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Visual Turn der PR: Werden KMU abgehängt?

Seit ein paar Jahren beobachten wir, dass Fotos und Videos gerade in der Onlinekommunikation fast unverzichtbar werden. Das hängt einerseits natürlich mit den Qualitäten von Bildern gegenüber Texten zusammen, andererseits verstärken viele Plattformen durch ihr Konzept den Druck, gute Bilder zu haben. Mit seinem Relaunch hat gerade eben Google+ seinen Beitrag zum Visual Turn in der PR geleistet. Aus Nutzersicht ist das sicher nicht verkehrt, aus Kommunikationssicht frage ich mich aber, ob diese Entwicklung besonders für KMU schmerzhaft ist und die Gefahr besteht, dass diese sich zunehmend schwer tun, eine angemessene Content Strategie zu entwickeln.

Wie können KMU eine fokussierte visuelle Content Strategie entwickeln?

Wie können KMU eine fokussierte visuelle Content Strategie entwickeln?

Aktueller Auslöser dieser Frage ist wie gesagt der diese Woche erfolgte Relaunch von Google+. Eine der auffälligsten Änderungen neben dem Pinterest-ähnlichen Kacheldesign: Fotos sind richtig groß und auffällig geworden, sie können die ganze Seitenbreite füllen. Das bedeutet Aufmerksamkeit, wenn man tolle Fotos (oder Grafiken) hat. Und schlechte Fotos oder keine zu haben, fällt erst recht auf, wie futerebiz argumentiert. Für bildstarke Marken ist das natürlich toll. Allerdings ist die Frage, wie kleine und mittelständische Unternehmen eine so stark visuell geprägte Contentstrategie ausfüllen können.

Nach unseren ersten Erfahrungen mit unserem Kompetenzzentrum eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg, in dem wir die Aufgabe haben, KMU an aktuelle Entwicklungen u.a. in Social Media heranzuführen, habe ich da so meine Bedenken. Sehr grob über den Daumen geurteilt, fehlt dort oft noch viel Verständnis für die grundsätzliche Positionierung im Web und damit verbunden die Kompetenz (und die Ressourcen), um überhaupt systematisch im Social Web zu kommunizieren. Und auch wenn es für Kommunikationsprofis nach einem banalen Problem zu klingen scheint, der Druck, viel stärker mit Videos und Fotos arbeiten zu müssen, könnte die Dinge erschweren. Denn mein Eindruck ist, dass interessierte Mitarbeiter sehr wohl fit gemacht werden können, so dass sie twittern, bloggen oder Facebook-Posts schreiben können. Wirklich gutes Bildmaterial – noch dazu exklusives – muss aber bei Profis beauftragt werden. Stockfotos oder eigene Handyschnappschüsse dürften da nur im Ausnahmefall funktionieren (was mich an sich für Profifotografen freut).

Nun lässt sich natürlich leicht argumentieren, dass Google+ hier zu Lande ohnehin noch immer nicht zum Fliegen gekommen ist. Stimmt (wir hatten spaßeshalber in den ersten Monaten unseres Kompetenzzentrums nur auf Blog, Twitter und G+ gesetzt und haben nun doch eine Facebookseite nachgeschoben). Allerdings geht es gar nicht allein um G+. Denn fast jeder neuere Reader wie Flipboard oder Feedly betont Bilder; Instagram, Tumblr, Pinterest und viele andere sowieso.

content_strategy_camp_headerWie also könnten KMU oder Selbständige den visuellen Teil einer Content Strategie mit den üblicherweise sehr begrenzt vorhandenen Mitteln ausfüllen? Nach meinem Eindruck ein Thema, zu dem sich eine Diskussion lohnen würde. Gern hier im Blog, sehr gern natürlich auch in Form einer Session auf unserem Content Strategy Camp in zwei Wochen. Mit Sicherheit gibt es einige Best Practice-Beispiele, die wir anschauen könnten. (Und natürlich ist jeder andere Sessionvorschlag rund um Content Strategie hochwillkommen :)

