Das Textdepot

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Wissenschaftsblogs: Posten mit Siegel? Eher nicht.

13 April 2008 · 15 Comments

Unter einigen Wissenschaftsbloggern wird gerade ein “Siegel” diskutiert, mit dem Blogposts versehen werden können, die sich mit Artikeln beschäftigen, die in Reviewed Journals erschienen sind. Wer mitmachen möchte, registriere sich unter germanresearchblogging.org. Ich werde das allerdings erst mal nicht tun, da ich von der Sache (noch?) nicht überzeugt bin.

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, was Sinn der Übung ist. Tobias Maier, einer der Initatoren, schreibt dazu in seinem Blog WeiterGen:

“Für den Leser ist mit diesem Gütesiegel sofort erkennbar, dass der Eintrag sich fundiert mit rezensierten Quellen aus anerkannten Magazinen auseinandersetzt, und trotzdem eine individuelle Leistung des Blogautors ist, also nicht nur wiedergegeben wird, was sowieso schon in der Originalveröffentlichung steht.”

Ich kann dies nur begrenzt teilen. Meiner Meinung nach ist es noch kein Zeichen von Qualität, wenn ich als Autor einen Beitrag mit einem Logo versehe. Das ist nicht mehr als eine Orientierung und vielleicht vergleichbar mit einer Kategorie im Blog oder mit Tagging. Das ist sicher nützlich, aber dann von einem Gütesiegel für Blogposts oder von Qualität zu sprechen, geht mir wirklich zu weit. Und etwas anderes, das in dieser Idee mitschwingt, ist mir nur begrenzt sympathisch: Ich werde den Eindruck nicht los, dass hier assoziiert werden soll, dass wissenschaftliche Qualität nur in Peer Reviewed Journals zu finden ist. Ja, das ist ein großes Fass, und schon viel wurde hierüber diskutiert. Meine Meinung dazu nur ganz kurz: Ich respektiere Peer Review als einen (!) Ansatz der Qualitätskontrolle, sehe dort aber auch Schwächen und schon gar keinen Absolutheitsanspruch. Anders ausgedrückt: Wissenschaftlich gute Arbeit entsteht an so vielen verschiedenen Stellen, dass ich Blogbeiträge nicht deshalb hervorheben möchte, weil sich sich mit einem Artikel in einem solchen Journal beschäftigen. Vielleicht ist meine Abneigung gegen die Logoidee (es ist IMO kein Siegel) auch eine Frage der Wissenschaftskultur. Für die Naturwissenschaften etc. kann ich nicht sprechen. Doch in der Kommunikationswissenschaft wie auch in den Sozialwissenschaften allgemeiner wird aus meiner Sicht auch außerhalb von Journals oft genug gute Forschung publiziert. Immer häufiger geschieht das auch mehrstufig - erst auf der eigenen Website, dann (meist mit Monaten Verzögerung) im Journal. Zumindest für mein Gebiet traue ich mir aber zu, auch Forschung zu beurteilen, die (noch) nicht dem Review-Prozess unterworfen wurde.

Natürlich kann man die Logoidee auch als einen Ansatz interpretieren, die interne Wissenschaftskommunikation zu verbessern. Diesen Wunsch kann ich nachvollziehen. Allerdings gefällt mir dazu die Idee besser, den Diskurs dort zu ermöglichen, wo die Originalveröffentlichung steht - in den Journals selbst (die idealerweise online mit Open Access verfügbar sind). Marc hatte dazu die selbe Idee, die ich vor einiger Zeit in eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) eingebracht habe: Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel in blogähnlichen Onlinejournals mit Kommentar- und Trackbackmöglichkeit. Randbemerkung: Bin gespannt, ob und wie das Konzept eines solchen Open Access-Journals auf der Jahrestagung der DGPuK Ende Anfang Mai diskutiert wird.

Und wie handhabe ich das mit dem Thema Wissenschaftlichkeit im Textdepot? Da ich mich im Sinne der Hard bloggin Scientists eher als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis/Öffentlichkeit und als Teilnehmer eines offenen (!) Diskurses sehe, aber auch ab und zu eher Wissenschaftliches aufgreife, nutze ich für Letzteres die Kategorie “Akademisches“. Dort finden sich mal Literaturvorstellungen, mal eigene Papers, Tagungshinweise  oder auch auch Vorüberlegungen, die ich später in wissenschaftliche Publikationen einbaue bzw. - je nach Diskussionsverlauf - verwerfe. Vorgenommen habe ich mir übrigens, mich hier im Blog ein bisschen häufiger mit wissenschaftlichen Publikationen zu beschäftigen - wenn ich es zeitlich schaffe.

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Wissensmanagement: Social Bookmarks abonnieren

10 April 2008 · 3 Comments

Ein Leser fragt in einem Kommentar, wie er meine (oder andere) Social Bookmarks abonnieren könne. Damit meine Antwort später mal leichter gefunden werden kann, ziehe ich das Thema aus den Kommentaren in einen eigenen Post: Grundsätzlich kann man die öffentlich abgelegten Social Bookmarks eines jeden Nutzers solcher Archive (z.B. del.icio.us, Mister Wong, Furl, BibSonomy) via RSS abonnieren. Daneben kann man Schlagworte/Tags abonnieren, aber auch Gruppen bzw. Netzwerke mit anderen Usern bilden.

