Beim Grazer Kollegen Heinz Wittenbrink habe ich gerade zum ersten Mal Utterz in ein Weblog eingebunden gesehen. Wahrscheinlich kennen das schon viele, viele Leute, nur ich RSS-Süchtling nicht. Für alle, denen es ähnlich geht: Mit Utterz kann man kurze O-Töne aufnehmen und online stellen - also eine einfache Art des Podcastings, das in den USA offenbar sehr stark über Mobilfunk genutzt wird (klingt sehr reizvoll!). Heinz erklärt es hier (Audio) und dort (im Blog) und bringt das treffende Bild vom Audio-Twittern. Das Ganze lässt sich nicht nur per Widget einfach in Blogs einbinden, sondern man kann z.B. auch rasch mit einem kurzen O-Ton antworten und so einen Audio-Dialog starten. Gleich in seinem zweiten Beitrag hat Heinz das Textdepot vorgestellt. Welche Ehre, herzlichen Dank! Und dass Lost & Found mir eine wertvolle Fundgrube ist, will ich im Gegenzug auch einmal kund tun ![]()
Entries categorized as 'Podcasting'
Audio-Twittern mit Utterz
16 März 2008 · 2 Comments
Categories: Persönliches · Podcasting · Tools
Getaggt: heinzwittenbrink, Podcasting, utterz
General Motors sucht den Dialog
3 Januar 2008 · 6 Comments
GMnext.com heißt ein Portal, das General Motors zu Beginn des Jahres freigeschaltet hat. Ziel ist ein Dialog mit Bezugsgruppen zur künftigen Entwicklung des Automobilherstellers. Das Portal nutzt zahlreiche Social Media-Ansätze wie ein Blog, Podcasts, eine Videocommunity, Bewertungsmöglichkeiten oder Social Bookmarking.
GM-Chairman und CEO Rick Wagoner dazu:
“We’ll use GMnext to introduce some of our ideas for addressing critical issues concerning energy, the environment and globalization. In the process, we also hope to spark a broader, global discussion on these important topics.”
Weiter heißt es in der Presseinformation:
“The site is designed to encourage feedback and interaction among participants. In addition to GM news, positions and commentary, it will feature opinions and insights from the general public, from industry observers outside GM, and from the global media, both traditional and social.”
Im Interview mit Shel Holtz und Neville Hobson im PR-Podcast “For Immediate Release” (FIR) betonen die Verantwortlichen für GMnext, mit der Plattform soll etwa eine Million Menschen erreicht werden, die über die Entwicklung des Autoriesen mitdiskutieren sollen. Besonders eingeladen worden seien hierzu auch die 280.000 Mitarbeiter, für die die Plattform bereits Anfang Dezember freigeschaltet worden war.
Als Leitthemen für die Diskussionen gibt der weltgrößte Autohersteller zunächst Umwelt, Technologie und Design vor. Teil der Plattform ist auch ein neues Blog, das von etwa 20 Autoren gefüttert wird - darunter auch Mitarbeiter von Partnern und Zulieferern sowie Kunden. Zur Kommunikationsstrategie von GM gehöre neben der eigenen Plattform auch, in anderen Netzwerken wie Facebook oder Video-Communities präsent zu sein, erläutern die PR-Manager Scot Keller and Christopher Barger im FIR-Interview.
Ich bin sehr gespannt, wie sich GMnext entwickelt und ob die Plattform die gewünschte Akzeptanz findet. Vieles wird davon abhängen, wie offen die Kommunikation dort läuft. Eine erste Nagelprobe dürfte der geplante 24-Stunden-Chat während der North American International Auto Show am 13. und 14. Januar sein. Eine andere Herausforderung ist aber sicher das starke Konkurrenzdenken in der Automobilbranche, von dem typischerweise auch die Mitarbeiter geprägt sind. Ob sie es wagen, sich im erhofften Maße zu beteiligen und wie sie bzw. die Manager in kritischen Diskussionen reagieren, wird spannend zu beobachten sein.
