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PR-Profis mahnen Chefredakteur des PR-Journal ab

8 April 2008 · 4 Comments

Eine erstaunliche Geschichte: Die Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK) mahnt Gerhard A. Pfeffer, Herausgeber des Branchennewsletters PR-Journal, ab. Dass Pfeffer die von den drei PR-Verbänden getragene PZOK seit längerem kritisch begleitet und dabei auch einmal polemisiert, ist nicht neu. Nun ist der PZOK aber offenbar die Hutschnur geplatzt,und sie hat zur juristischen Keule gegriffen: Pfeffer hatte der Organisation, die eigentlich die Aufgabe hat, den nichtuniversitären PR-Nachwuchs zu prüfen, Abzockerei vorgeworfen. Offensichtlich hatten sich in den strittigen Artikel “zwei falsche Angaben” eingeschlichen, wie Pfeffer einräumt.

Eigentlich wäre es eine wunderbare Prüfungsfrage, was man als PR-Mensch in solch einem Fall tun sollte. Problem nur: Ein Prüfling, der “abmahnen” antwortet, müsste wohl durchfallen. Gerhard Pfeffer schreibt dazu genüsslich:

“Mich erstaunt, dass und wie angebliche PR-Profis mit Kanonen auf Spatzen schießen. Ein Anruf hätte genügt und ich hätte die zwei falschen Angaben korrigiert. So steht es übrigens auch in allen PR-Lehrmaterialien: man ruft an, schreibt einen Leserbrief oder eine Gegendarstellung - juristische Schritte wie Abmahnung oder Klage seien stets die Ultima ratio. Anscheinend habe ich mit dem Artikel den Nerv einiger Herren (…)  getroffen.”

Da die PZOK schon seit Monaten Schwierigkeiten hat, sich aufzustellen und mit ihrer eigentlichen Arbeit zu beginnen, ist diese Aktion für die PR-Branche insgesamt sicher nicht sehr hilfreich.

Mehr zum Thema:

Categories: Medien · PR-Beruf
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PR-Honorare und Musterverträge

3 März 2008 · No Comments

Was ein Säckchen Mehl kostet und wie sich sein Preis entwickelt, wissen wir. Dafür gibt’s schließlich amtliche Statistiken. Wer überlegt, eine PR-Agentur zu beauftragen, möchte auch und zu Recht wissen, was das denn welche Dienstleistung kosten könnte. Und wer als Dienstleister ein Projekt anbieten möchte, hätte ebenfalls gern eine Orientierung. Deshalb sind Informationen zu Honoraren von Agenturen und PR-Beratern sehr gefragt - ähnlich wie Musterverträge. Allerdings ist es nicht ganz einfach, an freie Informationen hierzu heranzukommen.

Etwas erstaunt war ich schon: Vor gut einem Jahr habe ich zu diesem Thema bereits geschrieben und ein paar Tipps gegeben, welche Quellen man nutzen kann. Eine wichtige Quelle, der österreichische PR-Verband PRVA, ist nun leider versiegt. Was steht dahinter? Das Kartellrecht verbietet offensichtlich das Veröffentlichen von Honorarsätzen bzw. Durchschnittswerten, so wurde mir auf Nachfrage bestätigt. Das Problem scheint vor allem darin zu bestehen, dass unter Umständen in Verträgen auf solche Publikationen Bezug genommen werden und diese als Empfehlung interpretiert werden könnten. Und das wäre wettbewerbsrechtlich nicht in Ordnung. Die österreichischen Designkollegen hatten bereits Erfahrung damit machen und sich von ihrer eigenen Honorarübersicht distanzieren müssen (pdf).

Ich meine, dass ein Verband keine Honorarempfehlungen aussprechen sollte, es aber doch möglich sein sollte, zumindest durchschnittliche Honorare für bestimmte Leistungen zu erheben (im Zweifel im Rahmen wissenschaftlicher Forschung). Der deutsche PR-Verband DPRG hat das jedenfalls gerade eben getan und vor zwei Wochen seine neueste Honorar- und Trendumfrage veröffentlicht. Sie ist wohl die ausführlichste Studie zum Thema. Mitglieder erhalten sie kostenlos, Nicht-Mitglieder bezahlen 45 Euro. Hier wurde übrigens festgestellt, dass die Honorare der Einzelberater seit der letzten Erhebung gesunken sind, während mittlere und größere Agenturen Erhöhungen durchsetzen konnten.

