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Neuland I: Weiterbildung zu Online-PR an der Hochschule

Zukunft Online-PR. Das SeminarEinige Leser des Textdepot haben wahrscheinlich schon auf anderen Kanälen von einem unserer aktuellen Projekte gehört: Erstmals bieten wir an der Hochschule Darmstadt eine zweitägige Weiterbildung zu PR an: Konkret geht es bei diesem Pilotprojekt – wer hätte es gedacht – um Online-PR und vor allem um die strategische Integration von Social Media in die Kommunikation. Die interne Besonderheit dabei: Wir verknüpfen die grundständige Lehre und die Weiterbildung.

Für das PR-Weiterbildungsseminar ist uns zunächst vor allem ein anderer Brückenschlag wichtig: jener zwischen Wissenschaft und Praxis. Denn mittlerweile geht es nicht mehr nur darum, sich auf einer handwerklichen Ebene mit Tools zu beschäftigen. Auch die Wissenschaft – vornehmlich die angewandte PR-Forschung, aber auch soziologische Ansätze – kann helfen, Social Media jenseits von Hypes strategisch in die Unternehmenskommunikation einzuordnen. Insofern ist die Idee, dass auf der einen Seite erfahrene Praktiker ihr Wissen teilen. Wir konnten hierzu Uwe Knaus, der bei der Daimler AG die PR-Strategie im Social Web entwickelt, und die Berater Stephan Fink und Michael Grupe (Fink & Fuchs PR AG) gewinnen. Sie sind gerade zur Integration neuer Ansätze aus der Social Media-Welt in die bestehende Kommunikationsstrategie erfahren. Die wissenschaftliche Perspektive werde ich beisteuern – konzeptionell unterstützt durch Studenten, die sich seit dem Frühjahr durch Theorien, Studien und Fallbeispiele arbeiten.

Natürlich ist uns klar, dass wir beileibe nicht die erste Hochschule sind, die jenseits von kompletten Studiengängen auch Weiterbildungen anbieten. Und natürlich gibt es auch einige private Anbieter im Seminargeschäft. Insofern war natürlich die Frage, ob und wie die Hochschule Darmstadt in diesem Feld erfolgreich sein kann. Immerhin – und das war die Ausgangsmotivation – hatten mich immer wieder Anfragen erreicht, ob wir neben den auf einen knappen Tag begrenzten Tagungen der Reihe “Zukunft Online-PR” nicht auch einmal eine etwas längere Veranstaltung für eine kleinere Arbeitsgruppe anbieten könnten. Im vergangenen Semester haben wir – eine Studentengruppe im PR-Schwerpunkt und ich – dies zunächst als Ausgangspunkt für eine Marktstudie genommen. Ein Ergebnis: Im Rhein-Main-Gebiet gibt es zu PR allgemein und zu Online-PR im Besonderen noch kein so großes Angebot – schon gar nicht von einer Hochschule.

Davon ausgehend und ausgehend von den Wünschen der Befragten haben wir das Konzept für unser Pilotseminar, das am 11. und 12. November 2010 stattfinden wird, entwickelt. Hier wollen wir die Schritte “Verstehen”, “Zuhören”, “Strategien entwickeln” und “Kommunizieren” gehen. Ansprechen möchten wir vor allem PR-Praktiker aus der weiteren Region, vornehmlich aus der Unternehmenskommunikation. Im ersten Moment klingt es vielleicht überraschend, mit Studenten eine Weiterbildung zu planen und zu organisieren. Ich sehe da zwei Ebenen:

  • Einerseits stellt natürlich die Frage: Können die Studierenden das denn?
  • Andererseits fragt sich: Warum sollen sich Lernende mit Weiterbildung beschäftigen?

Hier sehe ich wiederum drei Aspekte: Zum einen arbeiten wir schon immer projektorientiert und haben mit unterschiedlichen Studentengruppen interessante und herausfordernde Projekte erfolgreich entwickeln können. Zum anderen habe ich vor gut zwei Jahren proklamiert, dass PR-Praktiker Kommunikation ermöglichen können sollten und damit zu Enablern werden. Mittlerweile findet diese Diskussion auf breiterer Ebene statt. Insofern halte ich es für konsequent, die Organisation von Schulungsangeboten etc. schon im Studium zu thematisieren (die entsprechende Studentengruppe ist noch im Diplomstudiengang). Und schließlich sehe ich zum dritten mit dem didaktischen Ansatz “Lernen durch Lehren” das passende Handwerkszeug.