Categories: Business Blog · Online-PR · Podcasting
Getaggt: FIR, General Motors, GM, GMnext
Frankfurter Buchmesse bloggt wieder
3 Oktober 2007 · 6 Comments
So ganz stimmt die Überschrift natürlich nicht, sondern es wird wieder über die Buchmesse gebloggt: Seit gestern ist das neue Buchmesse-Blog online, das die Messe begleiten soll. Wie auch im vergangenen Jahr beschreiben mehrere Autoren ihre Eindrücke von der Messe. Allerdings ist das Ganze in diesem Jahr keine Kooperation mit der Literaturwelt.
Insgesamt sind es in diesem Jahr acht Event-Blogger (darunter zwei Studentinnen und ein Absolvent unseres Studiengangs), die berichten wollen, wie sie die Messe erleben. Zusätzlich gibt es von earpaper.de auch wieder einen Podcast und einen akkustischen Messerundgang.
Die Blogger und Podcaster sollen in diesem Jahr auch auf der Messe sichtbarer sein: In der Halle 4.2 Q 411 wird es das “Web 2.0 Wohnzimmer” geben: ein Stand, an dem die Podcaster und Blogger der Buchmesse präsent sind. An diesem Stand wird live der Buchmesse-Podcast produziert, und die Blogger treffen sich hier, um ihre Texte zu schreiben und sich austauschen - und um mit Besuchern ins Gespräch zu kommen.
Categories: Business Blog · Podcasting
Getaggt: Buchmesse, Event-Blog, Frankfurt, Podcast
Greenpeace: Kampagne aus der Wanne
6 September 2007 · 2 Comments
Der Wettlauf der Staaten um die wohl bald vom Eise befreite Antarktis zur Ausbeutung der dortigen Ressourcen ist ein Problem, auf das Greenpeace aufmerksam machen möchte und um Unterstützung einer Petition wirbt. Doch wie kann man auf ein nacktes Formular aufmerksam machen? Wie das Thema visualisieren? Ich finde, die Campaigner haben mit diesem Video eine nette Lösung gefunden: Ja, man kann witzige Ideen auch in der Badewanne umsetzen.
Gleichzeitig sei bei dieser Gelegenheit auf den Greenpeace-Channel bei YouTube verwiesen, der nun seit fast einem Jahr schon besteht. Kanäle wie diese halte ich in Zukunft für’s Campaigning für ähnlich wichtig wie Blogs - schließlich nehmen Videoplattformen laut ARD/ZDF-Onlinestudie mehr Nutzer wahr als Weblogs. Wobei Blogs und Videos unterschiedliche - sich ergänzende - Bedürfnisse befriedigen.
Ähnliche Artikel im Textdepot:
Categories: Nonprofit-PR · Online-PR · Podcasting
Autoindustrie flitzt durch’s Web 2.0: General Motors vorn?
6 September 2007 · 4 Comments
Bilde ich mir das nur ein? Irgendwie bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass die Autoindustrie besonders experimentierfreudig im Web 2.0 ist und dort aus PR- und Marketing-Sicht recht viele spannende Projekte laufen bzw. entstehen.
Ein paar Beispiele: Erst vor ein paar Tagen hat Chrysler ein Business Blog gestartet, und nun hat auch KIA die Kommunikationsbühne (via) mit einem Business Blog betreten. Das holpert jedoch noch ziemlich, das Layout ist im Moment zerschossen, ein angekündigtes Video finde ich nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Absicht ist jedenfalls, so schreibt der CEO:
“We want this blog to serve as another important way in which Kia can maintain open discussion and dialogue with people throughout the world: our customers, dealers, other automotive bloggers, and really anyone else who shares an active interest in the automotive world.”
