Archiv | Randnotizen RSS for this section

Presseverteiler: Hilfe, ich will raus hier!

Presseverteiler sind ja eigentlich ein alter Hut. Zumindest sollte man meinen, es handelt sich um so grundlegendes Handwerkszeug der PR, dass man nicht viele Worte dazu verlieren muss. Trotzdem ärgere ich mich zur Zeit fast jeden Tag über irgendeine PR-Agentur. Warum? Weil ich laufend in neue Presseverteiler aufgenommen werde. Keine Ahnung, warum. Bin ich Modeblogger? Blogge ich zu Mikroskopen? Eben. Also bleibt mir nur ein wenig Ärger und viel Mitgefühl mit den vielen Journalisten, denen es noch schlimmer geht.

Nur zwei winzige Ideen:

  • Vielleicht sollte man überlegen, ob ein großer Verteiler so toll ist, wenn man annehmen muss, dass sich von 10 Adressaten einer für das Thema interessiert, zwei es ignorieren und sieben wirklich ärgerlich sind.
  • Und wie wäre es, wenn Mails, die an einen Presseverteiler gehen, statt eines endlosen Abbinders wie jeder seriöse Newsletter einen “Abmelden”-Button hätten?

Banal? Na klar! Dennoch wohl noch lange kein Allgemeingut. Übrigens: Auch wenn ich naheliegender Weise viel mehr Sympathie für PR habe als manch anderer – irgendwann markiere auch ich Mails als Spam. Und irgendwann beginne ich schwarze Listen mit PR-Agenturen, versprochen.

(Dieser Post wurde Ihren präsentiert zu meiner emotionalen Gleichgewichtskontrolle und um ihn irgendwann auf Facebookseiten von PR-Agenturen verlinken zu können.)

Update (18.30h): Das muss ich ergänzen: Uwe Knaus hat mich auf einen im Tenor ganz ähnlich lautenden Post im Zimpel-Blog hingewiesen (Zimpel? Das ist einer der Verlage, die Redaktionsadressen und neuerdings auch Bloggeradressen sammeln und an Agenturen und PR-Abteilungen verkaufen). Kleiner Auszug:

“In unserer neuen Mediengattung Blogs in Zimpel Online, kam es nun bereits zu Beschwerden von Bloggern, die ihre E-Mail-Adresse nicht mehr bei uns veröffentlichen wollen, da sie so viele E-Mails erhalten mit Pressemitteilungen, die überhaupt nicht zu ihrem Themengebiet passen: So wurde kürzlich eine Pressemitteilung über ein Event der Modebranche an einen Politikblogger verschickt. Darf einem PR-Profi so etwas passieren?”

Natürlich nicht, betont Stefanie Weyrauch und rät zur Exklusivmeldung an Stelle der Gießkannenverteilung von Presseinfos.

ZEIT im Guttenplag-Wiki

Kleine Randnotiz: Von der Inszenierung des Karl-Theodor zu Guttenberg in der aktuellen ZEIT mag man halten, was man möchte. Ganz nett fand ich aber die Entdeckung, dass die Marketing-Leute des Verlags ganz fit sind: Sie haben ein schönes Werbebanner im Guttenplag-Wiki geschaltet. Wenn das keine zielgruppengenaue Werbung ist…

Zielgruppengenaue Werbung

US-Seltsamkeiten: Im Formular zur neuen PR-Definition

Ich weiß nicht so recht, ob ich die Schulter zucken, den Kopf schütteln oder sonst wie reagieren soll. Deshalb nur in Kürze (auf dass sich jeder sein eigenes Bild mache): Der US-amerikanische PR-Berufsverband Public Relations Society of America (PRSA) meint, es müsse eine neue PR-Definition her und setzt – vielleicht, weil’s gerade schick ist – auf Crowd-Sourcing. Wer also Lust hat, darf seinen Definitionsvorschlag bis zum 2. Dezember einreichen.

