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Die WiWo und ihr PR-Titel

Wieder ein voller PR-Erfolg für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): Vor etwa zwei Wochen hat die Wirtschaftswoche – wieder mal – ein von der INSM finanziertes Städteranking auf den Titel gehoben, das die Besucher von wiwo.de noch immer anspringt. Und das Ganze heißt sogar offiziell INSM-WiWo-Städteranking (für das die INSM vorsorglich Suchmaschinenoptimierung betreibt). Noch größer wurde der vordergründige PR-Erfolg für die INSM, wenn man betrachtet, dass landauf, landab andere Medien die Ergebnisse des Rankings nachgeklappert haben. Kritische Auseinandersetzungen gibt es kaum dazu – weder zum Ranking, noch zur Medienpartnerschaft. Wahrscheinlich hält es die WiWo selbst für einen PR-Erfolg, dass sie überall zitiert wurde.

Ich bleibe trotzdem dabei und wiederhole mich einmal mehr: Medienpartnerschaften dieser Art halte ich nicht für akzeptabel. Wie soll eine Redaktion jemals neutral über eine Institution berichten, die ihr exklusiv die Titelgeschichten liefert? Und falls nun mancher meint, ich sollte mich als PR-Mensch doch freuen, dass sich Redaktionen auf solche Deals einlassen: Nein, tue ich nicht. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Medien, und PR wird als Spindoctoring wahrgenommen. Damit ist langfristig beiden geschadet.

Mehr zum Thema:

Vertrauen: Lokalzeitung statt Internet

Bei meiner Suche nach Studien zur Mediennutzung stoße ich gerade auf eine Umfrage zum Thema Vertrauen in Medien. TNS Emnid hat gefragt, welchen Medientypen die Bundesbürger am meisten vertrauen (Presseinformation, pdf). Demnach ist das Vertrauen in Lokalzeitungen (60% der Befragten) am größten, gefolgt vom öffentlich-rechtlichen Radio (53%) und Fernsehen (52%). Zeitschriften (36%), Privatradio (31%), Privatfernsehen (26%) genießen keinen allzu großen Vertrauensvorschuss. Doch ganz am Ende steht das Internet: Nur jeder fünfte von 1.048 Befragten hält es für vertrauenswürdig.

Ein wenig seltsam kommt mir der Punkt “Internet” jedoch vor, denn als Erklärungsversuch für das geringe Vertrauen wird mit Sicherheitslücken etc. argumentiert.  Für meinen Geschmack wurde da in der Befragung etwas unglücklich formuliert: Ich hätte eigentlich erwartet, dass nicht das Vertrauen in ein multioptionales Medium ganz allgemein abgefragt wird, sondern in redaktionelle Internet-Angebote, um die Vergleichbarkeit mit den anderen Kategorien sicherzustellen.

Durchweg geringer ist das Vertrauen in die Medien übrigens im Osten Deutschlands. Und es hat sich gezeigt, dass alle Medientypen im Osten in den letzten zwei, drei Jahren Vertrauen verspielt haben. Wenig überraschend aus meiner Sicht ist auch die Feststellung, dass junge Zielgruppen (14 bis 29) dem Netz und dem privaten Rundfunk weniger misstrauen als ältere Gruppen. Dies dürfte im wesentlichen mit ihrem Nutzungsverhalten zu erklären sein.

Arme Verleger: Erst Google News, nun Facts 2.0

Gerade ein paar Tage ist es her, dass Google den Verlegern eine lange Nase gedreht und bekannt gegeben hat, in seinem News-Service nicht mehr auf Artikel in Online-Medien zu linken, sondern gleich auf das Original der Agenturen. Da werden sich noch einige Verleger, die erst über Google News geschimpft haben, die Augen reiben, wenn sie ihren Traffic analysieren. Doch nun kommt Hoffnung für alle, die sich schon an Google abgekämpft haben und nicht akzeptieren, dass Nachrichtenmarktplätze für ihr eigenes Angebot nützlich sein können: Facts 2.0 heißt ein neues Projekt in der Schweiz. Und dort werden Texte journalistischer Onlineangebote wie faz.net, Welt, Blick oder NZZ angeteasert und – oh Schreck – mittenmang zwischen Blogbeiträgen präsentiert. Welch eine Konkurrenz! Bin schon gespannt, wann der erste Verleger dagegen vorgehen will. Die Ironie: Hinter Facts steht ein großes Medienhaus. Und natürlich bietet Facts noch etwas mehr:

“Auf FACTS 2.0 werden Kontakte gepflegt und News können bewertet und kommentiert werden. Die Teilnehmer erfahren, wer ihre Texte liest und für welche Themen sich die Personen in ihrem Netzwerk interessieren.”

Eine ausführlichere Vorstellung des Ganzen gibt’s bei Marcel Bernet, bei dem ich auf das Projekt gestoßen bin. So, und ich werde das Ganze mal eine Weile ausprobieren…

High Text-Verlag klaut aus dem Textdepot

Update, 10.9.2007: Nach einem Gespräch mit Joachim Graf sehe ich das Problem als behoben an. Details am Ende dieses Posts.

