Archiv | Persönliches RSS für diesen Bereich

Fährt die Demokratie in der digitalen Welt an die Wand?

In unserer Mediengesellschaft ist es üblich, dass Wissenschaftler zu tagesaktuellen Themen befragt werden: Sie werden in Talkshows geladen oder um Statements gebeten. Meist geht es Journalisten darum, noch eine unabhängigere Stimme als nur die der Beteiligten in eine Geschichte zu bekommen. Sehr viel seltener ist dagegen, dass sich Wissenschaftler zusammentun und von sich aus an die Öffentlichkeit gehen. Dies ist heute mit der so genannten “Berliner Erklärung” (pdf) geschehen. Der Anlass: Wissenschaftler sorgen sich um die Demokratie in einer digitalen Welt, in der Geheimdienste die Kommunikation von Millionen Menschen systematisch überprüfen. Das Risiko, dass die Demokratie kaputt geht, ist aus Sicht der mehr als 90 Erstunterzeichner groß, werde aber von vielen Politikern nicht ernst genommen oder sie verhielten sich opportunistisch, heißt es im Papier der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW).

Überwachung: Sicherheit versus Freiheit

Die Erklärung wurde veröffentlicht kurz bevor die VDW gemeinsam mit Transparency International und IALANA am Samstag den Whistleblowerpreis an Edward Snowden vergibt.

Wer die VDW nicht kennt: Sie ging aus einer Runde von achtzehn Atomforschern hervor, die sich Ende der fünfziger Jahre mit der “Göttinger Erklärung” in eine wichtige politische Debatte einmischten: Damals wollten Adenauer und Strauß die Bundeswehr mit Atomwaffen aufrüsten, wogegen sich Wissenschaftler wie z.B. Werner Heisenberg, Otto Hahn oder Carl Friedrich v. Weizsäcker deutlich aussprachen. Ein wenig steht die heute veröffentlichte Erklärung vielleicht in dieser Tradition.

In der Berliner Erklärung wird betont, dass die Enthüllungen von Edward Snowden vielen bewusst gemacht haben, dass die dauerhafte Überwachung von Bürgern nicht nur Sache autoritärer Staaten ist und Menschen, deren Kommunikation systematisch überprüft wird, unter Generalverdacht stehen:

Dabei wird das ohnehin prekäre Verhältnis von Freiheit und Sicherheit in eklatanter Weise zugunsten der Sicherheit verschoben; fundamentale Persönlichkeitsrechte werden in großem Maßstab verletzt und Demokratie und Rechtstaatlichkeit werden in ihrer Bedeutung für die Kontrolle staatlicher Machtausübung in Frage gestellt. Auf diese Weise werden zentrale Errungenschaften der westlichen Verfassungsstaaten aufgegeben.”

Und das, so wird in der Erklärung gefolgert, mit einem enormen Risiko:

Aus vielfältigen historischen Erfahrungen (u.a. auch mit den Stasi-Strukturen der untergegangenen DDR) ist zu folgern, dass ein politisches System, welches seinen Bürgerinnen und Bürgern mit ständigem Misstrauen begegnet und sie unter Generalverdacht stellt, nicht überlebensfähig ist. Es muss an diesem Misstrauen zerbrechen.
(…)
Wenn die Menschen- und Bürgerrechte unter den Händen der Geheimdienste zerrieben werden, sind Freiheit und Verantwortung als die Grundlagen unseres Zusammenlebens in Gefahr.

Natürlich gibt es kein Patentrezept, um die Unterhöhlung abzustellen und die Demokratie dauerhaft zu sichern. Letztlich, so argumentieren die Wissenschaftler, muss Demokratie täglich neu erkämpft werden. Akademisch ausgedrückt ist deshalb ein intensiver öffentlicher Diskurs notwendig. Diesen fordern die Unterzeichner ein. Ein Ansatz dazu sind beispielsweise Enquete-Kommissionen des Bundestages bzw. auf Ebene der EU. Ob solche Vorschläge tatsächlich nach den Wahlen umgesetzt werden, hängt vermutlich auch vom Verlauf der öffentlichen Diskussion ab. Die VDW möchte sich deshalb erst einmal unabhängig machen und plant ab Oktober eine Reihe von Diskussionsveranstaltungen, auf denen Interessierte und Experten die grundlegenden Fragestellungen “zum Schutz der Privatsphäre und der bürgerlichen Freiheiten” erarbeiten.

