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Gerade eben habe ich den Feed einer Video-Nachrichtensendung abonniert. Der News Navigator ging heute online und ist ein neuer Baustein im Angebot von focus.de. Sonst bin ich auf dieser Seite eigentlich ziemlich selten. Doch die Idee einer kurzen, fernsehähnlichen Zusammenfassung der aktuellen Meldungen des Tages gefällt mir ganz gut. Und das, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich vor zwei, drei Jahren für journalistische Videos im Netz nicht so richtig erwärmen wollte. Heute denke ich dafür darüber nach, den Fernseher zu entsorgen. Mal sehen, wie sich das Angebot der Web-News inhaltlich entwickelt.
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Die einen machen sich darüber lustig - ich finde es lustig. Nein, eigentlich ist es eine absolut spannende Idee, die sich hinter 1000mikes verbirgt. Was genau ist diese Idee? Man wählt eine Festnetznummer, erzählt etwas, und es ist live im Netz. Und als MP3-Datei im Online-Archiv; einen Feed gibt’s auch. Vermarktet wird der kostenlose (und in Deutschland entwickelte) Dienst als Talk Radio 2.0, sozusagen als neue Form des Bürgerfunks. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass man diesen Ansatz z.B. auch in Online-Redaktionen oder Radiosendern nutzen könnte.
Als ich über 1000mikes gestolpert bin, musste ich erst mal an eine fast vergessene Erfahrung aus meinem Studium in grauer Vor-Web-Zeit denken: Da hatte uns ein erfahrener Reporter des Bayerischen Rundfunks auf den Marktplatz der netten Kleinstadt geschleppt und uns die Aufgabe gegeben ohne Vorbereitung mindestens eine Zwei-Minuten-Reportage ins Mikrofon zu sprechen. Da lernt man, wie lang zwei Minuten sein können. Wer es aber geschafft hat, diese zwei Minuten ohne Stammeln zu überbrücken, war der Held. Ich bin bekanntlich nicht beim Radio gelandet. Etwas später aber besuchte ich für eine Nachrichtenagentur Pressekonferenzen. Die Herausforderung war eine Ähnliche: Unmittelbar nach Abschluss ein Telefon finden und möglichst druckreif eine Meldung abzusetzen, die dann von einer Assistentin getippt und nahezu im selben Moment versandt worden war.
Vergangene Zeiten. Aber warum eigentlich? Noch habe ich 1000mikes nicht probiert, aber die Idee, mit Hilfe des Handys eine kurze Reportage oder Meldung abzusetzen - oder gar ein Interview zu machen, finde ich spannend (ein ähnlicher Service ist Utterz, mit dem Kollege Heinz Wittenbrink in Graz experimentiert). So etwas kann natürlich einen eigenen Podcast ergeben. Vielleicht wieder als eine hübsche Übung für Studenten. Denn: Warum soll multimediales Publizieren im Online-Journalismus immer die Integration von Video bedeuten? Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch Audio-Live-Berichte journalistische Konzepte gut ergänzen könnten. Themen dafür könnte ich mir genügend vorstellen: Von der G8-Demo über das Fußballspiel bis zum Unfallbericht. Je nach Spielart könnte es sich um Berichte professioneller Journalisten handeln, oder man öffnet das Ganze für alle Interessierten. In diese konzeptionelle Richtung geht derzeit übrigens SWR2, wo Interessierte mit eigenen Beiträgen ins Radioprogramm kommen können:
“Mit dem DOKUBLOG fordert SWR2 alle Feature-Macher und O-Ton-Jäger auf, sich daran zu beteiligen. Bürgerjournalisten, unabhängige und professionelle Autoren finden hier eine gemeinsame Plattform und zugleich den Weg in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.”
Doch zurück zu 1000mikes: Eigentlich könnte man die Idee noch ein bisschen weiterspinnen. Man stellt einen mit 1000mikes/Utterz o.ä. erstellten Podcast mit dem PhoneCaster bereit. Dieser Dienst bewirkt, dass man Podcasts unter einer Festnetznummer “anrufen” kann. Wenn das nicht wirklich mobiles Radio ist - vom Handy zu vielen anderen Handies, deren Eigentümer wieder zu Sendern werden können. Schöne Grüße an Herrn Brecht…
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Eine erstaunliche Geschichte: Die Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK) mahnt Gerhard A. Pfeffer, Herausgeber des Branchennewsletters PR-Journal, ab. Dass Pfeffer die von den drei PR-Verbänden getragene PZOK seit längerem kritisch begleitet und dabei auch einmal polemisiert, ist nicht neu. Nun ist der PZOK aber offenbar die Hutschnur geplatzt,und sie hat zur juristischen Keule gegriffen: Pfeffer hatte der Organisation, die eigentlich die Aufgabe hat, den nichtuniversitären PR-Nachwuchs zu prüfen, Abzockerei vorgeworfen. Offensichtlich hatten sich in den strittigen Artikel “zwei falsche Angaben” eingeschlichen, wie Pfeffer einräumt.
Eigentlich wäre es eine wunderbare Prüfungsfrage, was man als PR-Mensch in solch einem Fall tun sollte. Problem nur: Ein Prüfling, der “abmahnen” antwortet, müsste wohl durchfallen. Gerhard Pfeffer schreibt dazu genüsslich:
“Mich erstaunt, dass und wie angebliche PR-Profis mit Kanonen auf Spatzen schießen. Ein Anruf hätte genügt und ich hätte die zwei falschen Angaben korrigiert. So steht es übrigens auch in allen PR-Lehrmaterialien: man ruft an, schreibt einen Leserbrief oder eine Gegendarstellung - juristische Schritte wie Abmahnung oder Klage seien stets die Ultima ratio. Anscheinend habe ich mit dem Artikel den Nerv einiger Herren (…) getroffen.”
