Familien und Internet – genug Diskussionsstoff für ein BarCamp

Update, 23.8.13: Leider sind die Anmeldezahlen eine Woche vor der geplanten Veranstaltung sehr gering. Da jedoch die Organisation von Kinderbetreuung und Verpflegung etwas Vorlauf benötigen, haben sich die Initiatorinnen entschlossen, das Familiencamp abzusagen – was einen zweiten Anlauf natürlich nicht ausschließt.

 

Familie und Internet – ein Thema, das mich als Privatmensch ständig begleitet. Wenn ich es mir richtig überlege, praktisch täglich. Nicht nur in der völlig selbstverständlichen Anwendung in der familieninternen Kommunikation, sondern natürlich auch in der regelmäßigen Diskussion: Wie ist es mit Nutzungszeiten? Welche Spiele? Wie kann man Familie mit Apps besser organisieren? Wie kann man das Netz noch besser nutzen zum Lernen? Diskussionen wie diese gibt es sicher in jeder Familie. Deshalb freue ich mich besonders auf ein Barcamp hierzu: Das Familiencamp am 1. September 2013, das an unserem Mediencampus in Dieburg stattfinden wird.

Ein Abend in der Familie.

Ein Abend in der Familie.

Denn einerseits freue ich mich (als Vater) auf einen Erfahrungsaustausch mit anderen: Wie halten sie es mit dem Netz in der Familie? Und gern berichte ich auch aus dem Alltag einer Familie mit zwei – nunja: sehr netzaffinen – Teenagern, denn ich stelle vor allem bei Bekannten mit kleineren Kindern fest, dass da 1.001 Fragen durch die Köpfe schwirren.

Das Familiencamp findet übrigens zum ersten Mal statt, und zwar auf Initiative von Birte Frey (@feuermaedchen) und Julia Neumann (@FrolleinJuNe). Birte Frey ist Absolventin unseres Studiengangs Online-Journalismus und hatte sich bereits in ihrer Diplomarbeit mit Netzkompetenz beschäftigt hatte, und Julia Neumann hatte schon länger die Idee, ein generationenübergreifendes Barcamp zu veranstalten.

Dass eine solche Idee ideal zu unserem Mediencampus passt, ist klar. Insofern ist unser Fachbereich Media gern als Gastgeber dabei, eine wichtige Rolle spielen als Unterstützer die hier gelegentlich schon erwähnte Agentur quäntchen + glück (die Birte und andere unserer Absolventen gegründet haben), proVDI sowie der Verein zur Förderung der Netzkultur im Rhein-Main-Gebiet e.V. Natürlich wird es auf dem Barcamp auch eine Kinderbetreuung geben.

Wer nun Lust hat, sein Wissen auf dem Familiencamp zu teilen oder Neues zu erfahren, sollte sich bis Ende dieser Woche anmelden. Denkbar sind eigene Sessions für Kinder genauso wie Sessions für Eltern oder Großeltern. Am meisten gespannt bin ich ehrlich gesagt jedoch auf Sessions, an denen mehrere Generationen teilnehmen.

Lesetipp: Mangelnde Transparenz in der Medienarena

  • Die NZZ: “Die Medien machen die Quellen von Informationen oft zu wenig transparent. Zudem mangelt es an Klarheit hinsichtlich der Autorschaft von Artikeln. Diese Kritik formuliert das neue «Jahrbuch Qualität der Medien»” (Schweiz).
    Im Prinzip keine überraschenden Ergebnisse: Der Anteil der Agenturmeldungen an der Berichterstattung ist (auch) in der Schweiz gestiegen. Konstatiert wird erwartungsgemäß auch ein großer Einfluss der PR auf die Berichterstattung. U.a. wird festgestellt, 40 % der Unternehmensberichterstattung werde durch PR-Aktivitäten stimuliert.
    Mir fällt es immer schwer, solche Zahlen einzuordnen. Sind 40% wirklich viel, wenn ich an Publikationspflichten und Produktmeldungen denke? Oder ist das ein erwartbarer Rahmen? Ergänzende Zahl: 400 untersuchte Presseinfos haben 515 Medienbeiträge ausgelöst. Vieles landet also im Papierkorb.
    Auffällig übrigens: Die NZZ nennt Ross und Reiter und erwähnt Medientitel, die laut Studie besonders intransparent sind.

    tags: journalismus studie schweiz transparenz

Die SZ auf dem PR-Trip

Die Krise der Zeitung – oder des Journalismus? – versetzt zu Recht einige Redaktionen in Unruhe. Was kann man als Redakteur nur dagegen tun, gegen diese Krise, von der man ja selbst ganz schnell betroffen sein könnte? Schließlich sind Verlage wirtschaftliche Unternehmen, die zurückgehende Umsätze gern mit dem Rotstift beantworten. Aber es gibt auch wackere Redaktionen, die selbst aktiv werden und sich daran erinnern, dass sie doch immer mit solchen PR-Fuzzies zu tun haben. Und die sorgen ja wohl vor allem dafür, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Warum sollte nicht auch mal eine Redaktion laut vernehmbar die PR-Trommel schlagen? Das müssen sich wohl die Magaziner der SZ gedacht haben.

