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Online-Strategie: Twitter sinnvoll einbinden

22 Mai 2009 · 3 Kommentare

Alle paar Tage tauchen neue Twitteraccounts von Unternehmen und Organisationen auf, bei denen der Einsatz des Microblogging-Dienstes klar im Rahmen der Online-PR erfolgt. Wie bei allen Social Media Aktivitäten stellt sich zunächst die Frage des inhaltlichen Konzepts. Hier ist auch festzulegen, an wen sich das Ganze wendet (Stakeholder). Auf diese Fragen will ich aber hier gar nicht eingehen,  sondern auf einfache Möglichkeiten einer Verknüpfung von Twitter zu anderen Online-Maßnahmen. Es geht also nicht nur darum, eine Strategie für das Twittern zu entwickeln, sondern Twitter in eine Online-Strategie einzubetten.  Eine sehr gute Anleitung zum grundsätzlichen Einstieg in Twitter hat Mirko Lange geschrieben. Ich möchte mit vier kleinen Tipps vor allem Unternehmen und Organisationen dazu anregen, Twitter nicht isoliert zu sehen.

Betrachten wir zunächst zwei neuere Beispiele für Twitter in der Online-PR: Am Montag hat ein Krankenhaus in Dallas eine Transplantation live auf Twitter begleitet. Das Ganze sollte auf die Notwendigkeit von Organspenden hinweisen. Die Grundüberlegung dazu ist nachvollziehbar: Durch authentische Kommunikation sollte eine Identifikation mit einem kranken Jungen, der eine Organspende seines Vaters erhielt, hergestellt werden. Ob das Konzept jedem sympathisch ist, ist eine andere Frage. Im Moment hat der Account immerhin etwas mehr als 2.400 Follower, eine gewisse Aufmerksamkeit besteht also.

Ein anderes Beispiel: Seit dieser Woche twittert unter Daimler_BI die Abteilung „Business Innovation“ von Daimler. Die Abteilung war bisher fast nur firmenintern in Erscheinung getreten. Eines ihrer wichtigen Projekte ist eine Innovationsplattform, also eine Website, auf der Daimler-Mitarbeiter neue Geschäftsideen vorschlagen und bewerten können. Twitter ist nun ein erster Ansatz einer Vernetzung nach außen und ein möglicher Baustein für eine Twitterstrategie des Konzerns.

Ein paar Kleinigkeiten sind mir an diesen Beispielen aufgefallen. Als erstes: Da Twitter einen steten Informationsfluss herstellt, ist zu erwarten, dass  die meisten User auf einen Account stoßen, wenn der erste Tweet längst nicht mehr einfach auffindbar ist. Das bedeutet, dass für einen zufälligen Besucher immer schnell klar sein muss, worum es bei einem Twitter-Strom geht. Hierzu gibt es bekanntlich die kurze Biographie sowie die Möglichkeit, einen Link zu platzieren. Ziel sollte sein, zu jedem Zeitpunkt dem Besucher schnell inhaltliche Orientierung zu geben: Worum geht es hier? Zum anderen muss dem Besucher die Beurteilung der Echtheit eines Accounts erleichtert werden.Und schließlich geht es darum, Mehrwert aus den eigenen Twitter-Aktivitäten zu schöpfen.

Wie kann dies erreicht werden? Mir sind für den Anfang vier Ansätze eingefallen:

Tipp 1: Ich würde nicht automatisch vom Twitter-Profil auf die Startseite einer Corporate Website linken, zumal wenn eine Abteilung twittert oder Twitter eine Kampagne begleitet. Denn als Leser wünsche ich mir, vom Twitter-Account des Kinderkrankenhauses direkt zur Info über die Aktion zu stoßen. In anderen Worten: In vielen Fällen macht erst eine Landing Page oder eine Microsite eine Twitter-Strategie komplett. Vor allem für Kampagnen gilt: Auf einer solchen Seite könnte nicht nur zur Aktion informiert werden, sondern den Besuchern aufgezeigt werden, wie sie selbst handeln können, also z.B. zum Organspender werden. Eine solche Landing Page oder Microsite sollte dann auch zum Ankerpunkt für andere Social Media-Aktivitäten genutzt werden. Falls das erst mal nicht denkbar ist: Daimler hat sich damit beholfen, im Twitter-Profil einen Beitrag aus dem Daimler-Blog zu verlinken, in dem die nun twitternde Abteilung vorgestellt wird, da auf der Corporate Website zu diesem Thema nichts zu finden ist. So wird zumindest die sehr begrenzte Bio auf Twitter ergänzt.

Tipp 2: In Twitter geht es um Gespräche. Damit schon auf ersten Blick, also auf Twitter, erkennbar ist, wer hinter einem Account steckt, sollte nicht nur der Name der Organisation, sondern auch der der Autoren genannt werden. Wird über ein Event oder im Rahmen einer Kampagne getwittert, halte ich es auch für sinnvoll, die Kurzbio zeitweise anzupassen und das Thema aufzugreifen.

Tipp 3: Echt oder Fake? In vielen Fällen hat sich schon herausgestellt, dass ein offiziell aussehender Twitter-Account eben doch gefakt ist. Neben der vorsorglichen Sicherung relevanter Twitter-Accounts (also z.B. zu Markennamen) würde ich als aktiv twitternde Organisation auf meiner Website gut sichtbar die eigenen Twitter-Accounts und weitere Social Media-Aktivitäten auflisten und verlinken. So wird für jeden schnell überprüfbar, welche Accounts offiziell sind und welche nicht.

