Erster Tag des Wissenschaftsjournalismus – jetzt anmelden!

Heute gibt es hier mal Werbung in (fast) eigener Sache: Gemeinsam mit meiner Kollegin Annette Leßmöllmann bereiten die Zweitsemester in unserem Studiengang Wissenschaftsjournalismus eine kleine Tagung vor: Am 2. Juli 2008 findet der erste Tag des Wissenschaftsjournalismus an unserem Dieburger Campus (bei Darmstadt) statt. Und worum geht’s? In meinem Worten: Um Wissenschafts-Blogs, Podcasts & Co. Die Anmeldung ist ab sofort möglich, und zwar einem eigenen kleinen Social Network, für den WJ-Tag. Bin gespannt, wie gut dieser Feldversuch zur Anmeldung funktioniert.

Genau genommen gibt es beim WJ-Tag 2008 zwei größere Sessions:

“Bloggen aus dem Elfenbeinturm”: Sind Blogs die Zukunft der Wissenschaftskommunikation? Oder bauen sich Blogger ihren eigenen Elfenbeinturm? Marc Scholeske (Wissenswerkstatt und Wissenschafts-Café) wird auf Fragen wie diese mit Sicherheit gute Antworten haben. Und vielleicht nähern wir uns den Wissenschaftsschaftsblogs auch in der Diskussion mit Ernst Peter Fischer (Die andere Bildung), Carsten Könneker (scilogs) und Beatrice Lugger (ScienceBlogs) erkenntnisreich.

Zweites Thema: “Podcasts sind tot! Es lebe der Podcast.” Gerrit van Aaken, der – in Blogs viel diskutiert – das ursprüngliche Podcasting zu Grabe getragen hat, wird zur (möglichen) Rolle von Podcasting für den Wissenschaftsjournalismus vortragen – mit anschließender Vertiefung in einer Podiumsdiskusion.

Der Anlass für die Tagung ist übrigens besonders erfreulich: Im Juli verabschieden wir die ersten Absolventen des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus, in dem wir naturwissenschaftliche Kenntnisse mit journalistischem Know-how zusammenzubringen suchen. Damit ein wenig greifbarer wird, was im Studiengang gemacht wird, werden die ersten Absolventen die Themen ihrer Abschlussarbeiten vorstellen.

Ergänzend zur Website gibt es zur Veranstaltung auch ein kleines Konferenz-Blog. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist für Studierende kostenlos, externe Gäste bezahlen 20 Euro.

Ich würde mich sehr freuen, auch einige Textdepot-Leser auf unserem Campus zu treffen. Ach ja: Ich versuche mich mal in Moderation 2.0 und freue mich auf Anregungen für die Diskussion rund um Wissenschaftsblogs. Die sammle ich auf meiner Ning-Seite hier.

Audio-Twittern mit Utterz

Beim Grazer Kollegen Heinz Wittenbrink habe ich gerade zum ersten Mal Utterz in ein Weblog eingebunden gesehen. Wahrscheinlich kennen das schon viele, viele Leute, nur ich RSS-Süchtling nicht. Für alle, denen es ähnlich geht: Mit Utterz kann man kurze O-Töne aufnehmen und online stellen – also eine einfache Art des Podcastings,  das in den USA offenbar sehr stark über Mobilfunk genutzt wird (klingt sehr reizvoll!). Heinz erklärt es hier (Audio) und dort (im Blog) und bringt das treffende Bild vom Audio-Twittern. Das Ganze lässt sich nicht nur per Widget einfach in Blogs einbinden, sondern man kann z.B. auch rasch mit einem kurzen O-Ton antworten und so einen Audio-Dialog starten. Gleich in seinem zweiten Beitrag hat Heinz das Textdepot vorgestellt. Welche Ehre, herzlichen Dank! Und dass Lost & Found mir eine wertvolle Fundgrube ist, will ich im Gegenzug auch einmal kund tun ;-)

General Motors sucht den Dialog

GMnext.com heißt ein Portal, das General Motors zu Beginn des Jahres freigeschaltet hat. Ziel ist ein Dialog mit Bezugsgruppen zur künftigen Entwicklung des Automobilherstellers. Das Portal nutzt zahlreiche Social Media-Ansätze wie ein Blog, Podcasts, eine Videocommunity, Bewertungsmöglichkeiten oder Social Bookmarking.