 

Update (21.5.13): Daniel Rehn hat die Grundüberlegung dieses Artikels aufgegriffen und meiner Meinung sehr gut auf den Punkt gebracht. In der Diskussion bei ihm wurde jedoch kritisiert, wir würden das Pferd von hinten aufzäumen und wieder zuerst an Tools und Plattformen denken und Fotos an sich zum Ziel machen. Deshalb auch hier nochmal die Klarstellung: Ich gehe immer davon aus, dass klassisches Konzeptionshandwerk in der Onlinekommunikation notwendig ist. Meine Vermutung ist jedoch, dass hierbei berücksichtigt bzw. überprüft werden sollte, inwieweit sich die Online-Nutzungsgewohnheiten von Stakeholdern verändern. Die Hypothese: Bilder und Videos unterstützen zunehmend viele Onliner bei der Orientierung in der Infoflut; diese Entwicklung wird durch bildlastige Plattformen bzw. die offensive Präsentation von Bildern auf einigen Plattformen (einschließlich modernen Blogdesigns) unterstützt. Wer also gutes Bildmaterial hat, so die Annahme, wird mit seinen Beiträgen besser wahrgenommen (z.B. im Facebook-Stream, bei RSS-Readern wie Flipboard etc.). Dass hier noch einiger Forschungsbedarf besteht, ist klar.

Content Strategie: Wie geht das? Lasst uns diskutieren – auf dem Content Strategy Camp

Content Strategie ist sicher einer der zentralen Begriffe in aktuellen Diskussion um (Online-)Kommunikation. Ob es dabei nur um ein kurzfristiges Buzzword oder eine langfristige Thematik geht, muss sich zeigen. Ich neige zu letzterem. Allerdings: So richtig diskutiert haben wir das Thema im deutschen Sprachraum noch nicht. Wie genau geht Content Strategie? Was gehört dazu? Was nicht? Ich gebe zu, mir ist in diesem Umfeld noch einiges nicht so ganz klar. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir am 7. und 8. Juni das Content Strategy Camp veranstalten können. Die Anmeldung läuft. (Wer nur die Fakten wissen möchte, darf nun einfach runterscrollen).

Mobil verfügbar und interessant für die Zielgruppen - nur zwei kleine Herausforderungen der Content Strategie

Mobil verfügbar und interessant für die Zielgruppen – nur zwei kleine Anforderungen an die Content Strategie

Mehr Kanäle – mehr Koordinierungsaufwand

Diskutiert man über Content Strategie (hu, oder strategy?), stößt man eigentlich ständig auf Herausforderungen. Viele davon sind vielleicht erst durch Social Media entstanden oder zumindest deutlicher zu Tage getreten. Womit ich sagen will, dass es aus meiner Sicht Content Strategie schon lange gibt, wenn vielleicht auch nicht unter diesem Etikett. Aber zurück ins Web: Hier haben wir unter anderem eine Explosion von Möglichkeiten und digitalen Orten – oder umgekehrt ausgedrückt eine Fragmentierung der Kommunikation. Immer mehr Kanäle mit immer spezialisierteren Angeboten und spitzeren Zielgruppen und daneben ein paar ganz Große wie Facebook oder Youtube. Eine alltägliche Frage: Welchen Kanal sollen wir denn bespielen? Und mit welchen Inhalten? Wie sollen diese aufbereitet sein? Eine andere Tonalität für Facebook und G+? Und dann die Automatisierungen: Artikelheadlines verseuchen Twitter, die Check-Ins verbleiben nicht in Foursquare, sondern vernebeln zugleich die Timelines in Twitter und Facebook und so fort. Oder ist es kein Vernebeln, sondern wünschenswert im Sinne eines ganzheitlichen Social Network-Erlebnisses? Zugleich gibt es viele Fragen im Unternehmen: Haben wir Kompetenz und Ressourcen für eigenständige Kommunikation auf jeder Plattform?

