Schon seit längerem prangert die NGO Peta (”lieber nackt als Pelz”) die Fast Food-Kette Kentucky Fried Chicken an. Bereits 2004 haben die Tierschützer üble Quälereien bei KFC-Zulieferen aufgedeckt und KFC in “Kentucky fried cruelty” umgetauft. Seit Februar diesen Jahres gibt es zum Thema eine Web zweinullige Kampagenenseite, die hier zu Lande offenbar noch kaum wahrgenommen wurde. In deren Mittelpunkt steht ein Video, das Assoziationen zu Guantonamo weckt. Unter anderem gibt es auch einen sehr eigenen Logo-Creator und andere Gimmicks. Außerdem eine von Pink, Paul McCartney, Pamela Anderson und anderen Promis unterstützte Petition, mit der KFC aufgefordert wird, sicherzustellen, dass die in den USA für sie geschlachteten Hühner nicht gequält werden. Hintergrund ist offenbar, dass Tierschutzgesetze in den USA Vögel nicht einschließen.
Allerdings hatte Peta die Sache zunächst ganz anders geplant: Die NGO wollte dem Fernsehsender Fox 4,2 Millonen Dollar bezahlen, damit die drei insgesamt produzierten Clips in den Werbepausen des Superbowls ausgestrahlt werden. Das hätte eine Reichweite von 100 Millionen Zuschauern bedeutet. Fox hatte die Ausstrahlung jedoch abgelehnt. Deshalb hier nun das zentrale Video der Kampagne.
Eigentlich bin ich gar kein so großer Fans von Videos im Netz. Doch heute bin ich gleich auf zwei gestoßen, die mich wirklich beeindruckt haben. Eines von Greenpeace, eines von amnesty international. Beeindruckt haben mich die Filme, weil sie aus meiner Sicht die Kommunikationsziele zweier Kampagnen hervorragend unterstützen.
Bei Greenpeace geht es um den Schutz des Regenwaldes in Indonesien - und darum, Unilever mit dessen Zerstörung zu konfrontieren. Der Vorwurf: Unilever kaufe für die Kosmetikmarke Dove Palmöl bei Lieferanten ein, die den indonesischen Regenwald zerstören. Das Video transportiert das in knapp 1:30
Da wird alles eingesetzt, was man sich von einem Clip wünscht, wie meine Studenten heute früh herausgearbeitet haben: Emotion, Personalisierung, Storytelling, Schock, Konfrontation und - zwei Überraschungen: Dialogbereitschaft und Humor. Humor? Ja, das Ganze ist eine Antwort auf einen bekannten Dove-Clip:
Dass der Greenpeace-Spot sehr erfolgreich ist, zeigt sich beispielsweise auf viralvideochart (kannte ich noch nicht, via gwa): Platz 5 in der 24 Stunden-Kategorie. Natürlich macht ein Video noch keine Kampagne, deshalb gibt es bei Greenpeace hier mehr zum Thema: Gemäß dem Open Campaigning-Ansatz können Besucher u.a. eine Petition abschicken, das Video bzw. das Thema viral verbreiten, etwa via Facebook, Digg oder mit vorgefertigten Bannern.
Auch bei amnesty wird die Beteiligung von Usern an der aktuellen Kampagne unsubscribe-me angestrebt. Hier steht im Video die Schockbotschaft gegen die Foltermethode des Waterboarding (via Basic Thinking) im Vordergrund (SpOn-Artikel dazu). Einen Teil zum Schockerlebnis trägt sicher bei, dass der Film nicht nur im Netz zu sehen ist und dort gestartet werden muss, sondern auch in britischen Kinos laufen wird - egal, ob man ihn sehen möchte oder nicht.
Auf dem Fundraising-Kongress hat gestern die Berufsorganisation der professionellen Spendenwerber, einen Ethik-Kodex verabschiedet. Nach dem enormen Vertrauensverlust in das Fundraising, den vor allem Unicef ausgelöst hatte, geht es den Nonprofit-Organisationen nun darum, Vertrauen zurückzugewinnen. Dass der 19 Punkte umfassende Kodex für ethisches Fundraising bei einer Enthaltung einstimmig angenommen wurde, ist sicher ein wichtiges Zeichen, das der Deutsche Fundraising-Verband da setzen konnte. Wie zu erwarten, war die Frage von Provisionszahlungen an Spendenwerber am intensivsten diskutiert worden, wird aus der Diskussion berichtet.