Da die PZOK schon seit Monaten Schwierigkeiten hat, sich aufzustellen und mit ihrer eigentlichen Arbeit zu beginnen, ist diese Aktion für die PR-Branche insgesamt sicher nicht sehr hilfreich.
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Man könnte doch Beiträge aus einem Blog - oder noch besser: aus mehreren Blogs - zusammenfassen, aber nicht einfach lieblos RSS-Feeds aggregieren, sondern mit redaktionellem Konzept und mit der Idee, eine Marke zu bilden. So ähnlich dachten wohl die Macher von The Issue. Herausgekommen ist ein schön anzusehendes, spannendes Produkt - nennen wir es Blogzeitung. Entdeckt hat das Ganze gestern Robert Basic, der nicht nur Gefallen an der Idee gefunden hat, sondern rasch eine recht positive Diskussion ausgelöst hat. Spannende Überlegungen, bei denen das Konzept vor allem als Präsentationsform für Citizen Journalism diskutiert wird. Zwei ergänzende Gedanken noch dazu:
- Mit einem Modell dieser Art ließen sich vermutlich auch hervorragende Fachmagazine gestalten. Bekanntlich gibt es profilierte Experten, die zu einem Fachthema bloggen, und mein Eindruck ist, dass insbesondere Neulinge in der Welt der Blogs zentrale Anlaufstationen für ihre Themen suchen und sich ihre Lesemenus nicht unbedingt selbst im Reader zusammenbasteln wollen. Eine Blog-Fachzeitung könnte also Unübersichtlichkeit verringern und durch einen konsequent durchgehaltenen Anspruch Qualität sichern. Gleichzeitig ist aber gut vorstellbar, dass solche Fach-Publikationen den klassischen Fachzeitschriften bzw. deren Online-Angeboten deutlich Konkurrenz machen könnten.
- Eine andere Überlegung: Eine solche Blog-Zeitung erscheint mir auch mit Blick auf Corporate Publishing spannend. Ich gehe davon aus, dass in nächster Zeit einige größere Unternehmen eher auf einen Strauß themenspezifischer Blogs oder einen Stall voller Mitarbeiterblogs setzen werden als nur ein Business Blog für Themen aller Art. Mit dem Blog-Zeitungsmodell könnte man für diese fragmentierten Publikationen wiederum ein gemeinsames Dach schaffen, das aus meiner Sicht deutlich attraktiver wäre, als eine schlicht aggregierte Seite wie z.B. hier. Die Idee ginge also dahin, einzelne Kanäle intelligent zusammenzufassen und - auch von der Optik her - eine Art Magazin zu schaffen. Natürlich fragt sich, ob eine solche Corporate Blog-Zeitung irgendjemand interessiert. Ich glaube schon, dass Unternehmen oder NGOs inhaltliche Konzepte entwickeln können, die im beschriebenen Sinne ihre Zielgruppe finden könnten. Zu einem großen Teil dürfte ein solches Blog-Magazin übrigens die Mitarbeiter eines Unternehmens oder Ehrenamtliche einer NGO ansprechen.
Categories: Business Blog · Experimente · Medien
Getaggt: aggregieren, Blogzeitung, Corporate Publishing, Fachzeitschriften, Online-Magazine, RSS

Gerade eben bin ich (nach langer Zeit) wieder bei Spiegel Online gelandet. Liebe Leute: So schnell komme ich da nicht mehr vorbei. Warum? “2010 droht der Infarkt des Internet” plärrt mir als Aufmacher entgegen. Was steckt dahinter? Mal wieder eine Studie. Und ihre Ergebnisse werden von SpOn treu und brav zusammengefasst. Mehr nicht. So, so. Hatte ich nicht gestern schon was dazu gelesen?
Richtig, bei netzpolitik zum Beispiel:
“Man sollte sie aber hinterfragen. Dann findet man heraus, dass Lobbyorganisationen dahinter stehen, die diese Zahlen ganz bewusst in die mediale Debatte werfen.Man nennt das auch “Astroturfing“. Diese Organisationen werden finanziert von Telekommunikations-Unternehmen, die ein Interesse daran haben, die Kontrolle über das Netz zurück zu gewinnen. Und schon ist man mitten drin in der Diskussion rund um Netzneutralität. In diesem Fall werden die Zahlen genutzt, um von der US-Regierung mehr Steuergelder und vor allem Zugeständnisse beim Abbau von Netzneutralität zu bekommen.”
Ganz ähnliche Hinweise gab es zuvor schon bei Save the Internet, wo eine vergleichbare journalistische (Nicht-)Leistung zu dieser Studie bei USA today kritisiert wurde. Hier gibt’s noch einen dritten kritischen Bericht.
Ehrlich gesagt bin ich langsam ziemlich gelangweilt von all den “Studien”, die einem jeden Tag um die Ohren gehauen werden. Ein großer Teil von ihnen ist schlichtweg interessensgesteuert, und ich frage mich, warum das noch immer so gut funktioniert. Hat es sich noch nicht in die Redaktionsstuben herumgesprochen, dass Studien bei Lobbyorganisationen als Geheimtipp für erfolgreiche Interessensvertretung gelten?
