Das Textdepot

Einträge mit dem TagDGPuK

Konferenzen und Rufe nach Papieren

6 Dezember 2007 · 6 Comments

Da sind die Stapfen des Nikolaus noch kaum verwischt, schon wird man von der Konferenzplanung für das nächste halbe Jahr erwischt. Gleich sechs Veranstaltungen sind mir in den vergangenen Tagen unter gekommen, und für mehrere laufen nun die Calls for Paper. Wer sich also beteiligen möchte: Nur zu. Was steht im Angebot?

  • Euroblog (13.-15. März 2008, Brüssel): Hier geht es wie in den Vorjahren um den Austausch zwischen Forschung und PR-Praxis. Bis zum 7. Januar muss ein Abstract eingereicht werden. Im internationalen Programmkomittee ist u. a. Ansgar Zerfaß, Uni Leipzig, vertreten. Veranstaltet wird das Symposium von der European Public Relations Education and Research Association.
  • IAOC-Konferenz (12./13. Juni 2008, Reykjavik): IAOC steht für “The International Association of Online Communicators”, und auch hier geht es um einen Austausch zwischen Forschern und Praktikern der Online-Kommunikation. Wie lange der Call for Papers noch läuft, wurde mir jedoch nicht klar.
  • DGPuK-Jahrestagung (30. März - 2. April 2008, Lugano): Hier trifft sich die deutschsprachige wissenschaftliche Community der Publizistik und Kommunikationsforschung. Bis 1. März können noch Papers für offene Panels eingereicht werden, der reguläre Call ist seit einer Weile abgeschlossen.
  • European Communication Summit (24./25. April 2008, Brüssel): Der Gegenpol zur DGPuK, denn dort treffen sich PR-Praktiker aus Europa.
  • EduCamp (18.-20. April 2008, Ilmenau): Keine klassische Konferenz, sondern ein Barcamp, und zwar v.a. zur Frage, wie neue Web-Formate in die Lehre integriert werden können. Wird u.a. von Steffen Büffel organisiert und steht im Geiste der LdL-Idee (Lernen durch Lehren).
  • PolitCamp (30./31. Mai 2008, Graz): Heinz Wittenbrink organisiert dieses BarCamp, das die politische (Online-)Kommunikation zum Thema hat.

Tja, eine hübsche Auswahl - und ich fürchte, die muss ich innerhalb dieses Angebots treffen. Zeit- und Reisebudget werden Abstriche erfordern. Und ich verspreche: Ich werde meine Besuche am wenigsten von den Tagungsorten abhängig machen ;-)

Erstaunt hat mich übrigens, wie oft das Lernen mit bzw. die Lehre über Web 2.0-Tools thematisiert wird. Mal sehen, vielleicht klinke ich mich hier ein bisschen ein.

Categories: Akademisches · Vorträge
Getaggt: , , , ,

PR-Forschung: Das Elend mit den Rezipienten

7 Oktober 2007 · No Comments

Es ist schon erstaunlich: Da forschen wir über PR-Instrumente und -Strategien, über Krisen, Produktkommunikation und noch vieles mehr - doch über die Rezipienten der PR wissen wir immer noch nur bruchstückhaft Bescheid. Auch nach der Tagung “Wer kommuniziert, wer rezipiert?“, von der ich gerade zurückkehre. Dabei handelte es sich um die Jahrestagung der Fachgruppe PR/Organisationskommunikation innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), die in diesem Jahr an der FU Berlin stattgefunden hat. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich empfand die Tagung als sehr anregend und wohl gelungen. Dennoch hat sie ein Schlaglicht darauf geworfen, wie jung die PR-Wissenschaft ist und wie groß die Lücken in der Forschung sind. Es ist ja auch ganz schön, zu wissen, dass es noch viel zu tun gibt…

Ein Perspektivwechsel war Idee der Tagung, zu der sich deutschsprachige PR-Forscher getroffen haben: Diesmal sollte es eben nicht um die instrumentelle Sichtweise der PR-Treibenden gehen, sondern die Rezipienten sollten im Mittelpunkt der Tagung stehen. Ich möchte diese an dieser Stelle nicht zusammenfassen, sondern ein paar subjektive Eindrücke diskutieren.