Im Wortlaut ist der Kodex bei menschenfischer.net nachzulesen. Ich will nur auf einzelne Aspekte kurz eingehen. Zunächst war ich erstaunt, im Kodex Dinge zu lesen, die ich für absolut selbstverständlich halte (z.B. Achtung der Menschenwürde, Orientierung an Recht und Gesetz), bei anderen Punkten denke ich, ist es gut, dass sie formuliert sind (z.B. Transparenz, keine Vorteilsnahme, Respektierung der Privatsphäre, Datenschutz). Am wichtigsten jedoch ist aus meiner Sicht, dass es einen Schiedsausschuss geben soll, dessen Rolle ich ähnlich sehe wie die von Presserat oder PR-Rat: als oberste Beschwerdeinstanz für alle, die den Eindruck haben, dass eine Organisation gegen die Grundsätze verstoßen hat.
Doch die Frage der Bezahlung von Fundraisern scheint mir mit der jetzigen Formulierung des Kodex noch nicht dauerhaft geklärt zu sein. Im Kodex heißt es unter Punkt 14:
“Vergütung
Wir treten ein für eine leistungsgerechte Vergütung aller entgeltlich im Fundraising Tätigen und die transparente Handhabung von Vergütungsmodellen. Eine Vergütung überwiegend prozentual ohne Begrenzung zum Spendenerfolg und zu akquirierten Zuwendungen lehnen wir ab.”
Damit ist betont, dass Fundraising nicht ausschließlich ehrenamtlich funktioniert, sondern dass da in den meisten Fällen (und zu Recht) Profis am Werk sind, die entsprechend bezahlt werden müssen. Hier gibt es bekanntlich unterschiedliche Modelle. Während manche Organisationen nur mit fest angestellten Fundraisern arbeiten, die meist ähnlich wie im öffentlichen Dienst entlohnt werden, existieren auch Dienstleister, die sich ganz auf Mitglieder- bzw. Spendenwerbung konzentrieren, und schließlich gibt es noch die besonders umstrittenen Provisionsmodelle (pdf). Dass diese besonders problematisch sind, gesteht offenbar auch der Verband zu, weshalb von einer Deckelung die Rede ist- allerdings durch eine wie ich finde sehr, sehr weiche Formulierung. Ob das als vertrauensbildende Maßnahme genügt?
In der Kommunikationspraxis würde ich mir jedenfalls wünschen, dass auf der Website einer Spenden sammelnden Organisation Ross und Reiter benannt werden. Dazu gehören aus meiner Sicht u.a. die Satzung der Organisation, eine nachvollziehbare Rechnungslegung (Einnahmen, Ausgaben, Verwaltungsanteil), laufende Projektberichte und schließlich die Offenlegung des Bezahlungsmodells der Fundraiser. Dann kann sich jeder Spender selbst sein Bild machen.
Seit wenigen Tagen können auch deutsche NGOs Google Earth und Google Maps für ihr Campaigning nutzen. Den Anfang in Deutschland macht Greenpeace, die vergangene Woche in Hamburg gemeinsam mit Google das so genannte Google Earth Outreach-Programm vorstellten. Nonprofits können dabei Kartenmaterial mit eigenen Informationen (z.B. Texten, Bildern, Audio, Videos) anreichern. Innerhalb von Google Earth sind die Layer der Nonprofits unter der Rubrik “Globales Denken” (”Global Awareness”) recht prominent platziert.
Während Greenpeace oder UNEP anhand von Beispielen den Klimawandel und Umweltzerstörung aufzeigen, nutzen andere Organisationen Google Earth, um über ihre Projekte in aller Welt zu berichten. Der Sierra Club wiederum geht davon aus, dass seine Visualisierungen von Alaska geholfen haben, weitere Ölbohrungen in ökologisch empfindlichen Regionen zu verhindern. Eine der bekanntesten Nonprofit-Anwendungen in Google Earth dürfte die Visualisierung der Darfur-Krise sein.
Noch eine kleine Geschichte, die wieder einmal deutlich zeigt, wie Kommunikation heute funktioniert und dass 80er-Jahre-PR keine Antwort darauf ist. Das aktuelle Beispiel: Eine PR-Agentur von Google.
