Mal ein ganz anderes Blogprojekt: Zwei Freunde bloggen. Getrennt sind sie durch den Zaun, der den Gaza-Streifen und Israel voneinander abgrenzt. Ihre Freundschaft pflegen sie virtuell, im Blog. Der eine nennt sich Hope Man, der andere Peace Man. In ihrem Blog beschreiben sie den Alltag auf beiden Seiten des Zaunes, im Flüchtlingslager im Gazastreifen und in der israelischen Kleinstadt Sderot. Eindrucksvoller als viele Korrespondentenberichte. Immerhin, aufmerksam geworden bin ich auf das Blog durch einen Reuters-Artikel.
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Gaza/Israel: Bloggen erhält die Freundschaft
19 Februar 2008 · 1 Comment
Categories: Politik
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Konferenz: Politik und Web 2.0
18 Februar 2008 · No Comments
Beginnen wir die Woche mit einem Konferenzhinweis: Am 17. und 18 April 2008 findet an der University of London die Konferenz “Politics: Web 2.0” statt. Das Programm (pdf) ist zwar noch vorläufig, verspricht aber spannend zu werden, denn es wird ein Bogen von Politikkommunikation bis hin zu Partizipation im Netz geschlagen. Mit dabei ist neben zahlreichen Forschern u.a. Micah Sifri, Mitgründer des Personal Democracy Forums und des Gruppenblogs TechPresident, das die Webkommunikation der Kandidaten im Präsidentschafts-Vorwahlkampf der USA begleitet. Übrigens ist die Teilnahme an der Konferenz nicht exorbitant teuer: Inklusive einer Übernachtung kostet sie 159 Pfund.
Weitere Quellen:
- Blog des New Political Communication Unit an der Uni London (Veranstalter)
- Das Textdepot: Konferenzen und Rufe nach Papieren
Categories: Akademisches · Politik · Socialweb
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Eilmeldung: Linke knapp vor CDU
27 Januar 2008 · No Comments
20.20 Uhr: Die Wahllokale in Niedersachsen und Hessen haben längst geschlossen. Es ist die Zeit der Stimmenzähler und der Kommentatoren. Journalistische Hoch-Zeit. Und Hoch-Zeit der politischen Köpfe. Doch was ist mit den PR-Leuten? Speziell: Was ist mit der Online-PR der Parteien? Ein kurzer Test, ein kurzes Wundern, und ich küre für den Moment die Linken knapp vor der CDU zu Siegern. Auf dem dritten Rang ist die FDP. Grüne und SPD sind zunächst Ausfälle. Zumindest für heute abend in der Online-PR.
Man kann sich natürlich streiten, wie wichtig die Websites der Parteien an einem Wahlabend für aktuelle Informationen sind. Natürlich steht die Berichterstattung journalistischer Medien, also Online, TV und Radio, im Vordergrund. Und natürlich haben dort die Politiker ihre Dauerauftritte. Wähler, Parteisympathisanten und Mitglieder haben also viele Möglichkeiten zu erfahren, wie “ihre” Kandidaten die Hochrechnungen interpretieren. Dennoch: Auch eine Partei-Website, die eine Rubrik “Aktuelles” besitzt, darf an solchen Abenden frisch gehalten werden, vor allem, um die eigene Klientel anzusprechen, aber auch Journalisten.
Mein subjektiver Kurzvergleich:
- Die Linke: Es gibt einen aktuellen Artikel zu beiden Wahlen und drei kurze Statements der Granden Dietmar Bartsch, Lothar Bisky und Gregor Gysi als MP3.
- CDU: Auch hier ein aktueller Artikel zu beiden Wahlen, via Content Syndication mit der dpa gibt’s aktuelle Hochrechnungen.
- FDP: Die zusammenfassende Bewertung der Wahlen basiert auf die erste Hochrechnung von 18.14 Uhr, für weitere Infos wird zu tagesschau.de und den Statischen Landesämtern verlinkt.
- SPD und Grüne: Gähn. Die rufen noch zur Wahl auf.