Moment. Sind das die richtigen Fragen? Ich glaube, mittlerweile besteht weitgehend Einigkeit darin, dass man mit solchen Überlegungen leicht in ein falsches Fahrwasser kommt. Zumindest, wenn Fragen nach Kanälen an den Anfang gestellt werden. Viel wichtiger: Was soll das Ganze eigentlich? Wo ist die Anbindung ans Unternehmen? Mit wem wollen wir kommunizieren und warum? Sind solche Fragen geklärt, lässt sich eher durchdeklinieren, warum welcher Inhalt wo und mit welchem Ziel aufbereitet wird. Klingt logisch, doch damit beginnt erst ein Berg Arbeit:

Dealing with content is messy. It’s complicated, it’s painful, and it’s expensive.

So schrieb Kristina Halvorson im Dezember 2008 in ihrem Artikel “The Discipline of Content Strategy”, einem der ersten Texte, der sich mit dem Thema beschäftigte. Und  schon etwas früher schrieb Rachel Lovinger (Razorfish):

Everything is content? What about design? Yes, it’s content. Structure? Content. Metadata? Also content. You probably expected a more incisive analysis than that. Well, how about, “Literally, everything is content.

Ein aktuelles Beispiel: Für eine Verkehrsgesellschaft wie die Wiener Linien sind auch offene Daten (Open Data) Teil der Content-Strategie, wie Heinz Wittenbrink herausarbeitet und in einem weiteren Post die folgende Zielsetzung proklamiert, die Content Strategie von Content Marketing abgrenzt:

Content Strategy dient dazu, die Inhalte einer Organisation im Netz methodisch zu entwickeln. Marketing ist da nur ein möglicher Anwendungsfall.

Aber die Fragerei geht weiter. Nur ein paar Beispiele: Was interessiert denn überhaupt diejenigen, mit denen wir kommunizieren wollen? Und wie erwarten diese, dass wir kommunizieren, also Content erstellen? Beziehen wir solche Fragen ruhig nicht nur auf PR und Marketing, sondern etwa auch auf Wissensmanagement oder E-Learning. Und wie wiederum gehen diejenigen, die für Content verantwortlich sind, mit aktuellen Entwicklungen um? Also zum Beispiel mit “Mobile” oder dem Visual Turn in der Kommunikation? Und wie gehen wir mit Content um, den wir vor zwei Jahren für die Website gebastelt haben? Wächst diese einfach, weil ja Speicherplatz immer weniger kostet? Nein, viel hilft nicht immer viel, schon klar.

Content Strategie als eigene Disziplin?

Man kann (und muss) natürlich auch grundsätzlicher diskutieren, wie das Heinz Wittenbrink vor wenigen Tagen getan hat, als er Content Strategie als Disziplin eingeordnet hat. Wobei sich dann natürlich wieder fragt, wie sich diese zu bestehenden Disziplinen verhält – nehmen wir zum Beispiel Informationsdesign, aber auch Kommunikationsmanagement.

Ok, genug der Fragen für den Moment. Ich glaube, es wird deutlich, dass mit dem Begriff der Content Strategie ein Feld (grob) umrissen ist, das noch intensiv zu beackern ist. Das gilt auch in der Praxis, beispielsweise, wenn tolle Kommunikationsstrategien und Kampagnen entwickelt werden, aber Kunden immer wieder mit dem ganz irdischen Content-Business allein gelassen werden, wie Kristina Halvorson im oben bereits erwähnten Artikel kritisiert hatte.

Das Content Strategy Camp

Content Strategie ist ein sehr weites Feld. Vielleicht können wir ein paar Landmarken setzen?

Content Strategie ist ein sehr weites Feld. Vielleicht können wir ein paar Landmarken setzen?