Gestern Abend erreichte mich via Rufumleitung ein netter Mitarbeiter einer von Google beauftragten Agentur auf dem Handy. Google habe nun ein Paket für Nonprofit-Organisationen geschnürt. Ok, das interessiert mich, und da ich unterwegs war, hatte ich davon noch nichts gelesen. Der Anruf ist für mich also ok. Ob ich denn Lust hätte, gemeinsam mit Vertretern von NGOs zu einer Präsentation des Pakets nach Hamburg zu kommen? Irgendwann im April. Nein, keine Lust und schon gar keine Zeit. Aber ich bin an Informationen interessiert. Erwähne, dass ich eventuell zum Thema blogge. Gern, meint mein Gesprächspartner, es gebe eine Seite mit Infos zum Paket im Netz und eine Seite mit Anwendungsbeispielen (hm, wo denn?). Er will mir Links schicken und das Programm des Präsentationstermins, als Hintergrundinfo. Gut. Thema abgehakt.
Nächster Tag - heute, kurz vor acht: Ich lese Mails und Feeds, starte Twitter. In Rivva ist das Google-Thema längst nach oben geschwappt (es gibt derzeit vier Artikel zum Thema), und auch in meinem del.icio.us-Network finde ich es in den Bookmarks. Eigentlich weiß ich nun alles zum Thema. Ich erinnere mich an das Telefongespräch gestern, schaue nochmal in meine Mailbox. Keine Info der PR-Agentur da. Ich habe auch anderes zu tun. Etwas später, kurz vor 10 Uhr: Jetzt beschließe ich doch, diesen Beitrag zu schreiben.
Denn ich frage mich, wozu Google eigentlich eine PR-Agentur bezahlt. Sicher gibt es noch einige Leute, die ein anderes Informationsverhalten haben als ich. Aber wenn ich schon andeute, dass ich an einem Thema für einen Blogbeitrag interessiert bin, dann warte ich nicht auf den Postboten. Dabei wäre es doch so einfach gewesen, mir gestern Abend die versprochenen Links zu mailen und eine pdf mit den Infos zur Präsentation zu schicken. Oder etwas zum CSR-Verständnis von Google. Das wäre wenigstens Mehrwert gewesen im Vergleich zu dem, was ohnehin schon im Netz steht. Melanie Huber hat sich neulich gute Gedanken zum (Nach-)Telefonieren durch PR-Leute gemacht.
Nachsatz: Das Google-Paket für Nonprofit-Organisationen scheint mir recht interessant zu sein. Weniger, weil die bekannten Google-Produkte zusammengeschnürt wurden, sondern weil GMail unter der Domain einer Organisation angeboten wird, ebenso Werbung über AdWords sowie das Abwickeln von Online-Spenden. Nonprofits bezahlen hierfür nichts.
Irgendwie klingt das logisch: Da draußen gibt es so viele Menschen, die ihre große Liebe suchen. Aber auch viele, die jemanden suchen, mit dem sie etwas bewegen können. Man muss ja nicht gleich Tibet befreien. Obwohl? Greenpeace in der Schweiz bringt nun beide Wünsche zusammen und hat LovePeace geschaffen - “die erste Partner- und Community-Plattform für eine rundum bessere Welt” (laut Eigenwerbung).
Eine mutige Idee: Weltverbesserin trifft Weltverbesserer zwecks Besserleben und/oder Besserlieben. Im O-Ton:
“Mit der Partner- und Community-Plattform lovepeace.ch will Greenpeace Menschen zusammenbringen, die eine ähnliche Lebenseinstellung verbindet – die Liebe zur Natur, ein bewusster Umgang mit Mensch und Umwelt und – nicht zuletzt – Spass am Leben. Greenpeace möchte den Besuchern und Mitgliedern von lovepeace.ch die Möglichkeit geben, selber aktiv zu werden und sich für den Schutz der Umwelt im Grossen wie im persönlichen Umfeld einzusetzen.”
