Lesetipps zum Wochenende (KW 23)

Morgen früh möchte ich mit meinen Studenten wieder besprechen, was sich in der PR- und Social Media-Welt in den vergangenen Tagen so getan hat. Ein paar dieser Themen bereite ich mal in den Lesetipps auf und bin gespannt, auf welche die Studenten noch kommen. Wer nur meine nachbetet, hat seinen Job nicht gemacht ;)

Vorsicht, ungesund. Noch ein Fundstück am Wochenende.

PR und Management

  • So kann man Transparenz schaffen: Der Grünen-Abgeordnete im Europaparlament Sven Giegold listet auf, mit welchen Lobbying-Organisationen er wann zu welchem Thema Gespräche geführt hat.
  • PetaXXX – oder: Sex sells. Nach dieser Devise laufen Kampagnen der Tierschützer von Peta schon lange. Jetzt begeben sie sich direkt in den virtuellen Rotlichtbezirk und die Netzpiloten erklären das Ganze.
  • Human Resources sind nach derzeitigem Konzept kontraproduktiv, meinte Heiko Fischer bei TEDx vor einigen Monaten. In einem Interview konkretisiert er. Fazit: Unternehmen sollten nicht nur auf Gewinn achten, sondern auf gesellschaftlichen Gewinn und damit verbunden die Unternehmenskultur so ändern, dass Mitarbeiter nicht Befehlsempfänger sind, sondern sich verwirklichen könnten. Klingt für PR-Ohren nicht gerade fremd.
  • Mal ein kleines, Pinterest-taugliches Fallbeispiel: Die Allianz setzt im Personalmarketing eine Infografik ein.
  • Blogger Relations: Skoda ist in den letzten Wochen häufig Thema von Autobloggern gewesen. Sebastian Bauer (passiondriving.de) lobte im Interview mit w&v Skodas offenen Dialog mit Bloggern und betont die Bedeutung der Autoblogger, die sich in den letzten Jahren etabliert haben. (Disclosure: Als Sparringspartner diskutiere ich gelegentlich mit den Verantwortlichen von Skoda deren Social Media-Strategie.)

 

Social Media und Internet

Studien

  • Facebook, Youth and Privacy in Networked Publics: Die in den USA durchgeführte Studie zeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene in sozialen Netzwerken weit weniger unbedarft sind als es manche Medienberichte glauben lassen. Vielmehr ist klar zu erkennen, dass sie sich mit Fragen der Privatsphäre beschäftigen und überwiegend deutlich striktere Einstellungen zur Privatsphäre (z.B. auf Facebook) vornehmen.
  • Reputation: BMW an der Spitze. Das Reputation Institute hat ein aktuelles globales Ranking vorgestellt. Reputationsfaktoren sind unter anderem, ob man sich vorstellen kann, bei einer Firma zu arbeiten, ob man sie im eigenen Netzwerk haben möchte und klar: Der mögliche Kauf und die Empfehlung sowie ein mögliches Investment werden auch einbezogen.

Lebenshilfe

Lesetipps zum Wochenende (KW 17)

Nachdem ich ein paar Wochenenden mit den Lesetipps ausgesetzt habe, ist’s Zeit, diese Rubrik mal wieder anzukurbeln und ein paar Links, die mir in den letzten Tagen begegnet sind, zu empfehlen.

Howto: About-Seiten
Aktuell läuft noch eine Blogparade, die das Webmaster Friday-Blog ausgerufen hat und zwar zur Frage, was eine gute About-Seite eines Blogs bieten sollte. Gehe ich von Corporate Blogs aus, sollte aus meiner Sicht diese Seite für das Erwartungsmangement genutzt werden. Dazu dürften die berühmten W-Fragen ganz hilfreich sein – wer bloggt was warum und für wen – und welche Regeln gelten für Autoren und Diskutanten? Ausgefeiltere Antworten sind in den Trackbacks beim Webmaster Friday.

Relaunch: zdf.de
zdf.de hat gerade einen Relaunch hinter sich. Meinungen dazu hat unser Online-Journalismus-Absolvent Martin Hoffmann via Storify eingefangen.

Imageeffekte: Facebook vs. Corporate Website
ethority hat sich eine Untersuchung des Web Excellence Forum (WebXF) angeschaut, in der Facebook-Fanseiten und Corporate Websites einander gegenübergestellt wurden. In Kürze: Facebook-Seiten verbessern in der Tendenz das Unternehmensimage; Corporate Websites wirken aber stärker und differenzierter. Fazit: Am sinnvollsten scheint, in Facebook präsent zu sein, um von dessen großer Community zu profitieren und die gewonnenen Fans dann auf die Corporate Website zu locken. Eine andere Herausforderung in diesem Zusammenhang: Wer eine Facebook-Seite einmal liked, kommt selten darauf zurück, sagt eine andere Studie, die in der Karrierebibel vorgestellt wurde.