Deshalb war ich ziemlich schnell begeistert, als Sascha Stoltenow (Script Communications) die Idee hatte, dass wir hierzu einmal eine Veranstaltung auf die Beine stellen könnten. Diese findet am 7. und 8. Juni 2013 statt, wir haben sie “Content Strategy Camp” getauft.

Wir meinen, dass es neben den bereits hier angerissenen Fragen noch sehr viel mehr Aspekte gibt, die in diesem Zusammenhang zu besprechen sind. Aber auch Erfahrungen und Lösungen aus Agenturen, Unternehmen oder NGOs. Und dass eine Plattform sinnvoll ist, die eine interdisziplinäre Diskussionen ermöglicht. Wir hoffen also auf Teilnehmerinnen aus Kommunikation, Marketing, Gestaltung, auf Erzähler und Technikaffine, auf Einsteiger und Fortgeschrittene. Dafür bereiten wir also ein Barcamp vor. Zur Vorwarnung an Puristen: Da wir auch Einsteiger in die Thematik ansprechen möchten und weil wir das Gefühl haben, dass es ganz hilfreich ist, ein paar größere Bögen zu skizzieren, laden für beide Tage einzelne Speaker ein – der Barcamp-Charakter steht aber im Vordergrund, und wir können bis zu acht Sessions gleichzeitig organisieren. A propos Organisation: Veranstalter ist unser Kompetenzzentrum für Social Media, der eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg. Durch dessen Finanzierung über das BMWi sowie ein Budget von Script ist der Eintritt fürs Content Strategy Camp kostenlos. Dafür erhoffen wir uns natürlich etwas von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: Angebote für viele spannende Sessions.

Die Eckdaten:

Content Strategy Camp: 7. und 8. Juni 2013
Mediencampus der Hochschule Darmstadt
Max Planck-Straße 2, Dieburg
Ticket reservieren und Session vorschlagen

Veranstaltung zu Blogger Relations: Grundlagen und Erfahrungen

logo_lotseDas Thema Blogger Relations kam im Textdepot ja schon öfter vor. Und fast jeden Tag wundere ich mich, warum manche PR-Agenturen und Unternehmen offensichtlich meinen, Blogger Relations zu betreiben, indem sie bloggende Menschen einfach mal mit Presseinfos beglücken (ja, hierüber wundere ich mich seit Jahren). Wie auch immer: Ich freue mich sehr, dass wir am Donnerstag, 18. April 2013, eine kleine Veranstaltung anbieten können, um über Influencer im Web zu diskutieren. Vor allem wird es dabei um die Herangehensweise und Erfahrungen von Škoda in Bezug auf Blogger Relations gehen.

Natürlich gibt es nicht den einen besten Weg, auf Blogger und andere Influencer im Social Web zuzugehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Und natürlich wollen viele das gar nicht. Hierfür möchten wir in der zweistündigen Veranstaltung auch Verständnis wecken und umgekehrt diskutieren, was Blogger motiviert und welche Art von Informationen sie vielleicht eher anspricht als eine Presseinformation.

Elena Funk, Skoda

Elena Funk, Skoda

Doch vor der Ansprache kommt die Wahrnehmung. Eine Menge Unternehmen haben die neuen Influencer nach meinem Eindruck noch nicht wirklich auf dem Radar und wissen nicht immer, wie sie überhaupt herausfinden sollen, ob zu ihren Themen online intensiver diskutiert wird bzw. wer hierbei wichtige Akteure sind. Insofern werden wir bei der Veranstaltung kurz auch das Identifizieren von Influencern diskutieren. Wichtig ist mir dabei, dass man nicht möglichst viele Namen sammelt, sondern die für die jeweilige Aktion oder Zielsetzung relevanten Leute identifiziert. Schließlich muss ich zum Beispiel nicht unbedingt zu jedem Techblogger Beziehungen aufbauen, wenn ich gerade ein regionales Startup auf den Weg bringe. Im dritten Teil der Veranstaltung geht es dann um die genaue Herangehensweise von Škoda: Elena Funk, verantwortlich für Social Media bei Škoda Auto Deutschland, wird berichten, warum und wie sie mit Bloggern zusammenarbeitet und wie das aus ihrer Sicht funktioniert. Blogger scheinen die Aktivitäten des Unternehmens jedenfalls recht positiv zu sehen. (Disclosure: Ich bin gelegentlich als Sparringspartner zu Social Media in der Kommunikationsabteilung von Škoda).