GM-Chairman und CEO Rick Wagoner dazu:

“We’ll use GMnext to introduce some of our ideas for addressing critical issues concerning energy, the environment and globalization. In the process, we also hope to spark a broader, global discussion on these important topics.”

Weiter heißt es in der Presseinformation:

“The site is designed to encourage feedback and interaction among participants. In addition to GM news, positions and commentary, it will feature opinions and insights from the general public, from industry observers outside GM, and from the global media, both traditional and social.”

Im Interview mit Shel Holtz und Neville Hobson im PR-Podcast “For Immediate Release” (FIR) betonen die Verantwortlichen für GMnext, mit der Plattform soll etwa eine Million Menschen erreicht werden, die über die Entwicklung des Autoriesen mitdiskutieren sollen. Besonders eingeladen worden seien hierzu auch die 280.000 Mitarbeiter, für die die Plattform bereits Anfang Dezember freigeschaltet worden war.

Als Leitthemen für die Diskussionen gibt der weltgrößte Autohersteller zunächst Umwelt, Technologie und Design vor. Teil der Plattform ist auch ein neues Blog, das von etwa 20 Autoren gefüttert wird – darunter auch Mitarbeiter von Partnern und Zulieferern sowie Kunden. Zur Kommunikationsstrategie von GM gehöre neben der eigenen Plattform auch, in anderen Netzwerken wie Facebook oder Video-Communities präsent zu sein, erläutern die PR-Manager Scot Keller and Christopher Barger im FIR-Interview.

Ich bin sehr gespannt, wie sich GMnext entwickelt und ob die Plattform die gewünschte Akzeptanz findet. Vieles wird davon abhängen, wie offen die Kommunikation dort läuft. Eine erste Nagelprobe dürfte der geplante 24-Stunden-Chat während der North American International Auto Show am 13. und 14. Januar sein. Eine andere Herausforderung ist aber sicher das starke Konkurrenzdenken in der Automobilbranche, von dem typischerweise auch die Mitarbeiter geprägt sind. Ob sie es wagen, sich im erhofften Maße zu beteiligen und wie sie bzw. die Manager in kritischen Diskussionen reagieren, wird spannend zu beobachten sein.

Frankfurter Buchmesse bloggt wieder

So ganz stimmt die Überschrift natürlich nicht, sondern es wird wieder über die Buchmesse gebloggt: Seit gestern ist das neue Buchmesse-Blog online, das die Messe begleiten soll. Wie auch im vergangenen Jahr beschreiben mehrere Autoren ihre Eindrücke von der Messe. Allerdings ist das Ganze in diesem Jahr keine Kooperation mit der Literaturwelt.

Insgesamt sind es in diesem Jahr acht Event-Blogger (darunter zwei Studentinnen und ein Absolvent unseres Studiengangs), die berichten wollen, wie sie die Messe erleben. Zusätzlich gibt es von earpaper.de auch wieder einen Podcast und einen akkustischen Messerundgang.

Die Blogger und Podcaster sollen in diesem Jahr auch auf der Messe sichtbarer sein: In der Halle 4.2 Q 411 wird es das “Web 2.0 Wohnzimmer” geben: ein Stand, an dem die Podcaster und Blogger der Buchmesse präsent sind. An diesem Stand wird live der Buchmesse-Podcast produziert, und die Blogger treffen sich hier, um ihre Texte zu schreiben und sich austauschen – und um mit Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Greenpeace: Kampagne aus der Wanne

Der Wettlauf der Staaten um die wohl bald vom Eise befreite Antarktis zur Ausbeutung der dortigen Ressourcen ist ein Problem, auf das Greenpeace aufmerksam machen möchte und um Unterstützung einer Petition wirbt. Doch wie kann man auf ein nacktes Formular aufmerksam machen? Wie das Thema visualisieren? Ich finde, die Campaigner haben mit diesem Video eine nette Lösung gefunden: Ja, man kann witzige Ideen auch in der Badewanne umsetzen.