Zunächst zum Abonnieren der Bookmarks eines Users: Hierzu findet sich auf der jeweiligen Seite eines Nutzers ein RSS-Button. Je nachdem, welchen Feedreader man nutzt, klickt man einfach auf den Button oder kopiert mit Hilfe der rechten Maustaste die URL des Feeds manuell in den Reader. del.icio.us-Feed sehen grundsätzlich so aus: http://del.icio.us/rss/Username, in meinem Fall z.B. also http://del.icio.us/rss/ThomasPleil. Ähnlich ist’s bei Mister Wong, hier heißt der Feed zu meinem Archiv: http://www.mister-wong.de/rss/user/ThomasPleil

Die nächste Möglichkeit ist, ein Schlagwort/einen Tag zu abonnieren. Interessieren Sie sich also z.B. für Bookmarks, die mit dem Begriff “online-pr” getaggt sind, produzieren die Social Bookmarking-Dienste auch hierzu nützliche RSS-Feeds. Bei del.icio.us funktioniert das nach dem Muster: http://del.icio.us/rss/tag/Name, also in unserem Fall http://del.icio.us/rss/tag/online-pr, bei Mister Wong heißt der vergleichbare Feed http://www.mister-wong.de/rss/tags/online-pr. Am einfachsten ist, man macht einmal in den Archiven eine Tag-Suche, dann sieht man, was bereits abgelegt ist. Hinzu kommende Bookmarks abonniert man am besten.

Und schließlich kann man sich noch zu Gruppen bzw. Netzwerken zusammenschließen. Während Mister Wong das Konzept verfolgt, dass mehrere User Bookmarks in ein gemeinsames Archiv legen können (ja, hierzu gibt es dann wiederum auch einen Feed), können sich bei del.icio.us Nutzer in Netzwerken zusammentun. Der Unterschied: Bei Mister Wong muss ich User erst in eine Gruppe einladen. Bei jedem neuen Bookmark entscheiden die dann, ob dieser auch ins Gruppenarchiv soll. Bei del.icio.us dagegen kann ich beliebige Nutzer in mein Informations-Netzwerk integrieren, ohne dass diese hierfür etwas tun müssen (ähnlich wie bei Twitter). Und auch hier entsteht ein Feed, den ich abonniert habe (http://del.icio.us/network/ThomasPleil). So bleibe ich auf dem Laufenden, welche interessanten Bookmarks andere Nutzer mit ähnlichen Interessen gefunden haben.

Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass Peers bzw. soziale Netzwerke eine wichtige Rolle im persönlichen Informations- und Wissensmanagement spielen können. Der Aufbau und die Pflege solcher Netzwerke dient damit vor allem der aktuellen Orientierung. Dies setzt aber Offenheit aller Beteiligter voraus: Hierzu gehört beispielsweise, dass man Archive anderer nicht nur nutzt, sondern auch ein eigenes Archiv pflegt, das andere nutzen können.

Noch ein paar Hinweise zu meinem Umgang mit Social Bookmarks:

  • Alles, was ich in del.icio.us ablege, wandert am Morgen des Folgetags automatisch ins Textdepot. Wer dieses liest, muss eigentlich diese Bookmarks nicht separat abonnieren.
  • Mister Wong nutze ich eher für Lehrveranstaltungen, dort gibt es auch gemeinsame Archive mit Studentengruppen (z.B. dieses oder jenes).
  • Bibsonomy nutze ich, wenn ich wissenschaftlich publiziere. Möglich, dass ich hierfür demnächst scholarz.net nutze.

Wie nutzen Sie Social Bookmarks? Gibt’s noch weitere nützliche Kniffe?

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Twitter and PR: Monitoring and Identity

10 April 2008 · 10 Comments

After the conference re:publica in Berlin the Twitter hype has been reaching Germany, too. The number of users is rising faster than before and some days ago the first German Twitter charts (based on the number of followers) have been published. But this week two occurrences also showed to PR people that they should care about Twitter:

  • The Comcast-story showed that Twitter monitoring (and reacting on relevant Tweets) could be very reasonable (via). It is obvious, that Twitter can be used as an early stage warning system for organizations - in other words: If you talk about blog monitoring you should include Twitter monitoring, e.g. based on keyword searches. Even more since the story spreat from Twitter to blogs to mass media.
  • The second story concerns identity: Yesterday many German Twitterati and Bloggers reported a Hamburg based newspaper (Hamburger Morgenpost - MoPo) started to use Twitter. But today, we learned: It is a fake account. Someone grabbed the account www.twitter.com/mopo and uses it as a tool of guerilla communication - including the logo of MoPo and a link to the official website. The background is a conflict between the publisher and the editorial staff of MoPo.

The MoPo story shows four things to me:

  1. Twitter can be used in campainging very well,
  2. information may spread very quick - not only within Twitter but also within further channels,
  3. many users trust their first and quick impression (concerning identity and content),
  4. and a similar story might happen to nearly every company which hasn’t registered an account with its name (and this problem doesn’t concern only Twitter). Ehm, I refrain from registering Twitter accounts for any company.

I have to admit: These cognitions aren’t new at all - but concerning services of the social web it would be useful if PR people won’t forget them…

If you wish to do so you can follow me on Twitter here. Without any fake.