Tipp 4 knüpft hieran an und beschäftigt sich mit Content Syndication: Besonders schick wäre natürlich, den oder die Twitter-Ströme (und andere Social Media-Aktivitäen) via RSS auf die eigene Website zu ziehen. Je nach Kommunikationsziel kann es sich dabei um die Corporate Website handeln, die so Aktualität bekommt, aber z.B. auch um eine Microsite zu einer Kampagne. Neben der Aktualität auf der Website steuert eine solche Maßnahme natürlich Aufmerksamkeit (und Traffic) und vermittelt vor allem die aus PR-Sicht wichtige Botschaft, dass und wo Interessierte mit einem Unternehmen/einer Organisation im Netz interagieren können. Noch ein Schritt weiter gedacht: Der Aufwand, zusätzlich andere Plattformen mit ihren eigenen Communities zu bedienen, ist verhältnismäßig gering, wenn auf Twitter oder in einem Blog schon mal Content entsteht. So könnte beispielsweise der Twitter-Feed gleich für FriendFeed mitgenutzt werden. Als Minimalprogramm würde ich dies noch um Social Bookmarks ergänzen. Weitere Hintergründe zu Content Syndication finden sich  z.B. hier (via)

So, soweit zu meinen 2 Cent. Nun bin ich neugierig, welche weitergehenden Vorschläge Sie haben, um Twitter in eine Online-Strategie einzubetten …

Kategorien: Online-PR · Socialweb
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Twitter in der Lehre: Ein paar Erfahrungen

3 März 2009 · 11 Kommentare

Wie berichtet, habe ich im vergangenen Semester meine Studenten mit sanftem Druck dazu gebracht, Twitter zu nutzen. Eingebunden war das Ganze in ein  Seminar zu PR, in dem wir Twitter ausführlich besprochen hatten. Im Laufe des Semesters haben wir Twitter dann auch als PR-Kanal genutzt, der unsere Tagung „Zukunft Online-PR“ begleitet hat, und schließlich nutzen einige andere Studenten unseres Studiengangs schon seit längerem und auf eigene Initiative den Microblogging-Dienst. Höchste Zeit, ein paar Einschätzungen dazu zu notieren – schließlich entdecken gerade ganz große Blätter das Thema – und gehen etwas seltsam heran. Kurz zusammengefasst meine 2 Cent: Twittern kann das Lernen über den Seminarraum hinaus erweitern, es kann auch für Studenten ein Instrument sein, um Online-Reputation aufzubauen, und es erfordert ein gutes Gespür für Öffentlichkeit und Privatheit.

Nun zur Langversion: Zunächst stellt sich natürlich die Frage, was Twitter denn in der Lehre soll und wie man es nutzen könnte. Dies wurde ja schon verschiedentlich diskutiert. Für unseren Studiengang Online-Journalismus sehe ich mehrere Motivationen, Twitter zu nutzen. Die drei wichtigsten:

  • Unsere Studenten wollen sich als Online-Journalisten oder Online-PR-Leute qualifizieren. Twitter zu verstehen, ist für beide Gruppen aus meiner Sicht inzwischen eine Standardanforderung. Denn nur wer Twitter versteht, kann entscheiden, ob es ein sinnvolles Nutzungsmodell für eine Redaktion bzw. im Rahmen der PR gibt – egal, ob zur Recherche oder zur aktiven Nutzung.
  • Twitter ist ein Kommunikatonskanal, der rund um jeden Nutzer ein soziales Netz schafft. Damit lässt sich Twitter zum Aufbau von Reputation nutzen.
  • Twitter eignet sich zur Gruppenkommunikation, so dass Studenten darin untereinander und mit ihren Dozenten kommunizieren können. Beispiele sind simple Absprachen, Erinnerungen an Aufgaben, aber auch Nachfragen, Lesetipps etc.

Wie nun haben wir Twitter im PR-Schwerpunkt formal in die Lehre integriert? Hier war ich zunächst unsicher: Denn bloggen sollen meine Studenten schon seit 2005, und dort bewerte ich die Leistung nach verschiedenen Kriterien (z.B. Themenwahl, Darstellung, Vernetzung, Umgang mit Kommentaren). Ich habe die erste Idee, dieses Modell einfach auf Twitter zu übertragen, verworfen. Zu groß schien mir die Hürde bzw. der Druck, und ich wollte einen möglichst großen Teil der Studenten erreichen. Statt dessen sollte es genügen, dass sich die Studenten auf Twitter einlassen, es sich erschließen und Erfahrungen sammeln – ohne Vorgabe, wie es zu nutzen sei. Also war es eine explorative Aufgabe, über die zum Ende des Semesters eine reflexion zu schreiben war, die dann zeigen sollte, wie die Auseinandersetzung mit dem Thema war. Was getwittert wurde, spielte also keine Rolle.