Insofern wird das Projekt – wir vermarkten das Seminar übrigens unter “Zukunft Online-PR. Das Seminar” (kurz: #zopr) – von mehreren Seiten zu bewerten sein: Ein Aspekt ist der Erfolg des Seminars selbst – die Studenten haben nach der Marktforschung vom Geschäftsmodell über das inhaltliche Konzept bis zur Vermarktung alles selbst konzipiert. Der andere Aspekt ist der Nutzen bzw. Lerneffekt nicht nur für die Seminarteilnehmer, sondern auch für die Organisatoren. Und schließlich werden wir überlegen, ob wir Weiterbildungen wie diese künftig regelmäßig anbieten.

Insgesamt bin ich optimistisch: Ich glaube, noch selten hat sich in meinen Kursen eine Studentengruppe in so kurzer Zeit so schnell sowohl grundlegende PR-Kenntnisse sowie wichtige Aspekte der Diskussion zu Social Media Relations erarbeitet. Wir werden hier z.T. mit ganztägigen Seminaren anknüpfen. Und die Weiterbildung selbst? Im Moment sind noch ein paar Plätze frei, aber ich denke, dass das inhaltliche Konzept sinnvoll ist. Vielleicht kennen Sie ja jemanden, dem Sie “Zukunft Online-PR” empfehlen möchten?

Weitere Informationen:

Social Media in der B2B-Kommunikation

Während in den USA B2B-Unternehmen in ihrer Kommunikation mindestens genauso selbstverständlich auf das Social Web setzen wie B2C-Firmen, scheint es hier zu Lande doch eine deutliche Diskrepanz zu geben. Spielt das Social Web für deutsche B2B-Unternehmen womöglich keine so große Rolle? Beziehungsweise: Worin könnte diese bestehen? Dies waren die Ausgangsfragen, die zu einer Kooperation zwischen der PR-Agentur profilwerkstatt und unserem Studiengang führten: Ein Team von sechs PR-Studenten ist im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes diesen Fragen nachgegangen. Gestern nun haben wir gemeinsam das Ergebnis, die Untersuchung “Mehr Wert schaffen – Social Media in der B2B-Kommunikation”, vorgestellt und das Thema mit bekannten Experten im Rahmen des 8. Forums für Vordenker diskutiert.

Eines haben die Recherchen der Studenten bestätigt: Den Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur bzw. dem Führungsstil und den Erfolgschancen im Social Web. Zugespitzt: Ein Unternehmen, in dem von oben nach unten durchregiert wird und in dem Mitarbeiter sich nicht trauen (dürfen), ihre Meinung zu sagen, kann nach außen nicht glaubwürdig im Social Web agieren. Denn die Werte einer offenen Unternehmenskultur und die Werte der Netzkultur sind nahezu deckungsgleich. Die Netzkultur ist es aber, die den Erwartungsrahmen an Kommunikation im Social Web vorgibt.

Speziell zur B2B-Kommunikation hat sich gezeigt, dass es empfehlenswert ist, zunächst über einen Einsatz von Social Media in der internen Kommunikation, im Employer Branding/Recruiting und der Kundenkommunikation nachzudenken. Wichtige Bausteine dazu: Eine Strategie, Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter und Mehrwert für die Stakeholder.

Mehr noch als in der B2C-Kommunikation scheint inhaltich die Fachkommunikation für B2B-Unternehmen aussichtsreich zu sein. Anders ausgedrückt: Wer er schafft, Branchen- und Fachthemen gut aufzubereiten, kann seine Expertise beweisen und in seinem Umfeld einen wirklichen Mehrwert schaffen und so Teil eines Beziehungsnetzwerkes werden. Klar ist dabei, dass es nicht anonyme Unternehmen oder Marken sind, sondern Personen, die kommunizieren. Es geht also auch um Personalisierung – oder besser: um Persönlichkeit. Schon zeigen Befragungen, dass für B2B-Entscheider Social Media (also z.B. Fachblogs) zur Informationsgewinnung genauso wichtig sind wie Fachzeitschriften. Diese haben sich also nicht nur um Anzeigen, sondern auch um konkurrierende inhaltliche Angebote zu kümnmern.

