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Einträge mit dem TagGoogle

Google-PR: Kommunikation verstehen

20 März 2008 · 4 Comments

Noch eine kleine Geschichte, die wieder einmal deutlich zeigt, wie Kommunikation heute funktioniert und dass 80er-Jahre-PR keine Antwort darauf ist. Das aktuelle Beispiel: Eine PR-Agentur von Google.

Gestern Abend erreichte mich via Rufumleitung ein netter Mitarbeiter einer von Google beauftragten Agentur auf dem Handy. Google habe nun ein Paket für Nonprofit-Organisationen geschnürt. Ok, das interessiert mich, und da ich unterwegs war, hatte ich davon noch nichts gelesen. Der Anruf ist für mich also ok. Ob ich denn Lust hätte, gemeinsam mit Vertretern von NGOs zu einer Präsentation des Pakets nach Hamburg zu kommen? Irgendwann im April. Nein, keine Lust und schon gar keine Zeit. Aber ich bin an Informationen interessiert. Erwähne, dass ich eventuell zum Thema blogge. Gern, meint mein Gesprächspartner, es gebe eine Seite mit Infos zum Paket im Netz und eine Seite mit Anwendungsbeispielen (hm, wo denn?). Er will mir Links schicken und das Programm des  Präsentationstermins, als Hintergrundinfo. Gut. Thema abgehakt.

Nächster Tag - heute, kurz vor acht: Ich lese Mails und Feeds, starte Twitter. In Rivva ist das Google-Thema längst nach oben geschwappt (es gibt derzeit vier Artikel zum Thema), und auch in meinem del.icio.us-Network finde ich es in den Bookmarks. Eigentlich weiß ich nun alles zum Thema. Ich erinnere mich an das Telefongespräch gestern, schaue nochmal in meine Mailbox. Keine Info der PR-Agentur da. Ich habe auch anderes zu tun. Etwas später, kurz vor 10 Uhr: Jetzt beschließe ich doch, diesen Beitrag zu schreiben.

Denn ich frage mich, wozu Google eigentlich eine PR-Agentur bezahlt. Sicher gibt es noch einige Leute, die ein anderes Informationsverhalten haben als ich. Aber wenn ich schon andeute, dass ich an einem Thema für einen Blogbeitrag interessiert bin, dann warte ich nicht auf den Postboten. Dabei wäre es doch so einfach gewesen, mir gestern Abend die versprochenen Links zu mailen und eine pdf mit den Infos zur Präsentation zu schicken. Oder etwas zum CSR-Verständnis von Google. Das wäre wenigstens Mehrwert gewesen im Vergleich zu dem, was ohnehin schon im Netz steht. Melanie Huber hat sich neulich gute Gedanken zum (Nach-)Telefonieren durch PR-Leute gemacht.

Nachsatz: Das Google-Paket für Nonprofit-Organisationen scheint mir recht interessant zu sein. Weniger, weil die bekannten Google-Produkte zusammengeschnürt wurden, sondern weil GMail unter der Domain einer Organisation angeboten wird, ebenso Werbung über AdWords sowie das Abwickeln von Online-Spenden. Nonprofits bezahlen hierfür nichts.

Categories: Fundraising · Nonprofit-PR · PR
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Sites: Das Wiki von Google - erste Erfahrungen

11 März 2008 · 17 Comments

So, wie versprochen fasse ich mal ein paar Eindrücke von Google Sites zusammen. Damit hat Google vor kurzem sein umfangreiches Angebot an Online-Services um eine Wiki-Funktionalität ergänzt. Genau genommen ist Google Sites Bestandteil von Google Apps, einem Paket, das einige der bekannten Google-Anwendungen (z.B. Docs, Mail, Kalender, Talk) zusammenfasst. Wie neulich erwähnt, habe ich mich (ich gebe zu: mit ein bisschen Bauchschmerzen) entschieden, die Sites im nächste Woche beginnenden Sommersemester für unseren PR-Schwerpunkt einzusetzen - anstatt der an unserer Hochschule sonst verwendeten eLearning-Plattform Blackboard.

