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#onkomm13: Das Barcamp

Über #onkomm13 an diesem Wochenende habe ich ja schon mehrfach berichtet. Heute gibt’s eine kleine Rückschau auf den für akademische Veranstalter experimentellen Teil, das Barcamp. Die Mischung der Teilnehmer war so bunt wie erhofft: Sie kamen aus PR-Agenturen, sind selbständig oder in einem Unternehmen, andere promovieren gerade, sind Dozenten und auch Professoren waren dabei. Es war zwar keine riesige Gruppe, aber die etwa 20 Teilnehmenden kamen bei allen vier Sessions sehr schnell in intensive Diskussionen. Etwa die Hälfte davon hatte Barcamp-Erfahrung.

Aufgrund der speziellen Konstellation nach dem wissenschaftlichen Teil der Konferenz war das Barcamp nur einen halben Tag lang. Wer wollte, konnte schon am Vormittag sich einige Studien zu Social Media-Strategien und einen Praxisvortrag zu Social Media bei der Volkswagen AG anhören. Doch zurück zum Barcamp: Auch wenn viele Konferenzteilnehmer nach einer langen Woche mittags abgereist waren, war das Ganze für mein Empfinden erfolgreich.

Mr. Barcamp Daniel Rehn

Mr. Barcamp Daniel Rehn

Sehr spannend war die Schlussrunde, denn das Barcamp war ein Experiment, in dem es vor allem darum ging, eine wissenschaftliche Tagung durch ein Format zu ergänzen, das einen Austausch zwischen Akademikern und Praktikern erlaubte. Das Positive: Alle hatten großen Spaß, und fast alle wünschen sich eine Wiederholung dieses Konzepts (am besten mit etwas mehr Raum als einem halben Tag).

Auf der anderen Seite wurde auch diskutiert, ob es eine gute Idee sei, live quasi jeden rohen Gedanken zugespitzt und aus dem Kontext herausgerissen zu twittern, wie es einige wahrgenommen hatten. Sie wünschten sich das Barcamp eher als geschützten Raum zum lauten und diskursiven Nachdenken. Andere haben die mit dem Twittern verbundene Transparenz und Öffnung nach außen positiv gesehen, allein auch zur Dokumentation.

Vor diesem Hintergrund habe ich natürlich überlegt, ob es überhaupt in Ordnung ist, das einmal in Häppchen Veröffentlichte nun auch noch zu bündeln. Ich habe mich denn doch für ein Storify entschieden, weil mir die Dokumentation einiger Überlegungen sinnvoll schien. Klar sollte jedem Leser sein, dass nicht jeder Tweet eines Teilnehmers zu 100% dessen Meinung sein muss, sondern dass dieser auch einfach eine Notiz fürs Protokoll sein kann.

Ein besonderes Dankeschön geht abschließend an Daniel Rehn, der das Ganze moderiert und noch eine Session mitgebracht hat. Die Sessions des Barcamps drehten sich um Verbreitungsmechanismen von viralen Content im Netz, um Hypes in der Onlinewelt, um Unternehmen, die ihre Zielgruppen partizipieren lassen (meist an der Produktentwicklung) und um das mobile Netz und Online-PR.

Weiteres Material:
Zusammenfassung der Sessions in Storify.

#onkomm13: Strategische Onlinekommunikation – ein paar Beobachtungen

Logo mit Flame (weiß) WebWas hat die PR-Forschung auf dem Gebiet der Onlinekommunikation zu sagen? Und wie geht sie damit um, dass in der PR-Praxis traditionelle Grenzen zwischen Disziplinen wie Marketing und PR verwischen? Theorie und Praxis – PR-Forschung und PR-Alltag. In diesem immer währenden Spannungsfeld bewegt sich selbstverständlich auch die Onlinekommunikation. Dies gilt auch für die Tagung #onkomm13, deren wissenschaftlicher Teil heute begonnen hat.

Für die Tagung war dieses Spannungsfeld – wie hier berichtet - bereits eine wichtige Koordinate bei der Planung der Veranstaltung. Kurz nochmal zum Konzept: #onkomm13 wurde gestern mit einem Doktorandenworkshop begonnen, heute und morgen Vormittag findet eine klassische wissenschaftliche Konferenz statt und morgen Nachmittag folgt dann das Barcamp, in dem wir den Austausch von Wissenschaft und Praxis ermöglichen wollen. Im wissenschaftlichen Teil heute sind die meisten Teilnehmer PR-Forscher aus dem deutschen Sprachraum, es handelt sich um die Jahrestagung der Fachgruppe PR und Organisationskommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Als Mitveranstalter der Tagung  (die Hauptlast trugen mein Kollege Olaf Hofjann und sein Team der Hochschule Ostfalia) habe ich zur Eröffnung  ein paar Beobachtungen zur Onlinekommunikation schildern können.