[Update: 20.45 Uhr: Jetzt gibt es auch auf der Website der SPD eine zusammenfassende Bewertung und einen Link zum Live-Angebot der dpa. Doch der ist kaputt. Inzwischen gibt's auch auf der grünen Website einen Artikel]
Alles in allem: Vielleicht nicht der wichtigste Vergleich des Abends. Dennoch: Die Leistung der Linken gefiel mir am besten. Ein Artikel mit einer Wertung der Wahlen sollte selbstveständlich sein. O-Töne der Parteiführung als Ergänzung gefallen mir sehr gut, denn diese sind authentisch und sprechen die eigenen Wähler gut an. Theoretisch könnten die MP3s auch von Radio- oder Online-Journalisten genutzt werden. Der Ansatz der Content Syndication (CDU) ist sicher sinnvoll, um die Besucher auf der Site zu halten. Dass SPD und Grüne etwa zweieinhalb Stunden für eine erste Aktualisierung ihrer Sites gebraucht haben, ist ein bisschen lang, finde ich.
>> PR-Fundsachen: Interaktivität kontra Wahlkampf. Ein hessischer Vergleich
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PR-Rat findet Leihbeamte gut
21 Dezember 2007 · 3 Comments
Vorweg das Positive: Der PR-Rat als Selbstkontrollgremium der Branche (vergleichbar mit dem Presserat) tritt seit einiger Zeit offensiv und meist mit klaren Worten an die Öffentlichkeit. Relativ zeitnah werden ethisch problematische PR-Aktivitäten diskutiert und offen kritisiert. In einer aktuellen Entscheidung kann ich dem PR-Rat aber nicht folgen, denn ich kann nichts Positives daran finden, wenn Unternehmen (oder NGOs) Mitarbeiter in die Ministerialbürokratie entsenden. Worum genau geht es?
In mehreren Sendungen des Magazins Monitor ging es um die Entsendung von Fraport-Mitarbeitern in das Hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Wem solche Konstellationen nicht geläufig sind: Die Mitarbeiter der Firmen bleiben bei solchen Deals üblicherweise bei diesen auf der Payroll. Man darf davon ausgehen, dass sie sich auf auf einem Ministerialsessel ihrem Arbeitgeber mindestens moralisch verpflichtet fühlen. Im Fraport-Fall wurde der Vorwurf erhoben, dass ein ins Ministerium entsandter Mitarbeiter die vom eigenen Arbeitgeber beantragten Nachtflüge zu genehmigen gehabt und bewilligt habe. Laut PR-Rat konnte dieser Vorwurf nicht bestätigt werden. Ok, ich gehe davon aus, dass diese Frage intensiv geprüft wurde. Doch der nächste Satz in der Pressemitteilung des PR-Rates stößt mir auf:
„Der Rat begrüßt grundsätzlich die Abordnung von Mitarbeitern in Ministerien und Behörden…”
Wie? Warum? Weil Ministerien so Personalkosten sparen und externes Fachwissen nutzen können? Weil so mehr Verständnis für die jeweiligen Arbeitsweisen entstehen kann? Oder weil Lobbyinteressen so zielgenauer platziert werden können? Was im Einzelfall am ehesten zutrifft, lässt sich außen kaum beurteilen, weshalb LobbyControl zu Recht urteilt:
“Das zeigt den beschränkten Blickwinkel des DRPR auf strukturelle Machtungleichgewichte und Verflechtungen. Für uns ist die Mitarbeit von Lobbyisten in Ministerien mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar. Mal sehen, wie der Bundesrechnungshof diese Thematik in seinem anstehenden Bericht Anfang nächsten Jahres bewertet. “
Abgesehen von der gesellschaftspolitischen Sichtweise kann man auch aus Unternehmensperspektive zu dem Schluss kommen, dass solche Entsendungen riskant, weil reputationsgefährdend sein können. Übrigens ist das Risiko nicht nur bei den Unternehmen, sondern gilt auch für ein Ministerium, in das Bürger Vertrauen verlieren könnten. Genug Gründe, von solchen Leihmodellen Abstand zu nehmen, finde ich…
Ähnlicher Artikel im Textdepot:
Categories: PR-Ethik · Politik
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Kreuzchen lesen
12 Dezember 2007 · 1 Comment
Bis die Hessen ihr Kreuzchen machen dürfen, ist ja noch ein paar Wochen hin. Aber seit einer Weile können sie statt nur zu warten das Kreuzchen lesen. Ausserhessische dürfen natürlich auch. Kreuzchen? Dahinter verbirgt sich ein Blog zur Hessenwahl, bestückt von Studenten des dritten Semesters Online-Journalismus, die von meinem Kollegen Lorenz Lorenz-Meyer angeleitet werden. Das Ganze ist eine Kooperation mit der Frankfurter Rundschau.