Mal sehen, wie sich das entwickelt. Einen besseren Start eines neuen Projektes hat dagegen General Motors Europe: Dort gibt es einen neuen Social Media Newsroom (via Neville Hobson). Und der gefällt mir wirklich gut (ist auch alles drin, worüber ich mal phantasiert habe): Es ist ein Newsroom, der auch ein Blog sein könnte. So gibt es dort RSS, Tagging, Trackbacks und Kommentare. Und um die Sache perfekt zu machen, wurde ein Fotoalbum auf Flickr und ein YouTube-Kanal eingerichtet. Ach ja, wer sich noch mehr für Autos interessiert, findet auch eine Blogroll. Der Newsroom ist für mein Empfinden ein großer Schritt, denn mit ihm fällt es allen, die im Netz publizieren, sehr viel leichter, GM-News zu verwenden. Im Idealfall wird die Sichtbarkeit von GM im Netz also deutlich erhöht. Vorausgesetzt, genügend Leute interessieren sich für die gesetzten Themen
Und hier zu Lande? Bisher scheinen mir BMW mit verschiedenen Audio- und Videopodcasts und z.B. dem Mini-Blog (schnöde Eigenwerbung: ausführliche Fallstudie im Buch) sowie VW mit Horst Schlämmer am experimentierfreudigsten. Wobei ich den oft sehr schöne Musik spendierenden Mercedes Benz-Podcast ehrlich gesagt bisher am intensivsten genutzt habe (ok, Musik ist immer Geschmacksache). Aber wie man hört und es aus verschiedenen Richtungen grummelt, dürfte im Herbst, der in der Branche ja eher dem Frühling gleicht, noch das ein oder andere Projekt starten.
Die Konzepte - von Unterhaltung bis News-to-use - sind jedenfalls schon bisher sehr unterschiedlich. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit gefällt mir das GM-Projekt im Moment am besten (wenn man einen Vergleich denn sinnvoll anstellen kann). Doch eines ist natürlich klar: Die tatsächlichen Effekte von Projekten dieser Art können erst nach einer Weile evaluiert werden.
Categories: Business Blog · Podcasting · Socialweb
BASF vor dem Blogfrühling
5 September 2007 · No Comments
Während gelegentlich geunkt wird, die Sache mit den Business Blogs sei Vergangenheit bevor sie richtig begonnen hat, liefert BASF (wie ja auch BMW) andere Indizien: In nächster Zeit soll es gleich mehrere BASF-Blogs geben.
“Wie es aussieht, gehen wir einem veritablen Blogfrühling entgegen: Innovationblogs, Projektblogs, Produktblogs und Blogs von und mit Vorgesetzten sowie Regio-Blogs. Dabei ist es schön zu erleben, dass die darin involvierten KollegInnen keine übergroßen Räder drehen. Dass alle die kleine Lösung bevorzugen, die dann noch Wachstumspotential hat, die Lösung, die viele fordert, aber niemanden überfordert.”
Dies sagte mir Michael Scheuermann, in der BASF-Kommunikation für News und Issues Management zuständig, im Interview, das ich gerade in den PR-Fundsachen veröffentlicht habe. Übrigens bietet BASF seit einer Weile auf der Startseite zwei Podcasts [[Nachtrag, 6.9.: Hier gibt's ein Interview dazu]] an, und seit kurzem werden News getaggt. BASF war auch eines der ersten Unternehmen, das systematisches Blog-Monitoring einführte.
Im Rahmen unseres Forschungsprojektes haben sich Marsha Haus und Daniel Kömpel (beide inzwischen Absolventen) angeschaut, wie BASF intern mit einem ersten Weblog-Projekt Erfahrungen gesammelt hat. Die Fallstudie wurde im Buch “Online-PR im Web 2.0” veröffentlicht, steht aber nun auch in den PR-Fundsachen zum Download zur Verfügung. Im Buch selbst gibt’s 14 weitere Fallstudien und ein paar Gedanken zu einer Typologie der Online-PR von mir.