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Social Networks in GB: Jeder zweite Jugendliche ist dabei

8 April 2008 · 1 Comment

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hat eine Studie zur Nutzung von Social Networks auf der Insel vorstellt (pdf-Download). Die Nutzungszahlen sind beeindruckend: 22 Prozent der über 16Jährigen nutzen Social Networks und haben irgendwo mindestens eine Profilseite eingerichtet, unter den 8 bis 17-Jährigen ist es sogar die Hälfte. Doch abgesehen von den Quantitäten finde ich die Ergebnisse der qualitativen Forschung interessant. Die Forscher haben verschiedene Nutzertypen von Social Networks herausgearbeitet:

  • “Alpha Socialisers (a minority) – people who used sites in intense short bursts to flirt, meet new people, and be entertained.
  • Attention Seekers – (some) people who craved attention and comments from others, often by posting photos and customising their profiles.
  • Followers – (many) people who joined sites to keep up with what their peers were doing.
  • Faithfuls – (many) people who typically used social networking sites to rekindle old friendships, often from school or university.
  • Functionals – (a minority) people who tended to be single-minded in using sites for a particular purpose.”

Die häufigsten Gründe, die Finger von Social Networks zu lassen, sind Sicherheits- und Datenschutzbedenken, technische Unerfahrenheit und die bewusste Ablehnung, vor allem, weil sie als Zeitverschwendung gesehen werden.

Für viele Nutzer von Social Networks haben diese nicht nur die Funktion, existierende soziale Netze abzubilden und zu pflegen, sondern auch, diese zu erweitern. Letzteres gilt umso mehr, je jünger die Nutzer sind: Etwa jeder fünfte der 16 bis 24-Jährige Nutzer kontaktiert in den Social Networks auch Personen, die er bisher noch nicht kennt. Bemerkenswert finde ich auch die Bindungskraft solcher Plattformen: Jeder zweite Nutzer loggt sich mindestens alle zwei Tage in sein(e) Netz(e) ein.  In Gruppendiskussionen zeigte sich übrigens, dass Datenschutz und Privatheit von vielen Nutzern zunächst nicht thematisiert und als Problem wahrgenommen werden. Wenn ich die Zusammenfassung der Diskussionen richtig interpretiere, lässt sich dies vor allem mit einer gewissen Naivität begründen.

(via mediations)

Ähnliches im Textdepot:

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Kapitalbeschaffung 2.0

5 April 2008 · 5 Comments

Der eine hat eine Idee und begeistert sie. Irgendwann entwickelt sie ein Konzept und veröffentlicht es im Blog. Nun benötigen die beiden einen Dritten. Einen der bereit ist, in die Umsetzung der Idee zu investieren. Soweit in Kürze eine auch im Social Web nicht ganz alltägliche Geschichte. Ach so, worum es genau geht? Um den Aufbau einer Politik-Community-Plattform. Ziel: Eine lebendigere politische Debatte in Deutschland. Also etwas dringend Notwendiges. Deshalb: Bitte weitersagen. Oder den beiden einen Tipp geben.

Disclosure: CSH ist derzeit Mitarbeiterin meines Schreibtisch-Gegenübers Lorenz Lorenz-Meyer.

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Das starke Social Web und eine Metasuchmaschine

28 März 2008 · 3 Comments

Auf der Euroblog-Konferenz hat David Weinberger, Co-Autor des Cluetrain-Manifests, seine Liebeserklärung abgegeben: Wenn er könnte, würde er das Internet heiraten und Kinder mit ihm bekommen. Nun, das ist seine Formulierung. Aber eine kleine Liebeserklärung an “das Netz” kann ich heute auch abgeben. Ich weiß nicht, wie oft ich in den vergangenen Tagen Hilfe aus dem Netz erhalten habe. Damit meine ich weniger Suchmaschinen (von den erwarte ich das), sondern die Menschen (denen ich dankbar bin), die für mich “das Netz” ausmachen, mein soziales Netz, in dem sich genauso Menschen tummeln, die ich noch nie gesehen habe wie auch gute Freunde. Mein neuestes kleines Aha-Erlebnis (eines von mehreren heute) betrifft die neue Meta-Suchmaschine QuadSearch.

Auf diese bin ich in meinen Feeds gestoßen -  genauer: im Dr. Web Weblog. Ich habe mir die Suchmaschine kurz angeschaut - und für interessant befunden. Schließlich sollte man sich nicht allein auf das große G verlassen. Als überzeugter Firefox-Nutzer habe ich gleich geschaut, ob es ein Add on gibt, mit dem ich die Suchmaschine so integrieren kann, dass ich sie direkt über das Suchfenster oben rechts nutzen kann. Fündig wurde ich nicht. Egal. Den Artikel zur Suchmaschine habe ich trotzdem gebookmarked und im Kommentar angemerkt, dass es noch kein Add on gibt. Das Schöne: Es dauerte nur wenige Minuten, da erhielt ich von Markus Trapp, der offenbar meine Bookmarks abonniert hat, eine nette Mail mit einem Tipp, wie man jede Suchmaschine in den Firefox integrieren kann: mit OpenSearchFox. Wie das genau funktioniert, hat er hier beschrieben.