Und wer sich für einzelne Politiker, Volkes Voting und Positionen der Volksvertreter interessiert, dem sei Trupoli empfohlen, das gestern aus dem virtuellen Vorhang hervortrat (via Kooptech).
Categories: Lehre · Politik
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Lobbying und PR: Ein paar Gedanken
26 November 2007 · 4 Comments
Am Wochenende habe ich - ganz als Gast (wie schön) - die Tagung “Lobbying und PR” in Ingolstadt besucht. Ich kann aus Zeitgründen nicht die gesamte Veranstaltung zusammenfassen (live bloggen war mangels Technik nicht möglich), sondern will hier nur ein paar öffentliche Notizen machen. Zur Einordnung: Organisiert und veranstaltet wurde das Ganze von Prof. Ulrich Bartosch (Kath. Uni Eichstätt-Ingolstadt) gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Tutzing und dem Kolpingwerk in Ingolstadt. Die Veranstaltung war gleichzeitig das zweite Weltinnenpolitische Colloquium, also Teil einer Reihe, die sich dem Denken von Carl Friedrich von Weizsäcker verpflichtet fühlt (Wikipedia zu Weltinnenpolitik).
Ein paar unsortierte Notizen:
- Es herrschte Konsens darüber, dass Lobbying in einer Demokratie nicht nur berechtigt, sondern notwendig ist. Lobbying soll vor allem, so wurde argumentiert, Politikern zeigen, welche Auswirkungen mögliche Entscheidungen auf Betroffene haben werden. Problem: Nicht jede Gruppe hat die selben Möglichkeiten, sich an diesem Spiel zu beteiligen.
- Neben dem Zugang (zur Politik) spielt im Lobbying die Glaubwürdigkeit eine besonders große Rolle. Diskutierte These: Während Unternehmen sich den Zugang leichter erkaufen können, sind NGOs bei der Glaubwürdigkeit im Vorteil. Dass deshalb von einer “Waffengleichheit” gesprochen werden kann (wie implizit von einem Firmenvertreter zu argumentieren versucht wurde), halte ich für gewagt. Denke, das kommt sehr auf das Thema und die Akteure an. Viel intensiver würde ich mir zudem eine Diskussion über Grenzen des Lobbyings wünschen, denn wenn diese überschritten werden, ist die Glaubwürdigkeit schnell dahin. Von verdeckten Aktionen distanziert sich in einem solchen Rahmen natürlich jeder. Doch intensiver diskutiert werden könnte z.B.: Wie ist es zu bewerten, wenn Firmen Mitarbeiter z.B. an Ministerien ausleihen? Ist es etwas anderes, wenn NGO-Vertreter in Brüssel bei der EU mitarbeiten? Wie ist das mit komplett von Lobbyisten getexteten Gesetzentwürfen?
- Öffentlichkeit vs. Nicht-Öffentlichkeit: Lobbying für’s Gemeinwohl (z.B. Erhalt der Artenvielfalt oder der Gesundheit, Kontrolle der Verbreitung von Kleinwaffen) funktioniert umso erfolgreicher, je stärker das Thema in der Öffentlichkeit präsent ist, berichteten Vertreter von NGOs (BUND, Konversionszentrum). Nonprofit-Lobbying setzt oft also breites Campaigning voraus. Grund, so argumentierten NGOs: Nur wenn Politiker öffentlichen Druck wahrnehmen, nehmen sie ein nicht-wirtschaftliches Thema ernst. Umgekehrt tun sich Unternehmen in ihrem Lobbying oft viel leichter, sie können mit Standardargumenten (Arbeitsplätze, Standortsicherung etc.) durchkommen und benötigen nicht in dem Maße die breite Öffentlichkeit als Unterstützung ihres Lobbyings (soweit die These).