Forschungssilos aufbrechen

Im Wesentlichen habe ich dabei die eingangs gestellten beiden Fragen diskutiert. Kurz zusammengefasst: Ich meine, die PR-Forschung hat schon vor langem einige Konzepte entwickelt, die erst jetzt auf breiterer Ebene umgesetzt werden (z.B. Integrierte Unternehmenskommunikation, Issues Management, Stakeholderanaylse). Hier können wir uns in viele aktuelle Diskussionen einbringen. Dabei stellt sich jedoch aus meiner Sicht die Frage der Rolle der Forschenden: Sind sie distanzierte Beobachter, oder kennen sie die Online-Party aus eigener Erfahrung? Hier gibt es unterschiedliche Perspektiven, die sich um den Begriff der Glaubwürdigkeit drehen. Gleichzeitig sehe ich in der aktuellen Situation – in der zu Onlinekommunikation nach meinem Eindruck noch immer mit überschaubaren Ressourcen geforscht wird – das Risiko, dass wir zu sehr Einzelphänomenen nachgehen und grundlegende konzeptionelle Fragen kurz kommen. Und schließlich meine ich, dass PR-Forscher sich sehr gut bei Themen einbringen können, die von anderen Disziplinen stärker diskutiert werden, so zum Beispiel Enterprise 2.0, Innovationsmanagement oder Unternehmenskultur. Selbst klassische kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen wie die Verbreitung von Themen (im Netz) können manche Wirtschaftsinformatiker hervorragend bearbeiten (aufgrund technischer Kenntnisse vielleicht sogar besser). Doch es geht nicht um die Frage von Gärtchen, sondern um die Wahrnehmung anderer, um bessere Teams für große Fragestellungen zusammen stellen zu können. Die Analogie: Wenn in der Unternehmenspraxis vom Aufbrechen von Silos gesprochen wird, müsste das dann nicht auch für die Forschung gelten?

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Blogger Relations: Zeit statt Geld

Zu Blogger Relations wurden in den vergangenen Jahren schon viele, viele gute Artikel geschrieben. Was soll ich also dazu noch sagen, dachte ich mir, als Mike Schnoor zur Blogparade aufgerufen hat. Beim Lesen einiger neuerer Texte ist mir eine immer wieder kehrende Botschaft aufgefallen: “Blogger Relations sind teuer”, wird oft argumentiert. Dies ist sicher nicht falsch. Aber ich möchte durch meinen Artikel eine andere Perspektive in die Diskussion bringen. Ich behaupte: Man muss nicht immer riesig-aufwändige Blogger-Events aus dem Boden stampfen. Der Baukasten zu Blogger Relations enthält auch kostenlose Möglichkeiten. Naja, nicht ganz kostenlos, denn Zeit muss schon investiert werden, und zwar dauerhaft. Aber man muss nicht zwingend gleich ein großes Budget schaffen.

Blogger Relations: Das Gegenteil von Rumposaunen?

It’s all about the money“, hat Jens Stoewhase seinen Beitrag bei medienrot zur Blogparade überschrieben, und er führt aus:

Wer sich in der Kommunikationsbranche bereits mit Blogs auseinandergesetzt hat, der wird wissen, dass es Inhalte und die dazugehörenden BloggerInnen nicht für umsonst gibt. Teilweise bekommt man sicherlich für einen günstigen Gegenwert einen Text geschrieben, aber wenn man das Thema insgesamt betrachtet, dann kommen da einigen Kosten zusammen.

Man könnte lange über diese Formulierung diskutieren. Ich lasse es dabei bewenden, dass dieser Gedankengang so nicht ganz von mir käme. Recht gebe ich Jens Stoewhase aber, wenn er betont, dass der Begriff “Blogger Relations” eigentlich in die Irre führt und es nicht nur um Blogs geht, sondern um Beziehungen zu

selbständig und eigenverantwortlich publizierende Menschen, die ihre Inhalte in der Form von Fotos, Grafiken, Videos, Audiopodcasts und Texten auf verschiedenen Plattformen veröffentlichen.