Nach Lektüre aller Reflexionen und einem Rekapitulieren der Twitteraktivitäten sind mir grob drei Nutzertypen unter den Studenten aufgefallen:

  • Ein gutes Drittel der Studenten war regelrecht angesteckt und nutzt Twitter noch immer und intensiv. Nach meinem Gefühl mit viel Spaß, aber auch, um sich ganz konsequent zu positionieren. Diese Gruppe nutzt Twitter aus meiner Sicht sehr professionell: Hier wechseln sich interessante Lesetipps, Dialoge, Persönliches (nicht aber zu Privates) ab. Gleichzeitig wurde Twitter für sie zu einer wichtigen Quelle zu aktuellen Informationen und zu einem Raum, in dem man auch mal eine Frage beantwortet bekommt. 150 bis 350 Follower – und häufig positive Rückmeldungen – sind sichtbare Folgen; eine Studentin bekam sogar ein Jobangebot über Twitter.
  • Ein anderes Drittel der Studenten hatte es ernsthaft mit Twitter versucht und zeitweilig auch etwas Spaß damit. Inzwischen sind sie jedoch kaum mehr sichtbar – keine Zeit, keine Themen. Bei diesen Nutzern kann ich mir gut vorstellen, dass sie Twitter in einem Projekt einmal erfolgreich einsetzen können. Aufgefallen ist mir, dass diese Nutzer vor allem untereinander vernetzt sind, sie aber keinen so systematischen Ausbau ihres sozialen Netzes – etwa in die Praxis hinein – verfolgt haben.
  • Die anderen schließlich sind die „Gezwungenen“, die es versucht haben, weil sie mussten, aber feststellten, dass Twitter für sie einfach nichts ist (oder sich nicht wirklich auf das Experiment einlassen wollten/konnten) – wobei offenbar einige von ihnen im Sinne von Lurkern doch viel Kommunikation verfolgen.  Es kann gut sein, dass sie Twitter später einmal nutzen – vielleicht erledigt sich das Thema ja aber auch vorher von selbst.

Welche Schlüsse kann man nun nach einem Semester mit einer größeren Studentengruppe (naja, 16 waren im Kurs) bei Twitter ziehen? Inhaltlich sehe ich zwei ganz große Herausforderungen für angehende Medienprofis: Zum einen natürlich die Frage, wie man es schafft, nicht nur Zustandsbeschreibungen à la „Sitze am Referat über….“ zu schreiben. Die haben zwar ihre Berechtigung, aber man muss für sein Netz auch immer wieder Werte schaffen – es informieren oder unterhalten. Hier hilft aus meiner Sicht nur, die richtigen Informationsflüsse zu finden und diese regelmäßig zu verfolgen. So wie man früher als guter Journalist den Tag mit der Lektüre von fünf  Zeitungen begonnen hat, muss man heute die richtigen Feeds lesen (und sollte dennoch Print nicht aufgeben).

Die andere Herausforderung ist die Trennung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Jeder, der twittert, muss wissen, dass er Öffentlichkeit herstellt. Und zwar dauerhafte und grenzenlose. Dahinter verbirgt sich die Frage: „Was kann ich über mich oder andere twittern und was nicht?“ Gerade zu diesem Thema und zur Frage von Rollen, die wir spielen, haben wir am intensivsten diskutiert. Zum Glück, denn das hat nach meinem Gefühl größere Unfälle verhindert. Dennoch sind ein paar Tweets geschrieben worden, die aus meiner Sicht grenzwertig waren (für die Autoren) – etwa über Krankheiten. Wobei die Gruppe hier hervorragend reagiert hat: Während die einen durch dezente Hinweise den Autoren gewarnt haben, haben andere durch geschickte Folgetweets einiges wieder ins Lot gebracht.

Kleiner Einschub: Teilweise intensivere Diskussionen hatten wir im Studiengang zur Frage der Öffentlichkeit von Lehrveranstaltungen. Kann man einfach aus einer Lehrveranstaltung heraus twittern? Womöglich jemanden klar erkennbar zitieren? Einen Komilitonen? Den Prof? Interessanterweise sind damit bei den PR-Studenten nie Probleme aufgetreten, sie berichteten aus Lehrveranstaltungen beschreibend („wir diskutieren gerade über…“) – oft wurde das Ganze auch bereichert, etwa, wenn während der Diskussion oder ein paar Stunden danach noch auf interessante Veröffentlichungen zum Thema hingewiesen wurde. Das war genau das, was ich mir erhofft hatte. Ich vermute, dass dies geklappt hat, lag vor allem daran, dass wir vor dem Twittern sehr intensiv über Twitter, Öffentlichkeit und Reputation gesprochen haben.Ungut wurde das Ganze jedoch, wenn – wie ein wenigen Einzelfällen und in anderen Zusammenhängen geschehen – ein Gastreferent tiefe Einblicke in sein Arbeitsleben gibt oder ein Student aus dem Praktikum bei einer bestimmten Redaktion berichtet und alles live ins Netz getippt wird. Hierzu hatten wir im Kollegium und mit Studenten mehrfach gesprochen. Unser Diskussionsstand: Twitter darf  nicht die Privatsphäre einzelner angreifen bzw. Privates und/oder Vertrauliches ungefragt in die Öffentlichkeit bringen. Das bedeutet, dass eine Diskussion in einer Lehrveranstaltung im Gegensatz zu einer öffentlichen Konferenz nicht einfach via Twitter nach außen getragen werden soll – schon gar nicht, wenn Teilnehmer erkennbar zitiert werden. Denn weder Studenten noch Dozenten sind öffentliche Personen – und Lernen bedeutet auch im Journalismus-Umfeld nicht, immer Öffentlichkeit herzustellen, sondern auch, bestimmte Dinge im geschlossenen Raum üben oder diskutieren zu können.