Ich weiß, Content-Klau ist Alltag im Netz. Das macht die Sache nicht besser – und auch nicht legal. Dass Joachim Grafs High Text-Verlag sich dieser billigen Methode der Warenbeschaffung bedient, hat mich nun doch etwas überrascht. Denn der Verlag hat meinen Anfang dieser Woche hier im Textdepot veröffentlichten Artikel zu 20 Blog Monitoring-Tools frech im eigenen Premium-Content von iBusiness 3.0 veröffentlicht. Leicht gekürzt zwar, aber ohne Nachfrage, geschweige denn Genehmigung von mir. Herzlichen Dank an CSH, der die Sache aufgefallen ist!

Lieber Herr Graf: Da Sie für Ihr Portal iBusiness 3.0 redaktionell verantwortlich sind, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir erläutern würden, wie Sie auf die Idee kommen, einen fremden Text im eigenen Portal zu veröffentlichen und damit Ihre Brötchen verdienen zu wollen.

Ich darf Sie darauf hinweisen, dass ich in meinem Blog “Das Textdepot” selbstverständlich ein Urheberrecht besitze. Darauf weise ich auch jeden hin:

“Die Inhalte dieses Weblogs unterliegen dem Urheberrecht. Ihre Nutzung setzen eine schriftliche Zustimmung voraus.”

Abgesehen von der rechtlichen Seite empfinde ich Ihr Vorgehen als dreist. Glauben Sie nicht, dass sich Ihre zahlenden Kunden zumindest irritiert fühlen dürften, wenn ihnen bewusst wird, dass sie für etwas bezahlt haben, das eigentlich frei verfügbar ist? Bitte klagen Sie jetzt nicht gegen die Umsonst-Kultur des Internet – ich werde als Professor ja schon vom Steuerzahler bezahlt.

Ach ja, noch eines finde ich lustig: Ihr eigenes Impressum. Dort versuchen Sie, sich mein geistiges Eigentum zu eigen zu machen und ziehen hohe Wälle um Ihren Content:

“Alle Inhalte auf den Online-Services des HighText Verlags sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil der hier abrufbaren Inhalte darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Verlags reproduziert, gedruckt, übersetzt, in digitaler Form weiterbearbeitet, in Archive übernommen oder Dritten unter einer fremden URL zugäglich gemacht werden. Die Speicherung in Retrival-Systemen und durch Suchmaschinen ist nur soweit zulässing, als daß lediglich ein Index gebildet wird, der Abruf der Inhalte jedoch in jedem Einzelfall durch Verweis via Link direkt auf die Ursprungs-URL auf den jeweiligen WWW-Server des HighText Verlags erfolgt. Die Zueigenmachnung von Inhalten durch Darstellung innerhalb eines “Frameset” und andere Methoden der Wiedergabe, die den Leser über den Ursprung der Inhalte im unklaren lassen oder diesen verschleiern, oder die originale Darstellungsform verändern, sind ebenfalls nicht zulässig.”

Was nun? Ich schlage vor, dass Sie den Artikel online lassen und statt eines Honorars eine kleine Spende tätigen, vielleicht an die Soliaktion für die von den §129a-Verfahren Betroffenen.

P.S.: In Ihrem Impressum sind ein paar Tippfehler.

Update: Nachdem sich Joachim Graf bei mir und nebenan gemeldet hat, haben wir die Sache gerade in einem Telefongespräch geklärt. Graf sieht den Beitrag als Fehler und hat sich dafür entschuldigt. “Ich kann nicht ausschließen, dass Dinge krumm laufen. Aber diese Sache entspricht nicht dem, was wir wollen.” Und: “Ich werde das hier im Hause intensiver diskutieren, damit so etwas nicht mehr vorkommt.” Damit ist die Sache für mich erledigt.

Online-Studie: Eher Infobeschaffung als Unterhaltung

Die neueste ARD/ZDF-Online-Studie ist veröffentlicht. Die ausführliche Vorstellung gibt’s wie immer in den Media Perspektiven.  Wichtige Ergebnisse: Das Wachstum bei der Internet-Nutzung ist bei Frauen und Silver Surfern am größten (der – statistische! – Nachholbedarf legt dies auch nahe). Und:

“Das Internet dient der Mehrheit der Anwender weiterhin vor allem der Informationsbeschaffung. Ein Unterhaltungsmedium, das in Konkurrenz zum Fernsehen und Hörfunk steht, ist das Internet für die Wenigsten. So charakterisieren drei Viertel der Onliner (72 %) ihren Umgang mit dem Internet als überwiegend informationsorientiert. Für 14 Prozent der Onliner steht die Unterhaltung im Netz an erster Stelle.”

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Klingt fast nach einem redaktionellen Konzept für ein Online-Magazin ;-)

(via Wortfeld)

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