- Andiskutiert wurde auch die Rolle von Wissenschaftlern in diesem Spiel - etwa, wenn Lobbyisten mit Gutachten und Gegengutachten arbeiten. Die Fragen, ob durch enge Beziehungen zwischen drittmittelgebenden Unternehmen und Wissenschaftlern (etwa in der Medizin) nicht zu enge Beziehungen bzw. Abhängigkeiten entstehen, wo Grenzen für beide Seiten sind und wie gangbare Wege aussehen könnten, wurde leider nicht in dem Maß diskutiert, wie ich es mir gewünscht hätte - es blieb hier bei einer Diagnose. Rudolf Speth: “Man bekommt für jede These das beste Gutachten eines angesehenen Professors.” Das sei nur eine Frage des Geldes. Ein Wissenschaftler forderte seine Kollegen auf, sich besonders für gemeinwohlorientierte Themen zu engagieren - schließlich ist die Wissenschaft zunächst der Öffentlichkeit verpflichtet.
- Denkfabriken (Think Tanks) werden wohl weiterhin boomen. Speth sieht dort vor allem einen “Kampf um Begriffe und Deutungshoheiten”. Dabei sind Think Tanks inhaltlich sehr unterschiedlich ausgerichtet - während die einen wirtschaftspolitisch agieren wollen, beschäftigen sich andere mit Themen wie Frieden und Gerechtigkeit. Die Größe bzw. das Budget sei für den Erfolg von Think Tanks aber nicht entscheidend.
Mehr zur Tagung gibt’s in Kürze bestimmt bei Thomas Euler, der auch dort war (Update: erster Beitrag beim PR-Blogger). Auf jeden Fall bin ich froh, doch mal wieder nach Ingolstadt gefahren zu sein. Neben den Vorträgen und Diskussionen hatte ich einige spannende (Pausen-)Gespräche , und aus dem ein oder anderen könnte auch mehr werden…
Categories: PR · Politik
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Walfang: Live vom Greenpeace-Schiff Esperanza
19 November 2007 · No Comments
“Alles nur Forschung”, wird in Japan behauptet - “alles Augenwischerei” entgegnen Tier- und Umweltschützer. Gemeint ist der Walfang, den eine japanische Flotte nun wieder aufnehmen will. Vor einem Jahr haben sich die Isländer damit unbeliebt gemacht (und den Walfang inzwischen wieder beendet). Damals fand ich die Kommunikation der deutschen Greenpeace-Campaigner etwas dünn - diesmal finde ich noch weniger Kommunikationstools (keine Presseinfo, keine Petition), aber ich freue mich über das Greenpeace-Blog “Zwischen Walen und Harpunen“, in dem eine Aktivistin live von der Esperanza bloggt, die den Japanern (so gut es mit friedlichen Mitteln geht) den Fang vermasseln will.
Obwohl das Blog erst angelaufen ist und nur mit einer IP-Adresse firmiert, findet darin schon eine recht intensive Diskussion statt - und trotz mancher kleiner Geheimnisse (aus den ersten Posts werden wohl nur Insider schlau) könnte das Blog zu einem wichtigen Kommunikationskanal werden, der direkt Sympathisanten in der Heimat auf dem Laufenden hält. Bislang ist das Blog von außen noch nicht verlinkt (obwohl es ziemlich viele Beiträge zum Thema Walfang in der Blogosphäre gibt), jedoch im Moment prominent auf der Startseite von Greenpeace präsentiert.
Categories: Nonprofit-PR · Politik
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Pakistan-Politik in Facebook
19 November 2007 · No Comments
Wie schon in der Hochphase der Proteste in Birma ist auch während des Ausnahmezustands in Pakistan eine Facebook-Gruppe zu einer Drehscheibe des Graswurzelprotestes und Plattform der freien Diskussion geworden. Etwa 12.200 Mitglieder hat die Gruppe “We Oppose Emergency in Pakistan” im Moment, und wenn ich es richtig sehe, vernetzt diese Gruppe vor allem Engagierte im Land und weltweit verstreut lebende Pakistaner.