Wer auch mit nicht ganz aktuellen Zahlen zufrieden ist, findet nach wie vor vieles beim mediafon. Sehr ausführlich und recht aktuell sind die “Vertragsbedingungen und Honorare 2008″ für Freie, die der Deutsche Journalistenverband (djv) zum Download (pdf) bereit hält. Dort finden sich neben vielen Informationen für Journalisten ein (kleiner) Abschnitt zu PR und auch einer zu Honoraren für Fotografen. Für alle, die sich selbständig machen wollen, ist besonders jener Abschnitt empfehlenswert, der erklärt, wie Stundensätze zustande kommen. Es ist klar, dass die erwähnten Quellen lediglich sehr grob einen Ist-Stand erheben und die genannten Honorare nicht als Empfehlungen zu verstehen sind. Schließlich unterscheidet sich jeder Auftrag vom anderen und macht eine individuelle Kalkulation notwendig.

Weil wir gerade bei Rechtsfragen sind: Wer sich nicht sicher ist, wie man mit einer Agentur einen Vertrag schließt, findet beim Pressesprecher-Verband hierzu eine Handreichung mit Mustervertrag (pdf). Dort ist zwar immer wieder von Werbung statt PR die Rede, aber ich denke, juristisch ist das nicht so entscheidend. Ausführlich, aber mehr für die Dienstleister geschrieben, sind die erwähnten Tipps des djv.

Kennt jemand noch weitere empfehlenswerte Quellen zur Zusammenarbeit mit Agenturen und zu PR-Honoraren?

Categories: PR · PR-Beruf
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PR-Branche freut sich und mag kein Geflügel

7 Dezember 2007 · No Comments

Die PR-Agenturen rechnen mit guten Geschäften im nächsten Jahr. Das ist ein - wenig überraschendes - Ergebnis des PR-Trendmonitors, der gestern vorgestellt wurde (Presseinfo). Verantwortlich für die Online-Umfrage, an der gut 1.900 PR-Leute teilgenommen haben, ist die dpa-Tochter news aktuell. Doch all die optimistischen Zahlen finde ich gar nicht so spannend.

Interessanter ist aus meiner Sicht, dass Pressestellen befragt wurden, welche PR-Agenturen sie zu einzelnen Gebieten für besonders kompetent halten. Für Einsteiger oder Jobwechsler ist das eine halbwegs nützliche Orientierung. Gefragt wurde auch, für welche Unternehmen die Befragten am liebsten arbeiten würden: BMW, Porsche und Deutsche Bank scheinen die Darlings zu sein. (Übrigens sind bei vielen der genannten Unternehmen die Fallzahlen gering. Wer weiß, wie viele Befragte ihren eigenen Arbeitgeber genannt haben, damit er in der Liste auftaucht?)

Besonders lustig ist aber die Reihenfolge, die sich aus der Frage nach der Beliebtheit einzelner Branchen (”für wen könnten Sie sich vorstellen zu arbeiten?”) ergibt. Man beachte: Gentech auf Platz 3, Erotik vor katholischer Kirche - und die Geflügelzüchter scheinen in Fachkreisen die größten Akzeptanzprobleme zu haben:

  1. Textilindustrie
  2. Lederindustrie
  3. Gentechnologie-Unternehmen
  4. Bundeswehr
  5. Erotikindustrie
  6. Katholische Kirche
  7. Atomkraftwerbetreiber
  8. Fleischverwertung/-verarbeitung
  9. Rüstungsindustrie
  10. Zigarettenhersteller
  11. Geflügelproduktion

Aber Vorsicht: Bitte nicht kommentarlos (in einer Diplomarbeit oder sonstwo) zitieren. Hier fehlen schließlich eine Menge Branchen - insofern dienen solche Listen eher dem Spieltrieb und sind aus meiner Sicht nur mäßig seriös.