Manche sind auf vielen Plattformen gleichzeitig unterwegs, andere besonders auf Youtube oder Facebook, Twitter oder Instagram. Der Einfachheit halber spreche ich jedoch weiterhin von Bloggern.

Richtig ist bestimmt auch, dass viele Aktivitäten, die Unternehmen für Blogger planen, immer aufwändiger geworden sind in den letzten Jahren, denken wir zum Beispiel an manche Events für Reise-, Mode-, Tech- oder Autoblogger. In diesem Atemzug muss man auch sagen, dass in diesen Feldern teilweise eine große Professionalisierung geschehen ist und einzelne Blogs sich eine enorme Wahrnehmung erarbeitet haben – und Blogger anspruchsvoll sein müssen, wenn es um gute Inhalte geht. Und damit Arbeitsabläufe für Blogger funktionieren und Wichtiges rüberkommt, müssen auch Events professionell organisiert sein, die dann kein nettes Freizeitvergnügen, sondern eben auch Arbeit für die beteiligten Blogger sind. Dass auf der anderen Seite gelegentlich eine übertriebene Anspruchshaltung von Bloggern gegenüber Firmen kritisiert wird, sei nicht verschwiegen. Soll’s ja auch bei Journalisten geben.

Doch das ist nicht mein Thema. Mir geht es ja um einfache Ansätze der Blogger Relations. Diese sind überhaupt nicht neu – ich kann sie also nur in Erinnerung rufen. Gemein ist meinen Vorschlägen, dass sie darauf abzielen, Blogger endlich nicht als Pitch-Opfer zu sehen – nach dem Motto: Wir mailen ihnen ja so tolle Infos, da müssen die einfach publizieren. Statt dessen zielen meine Tipps darauf ab, ohne klassische Verteiler auszukommen.

Kurz zusammengefasst habe ich vier simple Tipps: Zuhören, diskutieren, verlinken, treffen. Was ist damit jeweils gemeint?

Baustein 1: Zuhören
Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, den für mein Unternehmen relevanten Bloggern online zu folgen und ihre Blogs zu lesen bzw. wahrzunehmen, was sie wo auch immer im Netz publizieren. Wer hierauf verzichtet, wird weder im Themenfeld (zumindest wie es online diskutiert wird) wirklich zu Hause sein, noch wirklich verstehen, wie die Community tickt und was sie beschäftigt. Wie wird argumentiert, wie ist der Kommunikationsstil, welche Trends werden gesehen, welche Erwartungen formuliert? Aus meiner Sicht ist dieses Zuhören die entscheidende Grundlage für die nächsten Bausteine.

Baustein 2: Diskutieren
Jetzt kommt der vermutlich heikelste Punkt: Bloggen ist ein Angebot zur Diskussion (zumindest in 95 Prozent der Fälle). Wer also bloggt, lädt andere zur Diskussion ein. Das gilt im Grundsatz auch für Vertreter von NGO oder von Firmen. Heikel ist dieser Punkt aber, weil die Gefahr nicht gering ist, dass eine solche Diskussion nicht gelingt, weil Firmenvertreter sich vielleicht unglücklich anstellen. Vielleicht haben sie nicht gut genug zugehört und deshalb nicht gemerkt, dass auf sie im einen Blog grundsätzlich allergisch reagiert wird, oder dass es im anderen spezielle Vorbehalte gibt. All dies muss aber nicht sein, aber deshalb sollte man ja wissen, in welches Wasser man sich begibt. Unabhängig von Einstellungen gegenüber von Unternehmen gibt es aber vermutlich bestimmte Erwartungen an den Kommunikationsstil. “Transparent” und “auf Augenhöhe” heißt es da zu Recht immer so schön. Will heißen: Man muss schon zu verstehen geben, wessen Interesse man vertritt. Und diskutieren heißt nicht, Werbefloskeln abwerfen. Wer aber dies beherrscht, kann nach meiner Einschätzung sich einigen Respekt verdienen.
Bei dieser Gelegenheit sei angemerkt: Wer sich in Diskussionen beteiligt, tut dies ja, um diese voran zu bringen, um neue Argumente oder Sachverhalte einzubringen oder mit konkreten (vielleicht auch mal klarstellenden) Fakten aufzuwarten. Und noch ein letzter Aspekt zum Thema Diskutieren: Ich muss nicht zwingend in den Kommentaren eines Blogs diskutieren: Wenn ein Thema gewichtig genug ist, kann ich die Diskussion auch auf eigenen Plattformen aufgreifen (ähnlich wie ich das oben gemacht habe). So ich denn eigene Plattformen im Social Web habe.