Doch alles in allem halte ich den Einsatz von Twitter in unserem Studiengang nach wie vor für sehr sinnvoll. Den Hauptnutzen sehe ich darin, dass Studierende im Netz Präsenz zeigen und beweisen können, dass sie Online-Kommunikation verstehen und nutzen. Noch nie war es so einfach, sich nicht nur untereinander als Gruppe auch außerhalb des Hörsaals zu vernetzen, sondern auch mit Menschen, an die man früher kaum herangekommen wäre. Und ich halte das Erweitern des Lernens für einen enormen Gewinn: Lernen, entdecken, diskutieren funktioniert eben nicht nur im Takt des Stundenplans, sondern hat eigene Rhythmen. Twitter erlaubt diese Rhythmen und schafft im Idealfall eine sehr viel tiefer gehende, weil umfassendere Lernsituation. Übrigens nicht nur für Studenten, sondern für jeden für uns – schließlich hört das Lernen nie auf. (Wobei das Lernen mit Twitter aus meiner Sicht ein Lernen auf Fachebene und soziales Lernen zusammenbringen kann).

Für die effektive Twitter-Nutzung halte ich aber ein ins Kalte-Wasser-Springen inzwischen nicht mehr für ausreichend, sondern sehe Dozenten und erfahrenere Studenten gefordert, um Einsteiger zu coachen (ok, es gibt auch hilfreiche Leitfäden). Denn seit Twitter rasend wächst, muss man einiges wissen, damit man sich dort erfolgreich bewegen kann und nach dem Einrichten eines Accounts nicht gleich als uninteressant wahrgenommen wird oder sich gar schadet.

Für einige Szenarien in der Lehre scheinen mir übrigens andere Microblogging-Dienste als Twitter geeigneter: Denn manchmal wünsche ich mir eben einen geschlossenen virtuellen Gruppenraum. Dann kann ich mir Microblogging auch hervorragend fürs Projektmanagement vorstellen oder darin Aufgaben diskutieren etc. – denn in einigen Szenarien will ich der Gruppe und mir die Öffentlichkeit ersparen – und meinen anderen Followern Kommunikation, die sie nicht interessiert. Am liebsten hätte ich ein solches Microblogging per Widget auch in ein internes Wiki integriert. Aber das führt jetzt zu weit…

Statt dessen verweise ich noch auf die Sicht der Studenten: Dankenswerterweise hat vor einigen Wochen schon ein Kommilitone ein paar Studenten meines Kurses zu ihren Einschätzungen zur Twitter-Nutzung in der Lehre befragt.

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Information Overload? Mit TweetDeck und GMail besser durch die Fluten

6 Februar 2009 · 16 Kommentare

Irgendwie tauchte das Thema „Infoflut“ in einigen Gesprächen der vergangenen Tage immer wieder auf. Klar, das Thema ist für praktisch jeden von uns erlebbar. Dabei ist das Bedürfnis groß, sich Tipps zu holen – schließlich ist wahrscheinlich, dass man noch einiges verbessern kann. Deshalb habe ich hier paar meiner Versuche notiert – in der Hoffnung auf weitere Anregungen in den Kommentaren ;-)

Mittlerweile sind Twitter, Mail und Instant Messaging meine wichtigsten Kommunikationskanäle. Mein Problem mit allen: Das persönliche Netzwerk wächst ständig. Sprich: Immer mehr Nachrichten von immer mehr Leuten (und Diensten). Die große Herausforderung: Wie sortiere ich Unwichtiges von Wichtigem? Zwei Tools helfen mir dabei nun recht gut: Für Twitter seit einiger Zeit schon TweetDeck und bei den Mails scheinen die gerade erst vorgestellten Multiple Inboxes für GMail gute Sortierdienste zu leisten.

Wie lassen sich die Tools nun genau einsetzen?

Twitter: Ich gebe zu, irgendwann bei 300 Abos begann der Leidensdruck – im Moment folge ich gut 400 anderen Twitterati. Das bedeutet, dass in manchen Phasen ununterbrochen Tweets auf den Bildschirm schwappen. Viel mehr, als man ich lesen kann. Erst habe ich die Abruffrequenz meines bis dahin liebsten Clients Twhirl verringert, inzwischen nutze ich dieses immer wieder aufpoppende Programm praktisch nicht mehr. Grund dafür ist TweetDeck, ein Twitterclient, der in den letzten Wochen in meinem Bekanntenkreis populär geworden ist. Hier lassen sich Informationsströme spaltenweise verfolgen: Meine News teile ich zum Beispiel in neun Ströme auf. So verwirrend das im ersten Moment zu sein scheint, so zufrieden bin ich damit. Um ein paar Beispiele zu geben: In eine Spalte laufen alle Tweets meines Netzwerkes. Dort schaue ich nur sporadisch rein. Die mir wichtigste Spalte jedoch ist die Spalte, in der ich die User gruppiert habe, die mir als Informationsgeber am wichtigsten sind. Sie bilden mein persönliches News-Netzwerk. Darin sind gerade so ein Dutzend Kontakte („Favoriten“). Eine weitere Gruppe heißt „Hochschule“. Darin sind (ehemalige) Studenten sowie meine Kollegen. Weitere Spalten gibt es für Direktnachrichten und Antworten sowie für bestimmte Suchbegriffe, beispielsweise zu Events oder Themen, die mich interessieren. Das Schöne ist, dass man bei Tweetdeck solche Gruppierungen bzw. Themenströme beliebig selbst zusammenbauen kann. Insgesamt habe ich das Gefühl, Twittermeldungen  so ganz gut in Bahnen lenken zu können: Wenn mal mehr Zeit ist, schaue ich in alle Spalten, habe ich weniger Zeit, schaue ich nur eine oder zwei an und – na klar – über unterschiedlich lange Phasen ignoriere ich das Ganze. Mobil nutze ich Twitter (derzeit) überhaupt nicht.