Ähnlicher Artikel im Textdepot (zur Vorgängerumfrage):

Categories: PR-Beruf
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PR-Agenturen finanzieren Behörden-Espresso

31 August 2007 · No Comments

Das ist zum Brüllen: Heute vormittag habe ich mich noch mit einem Kollegen aus einer Agentur über unbezahlte Präsentationen geärgert, jetzt lese ich beim PR-Kloster, dass das rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsministerium Geld für Ausschreibungsunterlagen für eine PR-Kampagne kassiert und - noch besser - ein döseliger Mitarbeiter in einer versehentlich an Agenturen geschickten Mail darüber nachdenkt, von diesen mindestens illegitimen Einnahmen eine “Edel-Kaffeekochanlage” für den Behördenflur zu kaufen.

Categories: PR-Beruf

Portal zu Kommunikationscontrolling

28 August 2007 · 1 Comment

Vor wenigen Tagen ist ein neues Portal zum Kommunikationscontrolling online gegangen. Das Ganze wird von der Uni Leipzig und der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) betrieben und ist nach meiner Einschätzung im deutschen Sprachraum das bisher umfangreichste (und beste) Angebot zu Fragen der Evaluierung und Wertschöpfung von Kommunikation.

Da von PR-Praktikern innerhalb ihrer Unternehmen oder Einrichtungen mehr und mehr gefordert wird, dass sie den Nutzen ihrer Arbeit belegen, zählt das Kommunikationscontrolling sicher zu ihren größten Herausforderungen. Wer sich darin fit machen möchte - egal, ob PR-Praktiker oder Student - findet im Portal viele Materialien zum Selbstlernen.

Disclaimer: Mit Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, der das Ganze verantwortet, arbeite ich in einem Projekt zusammen.

Categories: Akademisches · PR · PR-Beruf

Chance oder Ausbeutung?

7 August 2007 · 10 Comments

Alle paar Tage erreicht mich ein Jobangebot für unsere Studenten - aus Redaktionen, PR-Agenturen oder Pressestellen. In der Regel gebe ich diese gern weiter - schließlich ist bekannt, dass das beste Abschlusszeugnis noch lange nicht den Weg in Journalismus oder PR öffnet. Praxiserfahrungen müssen also her. Aber bitte nicht um jeden Preis! Deshalb habe ich nach längerem Abwägen beschlossen, ein PR-Angebot, das mich per Mail erreichte, nicht an die Studies zu geben. Denn ich finde, ehrliche Arbeit sollte ehrlich bezahlt werden - und nicht nur Material für die Bewerbungsmappe bringen.

Worum geht es? Die PR-Abteilung einer Messe möchte ein Eventblog einrichten - ganz offiziell und unter dem Logo der Messe. Ein klassisches PR-Projekt. Schreiben sollen darin u.a. Studierende unseres Studiengangs. Sie sollen laufend über ihre Eindrücke von der Messe berichten und vor Ort in einer Messehalle präsent und für Besucher ansprechbar sein. Live-Blogging als Event. Das erfordert professionelle Kenntnis wie die verantwortliche PR-Dame mir schreibt:

“Da Besucher eingeladen sind, den anwesenden Bloggern jederzeit Fragen zu stellen, und auch eine Art Blog-Sprechstunde angedacht ist, wäre eine Voraussetzung zum mitbloggen, dass die Blogger sich mit dem Medium auch tatsächlich gut auskennen, also selbst ein Blog haben oder regelmäßig für ein Blog schreiben. Sie sollten keine Scheu haben, Fragen zu beantworten und sich beim Bloggen über die Schulter schauen zu lassen.”

Klingt super. Zwei Zeilen weiter unten jedoch nicht mehr:

“Voraussetzung ist auch, dass Sie einen eigenen Laptop besitzen und an mindestens drei Tagen der xxx-Messe Zeit haben. Eine Bezahlung für die Blogger-Tätigkeit gibt es nicht. Die Blogger erhalten aber natürlich freien Eintritt an allen Tagen der Messe und werden mit Foto und einer kurzen Biographie im Blog vorgestellt. Für die Studenten ist das also eine sehr schöne Möglichkeit, sich einem großen Publikum zu präsentieren.”

Na, super. Ich fasse zusammen: Gesucht werden Studenten, die mehrere Tage arbeiten. Gefordert wird nicht nur Professionalität, sondern die Studies müssen eine Qualifikation mitbringen, die das Gros der Profis noch nicht hat. Dafür arbeiten sie für lau. In Ordnung finde ich das nicht, denn die Möglichkeit, die eigene Bewerbungsmappe aufzupolieren ist aus meiner Sicht noch keine faire Gegenleistung.