An dieser Stelle will ich die Gelegenheit nutzen, mich herzlich für die Hinweise und Rezensionen zu diesem Buch zu bedanken. Eine Übersicht dazu habe ich hier begonnen.
Categories: Business Blog · Online-PR · Podcasting · Socialweb
BASF podcasted
14 Mai 2007 · No Comments
Irgendwie habe ich in den letzten Wochen Corporate Podcasts hier vernachlässigt. Höchste Zeit also, das Podcast-Angebot von BASF vorzustellen. Zwei Projekte gibt es da: Seit April wird einmal im Monat das Innovationsmagazin des Unternehmens als Hörbuch veröffentlicht. Themen der beiden ersten Ausgaben sind Leuchtdioden und Klimaschutz. Noch interessanter finde ich jedoch das zweite Projekt, den “Chemie-Reporter”. Das ist ein Podcast, in dem Alltagsfragen rund um Chemie beantwortet werden. Das Nette: Die Fragen kommen von Hörern und klären Dinge, die wir schon immer spannend fanden, z.B. warum Glühwürmchen leuchten, Glas durchsichtig ist oder was ein Hemd bügelfrei macht. Jede Woche wird in einem 2.30′ Beitrag nach neuen Antworten gesucht und ein wenig Interaktion mit den Bezugsgruppen hergestellt.
Übrigens ist das Audioangebot sehr prominent bereits auf der Startseite des Konzerns angekündigt. Hinter dem Projekt steckt die selbe Agentur, die auch den eBay-Podcast verantwortet. Und weil Alex Wunschel das Ganze schon vor einer Weile vorgestellt hat, sei sein Urteil zu BASF zitiert: “Ein Best Practice-Beispiel für einen Corporate Podcast.”
Categories: Online-PR · Podcasting
Podcasts an der Hochschule
27 April 2007 · 2 Comments
Tobias Goldbrunner (ein Absolvent unseres Studiengangs Online-Journalismus) hat im Wiesbadener Kurier über Podcasts an Hochschulen geschrieben. Unter anderem hat er auch mich gefragt, was ich davon halte. Ich schwanke da zwischen “wenig” und “einiges”.
Nicht wirklich begeistert bin ich, wenn ganz normale Vorlesungen kurzerhand mitgeschnitten und als “Podcast” verbreitet werden. Aber das liegt auch daran, dass ich die Vorlesung als didaktisches Format nicht sehr schätze. In vielen Fällen kann diese ja nur standardisierte Einwege-Kommunikation sein (ich denke da an Massenstudiengänge). Mir läge eine Verkleinerung der Gruppen, so dass zumindest ein Dialog möglich ist, mehr am Herzen als die Worte des Professors zu konservieren und den Hörsaal ins Internet zu erweitern (wobei mir andere Lehrformate noch lieber wären als nur Vorlesungen zu verkleinern). Kommt aber in einer Lehrveranstaltung ein Dialog zu Stande, kann man nicht mehr einfach mitschneiden. Einziges Argument für einen reinen Vorlesungsmitschnitt aus meiner Sicht: Man könnte auf diese Weise seltene Themen und die Lehre herausragender Persönlichkeiten sehr schön zugänglich machen.