E-Mail: Natürlich ist man in den meisten Betrieben – so auch an unserer Hochschule – an das dort eingerichtete System gebunden. Dennoch dürften die meisten Nutzer viele andere Mails zu managen haben. Hier ist – allen Unwohlseins gegenüber Google zum Trotz – mein Favorit im Moment GMail. Schon seit längerem arbeite ich dort mit Labels, von denen ich wie beim Tagging mehrere pro Konversation vergeben kann. Und ich nutze intensiv die Filterfunktion. Newsletter, Beiträge aus Mailinglisten, Benachrichtigungen aus Content Management Systemen etc. verschwinden sofort und automatisch gelabelt im Archiv. Nur wenn Zeit ist bzw. bei Bedarf, schaue ich da rein. Sehr praktisch finde ich auch Funktionslabels. So habe ich irgendwann mal mit Labels wie „*Termin“, „**to do“ etc. zu arbeiten begonnen. Heute nun hat sich GMail für mein Empfinden TweetDeck angenähert: Denn mit den „multiple Inboxes“ hat man nun nicht mehr nur die normale Inbox im Blick, sondern man kann sich mehrere weitere Boxen anzeigen lassen. Kombiniert mit Filtern lassen sich so beispielsweise wieder die Nachrichten einer selbst definierten Gruppe anzeigen. Oder die mit „to do“ markierten Mails etc.

Unterm Strich habe ich nun das Gefühl, die Infoströme mit diesen Tools ein bisschen besser im Griff zu haben. Zumindest für eine Weile. Wie meinte Clay Shirky neulich in einem Interview? „Es gibt keinen Information Overload. Es gibt nur unzureichende Filter.“ Für mich gehört inzwischen zum Filtern übrigens auch, nur noch alle paar Tage in den Feedreader reinzuschauen und den Instant Messenger über längere Phasen komplett geschlossen zu halten. Was wirklich wichtig ist, erreicht mich auch irgendwie.

So, nun bin ich neugierig: Was ist Ihr wichtigster Deich gegen die Infoflut?

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Zukunft Online-PR: Die Agenda steht

19 Dezember 2008 · 6 Kommentare

Gerade noch rechtzeitig vor dem Fest ist sie nun festgezurrt, die Agenda zur Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009„, die am 29. Januar 2009 an unserem Dieburger Campus stattfinden wird. Geplant, vermarktet und organisiert wird die Tagung im Rahmen eines Projektseminars von vier meiner Studentinnen.

Im Gegensatz zur ersten Auflage von „Zukunft Online-PR“ wird es diesmal neben Vorträgen mit Diskussionen auch drei Workshops geben. Veranstaltet wird das Ganze vor allem für PR-Praktiker aus der (engeren oder weiteren) Region und Studenten, weshalb sich das Orga-Team gegen ein BarCamp entschieden hat.

Worum wird es gehen? Um Corporate Blogging bei Daimler (Uwe Knaus), die Online-Strategien von Greenpeace (Volker Gaßner), die Gatekeeper Suchmaschinen (Martin Goldmann) , Communities (Thomas Frick) und Newslettern (unsere Absolventin Michaela Hudi). Workshops gibt’s zu den Themen suchmaschinenoptimiertes Schreiben (Charly Kahle), Twitter (Olaf Kolbrück) und RSS (Heinz Wittenbrink). Den Rahmen bilden zwei eher wissenschaftliche Vorträge, und zwar von Jan Schmidt zur Öffentlichkeit im Wandel und einen Vortrag von mir zur Online-PR im Wandel.

Ich bin sehr optimistisch, dass das Ganze recht spannend werden kann. Dank der Sponsoren profilwerkstatt, Software AG und fraport sowie viel Entgegenkommen der Referenten (danke an alle!) kostet die Teilnahme nur 35 Euro; Studenten sind gratis dabei. Die Anmeldung ist bis 26. Januar 2009 hier möglich.

Wie es sich gehört, gibt es natürlich schon im Vorfeld einige Kommunikation zum Event, beispielsweise auf Twitter, eine Gruppe in Xing oder einen (Friend)Feed.

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Ein Infopaket zur Social Media Release im Mittelpunkt eines Lehrexperiments

7 November 2008 · 2 Kommentare

Was hat es eigentlich mit der Social Media Release (SMR) auf sich? Manche meinen ja, sie sei vollkommen überflüssig, Unternehmen oder NGOs solllten bloggen, twittern und gut ist. Andere halten die SMR für einen wichtigen Ansatz, der sogar in eine standardisierte Form gegossen gehört. Da sich hierzu jeder selbst eine Meinung bilden können sollte, sei hiermit auf ein Infopaket verwiesen, das ich hier auf Agglom zusammengebaut habe.