Ich mache mal eine Gegenrechnung: Als freier Journalist bzw. PR-Mensch würde ich für ein solches Projekt einen Tagessatz von ein paar hundert Euro verlangen. Was wäre hier denkbar? Laut österreichischem PR-Verband ist für Online-Projekte ein Satz von 190 Euro pro Bildschirmseite üblich. Rechnen wir spaßeshalber also mit 5 Blogbeiträgen pro Autor und Tag und einen Team von 5 Autoren. Bei vier Messetagen sind das also 100 Beiträge- jeder vielleicht eine halbe Bildschirmseite lang. Also haben wir 50 Bildschirmseiten. Gehen wir nun davon aus, dass ein Weblog noch nicht überall (v.a. bei den Entscheidern über Budgets) die Anerkennung eines - sagen wir - Newsletters genießt und halbieren den Honorarsatz großzügig, so würde ich das Projekt mit 50 Seiten à 95 Euro, also 4.750 Euro, kalkulieren. Das sind also 950 Euro pro Blogger - mithin ein Tagessatz von knapp 240 Euro. Hierzu müsste man korrekterweise noch eine Pauschale für die “Blogsprechstunde” vor Ort addieren - sagen wir nochmal 60 Euro pro Tag. Unterm Strich komme ich damit auf einen Tagessatz von 300 Euro pro Blogger und auf Gesamtkosten für den Auftraggeber in Höhe von 6.000 Euro. Wenn ich sehe, was sonst für (Online-)Newsletter, Kundenmagazine oder andere PR-Produkte ausgegeben werden, erscheint mir dies gerechtfertigt. Und ehrlich gesagt ist das an der Untergrenze dessen, was ich als Freier verdienen müsste . Oder habe ich da einen Knick in der Optik?

Categories: Online-PR · PR-Beruf

Weblogs als PR-Tool - Experteninterview

17 Juli 2007 · 1 Comment

Das Web 2.0 - und besonders Weblogs - und seine Chancen und Risiken für die PR sind immer wieder Thema studentischer Abschlussarbeiten. Oft geht es dabei um relativ grundsätzliche Fragen, die sich gelegentlich auch wiederholen. Das ist auch ok so, schließlich sind für Diplomanden Abschlussarbeiten, die an anderen Hochschulen entstanden sind, meist nicht verfügbar. Die folgenden Fragen kommen von Studentin der Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Uni Wien und sollen ihr für ihre Bakkalaureatarbeit weiterhelfen. Viel Erfolg!

Sehen Sie in der Verwendung von Weblogs die Zukunft der PR?

Nein, die Zukunft nicht. Weblogs können aber ein Instrument der PR sein. Jeder, der PR plant, sollte so vorgehen, wie bisher auch: die Situation analysieren, Ziele definieren, eine Strategie festlegen und Maßnahmen, wie diese umgesetzt werden soll. In diesem Prozess kann es sich zeigen, dass Weblogs im Einzelfall sinnvoll sind oder nicht.
Generell aber wandelt sich die PR: Reine Einwegekommunikation, die bisher im Mittelpunkt der Praxis stand, wird etwas an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig werden dialogorientierte PR-Strategien (und damit auch Instrumente, die dies ermöglichen wie z.B. Weblogs) an Bedeutung gewinnen - allein schon, weil dieser Dialog mehr und mehr von den Bezugsgruppen eingefordert wird. Doch um Missverständnisse zu vermeiden: Dies gilt nicht für jedes Unternehmen, und Einwegekommunikation wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Eignet sich die Verwendung von Weblogs zur Krisen-PR? (Früherkennung von Krisen) Wenn ja in welcher Art und Weise sind sie einsetzbar?

So wie Unternehmen auch die Medienberichterstattung im Sinne des Issues Monitoring auswerten, sollten sie Weblogs nicht ignorieren. PR-Abteilungen sollten in jedem Fall wissen, welche Blogs es gibt, die sich mit Themen beschäftigen, die auch für das Unternehmen von Bedeutung sind. Möglicherweise kommen die PR-Praktiker dann zum Ergebnis, dass die Blogosphäre für sie momentan weniger relevant ist. Für Marken würde ich dies jedoch eher bezweifeln. Und natürlich ist es notwendig, sich alle paar Wochen neu umzuschauen.
Grundsätzlich erwarte ich von einer zeitgemäßen PR zumindest, dass sie z.B. nach dem Namen des eigenen Unternehmens, den eigenen Markennamen und den Namen der Top-Manager kontinuierlich sucht bzw. automatisierte Suchabfragen laufen lässt - unabhängig davon, ob bestimmte relevante Blogs gefunden wurden, die laufend gelesen werden.