Shitstorm im Rollenspiel
Michael Kausch hat in einem Online-Experiment mit Studenten der Hochschule Würzburg einen Shitstorm durchgespielt – live und in Farbe. Das Vorgehen im Rollenspiel rund um die erfundene Fränkische Bratwurstmanufaktur erklärt er ausführlich. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen hin- und her gerissen: Einerseits ist das Durchspielen solcher Rollen für die Studenten sicher ein super Lerneffekt, und wie man zum Beispiel negative Fundstücke aus der Suchmaschine durch eigenen Beiträge verdrängt, kann man nur so lernen. Andererseits: Es wurde mit Communities wie jene von chefkoch.de gespielt (es ging um die Qualität der Manufaktur-Wurst) – für mich ist das schon ein bisschen grenzwertig. Umso wertvoller die Erkenntnisse und Tipps bei Michael Kausch.

Lesetipps zum Wochenende (KW13)


In den heutigen Lesetipps geht es um ein besonders bitteres Thema, Emden, ums Urheberrecht und natürlich gibt wieder Hinweise zu lesenswerten Beiträgen rund um Online-PR.

Polizei-PR und Medien

Ist es der Versuch, Transparenz herzustellen? Ist es mangelnde Routine, (gefühlte) Notwendigkeit angesichts eines enormen Mediendrucks oder gar Geltungssucht, wenn in einer Pressekonferenz zu polizeilichen Ermittlungen zu viel bekannt wird? Die Öffentlichkeitsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaften ist bei spektakulären Verbrechen immer ein Drahtseilakt. Meist wird jedoch der Blick vor allem auf die bösen Medien (die natürlich nach Headlines lechzen) und auf das noch bösere Netz gelenkt. Im Fall von Emden, in dem es nach dem Mord an einem Mädchen sehr früh auf einer Pressekonferenz detaillierte Auskünfte zu einem Verhafteten gab, in dem zuvor schon Lynchaufrufe durch das Netz geisterten und sich ein Mob vor einer Polizeistation versammelte, wird zumindest vereinzelt auch die Rolle der PR thematisiert. Zumal sich kurz darauf zeigte, dass der zum Mörder Geschriebene unschuldig war. Sehr kritisch äußerte sich u.a. der Strafrechtler Prof. Henning Ernst Müller in seinem Blog und stellte klar:

„Die Presse kann Auskunft verlangen, aber wenn es ermittlungstechnisch unpassend ist, braucht niemand zu antworten. Wenn eine Information geeignet wäre, die Unschuldsvermutung faktisch außer Kraft zu setzen, dann darf diese Auskunft nicht erteilt werden.“

Mir scheint, in diesem Fall kam eine schlimme Mischung aus PR-Fehlern und überzogener Berichterstattung einiger Medien zusammen. Mit katastrophaler Auswirkung: Denn das Leben des unschuldig angeprangerten Jugendlichen in Emden ist vermutlich weitgehend zerstört.

Tatort Urheberrecht

Ein anderes im Netz intensiv diskutiertes Thema diese Woche war der offene Brief von 51 Tatort-Drehbuchautoren zum Thema Urheberrecht. Aus ihrer Sicht sollte alles so bleiben, wie es ist. Schnell und vielstimmig wurde an diesem Statement kritisiert, dass gerade diejenigen, die von sicheren öffentlich-rechtlichen Geldern finanziert werden, in dieser Sache nur mäßig glaubwürdig seien. Zudem, so zum Beispiel Marcel Weiß, hätten die Autoren keinen Diskussionsbeitrag, sondern ein „Basta-Pamphlet“ abgeliefert, das wohl mehr dem Lobbyismus der Verwertungsindustrie denn der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema diene. Mir ging da durch den Kopf, dass ich bereits vor gut 15 Jahren als Freiberufler alle denkbaren Verwertungsrechte an einige Verlage abtreten musste.

Online-PR

Mit der CEO-Kommunikation hat sich Jana Beuter im PR-Blogger beschäftigt. Sie zeigt am Beispiel von Bill Mariott, wie das mit Hilfe eines CEO-Blogs funktionieren kann und verweist darauf, dass das Thema in Deutschland in den Kinderschuhen steckt. Da ist nach meinem Eindruck vieles auch eine Frage der Haltung.

Entscheidet sich ein CEO (oder ein Blogger, ein Politiker oder Journalist), zum Beispiel in Facebook aktiver zu sein, stellt sich die Frage, ob er ein Profil oder eine Seite anlegt. Futurebiz zeigt die Unterschiede.

Holger Schmidt hat ausführlich beleuchtet, wie Konzerne Social Media (v.a. Facebook und Twitter) nutzen und greift dabei auf verschiedene Untersuchungen zurück. Eines der Ergebnisse: Kommunikation kommt für deutsche Unternehmen in diesen Kanälen vor Kommerz. Anders ausgedrückt:

„Als Kaufhaus ist Facebook ein Flop. (…) Schlimmer noch für Facebook: Informationen für Kaufentscheidungen suchen und finden die Nutzer an vielen Stellen im Netz – aber nur ganz selten auf Facebook.“

Quelle hierfür ist der so genannte „Digital Influence Index“ von Fleishman Hillard. Nun gut, wirklich überraschend (und vor allem problematisch) ist das aus meiner Sicht nicht. Viel spannender sind für mich die 14 Statements aus Dax-Unternehmen, in denen die Verantwortlichen für Social Media einen Einblick in ihre Strategien geben.

Abschließend noch ein Blick nach Österreich: Dort haben Kollegen der Uni Wien die politische Twitter-Sphäre analysiert, und zwar so, dass allein der Methodenteil einen Blick lohnt, wie Alexander Stocker zeigt.