Abgesehen davon, dass ich SearchQuad und OpenSearchFox an dieser Stelle weiterempfehlen möchte, zeigt die kleine Geschichte die Stärke des Social Web - vorausgesetzt, jeder Teilnehmer ist bereit, zu etwas geben. Genau über diese Grundeinstellung habe ich vorgestern mit Studenten in Bezug auf die Nutzung unseres Wikis gesprochen.  Dass Offenheit eine Gratwanderung ist und die Offenlegung von Privatem bestimmt nicht meint, sollte allerdings nicht vergessen werden.

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Neue Literatur zum Web 2.0 (und PR)

25 März 2008 · 5 Comments

Es ist höchste Zeit, dass ich kurz drei neue Bücher zum Socialweb vorstelle, die noch ziemlich frisch auf meinem Schreibtisch liegen. Das Schöne ist, dass sie aus mehreren Perspektiven mit verschiedenen Zielen geschrieben sind. Klar ist, dass das Mitmachweb ganz unterschiedliche Disziplinen beschäftigt und ihnen reichlich Nahrung gibt. Denn es hat beispielsweise auf die öffentliche Kommunikation genauso Auswirkungen wie auf Wertschöpfungsprozesse.

Letztere stehen beim ersten vorzustellenden Werk im Vordergrund: “Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien” heißt der von Bertold Hass, Gianfranco Walsh und Thomas Kilian von der Universität Koblenz-Landau herausgegebene Sammelband. Der Band hat eine klare betriebswirtschaftliche Ausrichtung. In ihm werden viele Grundlagen zum Web 2.0 erläutert - beispielsweise auch Geschäftsmodelle von Social Networking-Plattformen. Aber wenn die Autoren von “Medien” sprechen, dann meinen sie die Wertschöpfung von Medienunternehmen - etwa die Frage, wie User-Generated Content in diesem Sinne genutzt werden kann und dass Marketing absatzsteigernd wirken soll, ist klar. Fragen der Öffentlichkeit werden dagegen nur am Rande angesprochen. Neben Grundsatzartikeln wartet der Band auch mit einigen Fallbeispielen zum Einsatz von Web 2.0-Anwendungen in Unternehmen und Verwaltung auf. Aus meiner Sicht ist das Buch besonders für Marketing-Leute in der Praxis interessant. (Eine Rezension von mir erscheint dazu in der nächsten “Publizistik“.)

Ebenfalls an Praktiker wendet sich Melanie Huber (Blog) mit “Kommunikation im Web 2.0″. Sie spricht allerdings eindeutig PR-Leute an. Hier geht es ganz praktisch um einen Überblick zu Web 2.0, dessen Anwendungen und deren Bedeutung für die PR. Wer erfahren möchte, wie das mit Podcasts, RSS, Twitter etc. funktioniert und wie dies die PR verändert, findet bei Huber nicht nur Erklärungen, sondern auch Beispiele zuhauf. Man merkt: Die Autorin kennt die Entwicklungen der vergangenen Monate im Detail. Bezüge zu eher theoretischen Diskussionen oder zur Forschung allgemein sind dagegen die Ausnahme. Als Zielgruppe würde ich PR-Praktiker sehen, die gerade ins Thema einsteigen, es verstehen wollen und Anregungen für die eigene Arbeit suchen.

Ebenfalls noch ziemlich frisch aus der Druckerpresse ist das zweibändige Werk “Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web”, herausgegeben von Ansgar Zerfaß (Blog), Martin Welker (beide Uni Leipzig) und Jan Schmidt (Bredow-Institut, Blog). Das Ganze ist in der Reihe “Neue Schriften zur Online-Forschung” der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) erschienen. Hier geht es also klar um Forschung, genauer: Um eine Bestandsaufnahme der Forschung zum Social Web. Der erste Band dreht sich um die Grundlagen des Social Web: den Wandel von Öffentlichkeiten, “aktive Rezipienten” (seltsamer Begriff, stammt aus der Überschrift einer Rubrik - ich hätte “aktive Nutzer” erwartet) sowie um das Social Web als Forschungsinstrument. Im zweiten Band wird dagegen die Forschung zu praktischen Anwendungen vorgestellt: Der Bogen reicht von der journalistischen Recherche im Netz über Medienwatchblogs bis zu Social Software in politischen Kampagnen oder Podcasts, Wikis und Co. in der Unternehmenskommunikation. Beide Bände zusammen genommen sind sicherlich Pflicht für alle, die sich wissenschaftlich mit dem Social Web beschäftigen, der zweite Band ist aber auch für Praktiker, die den Einsatz von Social Media in Redaktionen, Unternehmen oder der Politik planen, interessant.

Hier noch die kompletten bibliographischen Angaben:

  • Hass, Berthold; Walsh, Gianfranco; Kilian, Thomas (Hrsg.) (2008): Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien, Berlin, Heidelberg: Springer, 348 Seiten, 64,95 Euro.
  • Huber, Melanie (2008): Kommunikation im Web 2.0, Konstanz: UVK, 226 Seiten, 24,90 Euro.
  • Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 1: Grundlagen und Methoden - Von der Gesellschaft zum Individuum, Köln: Herbert von Halem, 400 Seiten, 27,50 Euro
  • Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 2: Strategien und Anwendungen: Perspektiven für Wirtschaft, Politik und Publizistik. Köln: Herbert von Halem, 496 Seiten, 29,50 Euro

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Blogger Relations: Achtung, Pseudo-Studie!