Im Fall einer Krise kann ein Blog natürlich ein sinnvolles Instrument sein, mit dem schnell über die aktuelle Entwicklung berichtet wird. Dies setzt allerdings einige Erfahrung im Umgang mit Blogs als Instrument und Bloggern als Kommunikationspartnern voraus. Wer unerfahren erst in der Krise die ersten Schritte mit Weblogs macht, läuft Gefahr, die Krise zu verschlimmern.

Was wird durch Weblogs für den PR Treibenden in Bezug auf seine Arbeit einfacher? Was ist vielmehr zu beachten?

Die Welt wird für den PR-Treibenden erst mal komplizierter, denn mit Weblogs und anderen wichtigen Anwendungen des Web 2.0 (z.B. Communities, Podcasts) entstehen viele neue Arenen der Öffentlichkeit. Dafür hat er die Möglichkeit, noch bevor die klassischen Medien Themen aufgreifen, von Diskussionen der eigenen Bezugsgruppen zu erfahren und kann mit diesen ggf. auch in eine Diskussion einsteigen.

Dienen Weblogs Ihrer Meinung nach als Meinungsbilder einer gesamten Öffentlichkeit/Zielgruppe oder nur der Opinion Leader?

Blogger als Autoren können sich zu Opinion Leadern entwickeln. Sicher sind Blogs nicht Meinungsbildner einer gesamten Öffentlichkeit, aber sie können Anteil daran haben. Beispiel: Wenn ein Konsument ein bestimmtes Produkt kauft und kontinuierlich von seinen Erfahrungen damit in einem Weblog berichtet (Beispiel: Mein 1erBlog), ist es wahrscheinlich, dass andere Konsumenten, die überlegen, dieses Produkt anzuschaffen, über Suchmaschinen auf diese Beträge stoßen und sich womöglich an den berichteten Erfahrungen orientieren (ähnlich wie bei Amazon oder ciao)

Wird es Ihrer Meinung nach neue Aufgabenfelder oder sogar Berufsgruppen innerhalb der PR durch Weblogs geben?

Aufgabenfelder: ja (ergibt sich aus den anderen Antworten). Berufsgruppen: Ich glaube nicht an wirklich neue Berufsgruppen, aber an einen zunehmenden Bedarf an PR-Leuten mit hoher Kompetenz in Online-PR.

Ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, selbst als PR Treibender im Interesse der Firma zu bloggen? Sollte man sich dabei zu erkennen geben?

Wer sich dabei nicht zu erkennen gibt, hat die Regeln der Blogosphäre nicht verstanden - egal, ob PR-Mensch oder Mitarbeiter einer anderen Abteilung. Zum ersten Teil der Frage: Pauschale Antworten sind hier kaum möglich, da dies von vielen Konstellationen abhängt (Konzeption des Blogs, Kommunikationssituation des Unternehmens, Branche etc.) In der Praxis haben sich Gruppenblogs sehr gut bewährt (z.B. Frosta). Hierdurch kommen unterschiedliche Themen und Perspektiven aus einem Unternehmen ins Blog. Alternativ kann es sehr spannend sein, unterschiedliche Mitarbeiterblogs zu fördern. Je nach ihrer Tätigkeit können sie mit ihren Blogs unterschiedliche Bezugsgruppen adressieren. In der Tendenz stehen gerade PR-Leute nicht im Ruf, authentisch zu kommunizieren, insofern kann hängt es sehr vom Thema des Blogs ab, ob es akzeptiert wird, wenn dieses von PR-Leuten geschrieben wird. In vielen Fällen scheint es mir sinnvoller, dass PR-Leute andere Mitarbeiter darin coachen, Weblogs zu nutzen. Legitim ist natürlich, in anderen Weblogs auch als PR-Mensch zu kommentieren - sofern er sich zu erkennen gibt und einen wirklichen Beitrag zur Diskussion leistet.