Anscheinend nicht: Während manche Redaktionen schnell mal eine Medienpartnerschaft eingehen, um eine Studie exklusiv auf den Titel heben zu dürfen, kann ich im aktuellen Fall des SpOn-Artikels keine kritische Auseinandersetzung mit der Studie selbst erkennen. Hat der Autor sie überhaupt in der Hand gehabt? Nicht einmal die zitierte Internet Innovation Alliance wird vorgestellt. Auch scheint es keine Recherche zu den Reaktionen auf die Studie gegeben zu haben. Das wäre mit zwei banalen Google-Abfragen möglich gewesen. Fazit: Sobald irgendwo “Studie” draufsteht, mit ein paar Zahlen hantiert wird, stehen alle redaktionellen Pforten offen. Dass das auch für den Aufmacher von SpOn gilt, ist da nur eine kleine Enttäuschung mehr.
Update: netzpolitik hat sich angeschaut, wie andere Medien mit der selben Studie umgehen
Categories: Medien · Netz-News · PR-Ethik
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5.11., fünf vor elf: Mit fünf Minuten Arbeitsunterbrechung sollen heute Journalisten an ihre ermordeten, inhaftierten und gefolterten Kolleginnen und Kollegen erinnern. “Aufstehen für den Journalismus” lautet das Motto der von der Deutschen Journalistinnen und Journalisten Union (dju) ausgerufenen Aktion. Zum Hintergrund schreibt heute.de:
“Mehr als 200 Journalisten, redaktionelle Mitarbeiter und Online-Dissidenten wurden seit Jahresbeginn wegen ihrer unbequemen Recherchen, Berichte und Kommentare inhaftiert. (…) Mit der Aktion werden die Regierungen in aller Welt aufgefordert, Journalisten und ihre Assistenten aktiv zu schützen, ohne in die freie Berichterstattung einzugreifen. Sie sollen - so die Organisatoren - zugleich Straftaten gegen Journalisten und Medienmitarbeiter konsequent verfolgen und die Täter dingfest machen.”
Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, auch an das Elend des Journalismus hier zu Lande bzw. vor unserer Tür zu erinnern:
- Elend 1: Vorratsdatenspeicherung als Einschränkung der Pressefreiheit. Hiergegen hat am Wochenende zum Beispiel der Ingolstädter Donaukurier mit einer geschwärzten Titelseite ein sichtbares Zeichen gesetzt.
- Elend 2: “Renditegeile Verleger” (taz), die unter anderem ihre Lokalredaktion verkaufen (z.B. in Münster, Koblenz, an der Ruhr, in Bremen) und laut taz-Bericht - im extremsten Fall - durch eine PR-Agentur ersetzen (in Delmenhorst). In diese Reihe können auch gleich die Verleger gestellt werden, die meinen, mit dem Auspressen ihrer freien Mitarbeiter langfristig gut fahren zu können (und das sind bei weitem nicht nur kleine Regionalblätter!)
- Elend 3: Journalismus, der sich gemein macht, beispielsweise mit politischen Kampagnen. Aktuelles Beispiel: Italienische Nachrichtenagenturen, die in einem Land, in dem die Sippenhaft wieder zu gelten scheint, plötzlich über kleine Ladendiebstähle landesweit berichten, wenn nur die Täter eine bestimmte Herkunft haben, wie die taz berichtet.
Die Liste ließe sich sicher erweitern, spiegelt aber die Themen wider, die mir allein bei meiner montagmorgendlichen Zeitungs- und Online-Lektüre begegnet sind.
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Categories: Medien · Politik
Getaggt: Journalismus, Pressefreiheit, Rendite, Vorratsdatenspeicherung
Schon drollig: Während hier zu Lande noch viele Verlage Angst vor aggregierten Nachrichten à la Google News zu haben scheinen, versuchen international einige Online-Medien ihre Inhalte aktiv im Netz zu verbreiten. Buttons für Social Bookmarking gehören da schon lange zum guten Ton. Einige Redaktionen setzen auch auf die Social Community Facebook. So ermöglichen mehrere schwedische Verlage, dass ihre Leser Nachrichten in ihr Facebook-Profil übernehmen können (via Media Culpa). Konkret landet dort dann die Überschrift, ein Teaser sowie ein Kommentar des Users. Ziel ist natürlich, Traffic auf den News-Websites zu generieren.
Dieses Ziel hat auch die New York Times, verfolgt aber einen anderen, eher unterhaltenden Ansatz: Sie hat eine News-Quiz-Applikation für Facebook geschaffen, mit der die Nutzer ihr aktuelles Wissen testen können (via OJR).
Sowohl für Redaktionen wie für Blogger oder Unternehmen interessant könnte der Ansatz von RSS2Facebook sein, dessen Gründer Adam Cooke den Service auf OJR vorstellt. Die Applikation ermöglicht es, via RSS bereit gestellte Inhalte in Facebook-Profile zu übernehmen. Dies können natürlich journalistische Inhalte sein oder Blog-Posts, aber beispielsweise auch Job-Angebote oder - vielleicht einmal - Social Media News Releases.