Doch zunächst will ich kurz meine Anforderungen, die ich in diesem Fall an ein Wiki habe, erklären: Was ich wollte, ist ein schnell einsetzbares, gehostetes Wiki, das ohne ungewohnte Syntax gefüllt und einfach strukturiert werden kann. Im letzten Semester hat unser bisher verwendetes pmWiki einige Studenten und mich doch gelegentlich genervt (Probleme mit dem Editor, keine Diskussionsmöglichkeit in der Standardinstallation etc.). Weitere wichtige Anforderungen: Da wir mit dem PR-Wiki bereits über ein öffentliches Wiki verfügen, soll das aufzubauende Wiki nur für die jeweiligen Studenten und Dozenten zugänglich sein. Diese Abgeschlossenheit hat zwei Gründe:

  • Erstens soll darin das Management von Semesterprojekten abgewickelt werden, d.h. darin werden auch halbwegs vertrauliche (bei weitem aber keine streng geheimen) Informationen gespeichert (z.B. ToDo-Listen).
  • Zweitens habe ich festgestellt, dass ein nicht-öffentlicher Raum Studierende zu wesentlich intensiverer Zusammenarbeit im Wiki motiviert als ein öffentliches Wiki.

Doch nun endlich zu Google Sites. Bevor man sich dafür entschließt, ein wichtiger Hinweis: Man sollte sich wirklich klar werden, ob man die Nutzungsbedingungen von Google annehmen kann/möchte. Hierzu empfehle ich die Lektüre von Mediendidaktik zum Thema und die Diskussion bei Michael Kerres (Kommentare beachten). Ich bin jedenfalls zu dem Entschluss gekommen, es wagen zu können.

Gut, also zur Registrierung. Ich gebe ja zu, dass ich da erst ein wenig herumgepfuscht habe, da mir der Zusammenhang mit den Google Apps nicht gleich klar war. Und das ist für mich ein zentraler Kritikpunkt: Google will mit den Sites wohl nicht irgendwelche Privatleute ansprechen, die die Idee haben, mal ein Wiki einzurichten, sondern eine bereits bestehende Gruppe - z.B. ein Unternehmen, einen Verein, eine Schule oder Universität gewinnen. Und die sollen möglichst gleich den ganzen Google-Segen erhalten. Zur Anmeldung benötigt man eine Mailadresse einer Institution bzw. eine eigene Domain. Wer sich damit anmeldet, richtet das Ding für seine Institution ein - ich habe keine Ahnung, ob man damit für seinen gesamten Laden weitere Anmeldungen blockiert, vermute das aber. Wenn dem so ist, sind Probleme vorprogrammiert, die Google natürlich elegant auf die Institutionen abwälzt. Ok, das Ganze hat auch Vorteile, auf die ich hier aber jetzt nicht weiter eingehen möchte - wie auch auf die Google Apps insgesamt.

Wie arbeitet es sich denn nun mit den Sites? Kurz und bündig: “Gut”. Wie immer bei Google bin ich mit der Bedienung auf Anhieb klar gekommen, und einige Funktionen sind mir positiv aufgefallen:

  • Es gibt ein paar Templates. Ich habe da nicht lange ausprobiert, sondern gleich eines gefunden, das mir geeignet schien. Es sieht u.a. eine Navigationsleiste vor, die ich editieren kann. Bei manchen Wikis muss man sowas erst über Umwege basteln.
  • Eine Sitemap wird automatisch erzeugt.
  • Jede Seite kann wie in einem Blog kommentiert werden. Sicher, das ist Geschmacksache - mir gefällt’s besser als eine eigene Kommentarseite
  • Auf jeder Seite gibt es eine Uploadmöglichkeit für Dokumente. Das geht nicht bei allen gehosteten Wikis. 10 GB Speicherplatz sollten ein Weilchen genügen.
  • Für jede neue Seite kann ich entscheiden, wo diese genau platziert werden soll (z.B. als Unterseite).
  • Unterseiten werden am Fuß einer Seite automatisch verlinkt.
  • Normale Wiki-Seiten sind mit dem WYSIWG-Editor problemlos zu bearbeiten.
  • Ganz prima: Es gibt unterschiedliche Seitentypen: reine Wiki-Seiten (deren Layout lässt sich mit dem Editor auch auf zweispaltig umstellen), Announcements, Listen (gut geeignet für kleine Projekte, da gestaltbar und mit Prioritäten versehbar), Mashup-Seiten (= Dashboards in der Google-Sprache), und Download-Seiten (= File Cabinets). Letztere sind sehr gut geeignet, wenn man mehrere Dokumente zentral hochladen möchte. Man kann dann von beliebigen Seiten auf die einzelnen Dokumente linken, den Nutzern aber auch die gesamte Download-Seiten anbieten, auf denen alle Dokumente auf einen Blick zu sehen sind.
  • Man kann unterschiedliche Dokumente aus dem Google-Universum (Präsentationen, Spreadsheets etc.) und so genannte Gadgets (Kalender, Feeds etc.) integrieren. Diese können direkt im Wiki angesehen werden, ähnlich wie auch Videos von YouTube und Google.
  • Rollenbasierte Nutzung: Die Einladung von Mitarbeitern bzw. weiteren Administratoren hat bisher reibungslos geklappt. Einstellen lässt sich für jede Seite, ob sie öffentlich, für alle im Wiki Registrierten oder nur ausgewählte Nutzer zugänglich sein soll. Dabei kann nochmal unterschieden werden, ob die Nutzer die Seite nur sehen oder auch bearbeiten können.
  • [Ergänzung, 12.3.08]: Als admin bekomme ich auf Wunsch per Mail Änderungen im Wiki sofort zugeschickt. Die Änderungen werden farblich hervorgehoben, Uhrzeit und Autor sind auch festgehalten.