Ist es sinnvoll einen eigenen Blog (für die Firma) zu betreiben?

Die Frage stellt sich so pauschal nicht. Es kommt u. a. auf die Firma, den Markt, und die Kommunikationsziele an (s.o.). Und ganz wichtig: Es muss jemand da sein, der das gern und gut machen kann.

Sehen Sie die Weblogs als eine kostengünstige Form der externen PR?

Nein. Das Einrichten eines Weblogs ist zwar eine geringe finanzielle Investition. Allerdings wird für den laufenden Betrieb viel Arbeitszeit benötigt.

Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile der Weblogs in der internen PR? (der eigene Mitarbeiter als Blogger)

Ein sehr weites Feld. In Kürze sehe ich diese Vorteile: Verbesserung der Kommunikation innerhalb von Teams, aber auch die Möglichkeit der Vernetzung zwischen Teams (ortsunabhängig), Reduzierung des Mail-Aufkommens; CEO-Blog: direkter Dialog bzw. authentische Kommunikation zwischen Mitarbeiter und Leitung.
Nachteile: erfordert einige Zeit und Disziplin

Glauben Sie an eine verminderte Nutzung der „klassischen Medien“ durch den PR Treibenden?

Dann wäre er leichtfertig: Auf absehbare Zeit wird der Journalismus eine dominierende Rolle in der Meinungsbildung spielen. Mögliche Ausnahme: spezielle Fachthemen bzw. Themen, die speziell in Internet-Öffentlichkeiten diskutiert werden.

Können Plattformen wie Second Life der PR hilfreich sein oder sehen Sie deren Chancen eher für die Werbung? (Stichwort Product Placement).

SL und ähnliche Plattformen bieten aus PR-Sicht zwei mögliche Vorteile: Erstens kann man das SL-Engagement zum Thema eigener PR machen. Dieser Effekt hat sich meiner Meinung schon länger abgenutzt. Zweitens kann es sein, dass man in SL relevante Bezugsgruppen trifft, mit denen man gerade in dieser Plattform sinnvoll kommunizieren kann. Mein Gefühl dazu ist, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür für die meisten Unternehmen gering sein dürfte (was keine individuelle Analyse ersetzt).

Sehen Sie in Weblogs eine Möglichkeit der emotionalen Bindung des Kunden an das Unternehmen?

Grundsätzlich ist dies möglich, in einzelnen Fällen sogar besser, als mit anderen PR-Instrumenten. Gut gemachte Weblogs bieten die Möglichkeit, dass ein Unternehmen nicht als anonymer Betrieb, sondern authentisch und lebendig wahrgenommen wird (Beispiel 1 | 2).

Categories: Business Blog · PR-Beruf · Socialweb · Tools

Mal wieder: Einstieg in die PR

21 Juni 2007 · 1 Comment

In drei Wochen werden knapp 20 Studies unseres PR-Schwerpunktes glücklich ihre Diplomurkunde in Händen halten (hoffe ich doch!). Einige haben schon Jobs, andere schreiben Bewerbungen. Eine Studentin überlegt gerade, auf welche Stellen sie sich bewerben kann und schrieb mir:

“Ich frage mich, ob es üblich ist, dass nach dem Studium Online-Journalismus mit Schwerpunkt PR noch ein PR-Volo gemacht werden muss? Oder haben viele Absolventen auch einen Direkteinstieg in die PR geschafft?”

Wichtige Fragen, die sicher viele interessieren.

  1. Ja, einige Absolventen des PR-Schwerpunktes sind direkt in feste Jobs ohne Volontariat oder Trainee-Stelle gekommen.
  2. Nach meiner Meinung dient das PR-Volontariat bei einzelnen Arbeitgebern vorwiegend der Kostenersparnis. Andere haben ein gutes, schriftlich dokumentiertes und damit nachvollziehbares Ausbildungsprogramm für Volontäre. Da können auch unsere Absolventen noch einiges lernen, das im Studiengang keinen Platz hat - beispielsweise Angebote kalkulieren oder Erfahrungen mit speziellen Instrumenten bzw. in Arbeitsgebieten sammeln, die wir an der Hochschule eher theoretisch erarbeiten bzw. streifen.