Ein wenig klingt das Ganze für mich nach einer weiteren Lohas-Plattform, allerdings einer, die im Gegensatz zu manchen anderen nicht Produkte in den Mittelpunkt stellt, sondern die Freizeit. Und klar: Das Social Network ist eine PR-Maßnahme von Greenpeace. Ziel ist nicht nur schöner Kuscheln zwischen den Mitgliedern und eine aktive Freizeit. Im Idealfall wird diese auch genutzt, um Ziele der NGO zu unterstützten. Und schließlich will Greenpeace mit der Plattform auch Mitglieder gewinnen. Das funktioniert so: Registrierte Nutzer können kostenlos ein Profil anlegen. Wer aber mit anderen direkten Kontakt aufnehmen möchte, bezahlt dafür im Monate 5 Franken - und hat damit gleichzeitig die Mitgliedsgebühr für Greenpeace bezahlt. Wer schon Mitglied ist, darf gleich alles ohne weitere Kosten nutzen. Die Idee ist also, die Mitgliedschaft bei Greenpeace attraktiver zu machen.
Noch steht die Plattform vollkommen am Anfang, nur wenige Gruppen und Mitglieder sind zu sehen. Vom Konzept her ist LovePeace aber ein spannendes Special Interest Social Network, das wie neulich beschrieben eine spezielle soziale Rolle seiner User unterstützt. Entsprechend treten die Mitglieder der Community pseudonym auf. Ob so wiederum das Dating gut funktioniert, muss sich zeigen - ebenso wie die grundsätzliche Akzeptanz des Ganzen.
medico international ist eine der NGOs, die nicht nur in Krisengebieten still ihre Arbeit macht, sondern mit klaren politischen Forderungen an die Öffentlichkeit tritt - sei es für ein Verbot von Minen, für die Entschuldung Südafrikas oder für den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten. Seit kurzem gibt es von der Organisation das Jerusalem-Blog, das von Tsafrir Cohen, dem neuen medico-Repräsentanten in Israel und Palästina, gestartet wurde.
Das Ziel beschreibt Tsafrir Cohen so:
“In diesem Blog möchte ich Ihnen von unserer Arbeit und der Situation vor Ort berichten. Abseits aller vorgeblichen Kulturkämpfe soll ein direkter Blick auf diese komplexen und zugleich “fragmentierten” Gesellschaften ermöglicht werden, der Ihnen auch Möglichkeiten für solidarisches Handeln aufzeigen kann. Darüber hinaus soll der Blog dazu beitragen, auch in Deutschland eine Diskussion anzuregen, die sich - um die historischen Verantwortlichkeiten wissend - erneut und wiederholt mit den gesellschaftspolitischen Tatsachen vor Ort beschäftigt.”
Zwar handelt es sich beim Jerusalem-Blog eher um eine Online-Kolumne denn um ein Blog (es gibt keine Kommentare, keine Vernetzung, keine Permalinks, keinen Feed etc.), lesenswert sind die dort erschienenen ersten Beiträge jedoch allemal. An Beispielen aus dem Alltag will Cohen zeigen, welche “Diskrepanz zwischen der medialen Friedensrhetorik und der unmittelbaren Alltagssituation” besteht. Einblicke und Einschätzungen, die sonst den Weg in die Medien nur selten finden (Ausnahme: ein taz-Artikel von Cohen).
Damit könnte das Jerusalem-Blog ein wertvolles PR-Instrument für die NGO werden: Einerseits kann es als direkter, authentischer Kommunikationskanal jenseits der Mainstream-Medien angenommen werden, andererseits könnte er zur Quelle für Journalisten und Politiker werden. Zumindest in begrenztem Rahmen kann ein solches Projekt Einfluss auf die politische Debatte hier zu Lande nehmen und medico international hierin klar positionieren. Vielleicht spendieren die Online-Werker der Organisation dem Projekt ja noch ein paar Features, die das “Blog” wirklich zum Blog machen und die Vernetzung und Diskussion zum Thema ermöglichen. Bisher bleibt das Ganze trotz lesenswerter Texte jedenfalls hinter den Möglichkeiten des Kommunikationsinstrumentes zurück. Der Anfang ist aber gemacht.
Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat mich gebeten, ein paar aktuelle Herausforderungen der Nonprofit-PR zu beschreiben, und zwar für sein Magazin, die StiftungsWelt. Die aktuelle Ausgabe hat einen Schwerpunkt zur Kommunikation von Stiftungen. In Anlehnung an den kurzen Beitrag will ich hier sieben Thesen zur Nonprofit-PR zur Diskussion stellen:
PR ist PR. Von einem theoretischen Standpunkt aus unterscheidet sich Nonprofit-PR nicht von Profit-PR. In der praktischen Umsetzung gibt es aber Unterschiede (Gewichtung der Instrumente, Professionalisierung, Ressourcen etc.).