Viel spannender ist aus meiner Sicht, wenn ein Podcast als Ergänzung zu einer Lehrveranstaltung erstellt wird, so wie das laut Wiesbadener Kurier der Mainzer Kulturanhtropologe Timo Heimerdinger macht. Dies kann durch den Dozenten erfolgen, könnte natürlich auch von den teilnehmenden Studenden gemacht werden. Da sehe ich didaktisch großes Potenzial. Allein schon, eine 90-Minuten-Vorlesung in einem Fünf-Minüter zusammen zu fassen, ist eine gute Übung. Noch besser: Man ergänzt mit dem Podcast die Lehrveranstaltung inhaltlich und geht z.B. auf einen nur kurz erwähnten Aspekt oder eine aktuelle Entwicklung ausführlicher ein. So ähnlich mache ich es ja manchmal hier im Blog bzw. meine Studies in den PR-Fundsachen. Aber da ich eher ein Lese-Mensch bin, ist mir das Bloggen erst mal auch näher als das Podcasten. Vielleicht fehlt mir da ja nur ein Schlüsselerlebnis ![]()
Categories: Lehre · Podcasting
Kampagne: Podcaster greifen Musikindustrie an
20 März 2007 · No Comments
Bum Rush The Charts heißt eine Kampagne, mit der Verbraucher der Musikindustrie ihre Macht zeigen wollen: Am kommenden Donnerstag (22.3.07), so die Verabredung, wollen viele tausend Menschen Einfluss auf die iTunes-Charts nehmen und kaufen dazu einen Musiktitel einer Independent-Gruppe, die sonst podsafe Music verbreitet:
“We are going to strike fear into the hearts of the music industry and make an independent music artist #1 on iTunes.“
Und wenn alle am 22. März 99 Cent opfern, den Titel “Mine Again” der Band “Black Lab” kaufen und dieser Titel die Charts stürmt, so das Ziel, soll die Musikindustrie die Macht der Verbraucher zu spüren bekommen. Warum das Ganze?
“Podcasting gets little respect from traditional media. To them we’re little more than a joke, than amateurs. What they don’t understand is that podcasting is more than just a delivery mechanism - it’s a social movement. People are sick of the watered-down, cookie-cutter content that networks and record companies expect us to enjoy. People are tired of watching friends and loved ones get sued by record labels who only care about profits and nothing else, not even the artists they supposedly represent.”
Neben der Idee, schlicht die Macht neuer Medien zu beweisen, wird von der Kampagne auch die Gewinnspanne der Musikindustrie hinterfragt:
“Ein Song im iTunes-Store kostet 99 Cent. Die Aufteilung ist im Normalfall ca. so: 4,5 Cent bekommt der Künstler, 19 Cent bekommt Apple und 75,5 Cent bekommt die Plattenfirma. Da fragt man sich, wofür die Plattenindustrie da 75,5 Cent bekommt!?! Dieser Anteil wird meist mit dem Argument gestützt, dass man ja z.B. Verpackungs- und Versandkosten hat, die die Plattenfirma als Distributor zu übernehmen hat. Bei einer CD im Handel mag das ja stimmen, aber doch nicht bei einem Song in einem Online-Store! “
Und wie es sich für eine zeitgemäße Kampagne im Netz gehört, wird das Ganze in vielen Blogs und Podcasts wie auch via YouTube verbreitet.
[]
Categories: Podcasting · Socialweb
ARD: Zurechtgebogene Podcast-Studie?
26 Januar 2007 · 1 Comment
“ARD-Studie belegt: Podcasts sind Ergänzung und nicht Konkurrenz fürs Radio - vor allem Informations- und Kulturprogramme können profitieren”
So lautet die Überschrift einer Pressemitteilung der ARD von gestern. Hm, denke ich, “Ergänzung und nicht Konkurrenz” - das klingt spannend. Beim näheren Lesen der Pressemitteilung komme ich aber darauf, dass es in der Studie offensichtlich ausschließlich darum geht, inwieweit Podcasts von ARD-Sendern das eigene Radioprogramm gefährden oder unterstützen. Befragt wurden dazu ausschließlich Hörer von ARD-Podcasts. Klar, dass dies herauskommt:
“Die Antworten belegen, dass es keine konkurrierende Beziehung zwischen Podcasts und Radioprogrammen gibt. Im Gegenteil: Die Hörfunkprogramme, und hier vor allem die Informations- und Kulturangebote der ARD, bieten Orientierung bei der Auswahl eines Podcasts. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Podcast abgerufen wird, ist umso höher, je profilierter das Angebot in dem Radioprogramm ist.”