25 März 2008 · 2 Comments

Schon lange wird darüber diskutiert, ob und wie PR-Leute mit Bloggern in Kontakt kommen können. Viele Tipps wurden hierzu gegeben, einige Blogger haben Regeln dazu veröffentlicht. Nun wurde in den USA die vermutlich erste “Studie” zum Thema Blogger Relations veröffentlicht: Eine Befragung, die von der Agentur APCO Worldwide and dem Council of Public Relations Firms (CPRF) durchgeführt wurde. Doch Vorsicht - mein Kollege Robert French zerpflückt die Sache in der Luft: “I’d fail a student for something like this.”

Roberts Hauptkritik: Gerade einmal 55 PR-Leute und 47 Blogger haben an der Erhebung teilgenommen. Aber die Autoren rechnen munter Prozentwerte raus, als ob das Ganze repräsentativ wäre. Und ich wundere mich, wo Robert überhaupt die Zahl der Teilnehmer gefunden hat - habe ich die auf der Website übersehen oder wurde dies nach der Kritik womöglich noch gelöscht? Wie auch immer, ich zitiere nochmal Robert French:

“I am so tired of seeing these survey as marketing tool lame examples.”

Eine kleine Materialsammlung zum Thema Blogger Relations gibt es übrigens dank einiger netter Helfer in meinem privaten Wiki hier. (Ergänzungen sind natürlich willkommen!)

Weitere Artikel zum Thema im Textdepot:

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Pepsi und die Gleichzeitigkeit

20 März 2008 · 1 Comment

Was mich immer wieder beim Lesen meiner Feeds fasziniert, ist die gefühlte Gleichzeitigkeit der Informationen. Da lese ich, dass Pepsi zur Fußball-EM ein Social Network geschaffen hat, steige kurz in die Diskussion ein, ob Marken mit solchen Ideen überhaupt Blumentöpfe gewinnen können (ich bin skeptisch) - und kehre zurück zu meinem Feedreader. Und was finde ich dort? Die Information, dass allein auf der Social Networking Plattform Ning mehr als 200.000 Social Networks laufen, schon bald sollen es 300.000 sein. Wenn das keine passenden Mosaiksteinchen sind…

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Euroblog 2008 auf Twitter

14 März 2008 · 1 Comment

Irgendwie habe ich keine Lust, live oder in Pausen zur Euroblog hier zu bloggen. Das liegt am wackeligen WLAN, aber auch daran, dass Twitter Live-Eindrücke einer Konferenz irgendwie besser spiegelt.

Ein paar Twitter-Streams zur Euroblog:

Wer tiefer einsteigen möchte: Philippe Borremans und Martin Oetting bloggen live.

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Euroblog 2008: Letzte Vorbereitungen

12 März 2008 · No Comments

Morgen beginnt in Brüssel die Konferenz “Euroblog 2008“, der Koffer will gepackt werden. Freue mich schon auf viele Vorträge und natürlich noch mehr auf gute Gespräche. Für alle, die nicht dabei sein können: Philippe Borremans wird hier live berichten.

Spannend ist die Konferenz, die sich mit dem Einsatz von Social Media im Kommunikationsmanagement befasst, aus meiner Sicht vor allem wegen ihrer Internationalität: In den ersten beiden Jahren stellte die Konferenz einen europäischen Austausch her, diesmal wird auch die Brücke über den Atlantik geschlagen, und es sind einige Größen aus den USA dabei, u.a. David Weinberger (Fellow Harvard Berkam Center), Tim Macmahon (NY University), Steve Rubel (Edelman) und Frank Ovaitt (Institute for Public Relations). Ein Panel wird es übrigens auch zum Thema Lehre geben.  Bin schon sehr gespannt.

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Was bist Du wert? Oder: Wohin entwickeln sich Social Networks?

7 März 2008 · 8 Comments

Einer der spannendsten Artikel, die ich in den letzten Tagen aus meinem Reader gefischt habe, stammt von Charlene Li (Forrester) und beschäftigt sich mit der Zukunft sozialer Netze (Folien dazu). Ihre Thesen zu den Entwicklungen von Facebook, Xing und Co. erscheinen mir sehr plausibel. Manchem wird das Szenario aber auch Angst machen. Ich weiß nicht, ob ich mein gesamtes Sozialverhalten, das sich zunehmend in der Internetnutzung spiegelt, an einer Stelle aggregieren und auswerten lassen möchte. Aber vermutlich wird es so kommen, und am Ende läuft jeder mit einem Etikett herum, das seinen Marketingwert anzeigt.

“Soziale Netzwerke werden wie Luft sein”, proklamiert Li und meint damit, dass sie uns überall umgeben werden - und implizit, dass wir ohne diese online kaum existieren können. (Oha: Was, wenn das Ding wie Google gestern für einen Tag nicht erreichbar ist?) Um Missverständnisse zu vermeiden: Li versteht den Begriff “soziale Netzwerke” nicht soziologisch (die sind naturgemäß wie Luft), sondern sie meint damit Dienste wie Facebook oder XING, die diese Netze abbilden und entwickeln helfen.