Nonprofit-Organisationen (NPOs) sollten die Bedeutung der Umweltbeobachtung nicht unterschätzen, um an der Entwicklung öffentlicher Themen aktiv teilnehmen zu können. Issue Management und (Corporate) Foresight sind nicht nur Aufgaben der Unternehmenskommunikation, sondern unterstützen auch das Agenda Setting von NPOs.
Damit hängt auch das Wirken einer PR-Abteilung nach innen im Sinne einer kommunikativen Managementberatung zusammen. Der vergleichsweise hohe Anteil von Quereinsteigern in den PR-Abteilungen vieler NPOs dürfte dies jedoch im Einzelfall erschweren.
Die Markenbildung ist nach wie vor besonders für dezentrale NPOs eine große Herausforderung, die aber gemeistert werden muss, um im Kampf um Aufmerksamkeit, im Fundraising sowie im Wettbewerb um (ehrenamtliche) Mitarbeiter langfristig bestehen zu können.
Viele NPOs leisten tagtäglich wertvolle Arbeit, die aber in der nachrichtenwert-getriebenen Medienwelt schwer thematisiert werden kann. Eine Strategie, um dennoch öffentlich präsent zu sein, wäre, sich als Experte für ein gesellschaftliches Thema zu profilieren und sich zu aktuellen Diskussionen aktiv in den Medien zu positionieren. Dies kann (muss aber nicht) mit einer Personalisierungsstrategie einhergehen, um der NPO ein Gesicht mit hohem Wiedererkennungswert zu geben.
Campaigning spielt in der Nonprofit-PR eine besondere Rolle. Wertvolle Bausteine hierzu sind gute (und in Praxis oft gar nicht teure) Bildideen (wichtiger ist oft die Überlegung, wo Agenturfotografen unterwegs sind). Eine der Herausforderungen der Online-PR als Bestandteil des Campaignings von NPOs ist sicherlich, aus Sympathisanten Multiplikatoren zu machen - und zwar solche, die nicht nur einmal eine Online-Petition unterzeichnen, sondern dauerhaft die Kommunikationsziele der NPO unterstützen - etwa im eigenen Weblog oder durch das Gründen einer Gruppe in einem Social Network.
Die Erwartungen an Nonprofit-Kommunikation in Bezug auf Transparenz und Glaubwürdigkeit sind noch höher als in der Profit-Kommunikation. Hierzu gehört auch die Kontinuität der Kommunikation. In der Praxis kommunizieren viele NPOs jedoch nur punktuell, versäumen aber z.B. über Fortschritte (und Rückschläge) ihrer Projekte zu berichten.
Weitere Artikel im Magazin beschäftigen sich u.a. mit Personalisierung in der Stiftungskommunikation, Stiftungen von Medien, Wahrhaftigkeit und Offenheit in der Kommunikation.
Pleil, Thomas (2007): Zuhören und Multiplikatoren gewinnen. Nonprofit-PR: Öffentliche Debatten als Herausforderung, in: Stiftungs-Welt, Heft 4: 6-7 (pdf-Download).
Morgen (1. Dezember) ist Welt-Aids-Tag. Auf die Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung hatte ich neulich schon hingewiesen. Beim neuerlichen Besuch der Kampagnen-Website bin ich über ein interessantes CSR-Projekt gestolpert: “Friseure gegen Aids“. Mit der Unesco im Boot hat der Kosmetikhersteller L’Oréal diese Aktion gestartet.
“Friseursalons sind Kommunikationszentren. Ob eine intensive Unterhaltung mit dem Friseur oder ein Plausch mit anderen Kunden, ein Friseurbesuch beinhaltet immer auch einen regen Informationsaustausch. Grund genug, an diesem Punkt mit der Aufklärung anzusetzen. “Friseure der Welt gegen AIDS” hat sich zum Ziel gesetzt, breite Bevölkerungsschichten über das Thema HIV/AIDS zu sensibilisieren, indem Friseure als Botschafter für die Aufklärung fungieren. Deswegen werden im Rahmen des Projekts “Friseure der Welt gegen AIDS” Informationssequenzen über HIV/AIDS in Fortbildungskurse und Großveranstaltungen für Friseure eingebunden, um so eine möglichst große Öffentlichkeit zu erreichen.”