Und da liegt der Hase im Pfeffer. Ich behaupte: Gerade junge Hörer empfinden immer mehr Radioprogramme eben als nicht attraktiv (oder profiliert) und wandern deshalb ins Internet ab. Und dann sind Podcasts (oder andere Formate im Netz) schon Konkurrenz zum Radio. Aber dazu hätte man die Umfrage anders anlegen müssen, wie auch Jan Schmidt kommentiert. Die ARD wollte lieber ihre Nutzer befragen. Das ist ja ok. Aber die Überschrift ist dann ziemlich vermessen.
Hat eigentlich jemand diese Studie im Original gesehen, oder gibt es nur eine Presseinfo?
Categories: Podcasting · Randnotizen
Kaffeesatz. Oder: Web 2.0 und Online-PR 07
1 Januar 2007 · No Comments
Jetzt aber schnell: Heute ist die letzte Gelegenheit, für das neue Jahr noch ein bisschen Kaffeesatz-Leserei zu betreiben. Irgendwie ist es ja eine eher zweifelhafte Sache, sich hinzustellen und wissen zu glauben, was die nächsten Monate so bringen. Aber ansteckend ist es doch. Also spiele ich nach zwei Jahren Kaffeesatz-Leseabstinenz doch mal wieder mit. Was also könnte 2007 für die PR bringen?
Videos in der Online-PR: Nachdem der Onlinejournalismus von SpOn über Focus Online bis zum Handelsblatt in 2006 Videos als Methode entdeckt hat, Besucher auf der Site zu halten und YouTube zu einer wichtigen Anlaufstation im Netz wurde, dürften auch Unternehmen Videocasts im Rahmen ihrer Online-PR künftig häufiger einsetzen. Allerdings bezweifle ich, dass User generated Content à la Swiffer gute PR ist. Es müssen also vernünftige redaktionelle oder unterhaltende Formate gefunden werden. Das könnten Interviews oder Filme aus der Produktion sein, aber auch kurze Soaps oder ganz neue Formate. Ähnliches haben einige Unternehmen ja schon beim Aufkommen des Fernsehens produziert. Back to the roots also. Und ja: Die Zahl der Corporate Weblogs wird auch in diesem Jahr zunehmen. Aber das hat Jan schon vor einigen Tagen festgestellt.
Pressearbeit: Vor zwei Jahren habe ich behauptet, die Bedeutung der klassischen Pressearbeit wird zurückgehen. So richtig eingetreten ist das noch nicht. Aber die Diskussion um die Social Media News Release in 2006 ist für mich ein Signal, das meine Meinung bestärkt und sie ist ein Signal dafür, dass die seit langem überfällige Diskussion zur Qualität von Pressearbeit auch unter PR-Leuten beginnt. Die Pressemitteilung der Zukunft wird auch in den nächsten Wochen ein wichtiges Thema sein. Und daran könnte sich für viele Unternehmen ein größeres Renovierungsprojekt im Web anschließen: Sie sollten ihre Newsrooms auffrischen und könnten dort beispielsweise Tagging, Permalinks und Kommentare ermöglichen. Allerdings ist auch unabhängig von technischen Features manche Neuorientierung wünschenswert: Und zwar eine, die dazu führt, dass weniger (und nur noch wirklich bedeutsame) Presseinformationen versandt werden. Womit wir gleich beim leidigen Thema Presseverteiler sind. Dieser Tage ist mir mal wieder bewusst geworden, dass ich auch nach acht Jahren journalistischer Abstinenz noch immer im Verteiler nicht ganz unbekannter Unternehmen bin. Ob ich diese Presseinfos noch immer möchte, wurde ich nie gefragt. Also: Pressearbeit sollte in diesem Jahr doch etwas zielgenauer werden.