Die grundsätzliche Idee hinter solchen Bemühungen ist immer die selbe: Wer einen Inhalt auf seinem Profil veröffentlicht, erreicht damit sein persönliches Netzwerk. Hier treffen also ähnliche Interessen und die Glaubwürdigkeit eines Mitglieds aufeinander. Word of Mouth-Kommunikation in Reinform also. Nicht ganz so stark ausgeprägt ist diese Idee dagegen beim Ansatz des Facebook-Flyers, den PR-Blogger Klaus Eck ausprobiert: Dies ist eher mit einer Anzeige vergleichbar und wird auf einer Profilseite oder in einem Netzwerk veröffentlicht, kann aber trotzdem ein interessanter Baustein im Online-Marketing sein, wie auch bei Charlene Li diskutiert wird.
Categories: Medien · PR · Socialweb · Werbung
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Aufatmen bei General Motors (GM): Der größte Automobilhersteller der USA und die Gewerkschafter haben eine vorläufige Vereinbarung für einen neuen Tarifvertrag getroffen. Dem voraus gegangen waren landesweite Streiks seit Montag. Ohne die Kommunikation im Detail beobachtet zu haben, empfand ich zwei Aspekte als interessant: Das Strike Notebook, ein Blog des Wall Street Journal, das seit Montag die Auseinandersetzung begleitet hat. Demgegenüber hat GM, in der Auto-Branche eigentlich ein Business Blog-Vorreiter, das Thema aus seinen beiden Blogs FastLane und FYI herausgehalten.
Obwohl sich einige Leser in den Kommentaren des FastLane-Blogs gewünscht hätten, dass das Unternehmen auf die Streiks eingeht, lehnten die Kommunikatoren dies ab. Und das auch, obwohl in der PR-Community immer wieder diskutiert wird, dass ein etabliertes Business Blog eine gute Plattform für die Krisenkommunikation sein kann. Shel Holtz hätte auch in diesem Fall durchaus kommunikative Chancen gesehen, wenn GM das Thema im Blog offensiv angegangen wäre:
“For example, a blog post could outline the company’s strategy for reducing costs, its plans to return to profitability, and the last deal the company offered before the union called the strike.”
GM entschied sich anders, begründete aber seine Zurückhaltung im Blog:
“But as I am sure that you can appreciate, these are sensitive times involving sensitive negotiations; a public blog is not the appropriate place for us to be commenting about them, nor do we think it’s constructive to entertain a discussion of labor issues here.”
Statt dessen werden die Leser auf die offiziellen Pressemitteilungen verwiesen, Kommentare sind zu diesem Posting nicht möglich. Hans Kullin (Media Culpa) hat für diese Strategie ein gewisses Verständnis und lobt wie auch Shel Holtz, dass im Blog zumindest erläutert wird, warum das Unternehmen auf diesem Kanal nicht zum Thema kommunizieren möchte. Dennoch ist es für Shel schwer nachvollziehbar, dass ein bedeutsames Thema nicht im Blog stattfindet.
Meiner Meinung nach wäre es sicher konsequent, auf ausnahmslos auf alle aktuellen Ereignisse in einem etablierten Blog einzugehen. Andererseits verstehe ich die Vorsicht: So dürften auch Beiträge wie die von Shel vorgeschlagenen für heftige Auseinandersetzungen in den Kommentaren sorgen. In solchen Situationen besteht die Gefahr, dass Diskussionen im Blog nicht zu Lösungen führen, sondern für noch mehr scharfe Töne sorgen. Es gibt sicher Situationen, in denen es besser ist, wenn zwei Parteien - hier also Manager und Arbeitnehmervertreter - direkt miteinander sprechen und Lösungen suchen. Hauptproblem dürfte jedoch sein, dass vermutlich so viele Kommentare geschrieben worden wären, dass diese für das Unternehmen nicht mehr zu überschauen gewesen wären und deshalb keine ideale Diskussion hätte stattfinden können. Zumal in einer solchen Krise allein schon die Anfragen der klassischen Medien kaum bewältigt werden können.
Auf journalistischer Seite empfinde ich die Idee des Wall Street Journal, den Streik mit einem eigenen Weblog zu begleiten, inzwischen als onlinejournalistischen state-of-the-art für sehr bedeutsame Ereignisse. So können sehr schnell auch kleinere Themen veröffentlicht werden, und für die Leser wird sehr übersichtlich nachvollziehbar, wie sich das gesamte Thema Schritt für Schritt entwickelt. Während die Journalisten teilweise mehrmals in der Stunde posteten, blieb die Zahl der Kommentare jedoch relativ gering. Dennoch empfinde ich das Blog als ein interessantes Modell, das in ähnlicher Form in den vergangenen Monaten immer wieder angewandt wurde, beispielsweise auch von der ZEIT zum G8-Gipfel.
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Categories: Business Blog · Krisen-PR · Medien
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Wieder ein voller PR-Erfolg für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): Vor etwa zwei Wochen hat die Wirtschaftswoche - wieder mal - ein von der INSM finanziertes Städteranking auf den Titel gehoben, das die Besucher von wiwo.de noch immer anspringt. Und das Ganze heißt sogar offiziell INSM-WiWo-Städteranking (für das die INSM vorsorglich Suchmaschinenoptimierung betreibt). Noch größer wurde der vordergründige PR-Erfolg für die INSM, wenn man betrachtet, dass landauf, landab andere Medien die Ergebnisse des Rankings nachgeklappert haben. Kritische Auseinandersetzungen gibt es kaum dazu - weder zum Ranking, noch zur Medienpartnerschaft. Wahrscheinlich hält es die WiWo selbst für einen PR-Erfolg, dass sie überall zitiert wurde.