Disclosure: Ich bin Mitglied der VDW und habe die Erklärung unterzeichnet.

Lesestoff:

Familien und Internet – genug Diskussionsstoff für ein BarCamp

Update, 23.8.13: Leider sind die Anmeldezahlen eine Woche vor der geplanten Veranstaltung sehr gering. Da jedoch die Organisation von Kinderbetreuung und Verpflegung etwas Vorlauf benötigen, haben sich die Initiatorinnen entschlossen, das Familiencamp abzusagen – was einen zweiten Anlauf natürlich nicht ausschließt.

 

Familie und Internet – ein Thema, das mich als Privatmensch ständig begleitet. Wenn ich es mir richtig überlege, praktisch täglich. Nicht nur in der völlig selbstverständlichen Anwendung in der familieninternen Kommunikation, sondern natürlich auch in der regelmäßigen Diskussion: Wie ist es mit Nutzungszeiten? Welche Spiele? Wie kann man Familie mit Apps besser organisieren? Wie kann man das Netz noch besser nutzen zum Lernen? Diskussionen wie diese gibt es sicher in jeder Familie. Deshalb freue ich mich besonders auf ein Barcamp hierzu: Das Familiencamp am 1. September 2013, das an unserem Mediencampus in Dieburg stattfinden wird.

Ein Abend in der Familie.

Ein Abend in der Familie.

Denn einerseits freue ich mich (als Vater) auf einen Erfahrungsaustausch mit anderen: Wie halten sie es mit dem Netz in der Familie? Und gern berichte ich auch aus dem Alltag einer Familie mit zwei – nunja: sehr netzaffinen – Teenagern, denn ich stelle vor allem bei Bekannten mit kleineren Kindern fest, dass da 1.001 Fragen durch die Köpfe schwirren.

Das Familiencamp findet übrigens zum ersten Mal statt, und zwar auf Initiative von Birte Frey (@feuermaedchen) und Julia Neumann (@FrolleinJuNe). Birte Frey ist Absolventin unseres Studiengangs Online-Journalismus und hatte sich bereits in ihrer Diplomarbeit mit Netzkompetenz beschäftigt hatte, und Julia Neumann hatte schon länger die Idee, ein generationenübergreifendes Barcamp zu veranstalten.

Dass eine solche Idee ideal zu unserem Mediencampus passt, ist klar. Insofern ist unser Fachbereich Media gern als Gastgeber dabei, eine wichtige Rolle spielen als Unterstützer die hier gelegentlich schon erwähnte Agentur quäntchen + glück (die Birte und andere unserer Absolventen gegründet haben), proVDI sowie der Verein zur Förderung der Netzkultur im Rhein-Main-Gebiet e.V. Natürlich wird es auf dem Barcamp auch eine Kinderbetreuung geben.

Wer nun Lust hat, sein Wissen auf dem Familiencamp zu teilen oder Neues zu erfahren, sollte sich bis Ende dieser Woche anmelden. Denkbar sind eigene Sessions für Kinder genauso wie Sessions für Eltern oder Großeltern. Am meisten gespannt bin ich ehrlich gesagt jedoch auf Sessions, an denen mehrere Generationen teilnehmen.

Veranstaltung zu Blogger Relations: Grundlagen und Erfahrungen

logo_lotseDas Thema Blogger Relations kam im Textdepot ja schon öfter vor. Und fast jeden Tag wundere ich mich, warum manche PR-Agenturen und Unternehmen offensichtlich meinen, Blogger Relations zu betreiben, indem sie bloggende Menschen einfach mal mit Presseinfos beglücken (ja, hierüber wundere ich mich seit Jahren). Wie auch immer: Ich freue mich sehr, dass wir am Donnerstag, 18. April 2013, eine kleine Veranstaltung anbieten können, um über Influencer im Web zu diskutieren. Vor allem wird es dabei um die Herangehensweise und Erfahrungen von Škoda in Bezug auf Blogger Relations gehen.