Baustein 3: Verlinken
Für mich ist’s eine ganz simple Sache: In der digitalen Kommunikation beginnen Beziehungen mit Links und nicht mit Verteilerlisten. Also gehört Verlinken zu Blogger Relations. Auch das geht natürlich nur, wenn ich auf Augenhöhe kommuniziere. Also, wenn ich selbst ein Blog habe, oder ein Profil in einem Social Network. Dann kann man sehr einfach auch mal auf lesenswerte (oder kontroverse) Beiträge eines Bloggers hinweisen bzw. diese aufgreifen. Man benötigt dazu den Mut, gegen manche Chefs zu agieren, die meinen, Verlinkungen zu anderen Angeboten seien ja grundböse. Ich sehe das anders: Nämlich als Zeichen dafür, dass ich die Arbeit eines anderen respektiere und dass – nebenbei – Links ein Service für meine Leser sind. Das selbe gilt übrigens für die Blogroll, die ja auch eine Form der Verlinkung darstellt (ich sage das, auch wenn mir bewusst ist, dass viele die Blogroll für altmodisch halten).

Baustein 4: Treffen
Auch ein altbekannter Ansatz: Dorthin gehen, wo Blogger eben sowieso sind. Also auf Messen, Barcamps oder andere Veranstaltungen. Hat man die ersten drei Bausteine hübsch gestapelt, findet man bestimmt eine Möglichkeit, sich dann mal persönlich bei einer Tasse Kaffee auszutauschen.

Fazit:
Wie gesagt, meine vier Bausteine sind an sich alt bekannt, ganz ähnlich argumentiert z.B. Michael Kausch. Hinter ihnen stehen wiederum verschiedene Fragen. Zum einen frage ich mich, ob man ernsthaft Blogger Relations ohne eigene Plattform – am besten ein Corporate Blog – betreiben kann (mehr dazu bei Klaus Eck). Dies gilt natürlich nicht nur, weil man im eigenen Blog reagieren kann, sondern besonders, weil man Themen setzen kann, die hoffentlich so interessant sind, dass auch mal von anderen weitergetragen werden. Die zweite Frage ist die, inwiefern sich das von mir beschriebene Verhalten auslagern lässt. Anders ausgedrückt: Ich vermute, dass viele Agenturen dazu neigen, Blogger Relations ähnlich wie Pressearbeit zu verstehen (“wir brauchen gute Verteiler”) oder/und sehr aufwändige Events umsetzen. Das kann in vielen Fällen sinnvoll sein, und eine gute Agentur ist da sicher viel wert. Langfristige Blogger Relations funktionieren aber nach meiner Erfahrung zwischen Personen, die sich gut kennen, am besten. Nicht jede Agentur hat solche Persönlichkeiten, die noch dazu langjährig an ihrer Position sind (bzw. billigen viele Kunden ihren Agenturen ja nur kurzfristige Projektarbeit zu). Insofern meine ich, dass mit oder ohne Agentur sich mindestens eine Person im Unternehmen für Blogger Relations verantwortlich fühlt. Und die dritte Frage betrifft letztendlich die Haltung, mit der Bloggern begegnet wird. Sollen sie instrumentalisiert werden, damit sie mein Thema schreiben oder geht es um wirkliche Beziehungspflege, in der beide Seiten sich respektieren?

Eine Klarstellung ist mir jedoch wichtig: Die hier beschriebene Vorgehensweisen sind kein Allheilmittel und ich will nicht in Frage stellen, dass in vielen Fällen viel aufwändigere Ideen umgesetzt werden sollten. Wie immer in der PR muss man sich die Situation individuell anschauen. Und letztlich würde ich den Botschaft so formulieren: “It’s all about time.”

Abschließend noch ein Hinweis auf andere Artikel, die ich schon mal zu Blogger Relations geschrieben habe:

#onkomm13: Wissenschaftliche Konferenz und Barcamp

Logo mit Flame (weiß) WebIch muss mal wieder einen Terminhinweis loswerden:  Am 1. und 2. November 2013 gibt’s in Wolfsburg eine Doppelveranstaltung zu Onlinekommunikation, die #onkomm13. Doppelveranstaltung bedeutet: Ein Teil ist wissenschaftliche Tagung, ein Teil ist Barcamp. Letzteres hat das Ziel, Wissenschaftler und PR-Praktiker zusammenzubringen. Die Anmeldung läuft.