Ich bleibe trotzdem dabei und wiederhole mich einmal mehr: Medienpartnerschaften dieser Art halte ich nicht für akzeptabel. Wie soll eine Redaktion jemals neutral über eine Institution berichten, die ihr exklusiv die Titelgeschichten liefert? Und falls nun mancher meint, ich sollte mich als PR-Mensch doch freuen, dass sich Redaktionen auf solche Deals einlassen: Nein, tue ich nicht. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Medien, und PR wird als Spindoctoring wahrgenommen. Damit ist langfristig beiden geschadet.
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Categories: Medien · PR-Ethik
Bei meiner Suche nach Studien zur Mediennutzung stoße ich gerade auf eine Umfrage zum Thema Vertrauen in Medien. TNS Emnid hat gefragt, welchen Medientypen die Bundesbürger am meisten vertrauen (Presseinformation, pdf). Demnach ist das Vertrauen in Lokalzeitungen (60% der Befragten) am größten, gefolgt vom öffentlich-rechtlichen Radio (53%) und Fernsehen (52%). Zeitschriften (36%), Privatradio (31%), Privatfernsehen (26%) genießen keinen allzu großen Vertrauensvorschuss. Doch ganz am Ende steht das Internet: Nur jeder fünfte von 1.048 Befragten hält es für vertrauenswürdig.
Ein wenig seltsam kommt mir der Punkt “Internet” jedoch vor, denn als Erklärungsversuch für das geringe Vertrauen wird mit Sicherheitslücken etc. argumentiert. Für meinen Geschmack wurde da in der Befragung etwas unglücklich formuliert: Ich hätte eigentlich erwartet, dass nicht das Vertrauen in ein multioptionales Medium ganz allgemein abgefragt wird, sondern in redaktionelle Internet-Angebote, um die Vergleichbarkeit mit den anderen Kategorien sicherzustellen.
Durchweg geringer ist das Vertrauen in die Medien übrigens im Osten Deutschlands. Und es hat sich gezeigt, dass alle Medientypen im Osten in den letzten zwei, drei Jahren Vertrauen verspielt haben. Wenig überraschend aus meiner Sicht ist auch die Feststellung, dass junge Zielgruppen (14 bis 29) dem Netz und dem privaten Rundfunk weniger misstrauen als ältere Gruppen. Dies dürfte im wesentlichen mit ihrem Nutzungsverhalten zu erklären sein.
Categories: Medien
Gerade ein paar Tage ist es her, dass Google den Verlegern eine lange Nase gedreht und bekannt gegeben hat, in seinem News-Service nicht mehr auf Artikel in Online-Medien zu linken, sondern gleich auf das Original der Agenturen. Da werden sich noch einige Verleger, die erst über Google News geschimpft haben, die Augen reiben, wenn sie ihren Traffic analysieren. Doch nun kommt Hoffnung für alle, die sich schon an Google abgekämpft haben und nicht akzeptieren, dass Nachrichtenmarktplätze für ihr eigenes Angebot nützlich sein können: Facts 2.0 heißt ein neues Projekt in der Schweiz. Und dort werden Texte journalistischer Onlineangebote wie faz.net, Welt, Blick oder NZZ angeteasert und - oh Schreck - mittenmang zwischen Blogbeiträgen präsentiert. Welch eine Konkurrenz! Bin schon gespannt, wann der erste Verleger dagegen vorgehen will. Die Ironie: Hinter Facts steht ein großes Medienhaus. Und natürlich bietet Facts noch etwas mehr:
“Auf FACTS 2.0 werden Kontakte gepflegt und News können bewertet und kommentiert werden. Die Teilnehmer erfahren, wer ihre Texte liest und für welche Themen sich die Personen in ihrem Netzwerk interessieren.”
Eine ausführlichere Vorstellung des Ganzen gibt’s bei Marcel Bernet, bei dem ich auf das Projekt gestoßen bin. So, und ich werde das Ganze mal eine Weile ausprobieren…
Categories: Medien
Update, 10.9.2007: Nach einem Gespräch mit Joachim Graf sehe ich das Problem als behoben an. Details am Ende dieses Posts.
Ich weiß, Content-Klau ist Alltag im Netz. Das macht die Sache nicht besser - und auch nicht legal. Dass Joachim Grafs High Text-Verlag sich dieser billigen Methode der Warenbeschaffung bedient, hat mich nun doch etwas überrascht. Denn der Verlag hat meinen Anfang dieser Woche hier im Textdepot veröffentlichten Artikel zu 20 Blog Monitoring-Tools frech im eigenen Premium-Content von iBusiness 3.0 veröffentlicht. Leicht gekürzt zwar, aber ohne Nachfrage, geschweige denn Genehmigung von mir. Herzlichen Dank an CSH, der die Sache aufgefallen ist!
Lieber Herr Graf: Da Sie für Ihr Portal iBusiness 3.0 redaktionell verantwortlich sind, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir erläutern würden, wie Sie auf die Idee kommen, einen fremden Text im eigenen Portal zu veröffentlichen und damit Ihre Brötchen verdienen zu wollen.
Ich darf Sie darauf hinweisen, dass ich in meinem Blog “Das Textdepot” selbstverständlich ein Urheberrecht besitze. Darauf weise ich auch jeden hin:
“Die Inhalte dieses Weblogs unterliegen dem Urheberrecht. Ihre Nutzung setzen eine schriftliche Zustimmung voraus.”