Weniger gut gefällt mir:

  • Es gibt keine Möglichkeit, Seiten zu sichern bzw. downzuloaden (abgesehen von pdf über das Drucken).
  • Die Mashups haken manchmal, einige gehen gar nicht. Zum Beispiel hatte ich große Probleme RSS-Feeds einzubinden und das erst mal auf irgendwann verschoben. Mein Wunsch wäre, Social Bookmarks bzw. den Feed des bereits vorhandenen Mister-Wong-Gruppenarchivs ins Wiki zu ziehen.
  • Die oben erwähnte Einrichtung über Google Apps

Ambivalent:

  • Links werden von den Google Sites automatisch mit dem Attribut “nofollow” versehen. Hiergegen gibt es gute Argumente. Andererseits: Wenn die Sites als Intranet bzw. als nach außen abgeschlossener Bereich eingesetzt werden sollen, kann ich “nofollow” schon halbwegs nachvollziehen.

Mein Zwischenfazit nach etwa 20 eingerichteten Seiten: Das Arbeiten mit den Sites ist weitgehend problemlos. Die wenigen Dinge, die haken, habe ich bei anderen gehosteten Wikis in diesem Umfang bisher noch nicht gefunden. Statt dessen ist mein Eindruck, dass die Sites selbst ohne diese Funktionen etwas mehr bieten als manche andere Anbieter wie zoho. Besonders gut gefällt mir, dass die Sites zwar als typisches Wiki daher kommen, aber Funktionen haben, die einerseits das Projektmanagement und andererseits die Multimedialität unterstützen können.

Nach den bisherigen Erfahrungen scheinen die Sites also meinen Anforderungen für den Einsatz in der Lehre zu genügen. Nun müssen sie sich im realen Betrieb bewähren. Gut vorstellen kann ich mir auch, dass Vereine damit glücklich werden können. Ob ich die Sites bzw. das Gesamtpaket Google Apps jedoch im Unternehmen einsetzen würde, weiß ich nicht - da gibt es noch ganz andere Pakete, mit denen das verglichen werden müsste. Aber als einfaches, schnell aufsetzbares, kleines Intranet? Schon vorstellbar, meint auch der RSS-Blogger.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Dieser Artikel spiegelt keinen systematischen Test oder Vergleich mit anderen Systemen wider, sondern ich schildere subjektive Eindrücke, die ich in den ersten Tagen der Nutzung der Google Sites gewonnen habe.

Weitergehende Lesetipps:

Categories: Lehre · Wiki
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Hilfe, Google sperrt mein virtuelles Klassenzimmer weg

6 März 2008 · 8 Comments

Update: 6.3.2008, 21.00: Alles läuft wieder, die Ursache lag offenbar nicht bei Google, sondern bei der Telekom. Betroffen waren offenbar ausschließlich magenta DSL-Kunden (via). 

Ich gebe zu: Ich beginne, an mir und der Welt zu zweifeln. Zumindest ein bisschen. Jetzt habe ich ein paar Wochen lang die Entscheidung vor mir hergeschoben, mit welcher Plattform ich ins neue Semester gehen möchte. Ziel: Ein virtueller Hörsaal, in dem ich Materialien mit Studenten teile, in dem sie Artikel gemeinsam schreiben können und der das Management von einfachen Projekten unterstützt. Gestern habe ich mich nun nach langem Hin und Her für Google Sites (so nennt Google das, was für mich ein Wiki ist) entschieden. Eine Menge Infos habe ich dort nun schon hinterlegt - just, um jetzt in die Röhre zu schauen. Denn seit einem ganzen Weilchen erreiche ich gar keinen Service von Google. Kein Mail. Keine Suchmaschine. Keine Sites. Kein virtueller Hörsaal.