Äh, Moment. Was geschieht hier eigentlich? In der New York Times wird’s erklärt: Die PRSA meint, für das 21. Jahrhundert braucht’s eine neue Definition. Die alte ist schließlich von 1982 und sowas von alt und abstrakt, da muss schon was Schickeres her, wir leben ja in Zeiten von Social Media. Die alte lautet übrigens:

“Public relations helps an organization and its publics adapt mutually to each other.” 

Entstanden ist dieser Satz wohl unter dem Eindruck systemtheoretischen Denkens und als Verkürzung einer Definition, die nach einer Analyse von mehr als 470 bestehenden Definitionen entstanden war.  Interessanterweise hat die PRSA 2003 und 2007 laut NYT diesen lästigen Satz schon mal loswerden wollen, allerdings ohne Erfolg. Ich weiß jetzt nicht, wie damals der Prozess der Neudefinition aufgesetzt war.

Heute erscheint mir das Vorgehen aber besonders seltsam: Man setzt auf Crowd Sourcing – das klingt sehr offen und kaschiert vielleicht gelegentlich, dass man nicht so recht weiter weiß oder nicht genug Aufwand in einen anderen Prozess stecken möchte. Noch besser: Man gibt der interessierten Fachöffentlichkeit ein Formular vor, entlang dessen bitte schön zu denken und zu definieren sei. Dass dieses in seinem Aufbau vielleicht wiederum auf altem Denken beruht – geschenkt.

Bitte schön im Formular denken und dann eine möglichst kreative PR-Definition eintragen

Sanfte Kritik an diesem Formular hat es zwar auch schon gegeben, aber der PR-Manager des PR-Verbandes ist sich seiner Sache sicher: Denn man wolle sich in der Form der Definition an die Form von Marketing- und Werbedefinitionen orientieren und außerdem solle das Ganze möglichst einfach gehalten sein. Na denn.

 

 

Lebendige Leichen und muntere Spielwiesen

Gestern ist mir “a lebendige Leich” begegnet – mein Friendfeed-Account. Ganz ehrlich, ich wusste gar nicht mehr, dass ich das Ding noch habe. So überleben sich Social Media-Tools. Immerhin hat mich das Ganze neugierig gemacht, und ich habe nebenan die Seite Spielwiese aktualisiert.

Doch kurz zurück zu Friendfeed: Vermutlich kennen viele diesen Lifestreaming-Service gar nicht mehr. Angeblich habe ich dort mehr als 400 Abonnenten. Keine Ahnung, ob ein einziger das Ganze wirklich nutzt. An sich ist FF ja keine schlechte Idee, werden doch dort alle möglichen Feeds einer Person (oder Marke) zusammengefasst, ein digitaler Schmelztiegel also. 2008 war es, als Marcel Weiss euphorisch vom nächsten großen Ding schrieb. Und was ist daraus geworden? Friendfeed, dessen Gründer ehemalige Google-Mitarbeiter waren, ist längst von Facebook aufgekauft, und seitdem besteht die einzige Zuckung darin, ab und zu mal offline zu sein, was dann über den deshalb ziemlich traurig daher kommenden Twitterkanal verkündet wird. Ansonsten werkelt der Dienst vor sich hin, bietet die Integration längst toter Dienste wie Furl an und ist wohl vor allem durch den Boom von Facebook irgendwie auf dem Abstellgleis gelandet.

Ich war schon versucht, meinen Account zu löschen, habe aber nochmal davon abgesehen. Warum? Sentimentalität? Ein bisschen. Vielleicht ist das Ganze aber doch nochmal zu etwas gut – vielleicht lässt sich ja noch Google Plus einbinden und der so genierierte Feed irgendwo verwenden? Mal schauen.