Noch kurz zum organisatorischen Hintergrund der Veranstaltung “Neue Meinungsmacher: Was motiviert Blogger und was spricht sie an?”: Veranstalter ist unser Kompetenzzentrum für Social Media und E-Learning, der eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg. Zielgruppe sind vor allem Einsteiger in das Thema aus dem Rhein-Main-Gebiet. Die Teilnahme ist dank BMWi-Förderung kostenlos, eine Registrierung ist jedoch bis 11. April notwendig. Ich vermute, dass für viele Leser des Textdepot das Thema längst nicht mehr neu ist, aber vielleicht haben Sie ja Kunden oder andere Bekannte, die einen kompakten Einblick suchen.

Die Eckdaten zusammengefasst:

  • Neue Meinungsmacher: Was motiviert neue Meinungsmacher und wie spricht man sie an?
  • Mit Elena Funk, Škoda Auto Deutschland; Pia Sue Helferich und Thomas Pleil, eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg.
  • Donnerstag, 18. April 2013, 16 bis ca. 18 Uhr, anschließend Zeit zum Netzwerken.
  • Veranstaltungsort: Mediencampus in Dieburg

Dreisprung in die Zukunft: Von Online-PR zu Onlinekommunikation zu Kommunikation

So eine Blogparade hat einen besonderen Charme: Wenn’s klappt, gibt es viele Perspektiven und Ideen zu einem gemeinsamen Thema. Da mich das aktuell von Ed Wohlfahrt gesetzte Thema Zukunft der Online-PR als Ausbilder direkt betrifft, mache ich gern mit. Allerdings mit einer Gegenposition, die vielleicht nicht allen gefällt. Ich frage mich: Brauchen wir wirklich mehr PR für Online-PR? Ich halte den Begriff heute noch für notwendig, würde ihn morgen aber lieber durch Onlinekommunikation ersetzen und langfristig von Kommunikation sprechen. In diesem Sinne denken wir auch neue Studiengangskonzepte.

Was läuft über die Netze? Ist's Online-PR? Marketing? Oder einfach Kommunikation?

Was läuft über die Netze? Ist’s Online-PR? Marketing? Oder einfach Kommunikation?

Dies klingt auf ersten Blick vielleicht irritierend, wo alle davon reden, wie wichtig Social Media für die PR seien. Daraus könnte man ja ableiten, dass mit dieser Entwicklung – die begleitet wird durch einen Bedeutungsverlust der Pressearbeit (dies allerdings von einem sehr hohen Niveau) – eine großartige Zukunft der Online-PR eingeläutet wird. Und ja, viele Social Media Manager haben einen PR-Hintergrund. Es macht mich ja auch stolz, wenn unsere Absolventen solche Jobs machen.

Marketing und PR: Wir müssen voneinander lernen

Aber schauen wir uns das Ganze ein kleines bisschen genauer an. Sind Social Media exklusive Spielwiesen der PR? Beileibe nicht. Und so ist die Social Media Managerin selbstverständlich Mittlerin zwischen Interessen und Abteilungen, de facto zwischen Disziplinen. Es ist ja schön, dass wir PR-Leute uns einbilden, diese Aufgabe besonders gut übernehmen zu können, weil wir eben nicht nur Kunden im Blick haben, sondern auch die interne Kommunikation, die gesellschaftliche Akzeptanz des Unternehmens (“license to operate” ) oder auch die Beziehungen im Lokalen (Community Relations). Und auch Issues Monitoring, Reputationsmanagement oder Krisenkommunikation sind Fähigkeiten, die aus der PR kommen. Dennoch ist das Silodenken – vor allem zwischen Marketing und PR- ein Hemmschuh, gerade wenn wir über Onlinekommunikation sprechen.