Ich will nur zwei Aspekte ihrer Überlegungen herausgreifen:

Natürlich kann es nerven, dass man auf unterschiedlichen Plattformen immer wieder neu und etwas mühsam sein Profil anlegen muss. Eine Identität à la OpenID kann da schon Erleichterung schaffen. Und richtig ist natürlich, dass in jeder Plattform, die ich heute nutze (z.B. Twitter, Facebook, Xing) nur ein Teil meines sozialen Netzes (”social graph”) abgebildet ist - und dass dort sogar viele Beziehungen gar nicht erst abgebildet sind, etwa zu Familienangehörigen oder Freunden. Ganz ehrlich: Ich finde, das ist gut so. Sehr bewusst sehe ich von der Abbildung bestimmter sozialer Beziehungen im Netz ab. Und ich möchte die Möglichkeit haben, mit Identitäten zu spielen. Also z.B. pseudonym und als Privatperson ein Netz nutzen, in dem es um Freizeit oder Politik geht. Klar könnte man die unterschiedlichen sozialen Rollen technisch abbilden und sogar dem Einzelnen die Kontrolle darüber geben. Zwei Fragen stellen sich mir jedoch hierbei:

  1. Was würde es bedeuten, wenn alle sozialen Informationen (Beziehungen, Aktivitäten) zentralisiert würden?
  2. Selbst wenn es möglich wäre, unter einer Identität verschiedene Rollen zu pflegen: Wären die Menschen in der Lage, zu differenzieren und darauf zu achten, die Rollen nicht zu vermischen? Wenn ich mir anschaue, wie manche VZ genutzt werden, bekomme ich Zweifel.

Frage 1 führt zu einem weiteren Aspekt, auf den Li eingeht, die Frage nach Geschäftsmodellen von Social Network-Diensten und deren Bedeutung für Marketing. Ihre durchaus logische Überlegung:

“What’s missing is marketing value based on how valuable I am in the context of my influence. (…) The idea is that marketers want to reach highly influential people, and hopefully curry their endorsements. This has traditionally been the province of public relations, where they reach out to key influencers. But in the world of social networks, this is influence writ large and wide – every person has their own network of influence, and hence, their own personal CPM or value that they contribute to a social network.”

In anderen Worten: Je kompletter die Informationen über eine Person und deren soziales Netzwerk ist, desto besser können in Zukunft Marketing und PR deren Wert als Meinungsbildner einschätzen. Das wird also die Individualisierung des Marketing: Ich sehe schon hübsche Datenbanken, in denen fein säuberlich notiert ist, welches der Marketing-Wert von Millionen Menschen ist. TKP ade. Und mit jedem neuen Kontakt in einem sozialen Netz haben diese die Möglichkeit, ihren Wert zu steigern. Wie gesagt: Die Überlegung ist nahe liegend (und auch nicht super-neu) - und ob das in der Realität so funktionieren wird, steht auf einem anderen Blatt.

Nachsatz:

Mir ist klar, dass mein Artikel pessimistisch klingt - und mancher ist vielleicht erstaunt, weil ich ja selbst PR-Mensch bin. Mein Eindruck ist, dass PR und Marketing in der beschriebenen Richtung denken müssen, um auf aktuelle und künftige Entwicklungen eingestellt zu sein. Aber ich wünsche mir, dass nicht nur in diese Richtung entwickelt wird, sondern gleichzeitig breit diskutiert wird, was da passiert. Schließlich gibt es neben Marketiers noch andere, die sich für alles interessieren. Und was einmal im Netz entwickelt ist, lässt sich nicht mehr einfangen.

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Wie findet man die Rosinen eines Blogs?

20 Februar 2008 · 7 Comments

Cooles Tool: Mit aideRSS kann man Blogs genauer unter die Lupe nehmen - und sogar Feeds selektiv abonnieren. Doch der Reihe nach. Das Problem hat man ja oft - man entdeckt ein Blog, ist sich aber nicht so sicher, was es außer dem einen Beitrag, über den man gerade gestolpert ist, noch zu bieten hat. Manchmal muss man sich ziemlich lang durchklicken, um sich das zu erschließen. Manche abonnieren den Feed dann auf Probe und stecken ihn im Feedreeder in einen entsprechenden Quarantäne-Ordner. Bei der vorherigen Analyse eines Blogs kann aideRSS wertvolle Hilfe leisten: Das Tool versucht, die einflussreichsten Beiträge eines Weblogs herauszufiltern (genau genommen funktioniert das Tool natürlich für jeden RSS-Feed).

Dabei wird unterstellt, dass ein Beitrag besonders wichtig ist, wenn er oft kommentiert, verlinkt, gebookmarked und gediggt ist. Genau dem geht aideRSS nach und spuckt für jedes Blog mehrere Listen aus. Zum Beispiel die 20 wichtigsten Artikel. Hübsch übersichtlich werden zum Beispiel die 20 nach diesen Kriterien wichtigsten Posts ausgespuckt.

Ich habe das mal für das Textdepot gemacht:

AideRSS

Auf einen Blick sieht man für jeden Beitrag die Zahl der Kommentare, der eingehenden Links, der del.icio.us-Bookmarks und der Diggs. Ein Klick auf den “More”-Knopf zeigt übrigens die ersten Zeilen des jeweiligen Artikels.

Neben den allfälligen Statistiken (z.B. durchschnittliche Zahl der Beiträge pro Monat) gibt es ein Feature, das besonders spannend klingt: Die Möglichkeit, einen existierenden RSS-Feed zu filtern. Hierbei wird wieder das System der Relevanz angewandt.

