass dieses extrem vielschichtig und erklärungsbedürftig ist und ein Konzept für Ideen, die gerade erst in der Diskussion sind, passen muss. Die Konsequenz: Wir schoben zunächst eine Session zum Herausarbeiten von Identität und Positionierung ein. Dabei entstand dann ein gedankliches Gerüst (“ein Theater, in dem man nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen kann und das man sogar für einen Abend übernehmen kann”), das für die neue Website – und die gesamte künftige Kommunikation – grundlegend wurde.

Was heißt das? Im Gegensatz zum Barcamp muss man sicher noch mehr darauf achten, dass die Mischung der Teilnehmer stimmt, aber trotzdem flexibel genug sein, in dem, was man tut. Damit ist klar, dass eine Organisation, sich mit dem CommunicationCamp auf eine Wundertüte einlässt. Und klar ist auch, dass die Aufgaben nicht unbedingt in der Tiefe bearbeitet werden können, in der das in einem professionellen Setting passieren würde. Auf der anderen Seite kann etwas entstehen, was eine Organisation, die für die Kommunikation kein Budget hat, einen großen Schritt nach vorn bedeuten kann. Inwieweit die Teilnehmer für sich etwas lernen, ist damit also auch nicht planbar: So war eine Teilnehmerin dankbar, einen Crashkurs in Fotografie erhalten zu haben, ein anderer war von seinem persönlichen Lerneffekt ein wenig enttäuscht. Spaß hatten sie zum Glück alle.

Wie geht es weiter?

In den nächsten Tagen geht wie gesagt die neue Website des HoffART-Theaters online und ein Video, das das erste CommunicationCamp dokumentiert. Ebenso werden die Erfahrungen mit dem Format dokumentiert. Mit q+g und den Studenten ist zudem besprochen, dass wir uns im nächsten Semester gleich an ein zweites CommunicationCamp wagen. Stattfinden soll es im Januar 2013, dann aber an einem Freitag und Samstag. Nach diesen ersten beiden Veranstaltungen wollen wir einen Leitfaden erstellen, damit Interessierte das Format auch andernorts einmal ausprobieren können. Anregungen sind natürlich wie immer sehr willkommen. Und wer schon jetzt Lust hat, mitzumachen, darf dies natürlich gern auch kund tun :)

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