Gerade nach dem Verbot der beiden größten privaten Fernsehsender wird das Internet für Pakistaner zum wichtigen Nachrichten-, Diskussions- und Protestkanal. Deshalb finden sich in der Facebook-Gruppe unter anderem Links zu pakistanischen Bloggern, Bilder, Videos, Petitionen und vor allem sehr lebendige Diskussionen, in denen es aber nicht nur um die Organisation von Protest geht, sondern in denen die Teilnehmer auch damit ringen, wie die aktuelle Situation überhaupt zu bewerten ist.
Categories: Politik · Socialweb
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Gedenkminuten für den Journalismus
5 November 2007 · No Comments
5.11., fünf vor elf: Mit fünf Minuten Arbeitsunterbrechung sollen heute Journalisten an ihre ermordeten, inhaftierten und gefolterten Kolleginnen und Kollegen erinnern. “Aufstehen für den Journalismus” lautet das Motto der von der Deutschen Journalistinnen und Journalisten Union (dju) ausgerufenen Aktion. Zum Hintergrund schreibt heute.de:
“Mehr als 200 Journalisten, redaktionelle Mitarbeiter und Online-Dissidenten wurden seit Jahresbeginn wegen ihrer unbequemen Recherchen, Berichte und Kommentare inhaftiert. (…) Mit der Aktion werden die Regierungen in aller Welt aufgefordert, Journalisten und ihre Assistenten aktiv zu schützen, ohne in die freie Berichterstattung einzugreifen. Sie sollen - so die Organisatoren - zugleich Straftaten gegen Journalisten und Medienmitarbeiter konsequent verfolgen und die Täter dingfest machen.”
Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, auch an das Elend des Journalismus hier zu Lande bzw. vor unserer Tür zu erinnern:
- Elend 1: Vorratsdatenspeicherung als Einschränkung der Pressefreiheit. Hiergegen hat am Wochenende zum Beispiel der Ingolstädter Donaukurier mit einer geschwärzten Titelseite ein sichtbares Zeichen gesetzt.
- Elend 2: “Renditegeile Verleger” (taz), die unter anderem ihre Lokalredaktion verkaufen (z.B. in Münster, Koblenz, an der Ruhr, in Bremen) und laut taz-Bericht - im extremsten Fall - durch eine PR-Agentur ersetzen (in Delmenhorst). In diese Reihe können auch gleich die Verleger gestellt werden, die meinen, mit dem Auspressen ihrer freien Mitarbeiter langfristig gut fahren zu können (und das sind bei weitem nicht nur kleine Regionalblätter!)
- Elend 3: Journalismus, der sich gemein macht, beispielsweise mit politischen Kampagnen. Aktuelles Beispiel: Italienische Nachrichtenagenturen, die in einem Land, in dem die Sippenhaft wieder zu gelten scheint, plötzlich über kleine Ladendiebstähle landesweit berichten, wenn nur die Täter eine bestimmte Herkunft haben, wie die taz berichtet.
Die Liste ließe sich sicher erweitern, spiegelt aber die Themen wider, die mir allein bei meiner montagmorgendlichen Zeitungs- und Online-Lektüre begegnet sind.
Categories: Medien · Politik
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Lobbying und PR: Tagung im November
29 Oktober 2007 · 3 Comments
Im Juli hatte ich auf eine sehr spannende Tagung zu Lobbying und PR in Ingolstadt hingewiesen. Damals musste sie verschoben werden. Sie findet nun am 23. und 24. November 2007 statt, die Anmeldefrist läuft. Was mir am Konzept dieses zweiten Weltinnenpolitischen Colloquiums gefällt, ist die Betrachtung des Themas aus den unterschiedlichsten Richtungen. Unter anderem wird Rudolf Speth (FU Berlin) Think Tanks vorstellen, Vertreter von Vattenfall, Reemtsma, Audi werden aus Unternehmenssicht ihre Positionen zur Diskussion stellen, während Bund Naturschutz, das Internationale Konversionszentrum und die Münchner Tafel Lobbying für Nonprofit-Themen beleuchten. Aus PR-Sicht für mich besonders interessant: Die internationalen Nichtraucher-Kampagnen der EU-Kommission. Die Organisation der Tagung liegt bei Prof. Dr. Ulrich Bartosch von der Katholischen Uni Eichstätt-Ingolstadt und Jochen Wagner von der Evangelischen Akademie Tutzing.