Allerdings sind einige Arbeitgeber nicht auf Absolventen eingestellt, die wie unsere eine journalistische Grundausbildung, mehrere Monate Praxis und dann ein Jahr PR-Vertiefung mitbringen. Deshalb empfehle ich unseren Absolventen, erstens darauf Wert zu legen, dass die Lernziele eines Volontariats fest vereinbart werden und zweitens zu diskutieren, inwieweit der Arbeitgeber eine Verkürzung des Volontariats auf etwa 12 Monate akzeptiert bzw. Praktika auf das Volo anrechnet. Fazit: Man muss sich nicht nur auf Volontariate bewerben, aber ein gutes kann einen schon weiterbringen.

Ähnliche Artikel:

Categories: PR-Beruf

PR-Verbände unter ein Dach? Oder: Wo spielt die Musik?

14 Juni 2007 · 2 Comments

So, nach den vielen Diplom-Kolloquien diese Woche habe ich ein wenig Zeit, mich mal wieder ein bisschen im Netz umzuschauen. Besonders neugierig war ich auf die Resonanz zum PR-Tag der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) - immerhin eine der wichtigsten Veranstaltungen der Branche. Zwei Aspekte finde ich (aus der Außenperspektive) bemerkenswert:

Obwohl es wirklich viele deutschsprachige PR-Blogs gibt, hält sich die Resonanz im Web auf den PR-Tag in engsten Grenzen. Schlappe vier Postings findet Google Blog Search, und diese thematisieren die Inhalte der Tagung kaum - oder machen sich lustig über die DPRG. Dabei hat die DPRG nun 2.500 Mitglieder, so viele wie noch nie. Das sind aber immer noch 300 weniger als die Konkurrenz, die doch mal aus Stillstandsprotest gegründet worden war. Zurück zu den wenigen Berichten zum PR-Tag: Man könnte schon fragen, ob es der DPRG nicht gelingt, Themen zu setzen, die auch in virtuellen Öffentlichkeiten weiterdiskutiert werden, oder der Verband internet-affine PR-Leute schlicht nicht interessiert. Beim PR-Tag ging es diesmal übrigens um Produkt-PR. Zwar sind die Vorträge nicht dokumentiert (Ausnahme: “Glaube als Produkt”), immerhin aber die Diskussion, in der es v.a. um Marken, Emotionen und Web 2.0 ging.

Feststellung zwei: Die DPRG weiß, dass es so nicht weiter geht: In seiner Einleitung betonte Präsident Ulrich Nies (Video), dass eine klarere Positionierung des Verbandes (wie auch der PR insgesamt) überfällig sei. Bis Ende diesen Jahres soll dieser Positionierungsprozess für die DPRG abgeschlossen sein. Bemerkenswert: Auf dieser Basis, so Nies, könnte dann mit anderen Organisationen - gemeint ist wohl v.a. der Pressesprecher-Verband - verhandelt werden. Die Vision: “Ein gemeinsames Dach für die Kommunikationslandschaft.” Ich bin gespannt und hoffe. Vielleicht ginge dann in einem nächsten Schritt manches einfacher voran. Die Professionalisierung. Inhaltliche Diskussionen. Und so fort.

Mal sehen, wie sich die Verbände künftig positionieren. Die Vernetzung innerhalb einer Berufsgruppe ist heute sicher kein USP eines Verbandes mehr. Da haben selbst die großen PR-Verbände auf internationaler Ebene manches verschlafen, denn die Musik beginnt zumindest im englischsprachigen Raum in verbandsunabhängigen sozialen Networks wie MyRagan oder The Communicators’ Network zu spielen, auf die Markus Pirchner neulich hinwies. Lustigerweise haben übrigens gerade Mitglieder des nicht gerade unbedeutenden Verbandes IABC eine Gruppe innerhalb MyRagan eröffnet. Insgesamt hat diese Plattform in etwa sechs Wochen mehr als 5.600 PR-Leute als Mitglieder gewonnen.

Markus hat übrigens die Idee eines deutschsprachigen Networks für die PR-Branche ins Gespräch gebracht. Also eine Art Branchen-XING. Ich finde die Idee spannend, der Bedarf und die konkrete Ausgestaltung, die Trägerschaft etc. müssten jedoch ermittelt werden.