Gleichzeitig sei bei dieser Gelegenheit auf den Greenpeace-Channel bei YouTube verwiesen, der nun seit fast einem Jahr schon besteht. Kanäle wie diese halte ich in Zukunft für’s Campaigning für ähnlich wichtig wie Blogs – schließlich nehmen Videoplattformen laut ARD/ZDF-Onlinestudie mehr Nutzer wahr als Weblogs. Wobei Blogs und Videos unterschiedliche – sich ergänzende – Bedürfnisse befriedigen.

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Autoindustrie flitzt durch’s Web 2.0: General Motors vorn?

Bilde ich mir das nur ein? Irgendwie bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass die Autoindustrie besonders experimentierfreudig im Web 2.0 ist und dort aus PR- und Marketing-Sicht recht viele spannende Projekte laufen bzw. entstehen.

Ein paar Beispiele: Erst vor ein paar Tagen hat Chrysler ein Business Blog gestartet, und nun hat auch KIA die Kommunikationsbühne (via) mit einem Business Blog betreten. Das holpert jedoch noch ziemlich, das Layout ist im Moment zerschossen, ein angekündigtes Video finde ich nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Absicht ist jedenfalls, so schreibt der CEO:

“We want this blog to serve as another important way in which Kia can maintain open discussion and dialogue with people throughout the world: our customers, dealers, other automotive bloggers, and really anyone else who shares an active interest in the automotive world.”

Mal sehen, wie sich das entwickelt. Einen besseren Start eines neuen Projektes hat dagegen General Motors Europe: Dort gibt es einen neuen Social Media Newsroom (via Neville Hobson). Und der gefällt mir wirklich gut (ist auch alles drin, worüber ich mal phantasiert habe): Es ist ein Newsroom, der auch ein Blog sein könnte. So gibt es dort RSS, Tagging, Trackbacks und Kommentare. Und um die Sache perfekt zu machen, wurde ein Fotoalbum auf Flickr und ein YouTube-Kanal eingerichtet. Ach ja, wer sich noch mehr für Autos interessiert, findet auch eine Blogroll. Der Newsroom ist für mein Empfinden ein großer Schritt, denn mit ihm fällt es allen, die im Netz publizieren, sehr viel leichter, GM-News zu verwenden. Im Idealfall wird die Sichtbarkeit von GM im Netz also deutlich erhöht. Vorausgesetzt, genügend Leute interessieren sich für die gesetzten Themen ;-)

Und hier zu Lande? Bisher scheinen mir BMW mit verschiedenen Audio- und Videopodcasts und z.B. dem Mini-Blog (schnöde Eigenwerbung: ausführliche Fallstudie im Buch) sowie VW mit Horst Schlämmer am experimentierfreudigsten. Wobei ich den oft sehr schöne Musik spendierenden Mercedes Benz-Podcast ehrlich gesagt bisher am intensivsten genutzt habe (ok, Musik ist immer Geschmacksache). Aber wie man hört und es aus verschiedenen Richtungen grummelt, dürfte im Herbst, der in der Branche ja eher dem Frühling gleicht, noch das ein oder andere Projekt starten.

Die Konzepte – von Unterhaltung bis News-to-use – sind jedenfalls schon bisher sehr unterschiedlich. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit gefällt mir das GM-Projekt im Moment am besten (wenn man einen Vergleich denn sinnvoll anstellen kann). Doch eines ist natürlich klar: Die tatsächlichen Effekte von Projekten dieser Art können erst nach einer Weile evaluiert werden.