Um den Hintergrund von #onkomm13 zu erklären, muss ich ein wenig ausholen: Gestartet ist das Ganze mit der Entscheidung der Fachgruppe PR und Organisationskommunikation in der DGPuK (Dt. Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft), ihre Jahrestagung dem Thema Onlinekommunikation zu widmen. Olaf Hofjann, Professur für Medien und Marketing an der Ostfalia Hochschule, und ich hatten zugesagt, die Tagungsleitung zu übernehmen (die Organisation läuft dankenswerterweise an der Ostfalia). Uns war klar, dass gerade das Thema Onlinekommunikation Wissenschaftler und Praktiker interessieren dürfte. Nur: PR-Praktiker fühlen sich mit dem Format der wissenschaftlichen Tagung oft nicht sehr wohl. Auf der anderen Seite, so haben Diskussionen mit den Kollegen in der Fachgruppe gezeigt, ist für Wissenschaftler der Diskurs mit den Kollegen sehr wichtig – eine Veränderung des klassischen Tagungsformats kam also nicht in Frage.

So entstand die Idee zweier Formate: Wir haben im Vergleich zu den Vorjahren den wissenschaftlichen Part etwas gekürzt, um Raum zu schaffen für ein BarCamp. Das muss kein Riesenevent werden, sondern soll gute Diskussionen fördern – zwischen Praktikern und Wissenschaftlern. Die Idee: Man kann über Forschungsideen diskutieren, über Work in Progress, Ausbildungsfragen – was auch immer. In jedem Fall hoffen wir, dass durch die Konstellation der Teilnehmenden spannende Gespräche entstehen. Zwei Dinge freuen mich in diesem Zusammenhang besonders: Erstens, dass mit Daniel Rehn einer unserer Absolventen und ein erfahrener BarCamper mit im Orga-Boot sitzt; zweitens, dass sich bereits einige Kollegen aus der Wissenschaft angemeldet haben. Für fast alle von ihnen dürfte dies das erste BarCamp sein. Dass sich hierauf wahrscheinlich nicht alle Kollegen einlassen werden, haben wir erwartet.

Umgekehrt hoffen wir jetzt natürlich auch, dass sich einige Praktiker für dieses Experiment begeistern lassen und sich – damit wir planen können - hier anmelden und vielleicht auch schon einen Sessionvorschlag machen. Die Teilnahme am BarCamp ist natürlich kostenfrei. Wer möchte, kann auch gern an der wissenschaftlichen Tagung teilnehmen. Möglich ist auch, am Freitagabend zu beginnen und am Samstag Vormittag vor dem BarCamp die wissenschaftlichen Panels mitzunehmen. Dank einer großzügigen Förderung durch die Autouni Wolfsburg und Volkswagen ist die Tagungsgebühr relativ gering.

Vorgestellt werden auf der wissenschaftlichen Tagung Studien und theoretische Überlegungen zu vielen spannenden Fragen der Onlinekommunikation: beispielsweise zu Erwartungen von Nutzern an Unternehmenskommunikation im Social Web, zu Strategien der Onlinekommunikation, zur Frage des Dialogs im Web oder zu Plattformen wie Facebook, Pinterest etc. Das gesamte Programm der wissenschaftlichen Tagung steht hier. Und wer uns folgen möchte: Ab und zu werden wir zur #onkomm13 auch twittern.

Update (16.9.): Wem ein halbtägiges Barcamp zu kurz ist, kann sehr gern am Freitagabend schon zur Abendveranstaltung (Abendessen der Teilnehmer) kommen und dann am Samstag an der Konferenz teilnehmen. Hierfür wird lediglich ein Unkostenaufwand von 20 Euro für die Verpflegung berechnet.

Visual Turn der PR: Werden KMU abgehängt?

Seit ein paar Jahren beobachten wir, dass Fotos und Videos gerade in der Onlinekommunikation fast unverzichtbar werden. Das hängt einerseits natürlich mit den Qualitäten von Bildern gegenüber Texten zusammen, andererseits verstärken viele Plattformen durch ihr Konzept den Druck, gute Bilder zu haben. Mit seinem Relaunch hat gerade eben Google+ seinen Beitrag zum Visual Turn in der PR geleistet. Aus Nutzersicht ist das sicher nicht verkehrt, aus Kommunikationssicht frage ich mich aber, ob diese Entwicklung besonders für KMU schmerzhaft ist und die Gefahr besteht, dass diese sich zunehmend schwer tun, eine angemessene Content Strategie zu entwickeln.