Nachtrag (15.6.): Petra Sammer hat inzwischen einen ausführlichen Artikel zum PR-Tag veröffentlicht - ohne zu verschweigen, dass aktuelle kritische Auseinandersetzungen mit PR, z.B. in der Titelstory des “manager magazin” (ich würde auch den Beitrag zu Radio-PR im “journalist” ergänzen), nicht thematisiert wurde.

Categories: PR · PR-Beruf

Honorare & Gehälter: Was kostet PR?

23 April 2007 · 13 Comments

Es ist immer wieder dasselbe: Da sitzt man nun auf seinem PR-Stuhl und plant eine PR-Kampagne. Dazu braucht es eine Website, eine Pressekonferenz, drei Follow-up-Presseinfos. Und so fort. Doch was kostet es, wenn man hierfür eine Agentur einschaltet? Oder: Was sage ich bloß, wenn ich als Freier gefragt werde, wieviel das Texten einer Rede bei mir kostet? Fragen, die auch immer wieder in meiner Mailbox landen ;-)

Die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) macht regelmäßig ihre Honorarumfrage, die solche Fragen beantwortet. Doch die wird nur den eigenen Mitgliedern zur Verfügung gestellt bzw. an Externe nur verkauft. Nicht sehr teuer (45 Euro) - aber immerhin. Wer dieses Geld nicht hat, dem empfehle ich die österreichischen Kollegen des PRVA. Die kommunizieren offen, wenn’s um Geld geht.  (3.3.2008: der PRVA hat seine Honorarumfrage vom Netz genommen) Für die Budget-Planung sicher ganz nützlich (und natürlich für freie PRler, die ein Angebot schreiben wollen). Eine Menge Infos dieser Art gibt’s auch beim mediafon, allerdings sind sie dort nicht immer ganz aktuell. Für einen Überblick reichen sie aber allemal.

Tipp für Studies, die freie Projekte anbieten wollen: Orientieren Sie sich an diesen Preisen. Sie können sicher etwas abziehen, da Sie weniger Berufserfahrung haben. Aber bitte kein Dumping betreiben - andere bezahlen von ihren freien Einnahmen Krankenversicherung, Altersvorsorge, Büro, Arbeitsmaterial etc.

Kennt jemand noch andere gute Quellen?

Ach ja: Was man als angestellter PR-Mensch üblicherweise verdient, sieht man hier.

Categories: PR · PR-Beruf
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PR-Branche: Im Boom Themen finden und das Internet meistern

3 April 2007 · 2 Comments

Zwei frisch veröffentlichte Studien zeigen, dass es der PR-Branche so richtig gut zu gehen scheint. Wirtschaftlich. Inhaltlich sind das Finden und Besetzen von Themen, Budgets und Kosten sowie das Internet bzw. Web 2.0 für die PR-Profis die aktuell größten Herausforderungen.

Gehard Pfeffers (PR-Journal) Umsatz-Ranking (detaillierte pdf) zeigt, dass die knapp 150 befragten Agenturen überwiegend boomen: plus 12,6 Prozent mehr Honorar - plus 9,7 Prozent mehr Mitarbeiter verbuchten sie 2006. Damit wächst der Umsatz der Agenturen im dritten Jahr in Folge. Der ebenfalls neu veröffentlichte PR-Trendmonitor (von News Aktuell) bestätigt die Aufwärtstendenz. Hier geht es mehr um Stimmungen. Und da scheinen die Agenturleute sehr optimistisch zu sein, was künftige Umsätze betrifft. Salz in der Suppe: Die PR-Abteilungen selbst sehen nicht unbedingt, dass ihre Etats wachsen. Da wundert es nicht, dass als besondere Herausforderung gilt, mit dem vorhandenen Kuchen klar zu kommen.

Die Frage nach den Herausforderungen im PR-Trendmonitor ist aus meiner Sicht besonders spannend, weil sie offen formuliert war und immerhin von 830 Personen beantwortet wurde. Und genau genommen wird dabei die Online-Kommunikation als größte Herausforderung gesehen: 13,5 Prozent sehen Web 2.0 als größte Herausforderungen, weitere 10 Prozent das Internet bzw. Online- und Neue Medien. Dies deckt sich mit meiner (subjektiven) Beobachtung, dass insbesondere Agenturen im Moment intensiv daran arbeiten, ihre Online-Kompetenz auszubauen.

Categories: PR · PR-Beruf