Die Idee solcher gebündelten Informationen habe ich in meinem länglichen Post zu Strömen und Paketen gestern bereits erklärt. Tatsächlich eingesetzt habe ich das Ganze ebenfalls gestern, und zwar in einem Lehrexperiment. Der Grazer Kollege Heinz Wittenbrink und ich hatten irgendwann im Sommer die Idee entwickelt, seine Grazer PR-Studenten und meine zusammenzubringen. Neben einer Hochschulpartnerschaft (inzwischen frisch unterschrieben) hatten wir die Idee, diesen Kontakt in einem Seminar herzustellen – allerdings ohne zu reisen. Leider war unser erster iChat-Versuch nicht erfolgreich (offenbar war irgendwo auf dem Weg zu wenig Bandbreite), so dass wir auf Skype und online bereit gestelltes Material ausgewichen sind. Da die Skypecasts nicht mehr angeboten werden, war das Ganze eher eine übertragene Vorlesung mit nur begrenzten Rückfrage- und Diskussionsmöglichkeiten – also noch nicht das Gelbe vom Ei (ich hatte vorgeschlagen, Twitter zu Diskussion und Rückfragen zu nutzen, aber das kompliziert die Kommunikation nur).

Was mir aber in der Vorbereitung sehr entgegen gekommen ist, waren die Online-Tools Slideshare und Agglom: Wer in das SMR-Paket auf Agglom schaut, findet darin die eingebundenen Folien, die ich für den Vortrag verwendet habe sowie – und das ist IMO ein schöner Zusatznutzen – die gebündelten Originalquellen (Websites, Beispiele, eine Diplomarbeit etc.). Somit sollte es eigentlich für jeden möglich sein, sich auch eigenständig zum Thema SMR ein Bild zu machen. (Hinweis: Zum Social Media Newsroom wird es demnächst von einer Studentin einen Artikel im PR-Wiki geben.)

Ich habe mir vorgenommen, in nächster Zeit ab und zu mal ein Infopaket zu einem PR-Thema zu schnüren, das dann öffentlich zugänglich ist. Und die PR-Agentur conosco hat gleich mal für ihren Kunden Adobe ein Infopaket auf Agglom gebastelt (es geht umTrainingsvideos zur Adobe Creative Suite 4).

Übrigens: Über Hinweise zu anderen Services für solche Pakete sowie Ideen zum besseren Zusammenspannen räumlich verteilter Teams freue ich mich. Typisch Hochschule: Kosten soll’s möglichst nichts.

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Ströme und Pakete – ein Essay

6 November 2008 · 9 Kommentare

Als ich vor einigen Wochen ein inzwischen längst laufendes Seminar zu Online-PR vorbereitet habe, sind mir zwei große Entwicklungslinien aufgefallen, die nach meinem Eindruck gerade im Netz eine besondere Rolle spielen: Informationsströme und -Pakete. Was verstehe ich darunter? Ich versuche beides anhand meiner eigenen Wahrnehmung, also sehr subjektiv, darzustellen. (Vorsicht, das wird ein längerer und nicht tagesaktueller Post.)

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links for 2008-10-18

18 Oktober 2008 · Kommentar schreiben

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Twitter-Lehrstunde

10 Oktober 2008 · 12 Kommentare

Schon lustig, welche Dynamiken im Netz manchmal entstehen. Und wenn es um Twitter geht, scheint manches noch viel schneller und wuchtiger abzulaufen. Wie angedeutet, haben wir – also die PR-Studenten unseres Studiengangs Online-Journalismus und ich – gestern einen Workshop zu Internet- Tools gemacht. Eines von vielen Themen: Twitter. Für alle spannend, für manche im ersten Moment fast erschreckend. Denn: Schon der erste Tweet kann für ziemliche Aufmerksamkeit sorgen – und beispielsweise Thema eines Blogbeitrags werden.

Was war geschehen?

Bereits im letzten Semester hatten wir vereinbart, dass in diesem Semester alle Studenten auch Erfahrungen mit Twitter sammeln sollten. Bis gestern vor dem Workshop hatte denn auch gut die Hälfte einen Account (nun fehlen wohl nur noch einer oder zwei). Im Workshop haben wir uns dann nochmal genauer angeschaut, wie die Kommunikation in Twitter funktioniert, welche Befehle es gibt, was Folliower oder Hashtags sind, welche Clients und Tools zu empfehlen sind. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich im gleichen Atemzug von Rollen im Internet gesprochen habe, davon, dass man ein Recht auf Pseudonymität bzw. Anonymität hat und sich z.B. in Twitter unter Pseudonym ein eher privates Netz und zusätzlich unter seinem Namen ein Netz aufbauen kann, dass der öffentlichen Online-Reputation dient bzw. diese eben nicht schädigt. Und dass man seinen Twitter-Strom auch innerhalb einer Gruppe belassen kann.

Wie ich solche Dinge erzähle und auch von Fake-Accounts bekannter Personen oder Marken, haben die Studenten natürlich angefangen, das alles mal auszuprobieren. So war’s ja auch gedacht. Einige haben den ersten Tweet ihres Lebens geschrieben.

Und dann sind wir angefüllt mit Infos in die Mittagspause gegangen.