Ich kann von außen nicht beurteilen, wie gut diese schon seit einigen Monaten laufende Aktion funktioniert, aber die dahinter stehende Idee gefällt mir und passt gut zu einer Firma wie L’Oréal. Viele weitere Aktionen - auch von kleinen privaten Gruppen - sind hier aufgelistet. Wer sich professionell mit Campaigning beschäftigt, findet dort noch ein paar Bausteine (und wer sich beteiligen mag, natürlich auch).
“Alles nur Forschung”, wird in Japan behauptet - “alles Augenwischerei” entgegnen Tier- und Umweltschützer. Gemeint ist der Walfang, den eine japanische Flotte nun wieder aufnehmen will. Vor einem Jahr haben sich die Isländer damit unbeliebt gemacht (und den Walfang inzwischen wieder beendet). Damals fand ich die Kommunikation der deutschen Greenpeace-Campaigner etwas dünn - diesmal finde ich noch weniger Kommunikationstools (keine Presseinfo, keine Petition), aber ich freue mich über das Greenpeace-Blog “Zwischen Walen und Harpunen“, in dem eine Aktivistin live von der Esperanza bloggt, die den Japanern (so gut es mit friedlichen Mitteln geht) den Fang vermasseln will.
Obwohl das Blog erst angelaufen ist und nur mit einer IP-Adresse firmiert, findet darin schon eine recht intensive Diskussion statt - und trotz mancher kleiner Geheimnisse (aus den ersten Posts werden wohl nur Insider schlau) könnte das Blog zu einem wichtigen Kommunikationskanal werden, der direkt Sympathisanten in der Heimat auf dem Laufenden hält. Bislang ist das Blog von außen noch nicht verlinkt (obwohl es ziemlich viele Beiträge zum Thema Walfang in der Blogosphäre gibt), jedoch im Moment prominent auf der Startseite von Greenpeace präsentiert.
Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Die Heimat der Online-Kampagne dazu empfehle ich schon heute anzuschauen. Denn dort findet man eine Menge Ideen verwirklicht, die eine zeitgemäße Kampagne ausmachen. Da gibt es Testimonals, Möglichkeiten zum Mitmachen (als Botschafter, Blogger oder mit eigenen Fotos), Videos, Materialien, eine Übersicht zu geplanten Aktionen - und wer mag, kann sich als Autor für das offizielle Blog bewerben.
Als Beispiel hier das Kampagnenvideo mit Samy Deluxe, das auch als Werbespot verwendet wird:
Nach dem Aktionstag “Free Burma” am 4. Oktober läuft heute die schon seit Monaten vorbereitete Grassroot-Kampagne “Blog Action Day“. Weltweit sollen es etwa 16.000 Blogger sein, die einen Beitrag zum Thema Umwelt geschrieben haben bzw. noch schreiben. Erste Auffälligkeit: Bei technorati ist “Blog Action Day” heute das am häufigsten gesuchte Schlagwort. Und wie groß ist der Buzz insgesamt?
Laut BlogPulse kann man die Resonanz mit der Resonanz auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an Al Gore vergleichen. Dies übersteigt in den Peaks die Nennung von George Bush bei Weitem. Nach meiner Beobachtung dürfte der US-Präsident der über die Zeit am häufigsten genannte Politiker sein.
Im Vergleich zur Free Burma-Aktion findet der Blog Action Day deutlich mehr Widerhall im Netz. Allerdings wird an diesem Vergleich deutlich, dass solche Aktionen - ähnlich wie herausragende Tagesnachrichten (Friedensnobelpreis) - naturgemäß nur kurze Aufmerksamkeit generieren.
Mit Aktionen wie “Free Burma” oder dem “Blog Action Day” konnte aus meiner Sicht durchaus das Mobilisierungspotenzial des Netzes beobachtet werden. Allerdings zeigt sich auch, dass ein wichtiger Erfolgsfaktor solcher Aktionen zu sein scheint, dass sich prominente Blogger das Thema auf die Fahnen schreiben. In Deutschland jedenfalls hat nach meinem ersten Durchschauen der Posts kaum einer der bekannteren Kleinbloggersdorfer mitgemacht. Überhaupt ist die Wahrnehmung in Deutschland nicht gewaltig, was sich z.B. in Rivva zeigt - beziehungsweise zeigt sich dort das Thema bisher eben nicht. Dabei gibt es laut Google Blog Search im Moment immerhin etwa 380 deutschsprachige Posts zum Thema (inkl. Ankündigungen). Beispielsweise ein Interview mit einem Pressesprecher von Greenpeace; andere Themen sind z.B. grüne Provider, der Schutz der Ostsee oder Umweltschutz in der Küche. International sind eine Menge sehr bekannter Blogs dabei, übrigens u.a. auch Google und YouTube.
