„Blogs sind für mich keine Quelle, ein oder zwei lese ich ab und zu – zur Unterhaltung“, meinte neulich ein Journalist. Vielleicht sind Blogs einfach auch nicht für Journalisten da, sondern öffnen ganz andere Kommunikationsarenen. In einer solchen habe ich mich in der letzten Stunde bewegt und mich mit einem einzigen Post und der folgenden Diskussion beschäftigt. Es war eine der spannenden Erfahrungen der letzten Wochen: Da wird im Blog PR-Conversations eine Diskussion um PR-Theorie und -Praxis begonnen. Verschiedene Schulen prallen aufeinander. Und – schwupps – ist einer der bekannten PR-Theoretiker, James Grunig, über dessen Ansatz auch diskutiert wird, mittendrin und beteiligt sich an der Diskussion - genauso, wie eine frisch gebackene Hochschulabsolventin, Praktiker und andere Kollegen, von denen einer zum Frontalangriff auf Grunigs Ansatz bläst. Früher hätten sie alle über- und voneinander geredet – heute treffen sie sich in einem Blog. Sehr spannend zu sehen. Nicht nur, weil es ans Eingemachte geht, sondern auch, weil Blogs als Format dies überhaupt ermöglichen.
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Ans Eingemachte
20 September 2008 · Kommentar schreiben
Kategorien: Randnotizen
Mit Tag(s) versehen: Blogkultur, Diskurs, Wissenschaftsblogs
Tag des Wissenschaftsjournalismus: Wissenschaftsblogs
1 Juli 2008 · 3 Kommentare
Morgen ist es also soweit: Der erste Tag des Wissenschaftsjournalismus an unserer Hochschule steigt, und – genauso wichtig – wir haben die ersten Absolventen des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus. Fast alle, die morgen kommen werden, haben längst auf den WJ-Tag hingewiesen (danke schön!), und ich freue mich schon auf viele anregende Diskussionen.
Ich will an dieser Stelle nicht nochmal das Programm vorstellen, sondern nutze diesen Post als Notizzettel (Ergänzungen sind wie immer heiß willkommen). Und der bezieht sich wiederum nur auf die Diskussion zu Wissenschaftsblogs, die ich moderieren darf.
Also: Die Studenten, die die Veranstaltung organisieren, versammeln auf dem Podium geschickt Diskutanten mit unterschiedlichsten Hintergründen: Da sind auf der einen Seite die beiden Journalisten Beatrice Lugger und Carsten Könneker, die die beiden von großen Verlagen auf den Weg gebrachten Wissenschaftsblog-Portalen ScienceBlogs (Burda) und Scilogs (Holtzbrinck) verantworten. Und dann sind drei bloggende Wissenschaftler auf dem Podium, von denen der eine, Prof. Ernst Peter Fischer, längst schon Bestsellerautor ist und unter dem Burda-Dach bloggt, während ein anderer, der Doktorand kamenin/Sven Keßen, seine Unabhängigkeit von Verlagen pflegt und auch mal den Wissenschaftsjournalisten auf die Finger klopft. Marc Scheloske schließlich sitzt formal zwischen den Stühlen: Er hat das verlagsunabhängige Wissenschaftsblogportal Wissenschafts-Café ins Netz gebracht, macht in seinem Blog Wissenswerkstatt höchst erfolgreich sein Ding, aber er schreibt auch gemeinsam mit Beatrice Lugger in Neurons unter dem ScienceBlog-Dach. In seinem der Diskussion vorgeschalteten Vortrag wird der sicher einiges zu seinen Ideen zur Vermarktung wissenschaftlicher Blogs sagen.
Durch diese Konstellation ergeben sich natürlich vielfältige Themen, die wir diskutieren können. Um ein paar zu nennen (nein, nein, alle Frage schreibe ich hier nicht vorab auf):
- Spannend ist sicher das Feld der bloggenden Wissenschaftler. Die Studenten haben das in der Ankündigung der Veranstaltung sehr nett zugespitzt: „Dabei ist das Potential im Netz groß, der bejubelte “neue Dialog” kommt jedoch nur schwer in Tritt und wenige glauben alle zu sein: Bauen Blogger am eigenen Elfenbeinturm?“ Anders gedreht: Wie ist das denn in der Blog-Praxis mit dem interdisziplinären Dialog (oder zumindest dem Dialog innerhalb einer Disziplin). Weitergehend: Befördern Blogs wirklich einen Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit?