Genau in dieser Zeit hat sich unser Tun wellenartig weiter bewegt: PR-Blogger Klaus Eck, dessen Twitterstrom ein paar Studenten nahezu gleichzeitig abonniert hatten, hat sich verwundert die Augen gerieben, wo denn plötzlich all die neuen Follower her stammen – und hat einen Blog-Post daraus gemacht. Der wiederum wurde innerhalb weniger Minuten ein paar Mal kommentiert, an ein paar Ecken wurde dazu auch in Twitter diskutiert.

Zurück von der Mittagspause war das für ein paar Studenten doch ein kleiner Schreck, andere waren auf Anhieb begeistert. Klaus hat ein wunderbares Lehr- und Selbsterfahrungsstück zum Thema Live-Kommunikation gegeben.

Kleiner Einschub: Inhaltlich hat er der Sache eine Zuspitzung gegeben, die möglicherweise missverstanden wird: Ausgangspunkt ist nicht unbedingt, ein bestimmtes Tool. Aber: Ich halte es für zwingend notwendig, Mechanismen der Online-Kommunikation zu kennen, nicht nur aus der Theorie heraus, sondern aus der eigenen Erfahrung, schließlich handelt es sichin unserem Fall um einen Studienschwerpunkt Online-PR. Das bedeutet aus meiner Sicht, dass die Studenten nicht nur wissen sollten, was z.B. eine Website ausmacht, was eine Microsite oder einen Newsletter. Sondern sie sollten u.a. Erfahrungen haben mit kollaborativem Arbeiten (etwa am Beispiel von Wikis), mit Personal Web Publishing (z.B. Blogs, Podcasts), Social Networks (z.B. Xing, Facebook etc.) oder Aggregation und Livekommunikation (z.B. Social Bookmarks, FriendFeed, Twitter/Mcroblogging). Ich meine, dass man für den speziellen Job, für den sich unsere Studenten qualifizieren wollen, v.a. die kommunikativen Mechanismen im Internet kennen sollte. Im Lauf des Semesters werden wir dann anschauen, was NGOs und Unternehmen damit machen, machen könnten oder besser nicht sollten (sofern man das so einfach sagen kann). Ich würde aber aus meiner engen Perspektive niemals behaupten, dass man zur Qualifikation für andere Berufe Twitter oder andere Tools bzw. Formate nutzen muss. Das sollen jeweils die Fachleute für diese Berufe einschätzen.

Und was können wir noch erreichen? Neben dem Verständnis der Kommunikationsgegenwart dient das Ganze natürlich dem persönlichen Reputationsmanagement der Studenten. Deshalb haben wir uns auch dafür entschieden, nicht eine geschlossene Gruppe zu starten, und wir haben uns als Ziel gesetzt, dass jeder versuchen soll, sich mit ein paar Leuten außerhalb des Kurses zu vernetzen. Watch out: Einige haben schon offensiv damit begonnen ;-)

Übrigens hat mein Kollege Heinz Wittenbrink von der FH Joanneum in Graz heute mit seinen Studenten was ganz ähnliches gemacht – ich konnte in den letzten Stunden viele neue Follower aus Graz begrüßen. Und weil wir in Graz und Darmstadt teilweise recht ähnlich ticken, werden wir Dozenten und Studenten in diesem Semester noch ein bisschen weiter vernetzen…

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TwitternWieBeiMuttern: Ein Blick in den vormedialen Raum

29 August 2008 · 6 Kommentare

„Wie funktioniert sie denn nun, diese Kommunikation im Web 2.0?“ Wer viel im Internet unterwegs ist, hört vermutlich solche Fragen öfter. Ab und zu versuche ich mich auch mit einer Antwort, beispielsweise in einem Workshop oder auf einer Tagung. Einen solchen Vortrag habe ich gestern Abend vorbereitet. Dort soll ich erklären, was sich in diesem vormedialen Raum abspielt, also was (zumindest ab und zu) im Netz passiert, bevor eine Nachricht in den klassischen Medien erscheint. Just war ich mitten drin in einem netten Beispiel für Kommunikation im Web 2.0: Denn rasent schnell hat sich in Twitter das Meme #TwitternWieBeiMuttern verbreitet. Für die meisten ein nettes Spiel. Für mich das gesuchte Beispiel für neue Möglichkeiten durch Onlinekommunikation.

Doch was genau hat es mit „TwitternWieBeiMuttern“ auf sich? Eine kurze Chronologie:

  • Gestern gegen 16 Uhr schreibt Max Winde, Autor bei Spreeblick, in Twitter: „Da keine neuen Follower kommen muß ich mich besser um euch kümmern. Darum gibt es ab jetzt tolle Gesundheitstipps. #twitternWieBeiMuttern“
  • Es dauert eine kleine Weile, dann greifen andere Twitter-Nutzer das Spiel auf und veröffentlichen Weisheiten, die uns unsere Mütter mitgegeben haben könnten. Immer dabei: Der Hashtag #TwitternWieBeiMuttern (kurzer Einschub: In Twitter kann mit „#“ vor einem Begriff eine Verschlagwortung erreicht werden (= Hashtag). dadurch werden thematisch ähnliches Beiträge leichter auffindbar).
  • Ab 19 Uhr schwillt der Strom an, zwischen 20 und 21 Uhr erreicht das Spiel seinen Höhepunkt: Etliche andere Twitter-Nutzer verwenden den Hashtag und verbreiten allerlei Weisheiten dazu (Beispiel: „Mit vollem Mund wird nicht getwittert!“)
  • Gegen 22 Uhr findet Bernhard Jodeleit schon mehr als 200 Tweets, die mit dem Hashtag versehen werden.
  • Ab 23 Uhr wird’s ziemlich ruhig im Twitterland, doch das Meme hat die Nacht überlebt, die Sache plätschert auch heute weiter. Ein paar Dutzend weiterer Posts sind schon dazu gekommen.
  • Update, 29.8., 15:00 Uhr: Google liefert mehr als 650 Treffer