Eine der größten Herausforderungen ist aus meiner Sicht, Nachhaltigkeit für solche Kampagnen herzustellen. Denn die Posts decken so viele unterschiedliche Umweltthemen ab, dass sie eigentlich mehr bieten als eine Online-Demonstration. Teilweise hat man den Eindruck, dass viele Fachleute - aber auch eine Menge Privatleute - wertvolles Fachwissen veröffentlichen, das aber allein über Tagging mit dem einen Stichwort zur Aktion in der Masse untergehen könnte. Irgendwie wünschte ich mir da einen Service, mit dem ich nach einem Tag suchen kann, im Ergebnis aber eine Tag-Cloud angezeigt wird, die alle Tags enthält, die in Verbindung mit dem gesuchten Begriff verwendet wurde. Ich kenne solche “related tags”-Anzeigen bei technorati und Social Bookmarking-Diensten. Allerdings zeigt technorati meines Wissens nur drei, vier Tags an und Social Bookmarking wäre ein Umweg. Kennt jemand einen umfassenden Service in dieser Richtung? Wäre eine nette Lösung, um auf einer Kampagnensite die Resonanz feingliedrig und nachhaltig darzustellen…
Mit der neuen Kampagne “unsubscribe me” will amnesty international deutlich machen, dass es eine Menge Leute gibt, die Menschenrechtsverletzungen, die Staaten im so genannten Krieg gegen den Terrorismus begehen, nicht länger akzeptieren wollen. Auf der Kampagnensite finden sich viele, viele webzwonullige Ansätze, um die Botschaft zu verbreiten - angefangen von einem Kampagnenfilm, Bannern und Slides über Widgets, eine Blogübersicht, Bookmark- und Social Network-Integration bis hin zu einer - wie ich finde - besonders innovativen Übersichtsseite: Auf ihr wird aufgelistet, welche Teile der Site man bereits genutzt hat und welche nicht - verbunden mit den Nutzungszahlen anderer. So sieht man, was andere interessiert und man selbst noch nicht entdeckt hat. Allerdings ist diese Orientierung auch ziemlich nötig, denn das Design der Website schafft dies nicht, wie auch netzpolitik meint, wo ich auf die Kampagne gestoßen bin.
So schlimm die Situation ist - es ist faszinierend, mit welcher Intensität das Thema Burma im Netz diskutiert wird. Eine Menge politischer Reflexion (nur zweiBeispiele) findet abseits der klassischen Medien statt, und sehr wertvoll sind natürlich Links zu guten Informationsquellen, wie sie an vielen Stellen veröffentlicht werden (ein Beispiel). Viele stellen sich natürlich die Frage, was sie noch tun können - ein paar Tausend Kilometer entfernt. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Social Networks wie Facebook eine unglaubliche Dynamik entwickeln können und zur Drehscheibe einer (Graswurzel-)Kampagne (via Corporate Engagement).
Die Facebook-Gruppe “Support the monks protest in Burma” wächst rasend: Am Montag gegründet, hat sich nun schon knapp 80.000 Mitglieder. Was wichtiger ist: In der Gruppe werden aktuelle Informationen gesammelt und vor allem wird das Engagement ihrer Mitglieder kanalisiert. Wer möchte, bekommt Vorschläge, wie er sich engagieren kann. Unter anderem wird da Unternehmen auf die Finger geschaut und die Mailadressen von Firmen, die noch in Birma aktiv sind (oder zu sein scheinen), werden für Protestschreiben gesammelt. Für Unternehmen ein klares Signal, dass ihr Tun auch am anderen Ende der Welt wahrgenommen wird. Zahlreiche weitere Aktionen werden auf der Gruppenseite aufgeführt: Unter anderem ein Hungerstreik am kommenden Montag.