- Mindestens genauso spannend ist aus meiner Sicht jedoch das Nebeneinander von bloggenden Journalisten und Wissenschaftlern – besonders, wenn diese Akteure unterschiedlicher Rollen unter dem selben Verlagsdach vereint sind.
- Und dann verstecken sich hinter dem Schlagwort der „Professionalisierung wissenschaftlicher Blogs“ (Marc Scheloske) unter anderem Fragen der Monetarisierung von Wissenschaftsblogs (geht das? wollen wir das?), aber auch die Frage nach Auswirkungen auf die Qualifikation und die Rolle von Wissenschaftsjournalisten – die ja bei uns ausgebildet werden und einen großen Teil der Besucher des WJ-Tages ausmachen.
Noch drei organisatorische Hinweise:
- Auch wer sich nicht angemeldet hat, darf gerne kommen.
- Wer zum WJ-Tag etwas veröffentlicht, möge bitte den Tag wj-tag08 bzw. in Twitter den #wj-tag08 verwenden.
- Und schließlich: Lars Fischer bloggt hier live.
Kategorien: Medien
Mit Tag(s) versehen: Wissenschaftsblogs, Wissenschaftsjournalismus, wj-tag08
Wissenschaftsblogs: Posten mit Siegel? Eher nicht.
13 April 2008 · 15 Kommentare
Unter einigen Wissenschaftsbloggern wird gerade ein „Siegel“ diskutiert, mit dem Blogposts versehen werden können, die sich mit Artikeln beschäftigen, die in Reviewed Journals erschienen sind. Wer mitmachen möchte, registriere sich unter germanresearchblogging.org. Ich werde das allerdings erst mal nicht tun, da ich von der Sache (noch?) nicht überzeugt bin.
Zunächst stellt sich natürlich die Frage, was Sinn der Übung ist. Tobias Maier, einer der Initatoren, schreibt dazu in seinem Blog WeiterGen:
„Für den Leser ist mit diesem Gütesiegel sofort erkennbar, dass der Eintrag sich fundiert mit rezensierten Quellen aus anerkannten Magazinen auseinandersetzt, und trotzdem eine individuelle Leistung des Blogautors ist, also nicht nur wiedergegeben wird, was sowieso schon in der Originalveröffentlichung steht.“
Ich kann dies nur begrenzt teilen. Meiner Meinung nach ist es noch kein Zeichen von Qualität, wenn ich als Autor einen Beitrag mit einem Logo versehe. Das ist nicht mehr als eine Orientierung und vielleicht vergleichbar mit einer Kategorie im Blog oder mit Tagging. Das ist sicher nützlich, aber dann von einem Gütesiegel für Blogposts oder von Qualität zu sprechen, geht mir wirklich zu weit. Und etwas anderes, das in dieser Idee mitschwingt, ist mir nur begrenzt sympathisch: Ich werde den Eindruck nicht los, dass hier assoziiert werden soll, dass wissenschaftliche Qualität nur in Peer Reviewed Journals zu finden ist. Ja, das ist ein großes Fass, und schon viel wurde hierüber diskutiert. Meine Meinung dazu nur ganz kurz: Ich respektiere Peer Review als einen (!) Ansatz der Qualitätskontrolle, sehe dort aber auch Schwächen und schon gar keinen Absolutheitsanspruch. Anders ausgedrückt: Wissenschaftlich gute Arbeit entsteht an so vielen verschiedenen Stellen, dass ich Blogbeiträge nicht deshalb hervorheben möchte, weil sich sich mit einem Artikel in einem solchen Journal beschäftigen. Vielleicht ist meine Abneigung gegen die Logoidee (es ist IMO kein Siegel) auch eine Frage der Wissenschaftskultur. Für die Naturwissenschaften etc. kann ich nicht sprechen. Doch in der Kommunikationswissenschaft wie auch in den Sozialwissenschaften allgemeiner wird aus meiner Sicht auch außerhalb von Journals oft genug gute Forschung publiziert. Immer häufiger geschieht das auch mehrstufig – erst auf der eigenen Website, dann (meist mit Monaten Verzögerung) im Journal. Zumindest für mein Gebiet traue ich mir aber zu, auch Forschung zu beurteilen, die (noch) nicht dem Review-Prozess unterworfen wurde.