Jetzt kann man natürlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und laut „So ein Blödsinn“ ausrufen. Klar, das Ganze ist nur ein Spiel. Dennoch wirft dieses Spielchen ein Blitzlicht auf ein paar Aspekte einer veränderten Kommunikation im Web. Meine ersten Thesen und Erkenntnisse:

  • Nicht überraschend: Themen können sich im Internet rasend schnell verbreiten. Nebenbei: Das Ganze wurde auch von ein paar Weblogs aufgegriffen; der erste Post kam etwa eine Stunde nach dem ersten Tweet. Bin gespannt, ob das Ganze noch in andere Medien überspringt.
  • Die Chronologie deckt sich weitgehend mit der Internetnutzung im Tagesablauf. Laut ARD-/ZDF-Onlinestudie erreicht sie ihren Höhepunkt zur früheren Fernseh-Primetime. Die Zeitung ist da schon in Druck, und die PR-Abteilung längst verwaist…
  • Ich habe versucht, mit verschiedenen Tools dem Meme zu folgen – und war enttäuscht. Obwohl alle zu suchenden Beiträge den selben Hashtag trugen, kamen TweetScan, Twemes, Twitscoop und Monitter bzw. Twittersuche zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Am besten geschlagen hat sich nach meinem Eindruck noch TweetScan. Dennoch behaupte ich, dass Twitter Monitoring mit all diesen Tools die Gefahr unvollständiger Ergebnisse und einer zeitlichen Verzögerung (oft 1-2 Stunden) birgt. (Dennoch können sie für den Hausgebrauch gute Dienste leisten).
  • Und noch eine These: Werden Inhalte mit Etiketten versehen (als solche sehe ich Tags oder in Twitter die mit # versehenen Hashtags), können sich diese Memes besonders rasch ausbreiten. Abstrakter gesprochen: Es dürfte das Zusammenspiel aus sozialen Beziehungen (z.B. wer hat welche Position in einem sozialen Netzwerk), der Themen und der Nutzung technischer Möglichkeiten (in Twitter eben des #) zum Erkennbarmachen verwandter Inhalte sein, das aus einem Plätschern einen Informationsstrom machen kann.

Gerade den letzten Punkt werden Netzwerkforscher besser untersuchen und erklären können. Bis dahin muss man auch mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein. Ich vermute mal, dass selbst ein großer Teil der Twitternutzer (die wiederum vermutlich weniger als 2 Prozent der Onliner ausmachen) Hashtags nicht kennt oder einsetzt. Dies schränkt den Pool der Themen, die so transportiert werden können, ein. Sprich: Man muss sich genauer anschauen, welche Motive Leute haben, um ein Thema weiterzutragen bzw. wie ein Thema beschaffen sein muss, damit das geschieht. Aber das ist eine andere Frage.

Das Ganze sind noch erste rohe Eindrücke und ich denke, es gibt noch ganz andere Aspekte, mit denen man an solche Phänomene herangehen kann. Relevant scheinen mir diese vor allem für Issue Manager und Spezialisten für Krisen-PR. Umgekehrt dürfte auch hellhörig werden, wer sich mit viralem Marketing beschäftigt.

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Pressekonferenz 2.0: Dell nutzt Twitter und Business Blog

12 August 2008 · 2 Kommentare

Wieder einmal zeigt sich Dell experimentierfreudig. Diesmal (heute Abend 18 Uhr) setzt das IT-Unternehmen Twitter (www.twitter.com/Digital_Nomads) und sein Business Blog Direct2Dell während einer Pressekonferenz zu neuen mobilen Produkten ein. Im Blog soll live berichtet werden, während via Twitter Fragen gestellt werden können, die unmittelbar beantwortet werden sollen. Nebenbei bemerkenswert: Via Twitter können alle Interessierten Fragen stellen, nicht nur Journalisten.

Ich bin gespannt, wie gut dieses Experiment funktionieren wird (leider habe ich zu dieser Zeit eine Besprechung). Die Idee, dass ein weltweites Unternehmen die gesamte interessierte Öffentlichkeit live an einem Presseevent teilhaben lässt, ist sicher mutig. Mich interessiert vor allem, wie die Journalisten hierauf reagieren werden. Kann sein, dass sich einige unwohl fühlen, wenn Blogger, Kunden und andere Interessierte in die Rolle schlüpfen, die die Medienleute sonst exklusiv haben. Andererseits denke ich, dass gute Redakteure keine Konkurrenz fürchten müssen. Gespannt darf man auch sein, wie gut die Twitter-Kommunikation generell klappt, sollten etliche Fragen dort gleichzeitig gestellt werden. Im Grundsatz aber finde ich die Idee einer Pressekonferenz 2.0 absolut folgerichtig.

(via Neville Hobson)

Update, 13.08.2008: Neville hat sich die Sache angeschaut und berichtet hier recht positiv über den Verlauf.

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