RSS-Feeds filtern

Je nach Interesse kann man also steuern, ob man z.B. nur die Posts mit einer gewissen Relevanz geliefert haben möchte. Wie zuverlässig das Ganze im Dauerbetrieb ist, weiß ich noch nicht - und die Gewichtung der einzelnen Faktoren (Kommentare pro Beitrag, Bookmarks, Links) ist sicher Geschmacksache und für mich nicht durchsichtig.

Dennoch: Das Tool ist sowohl für Bloginteressierte auf Entdeckungstour wie für Journalisten oder PR-Leute, die z.B. auf der Suche nach Fachblogs sind, vermutlich eine große Hilfe. Erfahrungsberichte sind herzlich willkommen.

(via Communication Overtones)

Ähnliche Artikel im Textdepot:

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Konferenz: Politik und Web 2.0

18 Februar 2008 · No Comments

Beginnen wir die Woche mit einem Konferenzhinweis: Am 17. und 18 April 2008 findet an der University of London die Konferenz “Politics: Web 2.0” statt. Das Programm (pdf) ist zwar noch vorläufig, verspricht aber spannend zu werden, denn es wird ein Bogen von Politikkommunikation bis hin zu Partizipation im Netz geschlagen. Mit dabei ist neben zahlreichen Forschern u.a. Micah Sifri, Mitgründer des Personal Democracy Forums und des Gruppenblogs TechPresident, das die Webkommunikation der Kandidaten im Präsidentschafts-Vorwahlkampf der USA begleitet. Übrigens ist die Teilnahme an der Konferenz nicht exorbitant teuer: Inklusive einer Übernachtung kostet sie 159 Pfund.

Weitere Quellen:

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YouTube, Flickr und Co. im Abwind?

13 Februar 2008 · 3 Comments

Christiane Schulzki-Haddouti hat sich angeschaut, wie sich große File Sharing Communities entwickeln. Damit gemeint sind Plattformen, in die man Videos, Fotos, Musik, Präsentationen etc. hochladen und mit anderen teilen kann - also z.B. die YouTubes, Flickrs oder Slideshare. Überrascht stellte sie fest, dass einige große Anbieter stagnieren bzw. der Traffic sogar rückläufig ist. Fragt sich, was das bedeutet.

Christiane meint:

“Das Wachstum hat sich nicht nur verlangsamt, nein, es hat sich in einen schleichenden Niedergang verwandelt. Merke: “User Generated Content” generiert nicht automatisch steigende Nutzerzahlen.”

Und Nicole Erksmeier fragt ausgehend davon in ihrem Blog:

“Könnte es vielleicht sein, dass die Nutzer doch keine langfristige persönliche Befriedigung aus der Herstellung und Beschäftigung mit User-Generated-Content herausziehen können?”

Ich bin mit solchen Schlüssen sehr vorsichtig. Zunächst bin ich nicht sicher, ob es wirklich genug Anhaltspunkte gibt, um von einem Niedergang von File Sharing Plattformen zu sprechen. Und User Generated Content wiederum findet auch an vielen anderen Stellen statt. Auch innerhalb des Segements der File Sharing Communities lässt die Entwicklung großer Anbieter wie YouTube noch nicht auf das Gesamtfeld schließen. Und das wird nach meiner Beobachtung immer größer, es gibt immer mehr me-too-Plattformen (oder gar Klone). Einzubeziehen wären in eine systematische Analyse z.B. auch Communities, die sich an eine ganz spezielle Zielgruppe wenden und/oder an andere Angebote angedockt sind. Ich denke da zum Beispiel an Lesercommunities von Verlagen. Es kann theoretisch sein, dass es unter dem Strich also dennoch zu einem Plus kommt und nur die Platzhirsche in ihrer Bedeutung relativiert werden.

Hinzu kommt: Woran könnte man einen “Niedergang” festmachen? Am monatlichen Traffic? An einer abnehmenden Nutzungshäufigkeit der bisherigen User (und damit an geringer werdender Bindung)?

Ich habe leider keine Gelegenheit, solchen Fragen im Moment nachzugehen, deshalb mache ich es mir einfach und stelle hier ein paar Hypothesen zur aktuellen Entwicklung von File Sharing Communities zur Diskussion:

a) Die Zeiten des rasanten Wachstums von File Sharing Communities sind vorbei, es ist in ihrer Nutzung eine weitgehende Sättigung eingetreten.
b) Die Zahl der Plattformen hat sich in den vergangenen Monaten erhöht und wg. a) ging dies auch zu Lasten der etablierten Plattformen.
c) Für einen Teil der Nutzer von File Sharing Communities zählt deren Nutzung zur selbstverständlichen sozialen Praxis.
d) Ein anderer Teil der Nutzer hat sich nach einer Phase des Experimentierens gegen diese Adaption entschieden; die Accounts dieser Nutzer bleiben zwar erhalten, bringen aber kaum Traffic.

Vielleicht sind das ja ein paar hilfreiche Bruchstücke für jemanden, der in dieser Richtung forschen möchte.

Der Transparenz halber: Christiane ist Mitarbeiterin im Projekt Kooptech meines Kollegen Lorenz Lorenz-Meyer.

