Einträge mit dem TagSocial Web
Auf der Euroblog-Konferenz hat David Weinberger, Co-Autor des Cluetrain-Manifests, seine Liebeserklärung abgegeben: Wenn er könnte, würde er das Internet heiraten und Kinder mit ihm bekommen. Nun, das ist seine Formulierung. Aber eine kleine Liebeserklärung an “das Netz” kann ich heute auch abgeben. Ich weiß nicht, wie oft ich in den vergangenen Tagen Hilfe aus dem Netz erhalten habe. Damit meine ich weniger Suchmaschinen (von den erwarte ich das), sondern die Menschen (denen ich dankbar bin), die für mich “das Netz” ausmachen, mein soziales Netz, in dem sich genauso Menschen tummeln, die ich noch nie gesehen habe wie auch gute Freunde. Mein neuestes kleines Aha-Erlebnis (eines von mehreren heute) betrifft die neue Meta-Suchmaschine QuadSearch.
Auf diese bin ich in meinen Feeds gestoßen - genauer: im Dr. Web Weblog. Ich habe mir die Suchmaschine kurz angeschaut - und für interessant befunden. Schließlich sollte man sich nicht allein auf das große G verlassen. Als überzeugter Firefox-Nutzer habe ich gleich geschaut, ob es ein Add on gibt, mit dem ich die Suchmaschine so integrieren kann, dass ich sie direkt über das Suchfenster oben rechts nutzen kann. Fündig wurde ich nicht. Egal. Den Artikel zur Suchmaschine habe ich trotzdem gebookmarked und im Kommentar angemerkt, dass es noch kein Add on gibt. Das Schöne: Es dauerte nur wenige Minuten, da erhielt ich von Markus Trapp, der offenbar meine Bookmarks abonniert hat, eine nette Mail mit einem Tipp, wie man jede Suchmaschine in den Firefox integrieren kann: mit OpenSearchFox. Wie das genau funktioniert, hat er hier beschrieben.
Abgesehen davon, dass ich SearchQuad und OpenSearchFox an dieser Stelle weiterempfehlen möchte, zeigt die kleine Geschichte die Stärke des Social Web - vorausgesetzt, jeder Teilnehmer ist bereit, zu etwas geben. Genau über diese Grundeinstellung habe ich vorgestern mit Studenten in Bezug auf die Nutzung unseres Wikis gesprochen. Dass Offenheit eine Gratwanderung ist und die Offenlegung von Privatem bestimmt nicht meint, sollte allerdings nicht vergessen werden.
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Es ist höchste Zeit, dass ich kurz drei neue Bücher zum Socialweb vorstelle, die noch ziemlich frisch auf meinem Schreibtisch liegen. Das Schöne ist, dass sie aus mehreren Perspektiven mit verschiedenen Zielen geschrieben sind. Klar ist, dass das Mitmachweb ganz unterschiedliche Disziplinen beschäftigt und ihnen reichlich Nahrung gibt. Denn es hat beispielsweise auf die öffentliche Kommunikation genauso Auswirkungen wie auf Wertschöpfungsprozesse.
Letztere stehen beim ersten vorzustellenden Werk im Vordergrund: “Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien” heißt der von Bertold Hass, Gianfranco Walsh und Thomas Kilian von der Universität Koblenz-Landau herausgegebene Sammelband. Der Band hat eine klare betriebswirtschaftliche Ausrichtung. In ihm werden viele Grundlagen zum Web 2.0 erläutert - beispielsweise auch Geschäftsmodelle von Social Networking-Plattformen. Aber wenn die Autoren von “Medien” sprechen, dann meinen sie die Wertschöpfung von Medienunternehmen - etwa die Frage, wie User-Generated Content in diesem Sinne genutzt werden kann und dass Marketing absatzsteigernd wirken soll, ist klar. Fragen der Öffentlichkeit werden dagegen nur am Rande angesprochen. Neben Grundsatzartikeln wartet der Band auch mit einigen Fallbeispielen zum Einsatz von Web 2.0-Anwendungen in Unternehmen und Verwaltung auf. Aus meiner Sicht ist das Buch besonders für Marketing-Leute in der Praxis interessant. (Eine Rezension von mir erscheint dazu in der nächsten “Publizistik“.)
Ebenfalls an Praktiker wendet sich Melanie Huber (Blog) mit “Kommunikation im Web 2.0″. Sie spricht allerdings eindeutig PR-Leute an. Hier geht es ganz praktisch um einen Überblick zu Web 2.0, dessen Anwendungen und deren Bedeutung für die PR. Wer erfahren möchte, wie das mit Podcasts, RSS, Twitter etc. funktioniert und wie dies die PR verändert, findet bei Huber nicht nur Erklärungen, sondern auch Beispiele zuhauf. Man merkt: Die Autorin kennt die Entwicklungen der vergangenen Monate im Detail. Bezüge zu eher theoretischen Diskussionen oder zur Forschung allgemein sind dagegen die Ausnahme. Als Zielgruppe würde ich PR-Praktiker sehen, die gerade ins Thema einsteigen, es verstehen wollen und Anregungen für die eigene Arbeit suchen.