Geschaut habe ich dann auch mal auf die Unterseite “Spielwiese” hier im Blog. Ich gestehe: auch das habe ich seit Monaten nicht mehr. Ein guter Grund, das Ganze mal zu aktualisieren. Neben dem eigentlich noch laufenden Friendfeed bin ich auf wirklich tote Services gestoßen. Ein paar neue, zum Teil recht muntere Spielwiesen habe ich ergänzt, so dass diese Seite nun eine Art Social Media-Biographie darstellt.

 

Agentur empfiehlt Presseinfos – auch wenn es nichts zu sagen gibt

Also, so ein bisschen habe ich mir schon die Augen gerieben: “13 Pressemitteilungsthemen, wenn es nichts Berichtenswertes gibt” heißt die Überschrift eines Blogposts einer PR-Agentur, der mich ins Grübeln brachte.

Mehr noch die Einleitung, in der argumentiert wird, Pressemitteilungen seien ja längst nicht mehr (nur) für Journalisten, sondern vor allem für die Suchmaschine:

“Einer der größten Mythen über Pressemitteilungen: Sie müssen einen Nachrichtenwert haben. Vor 20 Jahren hätte man das gelten lassen können. Man schrieb Pressetexte hauptsächlich für Journalisten, die man nicht mit allgemeinen Informationen über ein Unternehmen langweilen oder sogar beleidigen wollte. Aber heute veröffentlichen wir Presseinformationen Online meistens mit der Absicht Traffic auf unsere Unternehmenswebseiten zu bringen. Wir sind frei, über das zu schreiben, was wir uns vorstellen können.”

Man könnte jetzt natürlich darüber diskutieren, ob eine aufgeblasene Nicht-Meldung nicht nur für Journalisten, sondern für jeden Leser eine Beleidigung ist. Aber ganz ehrlich: Es gibt Online-Presseportale, auf die sich vermutlich nie ein Journalist (und kaum ein anderer Internet-Nutzer) verirrt und in denen sich Nicht-Meldungen bis zur Kanalverstopfung stapeln. Das macht natürlich nix, wenn die Adressaten vor allem Suchmaschinen sind (was auch immer man davon hält). Welche Qualität der Traffic hat, der über solche Wege auf die Corporate Website kommt, ist natürlich die Frage. Insgeheim hoffe ich bei vielen Meldungen in solchen Portalen, dass diese nie über einen Verteiler an Journalisten gehen…

Ich meine: Nicht nur Journalisten merken, was relevant ist und was nicht, sondern auch User, die einem Link auf eine Website folgen. Und wenn dort im wesentlichen heiße Luft verbreitet wird, hilft das vielleicht kurzfristig dem Traffic, aber kaum der Reputation.

Allerdings will ich eines betonen: Die 13 Tipps zur Themenfindung im erwähnten Blogpost sind sicher nicht alle verkehrt. Und Themenfindung ist sicherlich eine der großen Herausforderung der PR. Natürlich muss man nicht immer über eigene Produkte und Dienstleistungen sprechen, sondern kann auch einmal Stellung zu einem Thema beziehen – solange das mit dem eigenen Unternehmen zu tun hat. Der Tipp aber, zu irgendeinem kontroversen Thema wie Abtreibung oder Waffen in Privatbesitz Stellung zu nehmen (Tipp 1), erscheint mir dagegen doch ziemlich naiv. Da erfinde ich lieber meinen eigenen Feiertag (Tipp 5) und feiere den #No-Press-Release-Day, denn ich werde zu diesem Blogpost keine Presseinfo basteln.

Also, nix für ungut, liebe Kollegen vom PR-Blog nebenan. Aber ob man den Kunden einer Agentur und der PR-Branche insgesamt mit solchen Tipps einen Gefallen tut, wage ich schon zu bezweifeln. Oder sehe ich das zu eng?

(Der erwähnte Blogbeitrag ist übrigens die Übertragung eines englischen Posts – eigentlich ist das wiederum Tipp 14).

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 249 Followern an