Natürlich gibt es nicht den einen besten Weg, auf Blogger und andere Influencer im Social Web zuzugehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Und natürlich wollen viele das gar nicht. Hierfür möchten wir in der zweistündigen Veranstaltung auch Verständnis wecken und umgekehrt diskutieren, was Blogger motiviert und welche Art von Informationen sie vielleicht eher anspricht als eine Presseinformation.

Elena Funk, Skoda

Elena Funk, Skoda

Doch vor der Ansprache kommt die Wahrnehmung. Eine Menge Unternehmen haben die neuen Influencer nach meinem Eindruck noch nicht wirklich auf dem Radar und wissen nicht immer, wie sie überhaupt herausfinden sollen, ob zu ihren Themen online intensiver diskutiert wird bzw. wer hierbei wichtige Akteure sind. Insofern werden wir bei der Veranstaltung kurz auch das Identifizieren von Influencern diskutieren. Wichtig ist mir dabei, dass man nicht möglichst viele Namen sammelt, sondern die für die jeweilige Aktion oder Zielsetzung relevanten Leute identifiziert. Schließlich muss ich zum Beispiel nicht unbedingt zu jedem Techblogger Beziehungen aufbauen, wenn ich gerade ein regionales Startup auf den Weg bringe. Im dritten Teil der Veranstaltung geht es dann um die genaue Herangehensweise von Škoda: Elena Funk, verantwortlich für Social Media bei Škoda Auto Deutschland, wird berichten, warum und wie sie mit Bloggern zusammenarbeitet und wie das aus ihrer Sicht funktioniert. Blogger scheinen die Aktivitäten des Unternehmens jedenfalls recht positiv zu sehen. (Disclosure: Ich bin gelegentlich als Sparringspartner zu Social Media in der Kommunikationsabteilung von Škoda).

Noch kurz zum organisatorischen Hintergrund der Veranstaltung “Neue Meinungsmacher: Was motiviert Blogger und was spricht sie an?”: Veranstalter ist unser Kompetenzzentrum für Social Media und E-Learning, der eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg. Zielgruppe sind vor allem Einsteiger in das Thema aus dem Rhein-Main-Gebiet. Die Teilnahme ist dank BMWi-Förderung kostenlos, eine Registrierung ist jedoch bis 11. April notwendig. Ich vermute, dass für viele Leser des Textdepot das Thema längst nicht mehr neu ist, aber vielleicht haben Sie ja Kunden oder andere Bekannte, die einen kompakten Einblick suchen.

Die Eckdaten zusammengefasst:

  • Neue Meinungsmacher: Was motiviert neue Meinungsmacher und wie spricht man sie an?
  • Mit Elena Funk, Škoda Auto Deutschland; Pia Sue Helferich und Thomas Pleil, eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg.
  • Donnerstag, 18. April 2013, 16 bis ca. 18 Uhr, anschließend Zeit zum Netzwerken.
  • Veranstaltungsort: Mediencampus in Dieburg

Textdepot-Archiv: Weitere Artikel zu Blogger Relations

BMWi-Projekt eBusiness-Lotse: Ein Kompetenzzentrum zu Social Media und E-Learning für KMU

logo_lotseEinige haben’s schon mitbekommen, nun wird’s höchste Zeit, ein neues Projekt auch hier einmal vorzustellen: Wir können zu den Themen Social Media und E-Learning dank Drittmittelunterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) nun einen noch besseren Wissenstransfer leisten. Zielgruppe hierbei sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), in denen oft noch ein sehr großes Bedürfnis nach Information und Austausch zu diesen Themen besteht. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir genau hierfür nun bei uns am Mediencampus der Hochschule Darmstadt ein Kompetenzzentrum aufbauen können, das im Rahmen der Initiative Mittelstand Digital finanziert wird.