Ebenfalls noch ziemlich frisch aus der Druckerpresse ist das zweibändige Werk “Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web”, herausgegeben von Ansgar Zerfaß (Blog), Martin Welker (beide Uni Leipzig) und Jan Schmidt (Bredow-Institut, Blog). Das Ganze ist in der Reihe “Neue Schriften zur Online-Forschung” der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) erschienen. Hier geht es also klar um Forschung, genauer: Um eine Bestandsaufnahme der Forschung zum Social Web. Der erste Band dreht sich um die Grundlagen des Social Web: den Wandel von Öffentlichkeiten, “aktive Rezipienten” (seltsamer Begriff, stammt aus der Überschrift einer Rubrik - ich hätte “aktive Nutzer” erwartet) sowie um das Social Web als Forschungsinstrument. Im zweiten Band wird dagegen die Forschung zu praktischen Anwendungen vorgestellt: Der Bogen reicht von der journalistischen Recherche im Netz über Medienwatchblogs bis zu Social Software in politischen Kampagnen oder Podcasts, Wikis und Co. in der Unternehmenskommunikation. Beide Bände zusammen genommen sind sicherlich Pflicht für alle, die sich wissenschaftlich mit dem Social Web beschäftigen, der zweite Band ist aber auch für Praktiker, die den Einsatz von Social Media in Redaktionen, Unternehmen oder der Politik planen, interessant.
Hier noch die kompletten bibliographischen Angaben:
- Hass, Berthold; Walsh, Gianfranco; Kilian, Thomas (Hrsg.) (2008): Web 2.0. Neue Perspektiven für Marketing und Medien, Berlin, Heidelberg: Springer, 348 Seiten, 64,95 Euro.
- Huber, Melanie (2008): Kommunikation im Web 2.0, Konstanz: UVK, 226 Seiten, 24,90 Euro.
- Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 1: Grundlagen und Methoden - Von der Gesellschaft zum Individuum, Köln: Herbert von Halem, 400 Seiten, 27,50 Euro
- Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 2: Strategien und Anwendungen: Perspektiven für Wirtschaft, Politik und Publizistik. Köln: Herbert von Halem, 496 Seiten, 29,50 Euro
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Social Networks kosten Zeit. Und weil diese endlich ist, ist die Grenze des Wachstums der Social Network-Landkarte vermutlich bald erreicht. Ob das Mitnehmen von Daten von einem Netzwerk ins andere wirklich von den Großen als Option gesehen wird? Zumindest sind Mitarbeiter von Plaxo, Facebook und Google der Data Portability Workgroup beigetreten.
Kurz zum Problem: Jenseits des Spieltriebs überlege ich mir, was ich davon habe, ein digitales soziales Netz aufzubauen und zu pflegen. Und noch eines. Und noch eines. Bei mir ist die Müdigkeit bereits nach drei sozialen Netzwerken eingekehrt: Xing, Facebook, Twitter erfüllen meinem Bedarf an Vernetzung vollkommen. Und auch sie sind mir manchmal fast zu viel. Einladungen zu anderen Netzwerken nehme ich zur Zeit nicht an. Das geht natürlich auch anderen so, wie Robert Basic in einer sehr treffenden Betrachtung der Thematik erläutert. Denn selbst wenn ich einen großen Teil meiner Bekannten im nächsten Netzwerk wiedertreffe, muss ich alle Kontakte in jedem Netz mühsam wieder aufbauen. Ein derzeit oft diskutierter Ausweg ist der, dass den Mitgliedern eines Netzwerks ermöglicht wird, ihre Kontakte in ein anderes mitzunehmen - wider die Geiselhaft der Daten meiner Freunde.
Zwei Überlegungen dazu:
- Auch wenn sich die Data Portability Workgroup nun über namhafte neue Mitglieder freut: Ich vermag nicht einzuschätzen, ob diese tatsächlich den Zaun um die Daten einreißen möchten. Es gibt oft genug Standardisierungsgremien und Arbeitsgruppen, denen ein Unternehmen beitritt, nur um zu sehen, was dort diskutiert wird bzw. um diese Gruppe im eigenen Sinne zu beeinflussen, wie auch Charlene Li von Forrester anmerkt. Reine Spekulation im Moment; die Zeit wird’s zeigen.
- Selbst wenn ich die Daten meiner Freunde mitnehmen kann: Was habe ich davon, nach Facebook nun auch zu Plaxo zu gehen und dort die selben Leute zu treffen? Sinn hat das Ganze aus meiner Sicht nur, wenn ich unterschiedliche soziale Netzwerke für unterschiedliche soziale Rollen nutzen kann. Wenn ich z.B. neben einem Business-Network eines für meine Lieblingssportart habe und eines für irgendein anderes mir wichtiges Hobby - und vielleicht eines für heimarbeitende Väter mit Kind und Hund. Doch selbst in einer solchen Konstellation muss mir das Netzwerk mehr bieten, als mein Nachbar, bei dem ich klingle, um mich zum Sport zu verabreden oder der mal den Hund ausführen kann. Ach so, ich hab ja gar keinen … Hund.
Bin sehr gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Potenziale für spezialisierte Netzwerke sehe im Moment am ehesten. Wobei die damit leben müssten, weit weniger Wachstumsmöglichkeiten zu haben als Facebook & Co. - was vermutlich nur zwei Geschäftsmodelle zulässt: Die Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen. Oder durch Unternehmen, die das Ganze als Marketingmaßnahme starten. Dass letzteres auch nicht ohne Risiko ist, ist eine andere Geschichte…
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Herausforderung des Monats: PR für Facebook
Update (11.30 Uhr): Sehe gerade einen guten Artikel auf taz online zum Thema
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