Ich will zwei ganz kleine Beispiele nennen:

  1. Die Krisenkommunikation von BP zur Katastrophe der Deepwater Horizon. Hier wurde unter anderem intensiv mit Google AdWords gearbeitet, um möglichst viele User auf die von der Corporate Website losgelöste Krisenwebsite zu lotsen und natürlich, um Suchbegriffe zu besetzen. Ganz klar eine Strategie, die im Online-Marketing gang und gäbe ist.
  2. Facebook: Hier bediene ich mich der Argumentation von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der neulich sehr gut auf den Punkt gebracht hat, dass Facebook mittlerweile die uns schon bekannten unterschiedlichen Möglichkeiten bietet – von der Kommunikation mit Multiplikatoren, über Werbung bis zu Advertorials. Entscheidend dabei sei, dass jede seriöse Beratung diese drei Elemente zusammen denken (und beherrschen!) müsse.

Was bedeutet das? Ich denke, statt über Abteilungen und Disziplinen in Unternehmen und deren Grenzziehungen und Dominanzen zu streiten, müssen wir viel stärker die Perspektive der Stakeholder einnehmen. Sie sind mal Kunden, mal Anwohner, sie sind potenzielle Bewerber oder Regulierer, Shareholder oder Mitarbeiter. Und das in beliebigen Kombinationen, denken wir rollenbasiert. Das ist ein Verständnis, für das beispielsweise seit langem David Meerman Scott steht. Ganz ähnlich argumentiert Meike Leopold in dieser Blogparade. Und ich glaube ausdrücklich nicht daran, dass es uns hilft, den einzelnen Begriff Online-PR auf’s Podest zu stellen, um eine ”Marketing- und Kommunikations-Sauce” zu vermeiden.

Vielmehr scheint es mir wichtiger, voneinander zu lernen und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Die beiden kleinen Beispiele oben zeigen aus meiner Sicht, dass wir künftig in der Onlinekommunikation Kenntnisse benötigen, die nicht klassisch aus der Online-PR kommen, sondern eher aus dem Online-Marketing. SEO, Insights, AdWords, Search Engine Marketing, Landing Pages sind nur ein paar Buzzwords dazu. Umgekehrt könnte man zugespitzt formulieren, lernen die Marketing-Leute gerade den Wert von Content, von Stories und Personen, die diese erzählen, kennen. Meine Schlussfolgerung hieraus ist deshalb, dass wir mittelfristig statt von Online-PR und Online-Marketing von Onlinekommunikation sprechen sollten (womit ich mich zumindest auf mittlere Sicht auch gegen den Begriff Social Media Management wende).

Verbinden statt trennen: Onlinekommunikation als Studiengang

Da wir in Hessen die politische Vorgabe haben, dass die Fachhochschulen in den nächsten Jahren deutlich wachsen sollen, haben wir im Moment die Chance, neue Studienangebote zu schaffen (und nicht nur mehr Studenten in bestehende zu stecken wie es in der Vergangenheit war). Vor diesem Hintergrund denken wir sehr intensiv über einen neuen Studiengang Onlinekommunikation nach – für den wir dann hoffentlich auch die notwendigen Ressourcen erhalten. Die Idee: Bisher sind Online-PR und Online-Marketing an unserer Hochschule Studienschwerpunkte in unterschiedlichen Studiengängen. Nun möchten wir beide Gebiete in einem gemeinsamen Studiengang integrieren. Zudem haben wir einen dritten Baustein vorgesehen: Dieser soll die Studierenden dazu befähigen, Online-Kompetenz im Unternehmen kontinuierlich zu fördern – also die Rolle des Enablers in Bezug auf Onlinekommunikation einnehmen, weshalb wir zum Beispiel schon bisher versuchen, unsere Studenten zu befähigen, Schulungen oder Workshops durchzuführen.

