Tag Archive | ACTA

Lesetipps zum Wochenende

Ein grauer, windiger Samstag. Gut, dass wir uns da an Horst Seehofers Heiligenschein wärmen können (wer hätte das gedacht?). Doch auch jenseits präsidialer Erklärungen hat diese Woche wieder einiges Lesenswertes hervorgebracht.

Urheberrecht?
Bleiben wir zunächst politischen Umfeld: Natürlich ging die Diskussion um ACTA weiter. Eine besonders lesenswerte Perspektive in der Diskussion um das Urheberrecht öffnet Pia Ziefle. Sie führt der so genannten Deutschen Content-Allianz vor Augen, dass es ziemlich seltsam ist, wenn Verwerter über das Recht von Urhebern diskutieren ohne sich überhaupt mit den Urhebern und deren Interessen zu beschäftigen. Ergänzend dazu: Stefan Niggemeier beschäftigt sich ebenfalls mit der erwähnten ACTA-beseelten “Content-Allianz” und kritisiert vor allem, dass deren bürgerfinanzierte Mitglieder ARD und ZDF sich mit den Falschen ins lecke Boot begeben hätten.

Journalismus
Marie-Christine Schindler fasst die Ergebnisse der aktuellen news aktuell-Studie Recherche 2012 zusammen. Zusammenfassung der Zusammenfassung: Journalisten recherchieren häufiger im Social Web als auf Corporate Websites. Und: Die bloße Presseinfo steht ziemlich nackt da – Journalisten wollen ansehnliche Gewänder. Also Fotos, Infografiken, Links Videos sind gemeint….
Eine andere Studie hat untersucht, wie Journalisten twittern. Dabei hat sich unter anderem gezeigt, dass Journalisten auf Twitter eher ihre Meinung kundtun und damit ihre Rolle als unabhängige Beobachter sich möglicherweise wandelt. Dies gilt übrigens besonders im Lokalen. Mehr beim European Journalism Observatory.

Public Relations
Und plötzlich war die Facebookseite von München mit 400.000 Fans weg. Wie sich gezeigt hat, eine ziemlich willkürliche Entscheidung von Facebook – ohne Vorwarnung. Das Ganze macht einmal mehr deutlich, sehr man sich im Zweifel Facebook, Google & Co. ausliefert – egal ob Privatperson oder Unternehmen.
In den USA geht derweil das PR-Definitionscasting weiter: Vor einiger Zeit habe ich mich ja ein bisschen darüber gewundert, dass der amerikanische Berufsverband PRSA per Lückentext-Vorgabe zu einer neuen PR-Definition kommen will. Jetzt also steht das große Voting an, und drei Definitionskandidaten stehen zur Wahl. Nun denn.
Interview: Annabelle Atchison, verantwortlich für die Social Media-Aktivitäten bei Microsoft berichtet im Interview zum Berufsbild Social Media Manager.

Tools und ihr Einsatz
Die Wirtschaftswoche fasst eine Studie zusammen, die zeigt, welche Tweets wirklich ankommen. Fazit: Langweilig sind Foursquare-CheckIns, zu viele persönliche Infos und Inhaltsleeres. Naja, nicht überraschend. Die genauere Darstellung der Ergebnisse lohnt jedoch einen Blick.
Wertvolle Helferlein: idisaster 2.0 beschäftigt sich mit Apps für Not- und Katastrophenfälle. Dabei kann es um die Zugänglichkeit offizieller Informationen gehen, aber auch um die gegenseitige Hilfe von Bürgern.
Einfacher publizieren? Book Type ist ein Open Source Tool zum Publizieren von Büchern – für Print ebenso wie für eBooks. Auch kollaboratives Arbeiten soll möglich sein. Hat damit jemand schon gearbeitet?

Lesetipps zum Wochenende

Und wieder stapeln sich so viele Themen im Bookmark-Archiv. Ein paar davon gibt’s heute mal am Sonntag in den Lesetipps.

Politik
Wirtschaft versus Freiheit? Gestern war weltweiter Aktionstag gegen das Handelsabkommen ACTA. Sehr viel ist darüber geschrieben worden, mal mehr, mal weniger ideologisch. Dass ACTA ein Lobbying-Ergebnis jenseits demokratischer Prozesse und der Öffentlichkeit ist, dürfte mittlerweile weitestgehend anerkannt sein (mehr hierzu bei LobbyControl). Immerhin haben mehrere europäische Staaten einschließlich Deutschland entschieden, das Abkommen zunächst (was das dann auch heißen mag) nicht zu ratifizieren. Wer sich bisher noch wenig mit dem Thema beschäftigt hat, findet hunderte Beiträge und Videos im Netz. Eines der ziemlich populären wurde von der Gruppe Anonymous bereitgestellt – aus Sicht vieler vermutlich überzeichnend, aber mindestens bezeichnend dafür, wie groß das Misstrauen intensiver Internetnutzer gegenüber den Wirtschaftsinteressen ist. Und dieses ist in weiten Teilen vermutlich nicht ganz unberechtigt.

US-Wahlkampf: Google hat mit “Politics & Elections” ein kleines Tool bereitgestellt, in das verschiedene Analysetools und die G+-Seiten, Youtube-Videos etc. der Kandidaten gebündelt werden (via Public Affairs).

Neues aus der Zahlenwelt
Online-Nutzung: Fast ein Viertel ihrer Online-Zeit verbringen die Internetnutzer in Social Networks, zeigt eine Untersuchung im Auftrag des Bitkom-Verbandes. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 14 Prozent (via karrierebibel).
Gute Stimmung: In den USA wurden Nutzer von Social Networks zum Kommunikationsklima in Social Networks befragt. Ergebnis: Vor allem Erwachsene fühlen sich überwiegend wohl und attestieren den Mitbürgern, eine recht freundliche Atmosphäre zu schaffen. Jüngere Nutzer berichten eher mal Zoff. Mehr dazu beim Pew Research Center.
Schweizer Unternehmen im Social Web: Thomas Hutter fasst eine Befragung der größten schweizer Unternehmen zum Einsatz von Social Media zusammen. Ergebnisse u.a.: Von den 53 Unternehmen, die geantwortet haben, setzen mittlerweile 90 Prozent Social Media ein. Unter den Kanälen ist zwar Facebook am wichtigsten, mittlerweile folgen jedoch YouTube und Twitter relativ dicht. Gleichzeitig sperrt etwa jedes fünfte Unternehmen Social Media für seine Mitarbeiter. Drollig: Es gibt also einige Unternehmen, die nach außen so was wie Offenheit darstellen wollen, die Mitarbeiter aber lieber fern halten.

Konzepte
Clutrain-Manifest: Zwölf Jahre nach Veröffentlichung des Cluetrain-Manifest blicken zwei der Autoren, Doc Searls und David Weinberger zurück und diskutieren in brand eins einige der Thesen aus heutiger Sicht. Dass sich Unternehmen darauf einstellten, dass Märkte Gespräche sind, sei zwar nett, meint David Weinberger, allerdings: “Das meiste sogenannte Conversational Marketing ist genau genommen peinlich.”

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