Jedenfalls haben einige Journalistenschulen und Universitäten, die Journalisten ausbilden, Post von der Redaktion des SZ-Magazins bekommen. So gestern auch wir. Der Plan: Das Magazin widmet sich in der nächsten Ausgabe mit mehreren Artikeln der Frage “Wozu Zeitung?”. Und diese Artikel könnten die (Hoch-)Schulen doch auch auf ihren Websites veröffentlichen und zur Diskussion stellen, meinte die Redaktion. Nach einiger Diskussion im Kollegenkreis haben wir uns dafür entschieden, die Sache in unserem “Journalismus Darmstadt”-Blog aufzugreifen. Netterweise haben wir ein paar SZ-Texte vorab erhalten. Inzwischen sind sie online.

Unsere volle Aufmerksamkeit bekommt die Aktion des SZ-Magazins also. Vor allem, weil wir überzeugt sind, dass guter Journalismus wichtig ist – dazu gehört auch und gerade Print-Journalismus. Dumm allerdings, dass mein Kollege Klaus Meier – und nicht nur er -, nun vom Produkt enttäuscht ist. Es ist wirklich bitter: Die schönste PR-Aktion hilft eben nix, wenn die Produktqualität nicht stimmt. Schlimmer: Die Sache wird kontraproduktiv. Aber mehr dazu nebenan.

P.S.: Ich bin sehr gespannt, wie Portugals neues Print-Produkt “I” ankommt.

P.P.S.: Und natürlich, wie andere die Aktion der SZ sehen, schließlich soll sie diskutiert werden.

Pressearbeit und Online-Redaktionen – ein blinder Fleck?

Wenn ich mir die Diskussionen (ein Beispiel) um PR der letzten Wochen und Monate vor Augen führe, scheint es da einen blinden Fleck zu geben: Nur selten wurde nach meiner Wahrnehmung die Rolle von Online-Redaktionen und die Frage, wie PR-Leute und Online-Journalisten zusammenarbeiten können, diskutiert. Pressearbeit online – eine vernächlässigte Disziplin?

Ein paar Teilantworten finden sich in einer kleinen Umfrage der Kommunikationsagentur Flutlicht unter Online-Journalisten – und sehr passend: Just gestern Abend war ich eingeladen, mit Andeas Nölting, Chefredakteur von manager-magazin.de, und Hartwin Möhrle, Geschäftsführer der PR-Agentur A&B One, die Rolle des Online-Journalismus und Konsequenzen für die PR zu diskutieren. Ohne auf die Diskussion bzw. die Umfrage vollständig einzugehen, will ich hier ein paar Dinge notieren.

  • Nölting betonte, dass die führenden Online-Medien für die Berichterstattung in den nachfolgenden Medien (z.B. Abendnachrichten im Fernsehen, Tageszeitugen) häufig den Rahmen vorgeben. An vielen Beispielen zeige sich, dass die Einordung, die Bewertung und die hergestellten Zusammenhänge der Onlne-Medien später auch in anderen Medien zu finden sei. Ein solches Framing (das m.W. wissenschaftlich noch kaum untersucht ist) hat natürlich enorme Bedeutung für Kommunikatoren.
  • Allerdings waren wir uns in der Diskussion einig, dass dieser Zusammenhang sowohl von Unternehmenskommunikatoren wie auch von Managern nur ungenügend wahrgenommen wird.
  • Zwar ist es häufig so, dass Pressesprecher mit Print-Journalisten zu tun haben, deren Artikel zunächst online gestellt werden und damit Print und Online gleichermaßen bedient werden, jedoch bin ich der Überzeugung, dass bei der Aufbereitung von Informationen für Online-Medien noch viel Nachholbedarf besteht. Vermutlich ist das Problem sogar noch grundsätzlicher: Mir scheint, dass viele Unternehmenskommunikatoren eigenständigen Online-Redaktionen (also die nicht nur Content von den Print-Kollegen übernehmen), nicht als solche wahrnehmen. Anders ausgedrückt: Vielen ist nicht klar, wie Online-Redaktionen überhaupt organisiert sind.
  • Auch andere Teilnehmer der Diskussion beklagten eine Fixierung vieler Manager und PR-Leute auf Print. Typischer Effekt: Ein Artikel in der FAZ werde als wahnsinnig wichtig bewertet, während eine Exklusivstory auf faz.net (willkürliches Beispiel) deutlich geringer geschätzt wird – was sich übrigens oft auch in der Aufbereitung der täglichen Pressespiegel zeigt.
  • Interessant fand ich die Bemerkung von Nölting, dass Informanten immer häufiger gezielt Online-Redaktionen ansprächen, weil sie sich so eine größere Verbreitung ihres Themas erhofften.
  • Einige Dinge, so meine ich, könnten Unternehmenskommunikatoren ohne großen Aufwand Online-Journalisten bieten: Zum Beispiel Bilderstrecken statt nur eines Fotos, Links zu Hintergrundmaterialien, netztaugliche Grafiken, ein Interview mit dem CEO per Videokonferenz, Updates zu Informationen etc. (ja, da kommen wir in Richtung Social Media Newsroom). Und so weiter.

