So, nun endlich ein erster Nachklapp zur Euroblog-Konferenz in Brüssel. Beginnen möchte ich mit einer Ergänzung zum Panel über Web 2.0-Tools in der Lehre. In diesem Rahmen habe ich meine didaktischen Experimente in unserem PR-Schwerpunkt an der Hochschule Darmstadt vorgestellt. Wichtig ist dabei, dass Social Media in der PR-Ausbildung als etwas begriffen werden, das das Kommunikationsmanagement in der Berufspraxis verändert und ggf. auch als PR-Instrument eingesetzt werden kann. Social Media sind also Lernstoff: Man muss wissen, was es damit auf sich hat und wie NGOs und Unternehmen sie tatsächlich einsetzen. Anderseits handelt es sich bei Blogs & Co. um didaktische Instrumente, wenn sie entsprechend in die Lehre integriert werden. Dabei können sie den Seminarraum und die reale Welt wunderbar vernetzen. Und schließlich können Social Media-Anwendungen Projekt- und Wissensmanagement unterstützen - in der Berufspraxis wie in der Lehre.
Wer Social Media tatsächlich in die Lehre integriert, kommt schnell zum Ansatz des Konnektivismus. Dort wird davon ausgegangen, dass Wissen in (sozialen) Netzwerken entsteht und dass man auf vielfältige Weise lernt; beispielsweise auch, wenn man einen Wiki-Artikel schreibt, im Blog diskutiert etc. Deshalb ist für mich die Vernetzung ein entscheidender Punkt - wobei Vernetzung sich nicht nur auf eine studentische Gruppe bezieht, sondern auch Vernetzung mit anderen Studenten, Alumni und Praktikern gemeint ist. Dem dienen Projekte wie die PR-Fundsachen und das PR-Wiki auch. Gleichzeitig trainieren die natürlich den Umgang mit diesen Formaten.
Einen Aspekt der Diskussion in Brüssel fand ich besonders witzig: Eine Studentin hat davon gesprochen, dass sie ihre Wünsche und Themen in eine Lehrveranstaltung einbringen möchte. In meinem Vortrag habe ich von Learner Generated Content gesprochen. Im Publikum stieß dies schnell auf Widerstand. Ein Kollege fragte, ob es nicht kindisch sei, wenn ein Dozent das macht, was die Studenten wollen. Das sehe ich anders: Denn ich bin nicht der allwissende Dozent, und ich meine, das Beste entsteht im Team. Natürlich gibt es Grundlagen, die ich auf jeden Fall vermitteln möchte/muss. Andererseits wissen Studenten nicht nur zu einigen Themen besser Bescheid als ich, sondern sie wissen oft genau, welche Wissenslücken durch meine und andere Lehrveranstaltungen noch bestehen. Dass es sich bei den Themenvorschlägen von Studenten nicht um Beliebigkeiten handelt, sondern um Ergänzungen, die in die jeweilige Lehrveranstaltung passen, habe ich bis jetzt immer erfahren - egal, ob es um Vorschläge für einzelne Workshops ging oder um die freieThemenwahl bei Referaten.
Doch darüber kann man lange weiter diskutieren. Hier erst mal mein Vortrag (genau genommen bestand mein Vortrag nur aus einem Teil der Slides; ich denke aber, dass ein paar der detaillierten Informationen ein paar Leser hier interessieren könnten):
Eindrücke zur Konferenz insgesamt folgen in einem separaten Artikel.
Irgendwie habe ich keine Lust, live oder in Pausen zur Euroblog hier zu bloggen. Das liegt am wackeligen WLAN, aber auch daran, dass Twitter Live-Eindrücke einer Konferenz irgendwie besser spiegelt.
Morgen beginnt in Brüssel die Konferenz “Euroblog 2008“, der Koffer will gepackt werden. Freue mich schon auf viele Vorträge und natürlich noch mehr auf gute Gespräche. Für alle, die nicht dabei sein können: Philippe Borremans wird hier live berichten.
Spannend ist die Konferenz, die sich mit dem Einsatz von Social Media im Kommunikationsmanagement befasst, aus meiner Sicht vor allem wegen ihrer Internationalität: In den ersten beiden Jahren stellte die Konferenz einen europäischen Austausch her, diesmal wird auch die Brücke über den Atlantik geschlagen, und es sind einige Größen aus den USA dabei, u.a. David Weinberger (Fellow Harvard Berkam Center), Tim Macmahon (NY University), Steve Rubel (Edelman) und Frank Ovaitt (Institute for Public Relations). Ein Panel wird es übrigens auch zum Thema Lehre geben. Bin schon sehr gespannt.
Da sind die Stapfen des Nikolaus noch kaum verwischt, schon wird man von der Konferenzplanung für das nächste halbe Jahr erwischt. Gleich sechs Veranstaltungen sind mir in den vergangenen Tagen unter gekommen, und für mehrere laufen nun die Calls for Paper. Wer sich also beteiligen möchte: Nur zu. Was steht im Angebot?
Euroblog (13.-15. März 2008, Brüssel): Hier geht es wie in den Vorjahren um den Austausch zwischen Forschung und PR-Praxis. Bis zum 7. Januar muss ein Abstract eingereicht werden. Im internationalen Programmkomittee ist u. a. Ansgar Zerfaß, Uni Leipzig, vertreten. Veranstaltet wird das Symposium von der European Public Relations Education and Research Association.
IAOC-Konferenz (12./13. Juni 2008, Reykjavik): IAOC steht für “The International Association of Online Communicators”, und auch hier geht es um einen Austausch zwischen Forschern und Praktikern der Online-Kommunikation. Wie lange der Call for Papers noch läuft, wurde mir jedoch nicht klar.
DGPuK-Jahrestagung (30. März - 2. April 2008, Lugano): Hier trifft sich die deutschsprachige wissenschaftliche Community der Publizistik und Kommunikationsforschung. Bis 1. März können noch Papers für offene Panels eingereicht werden, der reguläre Call ist seit einer Weile abgeschlossen.
European Communication Summit (24./25. April 2008, Brüssel): Der Gegenpol zur DGPuK, denn dort treffen sich PR-Praktiker aus Europa.
EduCamp (18.-20. April 2008, Ilmenau): Keine klassische Konferenz, sondern ein Barcamp, und zwar v.a. zur Frage, wie neue Web-Formate in die Lehre integriert werden können. Wird u.a. von Steffen Büffel organisiert und steht im Geiste der LdL-Idee (Lernen durch Lehren).
PolitCamp (30./31. Mai 2008, Graz): Heinz Wittenbrink organisiert dieses BarCamp, das die politische (Online-)Kommunikation zum Thema hat.
Tja, eine hübsche Auswahl - und ich fürchte, die muss ich innerhalb dieses Angebots treffen. Zeit- und Reisebudget werden Abstriche erfordern. Und ich verspreche: Ich werde meine Besuche am wenigsten von den Tagungsorten abhängig machen
Erstaunt hat mich übrigens, wie oft das Lernen mit bzw. die Lehre über Web 2.0-Tools thematisiert wird. Mal sehen, vielleicht klinke ich mich hier ein bisschen ein.
... ist eine private Website von Thomas Pleil. Ich sammle hier Versatzstücke zu den Themen, die mich (beruflich) am meisten beschäftigen: Public Relations, Medien und ab und zu ein bisschen Marketing. Und wer mag, erfährt auf den Seiten oben ein wenig mehr über meine Arbeit.