Natürlich kann man die Logoidee auch als einen Ansatz interpretieren, die interne Wissenschaftskommunikation zu verbessern. Diesen Wunsch kann ich nachvollziehen. Allerdings gefällt mir dazu die Idee besser, den Diskurs dort zu ermöglichen, wo die Originalveröffentlichung steht – in den Journals selbst (die idealerweise online mit Open Access verfügbar sind). Marc hatte dazu die selbe Idee, die ich vor einiger Zeit in eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) eingebracht habe: Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel in blogähnlichen Onlinejournals mit Kommentar- und Trackbackmöglichkeit. Randbemerkung: Bin gespannt, ob und wie das Konzept eines solchen Open Access-Journals auf der Jahrestagung der DGPuK Ende Anfang Mai diskutiert wird.
Und wie handhabe ich das mit dem Thema Wissenschaftlichkeit im Textdepot? Da ich mich im Sinne der Hard bloggin Scientists eher als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis/Öffentlichkeit und als Teilnehmer eines offenen (!) Diskurses sehe, aber auch ab und zu eher Wissenschaftliches aufgreife, nutze ich für Letzteres die Kategorie „Akademisches„. Dort finden sich mal Literaturvorstellungen, mal eigene Papers, Tagungshinweise oder auch auch Vorüberlegungen, die ich später in wissenschaftliche Publikationen einbaue bzw. – je nach Diskussionsverlauf – verwerfe. Vorgenommen habe ich mir übrigens, mich hier im Blog ein bisschen häufiger mit wissenschaftlichen Publikationen zu beschäftigen – wenn ich es zeitlich schaffe.
Kategorien: Akademisches · Socialweb
Mit Tag(s) versehen: Diskurs, germanresearchblogging, Peer Review, Wissenschaft, Wissenschaftsblogs
Wissenschafts-Café: Eine Heimat für wissenschaftliche Blogs
5 November 2007 · 1 Kommentar
Seit heute gibt es einen zentralen Anlaufpunkt für alle, die sich für wissenschaftliche Blogs interessieren: Das Wissenschafts-Café. Sehr schön, Marc – und ganz herzlichen Dank! Vor einigen Wochen hatte Robert gefragt, wo denn Wissenschaftler in der Blogosphäre zu finden seien – das Wissenschafts-Café kann nun Orientierung schaffen:
„Denn das »Wissenschafts-Café« ist Treffpunkt von bloggenden Wissenschaftlern und allen anderen, die an Blogs mit wissenschaftlicher Ausrichtung Interesse haben. Blogs, die bislang nur für Insider auffindbar waren, sollen von nun an hier etwas prominenter präsentiert werden. Das Café soll also auch ein Schaukasten sein, in dem gestöbert werden kann und soll…“
Sehr wichtig dabei: Es kommt auf den Inhalt („eine wissenschaftliche Akzentsetzung“), nicht auf den Status der Autoren an
Und was bietet das neue Portal? Neben der thematisch gegliederten Übersicht zu wissenschaftlichen Blogs (wächst bestimmt noch) gibt es einen Newsticker, eine Tagcloud, eine Bewertungsfunktion und daraus resultierend ein kleines Ranking. Und alles ganz ohne große Sponsoren oder Apparate. Freue mich, dass wissenschaftliche Themen nun nach außen eine bessere Sichtbarkeit bekommen, aber auch, dass so neue Vernetzungsmöglichkeiten der akademischen Blogger untereinander entstehen.
Kategorien: Akademisches · Socialweb
Mit Tag(s) versehen: Akademische Blogs, Portal, Wissenschaftsblogs