Höchst bedenkenswert für die Zunft begann die Tagung mit der Keynote von Anna-Maria Theis-Berglmair aus Bamberg. Ihr Ausgangspunkt: Kommunikation, von der wir ja immer als PR-Aufgabe sprechen, ist ein offener Prozess. Herrscht darüber generell Einigkeit, so dürfte dies jedoch die Frage provozieren, ob und wie PR da denn überhaupt funktionieren könne. Theis-Berglmair jedenfalls folgerte, dass “gezielte Kommunikation als Illussion” gesehen werden könne. Ein Problem, das schon vor vielen Jahren in der Forschung diskutiert wurde, aber nach meinem Eindruck im (Praxis-)Alltag von vielen inzwischen wieder verdrängt wurde. In den achtziger Jahren wurde deshalb v.a. von Roland Burkart Verständigung als bescheidenes PR-Ziel definiert, was im Zweifel weit von Einverständnis entfernt sein kann. Ulrike Röttger hat 2005 dann die Legitimationsfunktion der PR gegenüber Anspruchsgruppen betont: Die Anspruchsgruppen sollten, so das postulierte PR-Ziel, die Interessen einer Organisation als legitim ansehen.

Ob und wann dies gelingt, wurde jedoch auf der Tagung kaum weiter thematisiert. Spannend wäre in diesem Zusammenhang u.a. die Frage, wie Rezipienten PR-Aktivitäten wahrnehmen und welche Bedingungen sie schaffen, unter denen Organisationen überhaupt kommunizieren. Zwar wurde oft das Web 2.0 angesprochen, beispielsweise als eine Möglichkeit, ein Thema oder eine Organisation von viel mehr Seiten unter die Lupe zu nehmen als bisher (Theis-Berglmair). Oder als Möglichkeit der schnelleren Aktivierung von Teilöffentlichkeiten (Diana Ingenhoff/Ulrike Röttger). Fragen der Mediennutzung generell und der damit verbundenen Erwartungen, Fragen des Vertrauens gegenüber diesen Medien oder gegenüber Organisationen oder gar Fragen zur Wirkung medialer Inhalte scheinen jedoch noch ein weitgehend weißes Gebiet auf der Forschungslandkarte der PR zu sein - obwohl es zumindest zu Teilfragen durchaus Studien gibt (z.B. das Edelman Trust Barometer, die Studien Massenkommunikation oder die ARD-/ZDF-Online-Studie). Sie scheinen jedoch im akademischen Umfeld zumindest unter den genannten Aspekten noch wenig analysiert zu werden. Eine andere spannende Frage: Wie denn eine 1:1 abgedruckte Presseinformation in der Lokalzeitung oder im Wirtschaftsmagazin von deren Lesern wahrgenommen wird - oder eine Medienpartnerschaft.

Natürlich gab es auf der Konferenz wichtige konzeptionelle Überlegungen und spannende Teilergebnisse. So führte z.B. Stefan Wehmeier (Greifswald) den Neo-Institutionalismus in die Diskussion ein, ein Ansatz, der Organisationen aus Sicht der Umwelten betrachtet. Eine der wenigen Analysen aus Rezipientensicht präsentierte Jochen Hoffmann (Bern): Er befragte die Leser einer Verbandszeitschrift zu deren Erwartungen an das Medium. Dies ist besonders spannend, da Corporate Publishing-Produkte ja im Zwischenfeld zwischen PR und Journalismus angesiedelt sind. Meine Erkenntnis daraus: Die Leser wollen in einer solchen Zeitschrift nicht hauptsächlich Selbstdarstellung der Organisation (schon gar nicht Top Down-Kommunikation vom Vorstand), sondern auch viele Informationen zum Gebiet, in dem die Organisation tätig ist - und dies am besten aktuell und mit genügend Unterhaltung versetzt. Aus Sicht des Nutzers kann also eine journalistische Funktion einer solchen Zeitschrift angenommen werden und aus Sicht der Organisation eine PR-Funktion (v.a. Identifikation).

Ein interessanter Aspekt noch zur Pressearbeit: René Seidenglanz hat Mittler zum Rezipienten, also Journalisten, zur Glaubwürdigkeit der Pressearbeit von drei großen Unternehmen befragt. Sein Ergebnis: Die meisten Journalisten halten von PR insgesamt recht wenig, schätzen aber doch die PR-Leute, mit denen sie regelmäßig zu tun haben und halten diese für ziemlich glaubwürdig - wobei Fachjournalisten diese Glaubwürdigkeit in der Tendenz höher einschätzen, während sich Wirtschaftsjournalisten lieber gleich an den Vorstand halten. Nett übrigens: Der Forscher hat von einzelnen Redakteuren ob seiner Befragung erboste Mails bekommen. Tenor: Die Befragungsergebnisse mögen hoffentlich den nervenden und unglaubwürdigen PR-Leuten als Denkzettel dienen. Die Ergebnisse der Studie geben diesen Denkzettel jedoch bei weitem nicht her.

Genauere Zahlen und ein vollständiges Bild von der Tagung gibt es demnächst, wenn die Vortragsfolien online sind. Werde dann darauf hinweisen.

Categories: Akademisches
Getaggt: , , , , , ,