> Tagungsflyer Lobbying und PR (pdf)
Disclaimer: Ich war mehrere Jahre an der Eichstätter Uni beschäftigt; mit Ulrich Bartosch verbindet mich u.a. ein gemeinsames Seminar zu Nonprofit-PR.
Categories: Akademisches · PR · Politik
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Blog Action Day: Viel Buzz weltweit
15 Oktober 2007 · 4 Comments
Nach dem Aktionstag “Free Burma” am 4. Oktober läuft heute die schon seit Monaten vorbereitete Grassroot-Kampagne “Blog Action Day“. Weltweit sollen es etwa 16.000 Blogger sein, die einen Beitrag zum Thema Umwelt geschrieben haben bzw. noch schreiben. Erste Auffälligkeit: Bei technorati ist “Blog Action Day” heute das am häufigsten gesuchte Schlagwort. Und wie groß ist der Buzz insgesamt?
Laut BlogPulse kann man die Resonanz mit der Resonanz auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an Al Gore vergleichen. Dies übersteigt in den Peaks die Nennung von George Bush bei Weitem. Nach meiner Beobachtung dürfte der US-Präsident der über die Zeit am häufigsten genannte Politiker sein.
Im Vergleich zur Free Burma-Aktion findet der Blog Action Day deutlich mehr Widerhall im Netz. Allerdings wird an diesem Vergleich deutlich, dass solche Aktionen - ähnlich wie herausragende Tagesnachrichten (Friedensnobelpreis) - naturgemäß nur kurze Aufmerksamkeit generieren.
Mit Aktionen wie “Free Burma” oder dem “Blog Action Day” konnte aus meiner Sicht durchaus das Mobilisierungspotenzial des Netzes beobachtet werden. Allerdings zeigt sich auch, dass ein wichtiger Erfolgsfaktor solcher Aktionen zu sein scheint, dass sich prominente Blogger das Thema auf die Fahnen schreiben. In Deutschland jedenfalls hat nach meinem ersten Durchschauen der Posts kaum einer der bekannteren Kleinbloggersdorfer mitgemacht. Überhaupt ist die Wahrnehmung in Deutschland nicht gewaltig, was sich z.B. in Rivva zeigt - beziehungsweise zeigt sich dort das Thema bisher eben nicht. Dabei gibt es laut Google Blog Search im Moment immerhin etwa 380 deutschsprachige Posts zum Thema (inkl. Ankündigungen). Beispielsweise ein Interview mit einem Pressesprecher von Greenpeace; andere Themen sind z.B. grüne Provider, der Schutz der Ostsee oder Umweltschutz in der Küche. International sind eine Menge sehr bekannter Blogs dabei, übrigens u.a. auch Google und YouTube.
Eine der größten Herausforderungen ist aus meiner Sicht, Nachhaltigkeit für solche Kampagnen herzustellen. Denn die Posts decken so viele unterschiedliche Umweltthemen ab, dass sie eigentlich mehr bieten als eine Online-Demonstration. Teilweise hat man den Eindruck, dass viele Fachleute - aber auch eine Menge Privatleute - wertvolles Fachwissen veröffentlichen, das aber allein über Tagging mit dem einen Stichwort zur Aktion in der Masse untergehen könnte. Irgendwie wünschte ich mir da einen Service, mit dem ich nach einem Tag suchen kann, im Ergebnis aber eine Tag-Cloud angezeigt wird, die alle Tags enthält, die in Verbindung mit dem gesuchten Begriff verwendet wurde. Ich kenne solche “related tags”-Anzeigen bei technorati und Social Bookmarking-Diensten. Allerdings zeigt technorati meines Wissens nur drei, vier Tags an und Social Bookmarking wäre ein Umweg. Kennt jemand einen umfassenden Service in dieser Richtung? Wäre eine nette Lösung, um auf einer Kampagnensite die Resonanz feingliedrig und nachhaltig darzustellen…
Ähnliche Artikel im Textdepot:
Categories: Nonprofit-PR · Politik · Socialweb
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Unsubscribe - ai-Kampagne fuer Menschenrechte
10 Oktober 2007 · 1 Comment
Mit der neuen Kampagne “unsubscribe me” will amnesty international deutlich machen, dass es eine Menge Leute gibt, die Menschenrechtsverletzungen, die Staaten im so genannten Krieg gegen den Terrorismus begehen, nicht länger akzeptieren wollen. Auf der Kampagnensite finden sich viele, viele webzwonullige Ansätze, um die Botschaft zu verbreiten - angefangen von einem Kampagnenfilm, Bannern und Slides über Widgets, eine Blogübersicht, Bookmark- und Social Network-Integration bis hin zu einer - wie ich finde - besonders innovativen Übersichtsseite: Auf ihr wird aufgelistet, welche Teile der Site man bereits genutzt hat und welche nicht - verbunden mit den Nutzungszahlen anderer. So sieht man, was andere interessiert und man selbst noch nicht entdeckt hat. Allerdings ist diese Orientierung auch ziemlich nötig, denn das Design der Website schafft dies nicht, wie auch netzpolitik meint, wo ich auf die Kampagne gestoßen bin.