Abgesehen von der rechtlichen Seite empfinde ich Ihr Vorgehen als dreist. Glauben Sie nicht, dass sich Ihre zahlenden Kunden zumindest irritiert fühlen dürften, wenn ihnen bewusst wird, dass sie für etwas bezahlt haben, das eigentlich frei verfügbar ist? Bitte klagen Sie jetzt nicht gegen die Umsonst-Kultur des Internet - ich werde als Professor ja schon vom Steuerzahler bezahlt.
Ach ja, noch eines finde ich lustig: Ihr eigenes Impressum. Dort versuchen Sie, sich mein geistiges Eigentum zu eigen zu machen und ziehen hohe Wälle um Ihren Content:
“Alle Inhalte auf den Online-Services des HighText Verlags sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil der hier abrufbaren Inhalte darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Verlags reproduziert, gedruckt, übersetzt, in digitaler Form weiterbearbeitet, in Archive übernommen oder Dritten unter einer fremden URL zugäglich gemacht werden. Die Speicherung in Retrival-Systemen und durch Suchmaschinen ist nur soweit zulässing, als daß lediglich ein Index gebildet wird, der Abruf der Inhalte jedoch in jedem Einzelfall durch Verweis via Link direkt auf die Ursprungs-URL auf den jeweiligen WWW-Server des HighText Verlags erfolgt. Die Zueigenmachnung von Inhalten durch Darstellung innerhalb eines “Frameset” und andere Methoden der Wiedergabe, die den Leser über den Ursprung der Inhalte im unklaren lassen oder diesen verschleiern, oder die originale Darstellungsform verändern, sind ebenfalls nicht zulässig.”
Was nun? Ich schlage vor, dass Sie den Artikel online lassen und statt eines Honorars eine kleine Spende tätigen, vielleicht an die Soliaktion für die von den §129a-Verfahren Betroffenen.
P.S.: In Ihrem Impressum sind ein paar Tippfehler.
Update: Nachdem sich Joachim Graf bei mir und nebenan gemeldet hat, haben wir die Sache gerade in einem Telefongespräch geklärt. Graf sieht den Beitrag als Fehler und hat sich dafür entschuldigt. “Ich kann nicht ausschließen, dass Dinge krumm laufen. Aber diese Sache entspricht nicht dem, was wir wollen.” Und: “Ich werde das hier im Hause intensiver diskutieren, damit so etwas nicht mehr vorkommt.” Damit ist die Sache für mich erledigt.
Categories: Medien · Persönliches
Die neueste ARD/ZDF-Online-Studie ist veröffentlicht. Die ausführliche Vorstellung gibt’s wie immer in den Media Perspektiven. Wichtige Ergebnisse: Das Wachstum bei der Internet-Nutzung ist bei Frauen und Silver Surfern am größten (der - statistische! - Nachholbedarf legt dies auch nahe). Und:
“Das Internet dient der Mehrheit der Anwender weiterhin vor allem der Informationsbeschaffung. Ein Unterhaltungsmedium, das in Konkurrenz zum Fernsehen und Hörfunk steht, ist das Internet für die Wenigsten. So charakterisieren drei Viertel der Onliner (72 %) ihren Umgang mit dem Internet als überwiegend informationsorientiert. Für 14 Prozent der Onliner steht die Unterhaltung im Netz an erster Stelle.”
Interessant für Informationsanbieter: Gefragt sind besonders
- aktuelle Nachrichten
- Service- und Verbraucherinformationen
- regionale Informationen
Klingt fast nach einem redaktionellen Konzept für ein Online-Magazin
(via Wortfeld)
Categories: Akademisches · Medien · Netz-News
Eigentlich ist das nichts Neues, was Report da gestern ausgegraben hat und auch in einigen Blogs scheinbar überrascht diskutiert wird: Schon seit Jahren produzieren PR-Agenturen fertige Radio-Beiträge, manche auch Fernsehbeiträge. Die längste Tradition haben wohl komplett geschriebene Artikel, die dann als so genannte Fachartikel oder Success Stories in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Seit Jahren ist bekannt, dass ein großer Teil der privaten Radio- und Fernsehstationen, Anzeigenblätter und auch viele Fachzeitschriften nur so etwas ähnliches wie redaktionelle Beiträge veröffentlichen, aber kaum Journalismus praktizieren. Wie denn auch, wenn sie kaum über journalistisches Personal verfügen? Übrigens entstehen auch bei vielen Tageszeitungen Themenbeilagen auf diese Weise. Letztlich geht es darum, möglichst billig Inhalte ins Format zu bekommen. Und dann wundert man sich, dass es Agenturen gibt, die für das Medium kostenlos genau dies anbieten?
Natürlich ist es nicht in Ordnung, dass Zuhörer bzw. Leser durch fertig gebaute Beiträge bzw. Artikel schlichtweg hinter’s Licht geführt werden - egal, ob sie von einem Ministerium oder einer Firma finanziert werden. Denn Mediennutzer rechnen nicht mit Auftragskommunikation, sondern mit einem journalistischen Produkt. Und darauf haben sie ein Anrecht (wobei übrigens Presserat und PR-Rat kostenfreie Publikationen nicht als Presseprodukt definieren, so dass z.B. in Anzeigenblättern das Einhalten von Regelungen zur Schleichwerbung nicht geprüft wird).