Die Untersuchung “Mehr Wert schaffen” ist bewusst qualitativ angelegt, es ging also nicht darum, die Verbreitung von Tools oder andere statistisch greifbare Aspekte zu destillieren, sondern Empfehlungen und Vorgehensweisen von Early Adoptern herauszuarbeiten. Hierzu haben die Studenten zunächst vorhandene Studien und die im Web geführte Fachdiskussion ausgewertet, Interviews mit zwölf Experten geführt und vier Fallbeispiele ausführlich dargestellt (Cirquent, Software AG, Triodos Bank, Westaflex).

Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungsschritten münden schließlich in zehn Fragen und Tipps für B2B-Unternehmen, die den Einstieg ins Social Web erleichtern sollen.

  1. Passen Social Media zur Unternehmenskultur?
  2. Möchten Sie den öffentlichen Dialog?
  3. Wo kann ich meine Stakeholder im Social Web erreichen?
  4. Lässt sich innerhalb der Branche ein Netzwerk aufbauen?
  5. Welche Stakeholder möchten wir erreichen?
  6. Denken Sie in Themen.
  7. Kennen Sie das Handwerkzeug!
  8. Social Media macht man nicht nebenher.
  9. Stehen Sie dahinter.
  10. Ist ein interner Einsatz sinnvoll?

Ein paar weitere Erkenntnisse fasst der Vortrag vom Forum für Vordenker zusammen:

Notwendig erscheint mir abschließend noch eine Einordnung der Arbeit. Aus polititischer Sicht ist ja mehr als gewollt, dass Hochschulen und Praxis sich vernetzen. Wer mich kennt, weiß, dass gerade dies auch mir ein wichtiges Anliegen ist – schließlich bilden die Fachhochschulen für die Praxis aus. Das vorgestellte Projekt war jedoch ein Kraftakt: Für die Studierenden, für die forschungsorientieres Arbeiten naturgemäß nicht selbstverständlich ist und die dennoch mit langem Atem einen oft gewaltig erscheinenden Berg bezwangen; für die profilwerkstatt, die nochmal eine Menge Energie in die Präsentation der Ergebnisse steckte und – ich gebe es zu – auch für mich. Doch nun liegt das Ganze vor und hilft hoffentlich dem ein oder anderen Unternehmen, das überlegt, was es denn mit diesem Social Web anfangen soll. Uns wurde auf dem Weg dahin dankenswerter Weise auch wunderbar geholfen – von vielen Experten, die sich eine Menge Zeit für die Fragen der Studenten nahmen.

Von der digitalisierten PR zur Cluetrain-PR: Ein Modell der Online-PR als Hilfe zur Strategieentwicklung?

Es ist nun schon gut drei Jahre her, seit ich mein Modell der Online-PR zum ersten Mal vorgestellt habe. Im Wesentlichen war es zunächst eine Typologie. Demnach unterscheide ich drei mögliche Typen der Online-PR: Die digitalisierte PR, die Internet-PR und die Cluetrain-PR. Auf Einladung von Heinz Wittenbrink von unserer Partner-Hochschule FH Joanneum in Graz konnte ich vor ein paar Tagen mein Modell vorstellen und mit Studenten diskutieren. Im Gegensatz zur reinen Typologie, die ich auch bei der Tagung Zukunft Online-PR vorgestellt habe, habe ich nun etwas ausführlicher den zweiten Teil des Modells präsentiert: Denn aus meiner Sicht bringt die zunächst akademisch klingende Unterscheidung in unterschiedliche Typen der Praxis vor allem dann etwas, wenn es eine Entscheidungshilfe gibt, wann welcher Typus der Online-PR sinnvoll ist.

Zu den drei Typen der Online-PR zunächst ein paar einordnende Gedanken:

  • Wissenschaftliches Fundament sind für mich die mittlerweile klassisch gewordenen PR-Typen von Grunig/Hunt.
  • Die Typen der Online-PR sind nicht normativ zu sehen. Das heißt, jeder Typus kann im Einzelfall seine Berechtigung haben.
  • Wann welcher Typus sinnvoll ist, ist situativ und damit strategisch zu entscheiden (und kann übrigens auch von außen kaum beurteilt werden).