Mir ist klar, dass ein solches Konzept nicht ohne Risiko ist – auch, weil eben der Begriff Onlinekommunikation recht weit ist und dieser teilweise wiederum auch von anderen Kollegen reklamiert wird, beispielsweise jenen mit Designhintergrund. Und natürlich ist das Etikett eines Absolventen im ersten Moment nicht so anknüpfungsfähig wie Online-PR oder Online-Marketing. Da sich Arbeitgeber in Zeiten von Bologna aber ohnehin genauer anschauen müssen, was im Studiengang eines konkreten Bewerbers genau drin steckt – und dies auch sehr transparent ist – scheint mir das Loslassen von Begriffen, die ich mittelfristig nicht für hilfreich halte, gerechtfertigt.

Wie genau ein Studiengang Onlinekommunikation aussehen wird, ist natürlich noch längst nicht festgezurrt, auch ist seine Einrichtung noch nicht durch die Hochschulgremien verabschiedet. Wir gehen zunächst von der erwähnten Hypothese aus, die drei genannten Gebiete Online-PR, Online-Marketing und Medientraining zusammen zu bringen. Notwendige Fundamente sind sicher ein grundsätzliches Verständnis von öffentlicher Kommunikation, der Onlinekommunikation, von Unternehmen und grundlegendem didaktischem Wissen. Jenseits der Fundamente, so meine ich, müssen wir nicht statische Studiengangsschwerpunkte vorzeichnen, sondern sollten den Studierenden erlauben, eigene Profile zu entwickeln. Aber Hypothesen müssen getestet werden. Insofern freue ich mich jetzt schon auf Rückmeldungen hier im Blog und in den nächsten Monaten in Gesprächen, die wir mit Praktikern wie mit Kollegen aus Hochschulen führen möchten.

Bleibt am Ende dieses Beitrags noch eine Frage offen: Warum soll dann irgendwann der noch weitere Begriff “Kommunikation” verwendet werden? Mein Eindruck ist: Wir haben in vielen Unternehmen zunächst einen riesigen Bedarf an Leuten, die Onlinekommunikation verstehen, laufend dazu lernen, ausprobieren und nicht von den bisher üblichen analogen Kommunikationsmustern ausgehen. Deshalb sehe ich Onlinekommunikation als nächsten Leitbegriff. Auf längere Sicht werden wir aber nicht mehr zwischen online und offline unterscheiden, wir werden einfach für Unternehmen kommunizieren. Oder für NGOs. Dann sprechen wir wohl wieder von Unternehmenskommunikation und Nonprofit-Kommunikation. Hatten wir schon mal, nicht wahr?

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Google+: Communities lohnen einen genaueren Blick

Die Diskussion um Google+ versus Facebook brandet ja seit eh hin und her. Hieran will ich gar nicht anknüpfen, sondern nur ganz kurz nach einem ersten Blick auf die neue Funktion der Communities aus Kommunikationssicht erklären, warum das Ganze sehr interessant sein kann – vorausgesetzt, Google+ ist für eine Organisation oder ein Unternehmen überhaupt interessant.

Screenshot: Community-Bereich bei Google+

Screenshot: Community-Bereich bei Google+

Ehrlich gesagt bin ich ja selbst ein bisschen erstaunt, aber so viel wie in den letzten Tagen war ich bisher noch nicht in Google+. Das liegt unter anderem daran, dass ich ein bisschen mehr mit Seiten herumgespielt habe. Insofern kam es mir sehr gelegen, dass ich seit heute früh mit meinem Account schon die neue Community-Funktion nutzen kann. Google nennt übrigens Community, was bei Facebook Gruppe heißt – wobei Google mit der Bezeichnung tatsächlich recht hat. Und das macht es spannend für Kommunikationsleute, finde ich.