Nonprofit-PR im Netz: Ein großer Teil der Nonprofit-Organisationen hat nach meiner Beobachtung Web 2.0 bisher weitgehend ignoriert. Dies sind vertane PR-Chancen. Schließlich ist aus Studien bekannt, dass Menschen, die einer Organisation Geld spenden, sich zu einem großen Teil schlecht darüber informiert fühlen, was mit den Spenden geschieht. Podcasts oder Weblogs aus Projekten könnten da Abhilfe schaffen und das Fundraising unterstützen. Außerdem könnten sich Nonprofit-Organisationen mit solchen Kommunikationskanälen mehr Gehör verschaffen, als nur auf klassische Pressearbeit zu setzen - beispielsweise, wenn es um (umwelt-)politische Ziele geht. Sehr spannend fände ich zum Beispiel themenbezogene Podcast-Netzwerke, etwa nach dem Vorbild von Radio 18-12. NGOs könnten so beispielsweise zu Menschenrechtsthemen, Kriegen, Armut oder zu Umweltthemen berichten. Das setzt allerdings voraus, dass akzeptiert wird, dass PR nicht immer nur von einer Organisation initiiert werden muss, sondern dass sich mehrere Organisationen zusammentun könnten.
Informationsflut: Egal, wie viele neue Weblogs täglich entstehen, die Informationsflut nimmt immer weiter zu. Deshalb gehe ich davon aus, dass das Navigieren durch RSS-Feeds in diesem Jahr zum Thema wird. Wurde bisher diskutiert, dass RSS gegenüber E-Mail viele Vorteile hat, so wird es allmählich auch in vielen RSS-Readern unübersichtlich. Abhilfe schaffen könnten da Meta-Feeds und programmierbare Suchmöglichkeiten innerhalb von Feeds. Tools gibt es hierzu bereits, doch sind diese noch relativ wenig verbreitet. Ich hoffe, nach diesem Semester mit einigen davon herumspielen zu können.
PR-Ethik: Zwei entgegen gesetzte Erfahrungen waren für mich in Sachen PR-Ethik im vergangenen Jahr prägend: Auf der einen Seite wurde das Thema so intensiv diskutiert wie noch kaum zuvor - die Stichworte Fake Blog und Astroturfing sind noch frisch in Erinnerung. Auf der anderen Seite hatte ich mehrere (!) Gespräche mit PR-Profis, die meinten, die Ethik-Codizes der PR seien doch nicht wichtig. Dies empfand ich denn doch als Fehleinschätzung. Dass Codizes für den Einzelfall zu abstrakt sein könnten, sehe ich ja ein. Aber so wie das Grundgesetz oder die Allgemeinen Menschenrechte ihre Notwendigkeit besitzen, so tun wir PR-Leute gut daran, uns an ethische Richtlinien zu halten. Und meine Prognose ist, dass dies in Zeiten der durch’s Internet hergestellten Transparenz nötiger ist denn je. Wobei es dabei nicht nur um die Ethik der PR, sondern des unternehmerischen Handelns insgesamt geht. Corporate Social Responsibility wird also auch in diesem Jahr ein wichtiges Thema bleiben.
So, und nun schauen wir mal, was 2007 wirklich bringt. Nicht nur zu den genannten Punkten. Ich wünsche Ihnen ein glückliches Jahr!
Categories: Online-PR · Podcasting · Randnotizen · Socialweb
Radio 18-12: Weltumspannendes Podcast-Projekt
19 Dezember 2006 · 1 Comment
Gestern war Weltmigrantentag. Und das vielleicht Bemerkenswerteste daran ist ein weltumspannendes Podcast-Projekt, zu dem ich erstaunlicherweise in Blogs bisher kaum Berichte gefunden habe. Das “Radio 18-12” getaufte Projekt vereint Reportagen, Features und Interviews in fünf Sprachen zur Situation von Migranten.