Heute ist übrigens Red T-Shirt Day - als Zeichen für die Solidarität mit den Mönchen. Mein einziges rotes T-Shirt trägt die Aufschrift “Steh auf” und zeigt zwei gereckte Fäuste. Passt.
Wikis dürften im Campaigning von NGOs in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Ein gutes Anschauungsobjekt ist das Wiki des AK Vorrat, der sich gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung engagiert. Dass in das Campaigning viele gute Ideen eingeflossen sind, zeigt die Übersichtsseite. Eine dieser Ideen: Plakate, die man - ganz im Sinne des Campaigings - selbst vervielfältigen und aufhängen kann:
In diesen Zusammenhang passt auch der Hinweis, dass natürlich auch eCard-Aktionen z.B. an Politiker, nach wie vor ein sinnvolles Instrument im Campaigning sein können. Eine solche Aktion hat nun campact begonnen und zwar zum Thema Online-Durchsuchung (via):
Heute gleich noch ein Beispiel für eine witzig gemachte Kampagne: Bahnopoly - “eine Reise mit der Bahn ins Jahr 2013 durch alle Untiefen der geplanten Bahnprivatisierung. Sie haben keine Chance und können nur verlieren. Also, los geht’s! Klicken Sie auf die Würfel!”
Im Anklang an Monopoly werden die befürchteten Auswirkungen der Bahnprivatisierung den Spielern vor Augen geführt (die Details verrate ich nicht - selbst spielen ist angesagt). Und wer genug davon hat, kann einen Brief an seinen Abgeordneten schicken - mitsamt dem Bahnopoly. Hintergrund: Am 13. September will die Bundesregierung das Thema in den Bundestag bringen, die Kritiker fürchten, dass die Bahn weit unter Wert verscherbelt wird und sich aufgrund zu hoher Renditeerwartungen Strecken stillgelegt, noch mehr Arbeitsplätze abgebaut werden und sich der Service verschlechtert. Auf der Kampagnensite gibt es noch eine Menge Ideen und praktischer Ratschläge, wie man selbst aktiv werden kann; Aktuelles zum Thema gibt’s in einem Blog und - ja, gibt’s denn das auch noch? - morgen sollen um 11.55 Uhr in möglichst vielen Bahnhöfen Flashmobs steigen (Hintergrund). Schade nur, dass die vielen Informationen trotz sehr innovativer Online-Tools zum Teil nur schwer zu überschauen sind - und das Blog keine Permalinks produziert!
Hinter der Aktion steckt übrigens Campact, ein Online-Netzwerk, an dem sich etwa 40.000 Menschen beteiligen. Partner der Bahnaktion sind mehrere Gruppen wie attac, der VCD, der nabu und andere. Neben einer Kampagne gegen Gentechnik im Essen gibt’s von Campact übrigens auch eine Kampagne gegen Spritfresser (und das Lobbying der deutschen Autoindustrie gegen die CO2-Pläne der EU) u.a. mit einem hübschen Video, das ich aber unter wordpress.com leider nichtnun direkt einbinden kann
Der Wettlauf der Staaten um die wohl bald vom Eise befreite Antarktis zur Ausbeutung der dortigen Ressourcen ist ein Problem, auf das Greenpeace aufmerksam machen möchte und um Unterstützung einer Petition wirbt. Doch wie kann man auf ein nacktes Formular aufmerksam machen? Wie das Thema visualisieren? Ich finde, die Campaigner haben mit diesem Video eine nette Lösung gefunden: Ja, man kann witzige Ideen auch in der Badewanne umsetzen.
Gleichzeitig sei bei dieser Gelegenheit auf den Greenpeace-Channel bei YouTube verwiesen, der nun seit fast einem Jahr schon besteht. Kanäle wie diese halte ich in Zukunft für’s Campaigning für ähnlich wichtig wie Blogs - schließlich nehmen Videoplattformen laut ARD/ZDF-Onlinestudie mehr Nutzer wahr als Weblogs. Wobei Blogs und Videos unterschiedliche - sich ergänzende - Bedürfnisse befriedigen.
... ist eine private Website von Thomas Pleil. Ich sammle hier Versatzstücke zu den Themen, die mich (beruflich) am meisten beschäftigen: Public Relations, Medien und ab und zu ein bisschen Marketing. Und wer mag, erfährt auf den Seiten oben ein wenig mehr über meine Arbeit.