Die Typen selbst lassen sich in Kürze so beschreiben:

  • Digitalisierte PR ist vereinfacht gesagt Online-Kommunikation mit dem Verständnis der Print-Welt. Hier geht es vor allem darum, Präsenz im Netz zu zeigen und Rezipienten zu informieren, beispielsweise durch das Bereitstellen von Materialien, die ursprünglich für die Printwelt entstanden sind (z.B. pdf-Reports).
  • Internet-PR nutzt stärker die Möglichkeiten des Web, integriert indirekte bzw. nicht-öffentliche Feedbacks (also z.B. Userbefragungen, Kontaktformulare), um die eigenen Ziele besser zu erreichen. Hier geht es darum, einen Rezipienten eher zu überzeugen als zu informieren.
  • Cluetrain-PR schießlich nutzt das Social Web als Handlungsraum, in dem Stakeholder nicht Rezipienten, sondern Kommunikationspartner sind. Hier geht es um den Aufbau von Online-Reputation und das Schaffen von Mehrwert.

Ausführlicher findet sich das Ganze in unten stehender Präsentation.

Entscheidend für den zweiten Teil meines Modells ist jedoch der Gedanke, dass die Wahl des jeweiligen Typus der Online-PR strategisch erfolgen soll – unter anderem auch, weil der Aufwand von der digitalisierten PR zur Cluetrain-PR deutlich zunimmt. Hierzu halte ich eine Analyse für sinnvoll, wie sie ähnlich auf bei der Entwicklung von PR-Konzeptionen üblich ist.

Ich sehe in einem Entscheidungsmodell fünf Ebenen der Analyse:

  • Die Gesellschaft: Hier geht es u.a. um Trends, Lebensstile, Internetnutzung, rechtliche Rahmenbedingungen, das Mediensystem.
  • Die Umwelten der planenden Organisation: Damit ist z.B. das Mediennutzungsverhalten der zu erreichenden Stakeholder gemeint, aber auch deren Erwartungen an die Organisation, ihre Aktivierung etc. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang klärt, ob im Einzelfall neue Öffentlichkeiten (die nur im Social Web erreichbar sind), relevant sind.
  • Die Organisation selbst: Hier geht es natürlich um die Kommunikation, beispielsweise ihre Ziele, aber auch die Kommunikationshistorie (z.B. Einsatz von One Voice Policy). Ebenso hat sich gezeigt (dazu demächst mehr), dass z.B. die Organisationskultur und das Vertrauen in die Mitarbeiter sowie die interne Akzeptanz der PR-Abteilung relevante Faktoren sind.
  • Die Kommunikatoren/Personen der Organisation (edit: vgl. hierzu auch die Kommentare): Hier ist u.a. zu klären, welche (Netz-)Kompetenz vorhanden ist, aber auch, welche Kapazität für eine 24/7-Kommunikation zur Verfügung steht und inwiefern die Kommunikatoren Rückendeckung durch die Geschäftsführung haben und ggf. wie nicht hauptberufliche Kommunikatoren (also Mitarbeiter) unterstützt werden können.
  • Die Technik: Hier ist u.a. ganz banal zu hinterfragen, welche Ausstattung vorhanden ist (z.B. wenn Mitarbeiter aus der Produktion bloggen sollen) oder inwiefern bestimmte Dienste in der Organisation überhaupt nutzbar oder dem Sicherheitsdenken zum Opfer gefallen ist (nicht selten sind Twitter oder Facebook auf Betreiben der IT-Sicherheit gesperrt)

Unterm Strich hoffe ich, dass mit dem Modell insgesamt eine Brücke in die praktische Anwendung geschlagen werden kann und die z.B. die Entscheidung, Twitter zu nutzen, systematisch vorbereitet wird – und nicht deshalb fällt, weil andere Unternehmen auch Twitter nutzen oder ein Externer behauptet, Twitter oder ein anderer Online-Dienst sei einfach ein Muss.

Noch eine abschließende Einordnung: Die fünf genannten Analyseebenen erscheinen mir soweit relativ schlüssig. Die dort jeweils zu betrachtenden Aspekte sind bisher beispielhaft zu verstehen und noch nicht vollständig. In meinen Folien sind z.T. ein paar weitere Fragen erwähnt.

Die nächsten Schritte für die Forschung könnten aus meiner Sicht sein:

  • die weitere Diskussion des Modells: Wie plausibel ist das Ganze? Wo kann man auf ersten Blick verbessern?
  • die empirische Prüfung der drei Typen
  • die praktische Anwendung des Entscheidungsmodells

Hier nun wie angekündigt die Folien des Grazer Vortrags. Da die Leser hier im Blog meine Überlegungen zur Öffentlichkeit und Mechanismen der Online-Kommunikation kennen, habe ich den Votrag etwas gekürzt und das Modell in den Mittelpunkt gerückt.