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Social Media im Wissensmanagement (CfP)

31 Januar 2008 · No Comments

Wie Social Media im Wissensmanagement genutzt werden können, ist Thema eines eigenen, ganztägigen Slots der diesjährigen Triple-I-Konferenz der TU Graz, die von 3. bis 5. September 2008 stattfindet. Gerade eben wurde der Call for Papers (pdf) veröffentlicht. Spannend finde ich die Konferenz, weil sich aus meiner Sicht durch die Nutzung von Social Media bisher getrennte Funktionen wie Unternehmenskommunikation, Innovationsmanagement oder Recruiting immer enger verzahnen müssen. Beispiele wie Dells Idea Storm, GMnext oder Gruppen innerhalb von Social Networks mit engem Bezug zu Unternehmen bzw. Marken, machen diese Herausforderung deutlich. Bin gespannt, wie dieser Aspekt in Graz diskutiert wird.

Wer in diesem Umfeld arbeitet, kann bis 14. April 2008 ein Full Paper einreichen. Die Palette der gewünschten Themen zeigt einen sehr interdisziplinären Ansatz, denn eingereicht werden können:

  • “Procedures and practices of implementing Social Media in enterprises and at the interface to the outside world of an enterprise
  • Social Media in different business processes such as marketing, product development, training, innovation, or customer relationship
  • Social Media in individual and collaborative work
  • Value analysis of Social Media
  • Social Network Analysis
  • Economic and social theories explaining Social Media issues
  • Integration of social software with mobile devices
  • Cross-linkage of Social Media applications
  • Social Media business models”

Ein Lesetipp für alle, die sich tiefergehend mit Social Media beschäftigen, sind übrigens die beiden dicken Konferenzbände aus dem Vorjahr, die hier kostenlos als Download zur Verfügung stehen.
Disclaimer: Ich bin Mitglied des Programm-Komitees der Konferenz (will heißen: ich darf einige der eingereichten Papers begutachten).

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US-Handelshaus Target redet nicht mit Bloggern und schafft sich seine Krise

30 Januar 2008 · 8 Comments

Target-WerbungZoff mit Bloggern: Die US-Handelskette Target tut sich schwer mit dem Dialog - zumindest fertigt sie Blogger ab. “Wir reden nur mit traditionellen Medien”, erfuhr eine Bloggerin, die sich über eine Target-Anzeige geärgert hatte, von einer Pressesprecherin. Nicht überraschend, dass die Bloggerin jetzt erst recht sauer ist und das Thema nicht nur in Blogs, sondern in Windeseile auch von Medien wie der New York Times aufgegriffen wurde.

Hintergrund der Geschichte: Amy Jussel betreibt ein Weblog, in dem sie sich mit der Wirkung von Marketing auf Kinder beschäftigt. Von der Pressestelle des Unternehmens wollte sie eine Stellungnahme zu einer Anzeige, die Jussel als herabwürdigend für Frauen empfindet: Darin liegt eine Frau auf dem Target-Logo (einer Zielscheibe) und streckt alle Viere von sich - die Genitalien genau im Mittelpunkt. Herabwürdigend? Oder nur ein lustiges Bild eines Schneeengels?

Wie auch immer. Die Abfuhr der Pressestelle an die Bloggerin führt zu grundsätzlichen Fragen:

  • Es zeigt sich einmal mehr, wie schnell im Web öffentliche Krisen entstehen können, die auch rasch Einzug in klassische Medien halten können.
  • Pressestellen sollten längst darauf vorbereitet sein, dass bei ihnen nicht nur Journalisten anrufen, sondern möglicherweise auch Blogger.
  • Und sie sollten im Vorfeld klären, wie sie damit umgehen.

Nebenbei: Es ist ja schon seltsam, dass auf der einen Seite viele PR-Leute gern Blogger pitchen möchten, auf der anderen Seite Anfragen von Bloggern geblockt werden. Gut, Target hat vielleicht noch nie Blogger aktiv angesprochen. Doch generell muss man sich im Klaren darüber sein, dass Blogger Relations nicht nur nur meint, Bloggern eine hübsche Meldung zu schicken oder sie mit dem eigenen Corporate Blog anzusprechen, sondern ihnen ggf. auch Rede und Antwort zu stehen.

Ich denke, Unternehmen sollten sich da nicht zieren. PR ist doch schon immer mehr als Pressearbeit, sondern das Management von Kommunikation mit relevanten Bezugsgruppen. Und dazu gehört nun mal ein Blogger, der sich an ein Unternehmen wendet. Und es hilft auch nicht, Unterscheidungen zu treffen zwischen “wichtigen” und “unwichtigen” Bloggern. Wie bei den Medien muss dann der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten. Natürlich werden viele Pressesprecher stöhnen und erklären, sie seien so schon überlastet. Für die meisten Firmen würde ich da aber Entwarnung geben: So häufig rufen Blogger gar nicht an. Und der Aufwand, einem Blogger ein Interview zu geben, ist zehnmal geringer, als hinterher mit einer möglichen Krise umzugehen. Sollten sich in Zukunft bei einem großen Unternehmen viele Blogger melden, müsste wohl eine Stelle für Online Conversations geschaffen werden. Auch kein Beinbruch. Abgesehen davon: Schon immer gibt es auf Corporate Websites Kontaktformulare bzw. Kommunikationskanäle für alle Besucher der Site. Solche Anfragen mussten doch auch schon immer beantwortet werden, oder?

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