Categories: Nonprofit-PR · Politik
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Free Burma!
3 Oktober 2007 · 1 Comment
Die Demonstrationen in Burma sind erst einmal vorbei. Nun scheint das Militär die Nächte zu nutzen, um Tausende Menschen verschwinden zu lassen oder gar zu ermorden. Wer in der Nacht kommt, scheut die Öffentlichkeit. Die Aktion Free Burma möchte weltweit etwas Öffentlichkeit herstellen:
“We want to set a sign for freedom and show our sympathy for these people who are fighting their cruel regime without weapons.”
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Birma III: Blogger wollen Zeichen setzen
29 September 2007 · 9 Comments
Graswurzelprotest: Wie Vernetzung mit Blogs und einem Wiki als zentrale Anlaufstation funktionieren kann, zeigt sich im Moment: Am kommenden Donnerstag, 4. Oktober, wollen Blogger nichts veröffentlichen - bis auf einen Beitrag mit der Botschaft “Free Burma!” Die Idee stammt von Robert Basic. Zur Unterstützung wird auch Facebook genutzt (Vorteil: Hier können Mitglieder direkt angesprochen und eingeladen werden).
Was aus meiner Sicht noch nützlich sein könnte:
- Twitter ist nach meiner Beobachtung noch recht ruhig.
- Gibt’s einen vereinbarten technorati-Tag? Vermute free-burma.
- Klassische Pressearbeit - sprich: Presseinfo schreiben, Journalisten ansprechen.
- Einigung auf eine Grafik (Wiedererkennungswert) - im Moment gibt’s einen großen Pool. Mein Favorit (stammt von blogwiese):

Werde die Aktion auf jedem Fall am Dienstag bei einem Vortrag, den ich zu Web 2.0 halten soll, vorstellen - schließlich kann man damit wunderbar erklären, wie das neue Netz funktioniert
Allerdings bin ich sehr gespannt, wie sich die Situation in den nächsten Tagen entwickelt. Sollte Birma bis Donnerstag aus den Medien verdrängt sein (schon jetzt, Samstag, 22 Uhr, ist das Thema nicht mehr auf der Startseite von Spiegel online), dürfte einige Energie verpuffen, und Kritiker könnten den Bloggern vorwerfen, dass die Vorbereitungszeit für die Aktion zu lange war. Andererseits: Wenn die Aktion so breit ins Rollen kommt, dass sie für jeden, der in Blogs unterwegs ist, sichtbar wird, könnte damit das Thema zumindest für einen Tag zurück auf die Agenda geholt werden. Bin gespannt, wie viele Blogs am Ende dabei sind.
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Birma II: Total in der PR-Krise?
28 September 2007 · 2 Comments
Nur ein kleiner Nebenaspekt der Birma-Thematik vielleicht, aber eine interessante Momentaufnahme für Krisen-PR versus Grassroot-Campaigning: Dem Mineralölkonzern Total wird schon lange vorgeworfen, dass er in Birma aktiv ist und damit - wie Kritiker meinen - das Regime unterstützt. Das Unternehmen hat eine andere Sicht der Dinge und argumentiert, dass sein Engagement in Birma nicht nur anderen Ländern Öl bringt, sondern dass die Mitarbeiter vor Ort davon profitierten, zumal die Firma nach ihrer Einschätzung vergleichsweise hohe soziale Standards einhält. Dennoch wird in Facebook ein Boykott von Total-Tankstellen diskutiert. Bemerkenswert sind an diesem Thema aus meiner Sicht vier Aspekte:
1. Total nimmt seit langem die Kritik von Aktivisten wahr und versucht - ebenfalls schon länger - durch Corporate Social Responsibility-Programme ein ethisches Fundament für sein Handeln zu finden.