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Verantwortung in der Online-PR – und in der Unternehmenskommunikation allgemein

Wie neulich schon angekündigt habe ich beim Grazer Managementforum einen Workshop zur Verantwortung von Online-PR gehalten. Wir haben dabei vor allem intensiv über Mitarbeiter als Kommunikatoren diskutiert – und welche Verantwortung Unternehmen haben, die aktiv Mitarbeiter als solche einsetzen möchten. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt unserer Diskussion waren Fragen der Transparenz, in diesem Zusammenhang unter anderem Astroturfing, aber auch die zur Diskussion gestellte  Online-Richtlinie des Deutschen Rates für Public Relations.

Insgesamt empfinde ich den Oberbegriff der Verantwortungskommunikation als hilfreich. Dieser umfasst nach meinem Verständnis zwei Bereiche:

  1. Die Verantwortbarkeit der (Online-)PR. Hier steht für mich im Vordergrund, ob das, was wir in der Online-PR tun, zu verantworten ist, und zwar mit Blick auf die Reputation des Kommunizierenden (das können CEOs, Mitarbeiter oder PR-Leute sein), die Reputation des Unternehmens, auf das sich die Online-PR bzw. deren Vorgehen auswirkt sowie die Reputation der Mittler. Mit diesen sind Journalisten genauso gemeint wie Publizierende im vormedialen Raum.
  2. Die Kommunikation von Verantwortung, also letztlich die CSR-Kommunikation.

Im Workshop haben wir in der Diskussion ein paar Schwerpunkte gesetzt, die allesamt im Bereich verantwortbarer Online-PR lagen. Allerdings haben wir aus Zeitgründen auch hier ein paar Aspekte wie z.b. Authentizität und Dialog nicht näher beleuchtet. Ein paar Anstöße dazu finden sich in meiner Präsentation bei Slideshare:

Dialog und Verantwortungskommunikation – ein paar Überlegungen

Die Frage nach der Verantwortung in der Onlinekommunikation bringt mich zurück auf eine grundsätzliche Diskussion, mit der ich mich vor ein paar Monaten schon mal etwas intensiver beschäftigt habe: Die Frage der Verantwortungskommunikation als Ganzes.

Um den Hintergrund zu erklären, muss ich ein bisschen ausholen: Ich bin gerade dabei, einen Workshop zu Verantwortung in der Onlinekommunikation vorzubereiten, den ich auf dem Grazer Managementforum halten darf. Hier werden wir sicher vor allem die Verantwortung von Organisationen, die im Web kommunizieren, diskutieren. Dabei wird es um grundlegende Regeln verantwortungsvoller Online-PR gehen, wie sie zum Beispiel vom deutschen PR-Rat zur Diskussion gestellt wurden. Stichworte wie Offenheit und Transparenz sind da schnell im Boot. Und da war doch noch der Dialog, den beispielsweise Mirko Lange hier und dort reflektiert hat.

Gerade der Begriff des Dialogs schillert  in der Diskussion um Onlinekommunikation. Oft genug wird er einfach eingefordert, als wäre er ein Selbstzweck, den es im Social Web zu erfüllen gälte. Insofern ist Mirko Langes Einwand sicher sehr bedenkenswert:

“Man muss selbst keinen Dialog führen. Es reicht, über die richtigen Themen zu sprechen.  Das erreicht man, indem man zuhört und die Themen entwickelt, welche die Dialoggruppen interessieren, idealerweise bewegen. Diese Themen kann man dann “über Social Media” kommunizieren – und das meint vor allem Social Media als Kanal [sic!]. Und wenn es richtig gut läuft, dann führen die Menschen den Dialog dann ganz von alleine.”