Aber um es klar zu sagen: Dass fertig gebaute Hörfunkbeiträge gesendet werden, liegt sicher nicht an der PR allein! Statt jetzt groß über Unterwanderung oder Propaganda zu lamentieren, wäre das Einfachste, wenn Redaktionen solche PR-Fertigware schlicht nicht verwendeten. Denn, so argumentiert zu Recht der DJV-Vorsitzende Michael Konken:
„Journalisten, die PR-Beiträge ungeprüft in ihrem Programm ausstrahlen oder in ihren Zeitungen veröffentlichen, verstoßen gegen grundlegende Prinzipien unseres Berufsstandes und setzen die Glaubwürdigkeit ihres Mediums aufs Spiel.“
Wäre also die Nachfrage nicht da, gäbe es auch keine solchen Angebote der PR. Doch ich sehe ich auch die PR in der Pflicht. Agenturen stünde Zurückhaltung an. Denn die Glaubwürdigkeit von Medien ist auch in ihrem Interesse. Konkret könnte ich mir aus PR-Sicht drei kleine Schritte für mehr Qualität für’s Publikum vorstellen:
- PR-Agenturen sollten keine fertig gebauten Hörfunk- oder Fernsehbeiträge liefern. Denn diese werden durch die Argumentationslinien, durch den Einbezug von Pseudo-Passanten etc. manipulativ. Hinzu kommt, dass bei solchen Beiträgen nicht erkennbar ist, dass es PR-Beiträge sind. (Verstoß gegen den PR-Kodex Code de Lisbonne).
- Statt dessen ist aus meiner Sicht ok, wenn Agenturen O-Töne ihres Auftraggebers oder Video-Footage (also einzelne Bildsequenzen) liefern. Redaktionen, die nicht die Möglichkeit haben, an solches Material zu kommen, können diese Versatzstücke dann in ihre Beiträge einbauen, bestimmen aber nach journalistischen Kriterien, wie die Beiträge aufgebaut sind, wer noch zitiert wird etc.
- Viele Fachzeitschriften haben weder die Kapazität noch das Wissen, so genannte Fachartikel oder Success Stories komplett selbst zu schreiben. Liefern PR-Agenturen solche Texte, sollten die Agenturen aus meiner Sicht darauf bestehen, dass die Artikel eindeutig gekennzeichnet werden, so dass der Auftraggeber für jeden Leser klar ist (z.B. “Autor: Bruno Bruni, Entwicklungsleiter der Brunetti GmbH” oder “Tanja Anja, PR-Agentur AmRandederStadt, im Auftrag der Brunetti GmbH”). Damit kann der Leser den Beitrag einordnen, und die Agentur findet sogar ihren Auftraggeber klar beim Namen genannt.
Es hilft sicher nicht, wenn Journalisten nun nur auf die Schurken aus der PR, und PR-Leute sich über Pseudo-Redaktionen beschweren. Beide Seiten stehen in der Verantwortung. Und auch die Verleger und Eigentümer von Sendern, die gern am Journalismus sparen!
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Categories: Medien · PR-Ethik
Fehler sind menschlich, und gelegentlich schleichen sie sich auch in Pressemitteilungen ein. Superpeinlich. Doch was tun? Offen kommunizieren und korrigieren. Mir sind zehn Tipps für den Notfall eingefallen:
- Die Korrektur muss so schnell wie möglich erfolgen.
- Sie muss an den selben Verteiler gehen.
- Bei tagesaktuellen Medien und wichtigen Korrekturen kann ein Anruf in Redaktionen sinnvoll sein. Doch Vorsicht: Da muss es schon eine sehr wichtige Meldung eines wichtigen Unternehmens bzw. ein gewaltiger Fehler sein. Der falsche Vorname eines Vorstandes rechtfertigt wohl keinen Anruf, der versehentlich verschickte Nachruf dagegen schon.
- Beim Mail-Versand: Die Korrektur-Mail muss vom selben Absender kommen, der natürlich wieder mit kompletter Signatur versendet.
- In den Betreff gehört eine auffällige Formulierung, möglichst mit Firmennamen und Thema, z.B. “Korrektur: Pressemitteilung der y-AG zur Hauptversammlung”.
- Ein erklärendes Anschreiben mit Entschuldigung ist zwingend.
- Es genügt nicht zu schreiben, dass sich im dritten Satz ein Fehler eingeschlichen hat und nur diesen dann nochmal korrekt dranzuhängen. Statt dessen ist es sinnvoll, ausdrücklich auf den Fehler hinzuweisen (”statt xxx muss es yyy heißen”). Zusätzlich aber sollte die ganze (!) Meldung einfach verfügbar sein, also z.B. am Ende des Mails eingefügt werden (oder es wird ein Link auf die komplette Meldung im Web gelegt). Denn der Hinweis auf die vor fünf Stunden verschickte Presseinfo ist dem Journalisten, der zwischenzeitlich 40 andere Meldungen erhalten hat, keine große Hilfe.
- Die Korrektur muss sofort auch auf der Website vorgenommen werden.
- Wurde die Meldung auch über Dienstleister wie idw, news aktuell oder openPR versandt, muss natürlich auch hier zeitgleich die Meldung nochmal veröffentlicht werden, und zwar zwingend mit dem Hinweis auf die Korrektur.
- Da diese Dienstleister über ein Online-Archiv verfügen, muss sichergestellt sein, dass dort die falsche Meldung nicht neben der korrigierten bestehen bleibt.