Das Ganze firmiert unter dem Namen “eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg” – wobei wir einer von etwa 40 solcher eBusiness-Lotsen bundesweit sind. Schon in der Vergangenheit gab es in ganz Deutschland so gennannte Kompetenzzentren für elektronischen Geschäftsverkehr. Nun hat das BMWi für das neu konzipierte eKompetenz-Netzwerk den Begriff des eBusiness-Lotsen vorgegeben. Der Begriff des Lotsen soll deutlich machen, dass diese neuen Kompetenzzentren die Unternehmen an die Hand nehmen sollen, damit diese Orientierung erhalten in der digitalen Welt. Hierbei geht es sicherlich um Fragen von Einsteigern wie konkrete Einsatzmöglichkeiten. Und natürlich sollen interessierte Unternehmen vom Wissen der Forschung und – wie es in Netzwerken üblich ist – von praktischen Erfahrungen anderer Firmen profitieren.

Im Rahmen der Antragsstellung hatten wir die Möglichkeit, Schwerpunktthemen für unser Kompetenzzentrum zu wählen, weshalb nun jeder eBusiness-Lotse etwas anders aufgestellt ist. Gemeinsam mit unserem Partnter, dem Hessian Technology Transfer Center (httc e.V.), einem An-Institut der benachbarten TU Darmstadt, haben wir uns für die beiden Themen Social Media und E-Learning entschieden. Eine Kombination, die innerhalb des bundesweiten Netzwerkes einmalig ist. Wobei wir Social Media unter ganz unterschiedlichen Perspektiven anschauen wollen: Hier kann es um den Einsatz in der Online-PR, im Online-Marketing genauso gehen wie Recruiting oder in der internen Kommunikation. Die Kollegen des httc e.V. haben fachlich den Hut vor allem für E-Learning und Wissensmanagement auf.

Doch was machen wir nun konkret? Ein Angebot ist, Unternehmern bzw. Marketing- oder Kommunikationsverantwortlichen in persönlichen Gesprächen eine neutrale Orientierung zu geben. Je nach Fragestellung kann es dabei zum Beispiel auch um Tipps für die Wahl einer Agentur gehen. Besondere Bedeutung haben natürlich Veranstaltungen, die wir organisieren werden: Das können halbtätige Workshops zu einzelnen Aspekten der digitalen Kommunikation sein, aber auch kürzere Veranstaltungen am Feierabend oder größere Tagungen.

Und natürlich wollen wir intensiv online präsent sein. Dazu gibt es beispielsweise eBusiness-Hangouts, in denen in 20 Minuten ein Einstieg in ein Thema gegeben oder ein Fallbeispiel diskutiert werden sollen. Mit der Zeit werden wir auch eine Wissensplattform im Netz aufbauen, in der wir Erklärungen, Anleitungen, Erfahrungsberichte etc. sammeln. Hierbei wollen wir zum Teil auch Studierende einbinden und ihnen z.B. ermöglichen, in Abschlussarbeiten ähnlichen Fragen nachgehen.

Im Moment schrauben unsere Partner vom httc noch an der Website und wir – das sind im Wesentlichen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter in unserem Institut für Kommunikation und Medien (ikum) und ich – am Veranstaltungsprogramm für das erste Halbjahr. Die feierliche Eröffnung wird am 27. Februar sein, unter anderem mit dem Social Media Vorzeige-Malermeister Werner Deck. Wer sowieso in der Region Rhein Main ist, ist herzlich eingeladen!

Zur Übung haben wir schon mal zwei erste eBusiness-Hangouts gemacht, die gerade online gingen. Im einen stellen wir uns vor, im anderen geht es um eine Einführung zu E-Learning.

Und wie immer setzen wir auf die Vernetzung – will heißen, wir sind immer auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern für unsere Hangouts und Leuten, die z.B. in Workshops von Erfahrungen berichten oder erklären, wie man Social Media und e-Learning auch in KMU mit ihren begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen einsetzen kann. Damit man sich besser vorstellen kann, was wir vorhaben, werde hier demnächst etwas zu unserem Programm schreiben.

Wir freuen uns natürlich auch über erste Abonnenten des eBusiness-Blogs (RSS), über Twitter-Follower und G+-Einkreiser ;)

In memoriam

20130119-190440.jpg

Sie hatte noch so viel vor.
Am Campus.
Mit ihrer Familie.

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 221 Followern an