Mich beschäftigt zumindest in Ansätzen die Frage, was Dialog eigentlich bezweckt und wann er notwendig ist, wobei ich zugegebenermaßen noch in einem assoziativen Stadium bin. Ein paar Annahmen:

  1. Dialog ist für Organisationen die aufwändigste Kommunikationsform.
  2. Organisationen werden sich auf Dialog nur einlassen, wenn es notwendig ist (ökonomisches Prinzip).
  3. Dialog ist also eine Frage der Macht, die sich aus der Beziehung zwischen Stakeholdern und Organisation ergibt.
  4. Dialog kann ein Etikett sein, um eigene Interessen/Positionen besser zu erklären, um sie am Ende durchzusetzen.
  5. Echter Dialog ist lösungsorientiert.
  6. Lösungsorientierter Dialog setzt voraus, Dialogpartner und ihre Argumente zu respektieren.
  7. Lösungsorientierter Dialog impliziert bei allen Beteiligten die Bereitschaft, eigene Positionen in Frage zu stellen und in der letzten Konsequenz das eigene Verhalten zu ändern.
  8. Diese letzte Konsequenz, also Verhaltensänderungen, können für Organisationen notwendig sein, um die Licence to operate zu sichern. Beim Individuum  dürfte es um den Erhalt der sozialen Postionierung gehen.

Dieses Gedankengebäude setzt ein paar Überlegungen fort, die ich im Sommer 2009 in einem Forschungsworkshop zu Verantwortungskommunikation eingebracht habe. Dieser wurde von Klaus-Dieter Altmeppen und André Habisch an der Uni Eichstätt organisiert (pdf).

Aus Unternehmenssicht stellt sich die Problematik der Licence to operate nach meinem Verständnis so dar: Ein Unternehmen kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn es sich an Gesetze hält und gleichzeitig öffentliche Akzeptanz für sein Tun (Geschäftsmodell, Produkte, Umgang mit Mitarbeitern etc.) genießt. Neben dem eigentlich richtigen (= öffentlich akzeptierten) Verhalten ist die Komunikation ein entscheidener Faktor auf der Seite der Legitimität. Kommunikation findet hierbei nach innen, in Richtung Massenmedien sowie im vormedialen Raum statt. Für alle diese Bereiche gelten unterschiedliche Anforderungen.

(klicken zum Vergrößern)

Die Frage nach der Legitimität des Handelns eines Unternehmens (bzw. einer Organisation) führt auch zur Frage der Verantwortungskommunkation. Viele Aspekte davon sind unter dem Sammelband (mit dem vielleicht etwas unglücklichen Titel) “Die Moral der Unternehmenskommunikation” (Hg. Siegfried J. Schmidt, Jörg Tropp) (Rezension) diskutiert.

Für mich ist Verantwortungskommunikation die Kommunikation einer Organisation, in der es um die Verantwortung dieser Organisation geht, mit dem Ziel, die Licence to operate zu sichern. Verantwortungskommunikation hebt sich damit ein bisschen von CSR-Kommunikation ab, da diese oft v.a. als Kommunikation von CSR-Programmen (also ggf. wechselnden Maßnahmen) verstanden wird.

Aufbauend auf die oben genannten Annahmen scheint es mir möglich, zwei Typen der Verantwortungskommunikation zu beschreiben, einen utilaristischen und einen diskursiven Typus: Während der utilaristische Ansatz letztlich auf die Durchsetzung der eigenen Interessen abzielt und höchstens Verständnis für die eigenen Positionen erreichen kann, zielt der diskursive Ansatz nach meinem Verständnis auf die Lösung von Problemen und beinhaltet in der letzten Konsequenz ggf. die Änderung der eigenen Positionen bzw. des eigenen Verhaltens. Ich habe versucht, dies einmal so darzustellen:

(klicken zum Vergrößern)

Ich will betonen, dass diese beiden Typen genauso wie meine Überlegungen zum Dialog Work in Progress sind – Arbeit, die ich hier gern zur Diskussion stelle. Mir ist klar, dass ich mich damit in Felder hineinwage, die deutlich weiter sind als das sonst von mir bestellte Äckerchen. Wünschenswert wäre eine interdisziplinäre Diskussion. Zu besprechen sind natürlich die Schlüssigkeit der hier aufgeführten Aspekte und die Anschlussfähigkeit an bestehende Modelle und Theorien. Zwei meiner Ausgangspunkte sind hierbei die PR-Modelle von Grunig/Hunt sowie mein Versuch, Typen der Online-PR zu beschreiben. Es dürfte nicht verwundern, dass der Typus der diskursiven Verantwortungskommunikation wiederum anschlussfähig sein sollte zu meinem Typus der Cluetrain-PR.

Nun aber zurück vom weiten Feld, im Grazer Workshop soll natürlich praxisbezogen diskutiert werden…

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