Decken sich die Punkte mit Ihrem Vorgehen? Und an die Journalisten: Fühlen Sie sich gut bedient, wenn diese Punkte beachtet werden?
Categories: Medien · Online-PR
Seit etwa einer Woche verfolge ich (nicht systematisch, aber regelmäßig) die Berichterstattung über den Fall des inhaftierten und vorgestern vorläufig frei gekommenen Berliner Soziologen Andrej H. Der Fall ist so schillernd wie unklar, die Berichterstattung darüber interessant. Klar ist, der Fall erfüllt viele Nachrichtenwerte: Es geht um Terrorismusvorwürfe, Google als Ermittlungstool, gar die Freiheit der Wissenschaft. Prominente Wissenschaftler und hunderte andere erheben ihre Stimme. Trotz Stasi 2.0-Diskussionen der vergangenen Wochen kommt das Thema in den bekannteren Blogs jedoch kaum an. Das hat mich überrascht. Denn viele klassische Medien berichten. Es wäre spannend, mehr darüber zu wissen, wie und unter welchen Bedingungen die Wechselwirkungen zwischen klassischen Medien und Blogs funktionieren.
Zum Fall selbst schrieb SpOn unmittelbar nach der Verhaftung des Wissenschaftlers:
“Als Verdachtsmomente gegen B. führen die Karlsruher Strafverfolger nach Angaben der Verteidiger unter anderem an, dass ein 1998 von ihm veröffentlichter wissenschaftlicher Artikel “Schlagwörter und Phrasen” enthalte, “die in Texten der ‘militanten(n) Gruppe (mg)’ gleichfalls verwendet werden”. Die Häufigkeit der Übereinstimmung sei “auffallend und nicht durch thematische Überschneidungen erklärlich”. Außerdem sei er als promovierter Politologe “intellektuell in der Lage, die anspruchsvollen Texte der ‘militante(n) Gruppe (mg)’ zu verfassen”. “
Sehr seltsam, das alles. Wären die genannten Punkte wirklich die entscheidenden in diesem Verfahren, wäre es unfassbar. Doch irgendwie erscheint ein großer Teil des Falles wie hinter einem Vorhang. Das findet auch telepolis, wo ich den bisher besten Artikel zum Thema gefunden habe. In Kürze: Da verbleiben viele Fragezeichen - auch auf Seiten der Verteidigung. Fragt sich, wer die größten Nebelkerzen in diesem Spiel gezündet hat und was bleibt, wenn sich der Rauch verzogen hat.
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Irgendwie ist das eine etwas schräge Diskussion: Da befragt eine PR-Agentur Journalisten zu ihrem Rechercheverhalten. Das ist prima. Denn eine solche Befragung liefert wichtige Ergebnisse, um eine von mehreren Disziplinen der PR, die Pressearbeit, zu verbessern. Es geht also um die Frage, wie kann ich als NGO, als Unternehmen oder Behörde Journalisten am besten ansprechen oder in ihrer Arbeit unterstützen. So weit so gut. Wenn nun also Journalisten sagen, Blogs und andere Web 2.0-Anwendungen seien für ihre Recherche nicht so wichtig, und sie statt dessen Google als ihren Recherchegott sehen, bestätigt das aus meiner Sicht nur den Ausgangspunkt der ganzen Web 2.0-Diskussion in der PR: Es geht eben nicht vorwiegend um eine bessere Ansprache von Journalisten. Warum?
- Business Blogs oder Podcasts (etc.) werden normalerweise nicht gemacht, um Journalisten anzusprechen, sondern um in direkten Kontakt mit unterschiedlichen Stakeholdern zu kommen. Der Reiz des Bloggens besteht doch für eine NGO oder ein Unternehmen gerade darin, dass sie ohne journalistische Gatekeeper in einen direkten Dialog kommen kann, zum Beispiel mit Kunden, zum Beispiel mit Anwohnern, zum Beispiel mit Aktionären oder mit Spendern für ein Nonprofit-Projekt. Dass dies für viele PR-Leute attraktiv klingt, hat wiederum (mindestens) zwei Gründe: Die Bedeutung der klassischen Medien nimmt ab (Vertrauen, Nutzung etc.), und in Zeiten gesättigter Märkte wandelt sich PR vom Lautsprecher zur Beziehungspflege. Ziel: Vertrauen schaffen. Wenn dann gelegentlich auch mal Journalisten über ein Corporate Blog oder einen Podcast stolpern, ist’s nicht mehr als ein netter Nebeneffekt (Ausnahme: ein rein für Journalisten konzipiertes Blog - dann aber im Pressebereich der Corporate Website).
- Auch wenn’s nur ein Nebeneffekt ist: Wer sagt, er recherchiere nicht in Blogs, sondern mit Google, der recherchiert automatisch auch in Blogs.
Die erwähnte Studie bringt übrigens jenseits der angesprochenen Diskussion interessante Ergebnisse: Zum Beispiel, dass Journalisten die Qualität von Corporate Websites kritisieren, sich u.a. mehr Hintergründe und bessere Kontaktinformationen wünschen. Und dass neben einem guten Google-Ranking für die von einer Organisation besetzten Themen auch die Wikipedia eine wichtige Rolle in der journalistischen Recherche spielt. Alles nicht rasend neu, aber gut für eine kleine Mahnung an PR-Leute, noch manche Hausaufgabe machen zu müssen.
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