2. Das Unternehmen bemüht sich um Transparenz: Auf der Corporate Website gibt es ein umfangreiches Dossier zum Engagement von Total in Birma (unter eigener Subdomain: http://burma.total.com). Zur Motivation heißt es:
“We want to restore balanced debate on whether a responsible multinational company can contribute positively to the economic and social development of a country that faces sharp internal divisions.”
3. Vor zwei Tagen wurde von Total ein aktuelles Statement veröffentlicht. Das Unternehmen will darin zeigen, dass es sich intensiv mit der Entwicklung in Birma auseinandersetzt und hofft auf eine Lösung, die die Bevölkerung und die Menschenrechte schütze. Gleichzeitig wird einem Abzug aus Birma eine Absage erteilt:
“To those who ask us to leave the country, we reply that far from solving Myanmar’s problems, a forced withdrawal would only lead to our replacement by other operators probably less committed to the ethical principles guiding all our initiatives. Our departure could cause the population even greater hardship and is thus an unacceptable risk.”
4. In Facebook wurde dagegen vor zwei Stunden die Idee eines Boykott von Total geboren; als Begründung zitiert ein User Aung San Suu Kyi mit den Worten: Total Oil “has become the main supporter of the Burmese military regime”. Noch gibt es in dieser Diskussion erst zwei Threats. Kann sein, dass sie intensiv wird, kann sein, dass sie versandet.
Schwierige Situation. Bin gespannt, ob Total die Facebook-Diskussion wahrnimmt und wenn ja, ob und wie das Unternehmen reagiert. Zu erwarten wäre eigentlich, dass das Unternehmen versucht, im Social Network in einen Dialog mit seinen Kritikern zu kommen.
Categories: CSR · Krisen-PR · Politik · Socialweb
Getaggt: Birma, Boykott, CSR, Facebook, Krisen-PR, Total
Wiki und eCard im Campaigning
19 September 2007 · No Comments
Wikis dürften im Campaigning von NGOs in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Ein gutes Anschauungsobjekt ist das Wiki des AK Vorrat, der sich gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung engagiert. Dass in das Campaigning viele gute Ideen eingeflossen sind, zeigt die Übersichtsseite. Eine dieser Ideen: Plakate, die man - ganz im Sinne des Campaigings - selbst vervielfältigen und aufhängen kann:
![]()
![]()
![]()
In diesen Zusammenhang passt auch der Hinweis, dass natürlich auch eCard-Aktionen z.B. an Politiker, nach wie vor ein sinnvolles Instrument im Campaigning sein können. Eine solche Aktion hat nun campact begonnen und zwar zum Thema Online-Durchsuchung (via):
Categories: Nonprofit-PR · Politik · Wiki
PR-Preis für Familienministerin
14 September 2007 · No Comments
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bekommt heute von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) den PR-Preis 2007 überreicht. In der Presseinformation des Verbandes heißt es dazu:
“„Ursula von der Leyen hat es mit vorbildlichem Einsatz der Kommunikation geschafft, den Umdenkungsprozess zu den familienpolitischen Themen in unserer Gesellschaft in Gang zu setzen, würdigt DPRG-Präsident Ulrich Nies die Bundesministerin. “
Ursula von der Leyen? War da nicht neulich noch was? Ja, sie hat ziemlich schlau Journalisten aufs Glatteis geführt als es nach Mügeln um Programme gegen rechts ging. Und natürlich gab es einige Diskussionen um die Pressearbeit, die ihr Ministerium bei einer Agentur beauftragt hatte. Einen sehr guten, mit etwas Distanz geschriebenen Artikel dazu gibt es übrigens bei der Medienlese.
(via Nordlichtblog)