Offensichtlich sehen viele Online-Journalisten ähnlichen Nachholbedarf.  Dies jedenfalls legt die erwähnte Flutlicht-Befragung (pdf) nahe. An dieser nicht nicht-repräsentativen Untersuchung haben 160 Journalisten teilgenommen. Die Aussagekraft vieler Ergebnisse ist jedoch nach meiner Einschätzung nur mäßig, da ich viele der Fragestellungen nicht für optimal halte. Deshalb verzichte ich darauf, einzelne Ergebnisse hier zu diskutieren.

Auch nicht detailliert eingehen möchte ich auf  ein so genanntes Manifest, das Trendbüro und Ketchum zum Thema Identitätsmanagement heute veröffentlicht haben. Dahinter verbirgt sich eine Art Workshop-Protokoll, in dem ziemlich vieles zusammengetragen wurde, was zum Wandel von Medien und PR in den letzten Jahren ausgiebig diskutiert wurde, wie die PR-Bloggerinnen Heike Bedrich und Doris Eichmeier süffisant feststellen.

Um nochmal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Klar ist, dass zum Thema Pressearbeit und Online-Redaktionen noch einiges zu hinterfragen wäre (“Diplom” winkt der Zaunpfahl). Dabei meine ich weniger künftige Lösungsansätze, sondern vor allem gegenwärtige Praktiken – und die haben nicht nur mit der Qualität des Newsrooms zu tun. Wie erleben Sie dieses Thema? Bereiten Sie als PR-Experte z.B. Informationen für Online-Journalisten anders auf, timen Sie anders? Bzw. werden Sie als Online-Journalist von der PR anders behandelt?

Pressekonferenz 2.0: Dell nutzt Twitter und Business Blog

Wieder einmal zeigt sich Dell experimentierfreudig. Diesmal (heute Abend 18 Uhr) setzt das IT-Unternehmen Twitter (www.twitter.com/Digital_Nomads) und sein Business Blog Direct2Dell während einer Pressekonferenz zu neuen mobilen Produkten ein. Im Blog soll live berichtet werden, während via Twitter Fragen gestellt werden können, die unmittelbar beantwortet werden sollen. Nebenbei bemerkenswert: Via Twitter können alle Interessierten Fragen stellen, nicht nur Journalisten.

Ich bin gespannt, wie gut dieses Experiment funktionieren wird (leider habe ich zu dieser Zeit eine Besprechung). Die Idee, dass ein weltweites Unternehmen die gesamte interessierte Öffentlichkeit live an einem Presseevent teilhaben lässt, ist sicher mutig. Mich interessiert vor allem, wie die Journalisten hierauf reagieren werden. Kann sein, dass sich einige unwohl fühlen, wenn Blogger, Kunden und andere Interessierte in die Rolle schlüpfen, die die Medienleute sonst exklusiv haben. Andererseits denke ich, dass gute Redakteure keine Konkurrenz fürchten müssen. Gespannt darf man auch sein, wie gut die Twitter-Kommunikation generell klappt, sollten etliche Fragen dort gleichzeitig gestellt werden. Im Grundsatz aber finde ich die Idee einer Pressekonferenz 2.0 absolut folgerichtig.

(via Neville Hobson)

Update, 13.08.2008: Neville hat sich die Sache angeschaut und berichtet hier recht positiv über den Verlauf.

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Gute Wissenschafts-PR: Expertenliste zu den Olympischen Spielen

Das ist ein nettes und ganz einfaches Beispiel für Wissenschafts-PR: Expertenlisten für Journalisten. Der  Informationsdienst Wissenschaft (idw) hat nun zu den Olympischen Sommerspielen in China zwei solcher Listen erstellt. Gedacht sind diese für Journalisten, die zu einem Artikel rund um die Spiele recherchieren und dazu noch einen Gesprächspartner aus der Wissenschaft suchen. Eine Liste fasst Experten zu unterschiedlichen Aspekten der Olympischen Spiele zusammen, bei der anderen handelt es sich um eine Liste mit Kontaktdaten zu Experten rund um Doping im Spitzensport geführt. Laut idw werden die Listen in den nächsten Tagen laufend aktualisiert.

Der idw dürfte vor allem Journalisten bekannt sein, die immer wieder mal mit wissenchaftlichen Themen umgehen bzw. zu solchen recherchieren. Gefüttert wird er mit Meldungen aus allen denkbaren wissenschaftlichen Disziplinen und zwar von den PR-Abteilungen von Hochschulen, Forschungseinrichtungen etc. Die Meldungen des idw sind frei zugänglich und können durch einen gut konfigurierbaren RSS-Feed (oder ein Mail-Abo) individuell zugeschnitten werden; die erwähnten Expertenlisten stehen jedoch nur den im idw registrierten Journalisten zur Verfügung.

(via Mail)