Welche Besonderheiten sind mir also bei den neuen Communities aufgefallen?

  1. Ich kann als Betreiber einer Seite Communites aufmachen. Das geht bei Facebook nicht, sondern muss separat gelöst werden.
  2. G+-Communities können durch verschiedene Themen strukturiert werden. Damit gleicht das Ganze eigentlich Foren.
  3. Ebenfalls wie in Foren gibt es Moderationsmöglichkeiten, so dass User ggf. gebannt oder hochgelevelt werden können.
  4. Bei offenen Communities kann festgelegt werden, ob jeder automatisch Mitglied werden kann oder ob ein Moderator freischaltet.
  5. Der Community-Aufbau ausgehend von einer (Unternehmens-)Seite erfolgt der selben Regel wie das Gewinnen von “Fans”: Als Moderator kann ich direkt offensichtlich nur Leute einladen, die meine Seite ohnehin schon geplust haben. Dies ist sicher ein guter Spam-Schutz, denn natürlich können bei öffentlichen Communities Nutzer natürlich einfach von sich aus Mitglied werden.
  6. [Ergänzung, 18.00]: Es gibt für Communities auch Statistiken, die sehr hilfreich erscheinen. U.a. kann man identifizieren, welche Mitglieder sehr aktiv sind oder zu welchen Zeiten die Community besonders lebendig ist.
  7. Was mir weniger gefällt: Bin ich Mitglied einer Community, erscheinen die Posts ganz normal in meinem Stream. Das bedeutet, als Nutzer muss ich die Community so sinnvoll einem Kreis zuordnen, dass die Beiträge daraus nicht untergehen. Meinem Geschmack entspräche eher, wenn ich wie bei Facebook meine Communities/Gruppen automatisch separat angezeigt bekäme (zumindest ist das meine erste Wahrnehmung dazu)

Was könnte das für das Kommunikationsmanagement bedeuten?

Aus meiner Sicht ist besonders die enge Verknüpfung der unterschiedlichen Funktionen bei Google+ für Unternehmen und Organisationen spannend. Während ich bei Facebook nur Fans auf einer Seite sammeln kann (ok, diskutieren kann ich dort zu den Posts auch), bietet Google+ ergänzend echte Communities, so dass man dort beispielsweise bestimmte Kommunikationsaufgaben direkt lösen kann, die nicht auf der vielleicht PR-lastigen Seite stattfinden sollen. Ich denke da z.B. an Kundensupport. Bei Facebook besteht ja häufig das Problem, dass hierfür entweder spezielle aufwändige Anpassungen oder gar mehrere Seiten für unterschiedliche Kommunikationsaufgaben benötigt werden. Zu dieser erwähnten engen Integration zähle ich auch die Hangouts. Insgesamt hat Google+ von der nackten Funktionalität her für mein Empfinden gegenüber Facebook Vorteile.

Sehr praktisch erscheint mir zudem, dass unter Unternehmensseiten auch versteckte Communities möglich sind, so dass sich in einer solchen geschlossenen Gruppe beispielsweise Moderatoren der Seite austauschen und dazu verschiedene Tasks (z.B. To do, Themenplan, Abstimmungsbedarf) organisieren können. Viele weitere Anwendungsmöglichkeiten gibt es sicher im Projektmanagement.  Das werden wir uns in einem kleinen Team in nächster Zeit mal ausführlicher anschauen und darüber berichten.

Doch bei aller Begeisterung für zusätzliche schicke Funktionen: All dies bringt natürlich nur etwas, wenn man eine Gesamtbetrachtung macht, die Kommunikationsstrategie steht, die richtigen Zielgruppen auf der Plattform sind etc. Aber immerhin: Beobachten sollten wir immer, wie sich neue Funktionen auf den Nutzerkreis und die Nutzungsgewohnheiten auf einer Plattform auswirken.

Weitere Eindrücke und Screenshots gibt’s bei Cashy und bei Basic Thinking.

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