Wie können KMU eine fokussierte visuelle Content Strategie entwickeln?

Wie können KMU eine fokussierte visuelle Content Strategie entwickeln?

Aktueller Auslöser dieser Frage ist wie gesagt der diese Woche erfolgte Relaunch von Google+. Eine der auffälligsten Änderungen neben dem Pinterest-ähnlichen Kacheldesign: Fotos sind richtig groß und auffällig geworden, sie können die ganze Seitenbreite füllen. Das bedeutet Aufmerksamkeit, wenn man tolle Fotos (oder Grafiken) hat. Und schlechte Fotos oder keine zu haben, fällt erst recht auf, wie futerebiz argumentiert. Für bildstarke Marken ist das natürlich toll. Allerdings ist die Frage, wie kleine und mittelständische Unternehmen eine so stark visuell geprägte Contentstrategie ausfüllen können.

Nach unseren ersten Erfahrungen mit unserem Kompetenzzentrum eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg, in dem wir die Aufgabe haben, KMU an aktuelle Entwicklungen u.a. in Social Media heranzuführen, habe ich da so meine Bedenken. Sehr grob über den Daumen geurteilt, fehlt dort oft noch viel Verständnis für die grundsätzliche Positionierung im Web und damit verbunden die Kompetenz (und die Ressourcen), um überhaupt systematisch im Social Web zu kommunizieren. Und auch wenn es für Kommunikationsprofis nach einem banalen Problem zu klingen scheint, der Druck, viel stärker mit Videos und Fotos arbeiten zu müssen, könnte die Dinge erschweren. Denn mein Eindruck ist, dass interessierte Mitarbeiter sehr wohl fit gemacht werden können, so dass sie twittern, bloggen oder Facebook-Posts schreiben können. Wirklich gutes Bildmaterial – noch dazu exklusives – muss aber bei Profis beauftragt werden. Stockfotos oder eigene Handyschnappschüsse dürften da nur im Ausnahmefall funktionieren (was mich an sich für Profifotografen freut).

Nun lässt sich natürlich leicht argumentieren, dass Google+ hier zu Lande ohnehin noch immer nicht zum Fliegen gekommen ist. Stimmt (wir hatten spaßeshalber in den ersten Monaten unseres Kompetenzzentrums nur auf Blog, Twitter und G+ gesetzt und haben nun doch eine Facebookseite nachgeschoben). Allerdings geht es gar nicht allein um G+. Denn fast jeder neuere Reader wie Flipboard oder Feedly betont Bilder; Instagram, Tumblr, Pinterest und viele andere sowieso.

content_strategy_camp_headerWie also könnten KMU oder Selbständige den visuellen Teil einer Content Strategie mit den üblicherweise sehr begrenzt vorhandenen Mitteln ausfüllen? Nach meinem Eindruck ein Thema, zu dem sich eine Diskussion lohnen würde. Gern hier im Blog, sehr gern natürlich auch in Form einer Session auf unserem Content Strategy Camp in zwei Wochen. Mit Sicherheit gibt es einige Best Practice-Beispiele, die wir anschauen könnten. (Und natürlich ist jeder andere Sessionvorschlag rund um Content Strategie hochwillkommen :)

Update (21.5.13): Daniel Rehn hat die Grundüberlegung dieses Artikels aufgegriffen und meiner Meinung sehr gut auf den Punkt gebracht. In der Diskussion bei ihm wurde jedoch kritisiert, wir würden das Pferd von hinten aufzäumen und wieder zuerst an Tools und Plattformen denken und Fotos an sich zum Ziel machen. Deshalb auch hier nochmal die Klarstellung: Ich gehe immer davon aus, dass klassisches Konzeptionshandwerk in der Onlinekommunikation notwendig ist. Meine Vermutung ist jedoch, dass hierbei berücksichtigt bzw. überprüft werden sollte, inwieweit sich die Online-Nutzungsgewohnheiten von Stakeholdern verändern. Die Hypothese: Bilder und Videos unterstützen zunehmend viele Onliner bei der Orientierung in der Infoflut; diese Entwicklung wird durch bildlastige Plattformen bzw. die offensive Präsentation von Bildern auf einigen Plattformen (einschließlich modernen Blogdesigns) unterstützt. Wer also gutes Bildmaterial hat, so die Annahme, wird mit seinen Beiträgen besser wahrgenommen (z.B. im Facebook-Stream, bei RSS-Readern wie Flipboard etc.). Dass hier noch einiger Forschungsbedarf besteht, ist klar.

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