Eigentlich war mir unbewusst klar, dass man sich nicht zu abhängig machen sollte von einem Anbieter, und ich hätte gewarnt sein können. Auf der anderen Seite hat mir gerade die Integration verschiedener Dienste wie Kalender, Docs und Wiki besonders gefallen. Und irgendwie hat mir das (und ein paar Features) ein kleines bisschen besser gefallen als andere gehostete Wikis. Ironie des Schicksals: Ich hatte mich gegen Zoho entschieden, weil ich mir von Google im Vergleich eine zuverlässigere Erreichbarkeit versprochen habe.

Nun denn, dann mal abwarten, wie lange das dauert. Wie ich erfahren habe, scheint Google in München keine Probleme zu haben. Und ja: Auch unser eigener Server, auf dem ich mit einer eigenen Wiki-Installation vor längerem begonnen hatte, hatte manchmal Schluckauf und andere Probleme.

Falls ich jemals wieder Zugriff auf die Sites bekomme, stelle ich sie auch ausführlicher vor, versprochen.

Update: Frank Helmschrott meint, das Ganze liege an der Telekom, und natürlich haben viele andere das Problem schon lange beschrieben.

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StudiVZ und Google testen Grenzen aus

14 Dezember 2007 · 2 Comments

Zwei Themen bewegten heute auffällig viele Blogger: Die neuen AGB des StudiVZ, die in Augen von Kritikern nur den Schluss lassen, seinen Account schnellstmöglich zu löschen und eine Ankündigung von Google, die sich wie ein Frontalangriff auf Wikipedia liest. Zu StudiVZ wurde schon allerorten und viel geschrieben. Kurzfassung: Es wird mit je nach Leseart grenzwertigen oder grenzüberschreitenden Mitteln versucht, Geld mit den vielen Mitgliedsdaten zu verdienen. Hierzu kann sich jeder sein eigenes Bild machen. In der Diskussion um das Google-Projekt Knol kommt mir jedoch eine Frage zu kurz: Missbrauchen die ihre Macht?

Worum geht es? Google möchte eine Plattform aufbauen, auf der jeder zum Experten werden und Artikel zu beliebigen Thema schreiben kann. Also eine neue Online-Enzyklopädie. Allerdings ohne Wiki-Gedanke - sprich: Die Artikel können kommentiert und bewertet werden, aber die Autoren werden stark in den Vordergrund gerückt. Das Kalkül ist einfach: Die Knol-Autoren können digitale Reputation erwerben, und das ist natürlich einiges wert und könnte viele motivieren mitzumachen. Sogar ein paar Werbeeinnahmen winken. Neben Hobbyautoren und echten Experten dürften sich in diesem Umfeld bald eine Menge SEOnauten tummeln. Ob SEO-Artikel in Knol durch Bewertungen und Kommentare zuverlässig relativiert werden, bezweifle ich - spätestens, wenn man sich thematisch im Long Tail bewegt, dürfte vieles unbeobachtet bleiben.

Noch seltsamer erscheint mir aber: Ein marktdominierender Suchmaschinenbetreiber wird hier zum Informationsanbieter. Der sogar ganz offen zugibt, dass die auf der eigenen Plattform produzierten Informationen in der hauseigenen Suche bevorzugt werden sollen. Damit überschreitet Google für mich eine Grenze: Denn bisher hatte Google wie jeder Suchmaschinenbetreiber vor sich her getragen, alles zu tun, um möglichst gute Suchergebnisse zu liefern - zumindest der Anschein versuchter Neutralität dürfte in den Köpfen der meisten Nutzer existieren. Werden nun aber eigene Inhalte bevorzugt, wird das Prinzip Suchmaschine in meinen Augen ad absurdum geführt. Irgendwie erscheint mir das, wie wenn ein Automobilhersteller eine wichtige Autobahn kaufte und für die Fahrer seiner Marke die Überholspur reservierte.

Ob diese Google-Idee von den Nutzern akzeptiert wird? Mir scheint es, als ob gerade viel zu viele Online-Läden ihre Grenzen austesten wollen - ob sie nun Google, Facebook oder StudiVZ heißen. Aber klar, der Druck, endlich mal Geld zu verdienen (oder noch mehr), wächst.

Categories: Netz-News
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