Vorwiegend sind es Radiosender - aus Afrika, Lateinamerika genauso wie aus Europa - die dort ihre Beiträge eingestellt haben. Insgesamt haben sich etwa 20 Stationen und Podcaster beteiligt. Das Besondere: Die Beiträge können nicht nur als Podcast angehört werden, sondern dürfen auch von anderen Radiostationen ausgestrahlt werden. Hinter dem Projekt steckt die NGO December 18, gefördert wird es von der UNESCO, Inter-Pares (Canada), Oxfam Novib (Niederlande), und dem Flämischen Kulturminister.
Wer sich von dem ständig automatisch loslaufenden Player nicht zu sehr ärgern lässt und in die Beiträge hineinhört (hier ist eine Gesamtliste), findet sowohl Hintergrundinformationen zu Migration aus politischer Sicht, aber auch berührende Portraits einzelner Migranten, die die Not auf Reise in andere Kulturen schickte. Aus Deutschland beteiligte sich der Zündfunk, das Jugendradio des Bayerischen Rundfunks, über den ich auf das Projekt aufmerksam wurde. Leider finde ich online den Beitrag der Zündfunker nicht.
Auf jeden Fall aber ist Radio 18-12 ein spannendes Projekt, das zeigt, wie das Internet weltweit einen Austausch zu einem speziellen (hier: globalen) Thema schaffen kann. Spannend daran ist auch, mit welch unterschiedlichen journalistischen Blickwinkeln in den einzelnen Ländern an das Thema Migration herangegangen wird - wenngleich die PR für das Projekt noch ausbaufähig erscheint. Aber das Ganze soll in den nächsten Wochen weitergehen…
Categories: Medien · Podcasting
ZKM-Band “Weblogs, Podcasting und Videojournalismus”
14 Dezember 2006 · No Comments
Seit ein paar Tagen schon liegt der Band zur ZKM-Tagung “Weblogs, Podcasting und Videojournalismus” auf meinem Tisch, nun wird es hohe Zeit, ihn hier kurz vorstellen. Zu der Tagung hatte das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) vor gut einem Jahr eine muntere Mischung aus Journalisten, Bloggern und Wissenschaftlern eingeladen. Und wie manchem noch in Erinnerung sein dürfte, prallten hier zeitweise Welten aufeinander. Ein kleiner Funke, der sich durch diesen Aufprall entwickelt hat, sind die Hard bloggin’ Scientists. Nun sind also all die aufeinander Geprallten auf Papier vereint. Die meisten haben bei der Verschriftlichung ihrer Vorträge nochmal geschliffen, zum Teil auch zugespitzt. Wer die Artikel des Themenforums Weblogs liest, spürt die Kollision. Mehr dazu gibt’s bei Jan Schmidt.
Deutlich weniger konflikträchtig - besser: ziemlich entspannt - waren dagegen die Panels zu Podcasting und Videojournalismus. In meinem Artikel zu Podcasting (einem von dreien zum Thema) habe ich versucht, dieses Format als Chancen-Medium darzustellen, das es erlaubt, inhaltlich beliebige Nischen zu besetzen. Das kennen wir natürlich auch von Weblogs, doch im Gegensatz zu diesen sehe ich Podcasts in einem weiten Spannungsfeld zwischen “offenem Kanal reloaded” und schlichtem Vertriebskanal für bereits Produziertes - böse gesagt: Audio-Recyling. Das aber übrigens bei Usern ziemlich beliebt ist. Das heißt, es gibt offenbar eine konkrete Nachfrage nach Radio on Demand. Innerhalb dieser Spanne bewegen sich vielfältige Ansätze, zu denen auch die Unternehmenskommunikation oder eLearning gehören. Und natürlich bedeutet Podcasting ein Senden mit Gedächtnis - im Gegensatz zum klassischen Radiobeitrag, der sich rasch versendet.
Diemand, Vanessa/Mangold, Michael/Weibel, Peter (2006): Weblogs, Podcasting und Videojournalismus. Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potentialen. Hannover: Heise (Telepolis), 18 Euro.
Categories: Akademisches · Podcasting · Socialweb · Vorträge

