Lesestapel zum Sonntag

Nach ein paar Wochen Pause gibt es heute mal wieder ein paar Lesetipps. Diesmal nicht als kommentierte Linksammlung, sondern ein bisschen ausführlicher, garniert mit ein paar Fotos, die ich in letzter Zeit geknipst habe.
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Die Abschlussarbeit publizieren?

Wie viel Aufmerksamkeit erhält man durch die Veröffentlichung der Abschlussarbeit?
Wie viel Aufmerksamkeit erhält man durch die Veröffentlichung der Abschlussarbeit?

Immer wieder fragen mich Studenten, ob es sich lohnt, die Abschlussarbeit zu veröffentlichen. Ihre Argumente: Die Auffindbarkeit in Bibliothekskatalogen und das gute Gefühl, dass die Arbeit nicht beim  Prof. verstaubt. Meist stoßen die Studenten auf einen der Verlage, die ein auf Print on Demand oder e-Books basierendes Publishing anbieten. Ich bin da etwas skeptisch und empfehle eher ein „Do it yourself-Publishing“. Allerdings kenne ich sicher einige Aspekte dieser Frage nicht und bin für Tipps dankbar.

Verlagsveröffentlichungen

Anbieter, die Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten veröffentlichen, gibt es viele. Meist ist es so, dass Absolventen oder Studenten für die Publikation nicht einmal etwas bezahlen müssen. Vielmehr wird sogar damit geworben, dass sie durch die Publikation etwas verdienen können. Tatsächlich erhalten sie von den Erlösen einen Anteil. Ich vermute jedoch, dass in den meisten Fällen hier kaum etwas zusammen kommt. Allerdings habe ich auch schon von Einzelfällen gehört, in denen ein paar hundert Exemplare einer sehr guten und sehr aktuellen Arbeit verkauft wurden. Doch den meisten Absolventen kommt es auf das Verdienen in diesem Fall gar nicht an. (Ergänzung: Es gibt Anbieter, die den Autoren die Festlegung des Verkaufspreises erlauben, andere tun dies selbst – manchmal in einer Höhe, die auf Interessenten abschreckend wirken und den Verkauf bremsen dürften.)

Die Frage ist, wie das Ganze wirkt. Fördert eine solche Publikation die Reputation und verbessert womöglich Bewerbungschancen? Oder ist das Ganze womöglich kontraproduktiv, wie ich eben gefragt wurde.

Mein Gefühl: Innerhalb der akademischen Community ist klar, dass bei diesen Verlagen jeder publizieren kann, d.h., fachlich findet zumeist keine Qualitätssicherung statt, die meisten Anbieter publizieren zudem zu praktisch jedem Thema. Ob das dann in einer speziellen Fachcommunity wahrgenommen wird, wäre zu hinterfragen. Ich gehe davon aus, dass eine solche Publikation für eine akademische Laufbahn vermutlich kaum etwas bringt, womöglich ist sie sogar kontraproduktiv, will man zum Beispiel später einmal promovieren. Wer dies vorhat, sollte stattdessen prüfen, ob seine Arbeit in ein fachlich einschlägiges Programm eines wissenschaftlichen Verlages passt. Problem dabei ist allerdings oft, dass man als Autor Geld mitbringen muss, einen so genannten Druckkostenzuschuss. Das macht die Sache meist natürlich unmöglich. Inhaltlich gehe ich zudem davon aus, dass die wenigsten Abschlussarbeiten aus Bachelor- oder Masterstudiengängen tatsächlich in einem solchen Rahmen eine Publikationschance haben.

Sinnvoller erscheint mir die Überlegung, aus den Ergebnissen der Arbeit ein Paper zu machen und dies bei einer Konferenz einzureichen. So erhält man nach positiver Begutachtung durch den Vortrag Sichtbarkeit in der Community und ist im Konferenzband mit einem Artikel vertreten. Das ist zwar zusätzlicher Aufwand, der aber meist der Qualität der Darstellung des Themas dient. Insofern ist dieser Weg sicher nur für sehr wenige Absolventen gangbar, die dazu zudem die Unterstützung ihres Betreuers benötigen. Wer nicht (ausschließlich) in Richtung Wissenschaft neigt, kann im Kommunikationsumfeld natürlich die Präsentation auf Veranstaltungen wie Barcamps oder Webmontagen nachdenken.

Online-Publikation

Skalierbar ist der Aufwand für die Online-Publikation einer Arbeit. Am nächsten liegt natürlich die Veröffentlichung auf dem Publikationsserver der eigenen Hochschule. Viele Unis und FHs bieten diese Open Access-Publikation ihren sehr guten (und meist auch den guten) Absolventen an. Im besten Fall ist damit auch ein Eintrag in die Bibliotheksverzeichnisse verbunden. Dies würde ich als den typischen Weg zur Publikation einer Abschlussarbeit sehen, auch weil hier die Arbeit typischerweise 1:1, also ohne zusätzlichen inhaltlichen Aufwand, erfolgt.

Allerdings: Wer keine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sondern durch eine eigene Publikation seine Bewerbungschancen verbessern möchte, sollte aus meiner Sicht (ergänzend) einen anderen Weg gehen. Der Königsweg zumindest in meinem Umfeld Onlinekommunikation, aber auch im Jornalismus, dürfte sein, zumindest bei einem praxisrelevanten Thema schon in der Recherchephase zur Abschlussarbeit mit einem Blog oder einer anderen begleitenden Online-Präsenz zu beginnen. Dann lässt sich am Ende die (hoffentlich sehr gut bewertete) Arbeit dort sehr gut einbinden. Statt auf einen eigenen Server würde ich sie dann jedoch auf eine exterene Plattform wie Scribt oder Slideshare laden. Gemäß dem „Prinzip kostenlos“  und dank der guten Sichtbarkeit solcher Plattformen in Suchmaschinen dürfte der Effekt einer solchen Strategie zumindest im Netz am größten sein.

e-Books und Fachartikel

Alternativ kann man natürlich das Ganze als „richtiges“ e-Book veröffentlichen. Hierzu gibt es zahlreiche Anbieter, selbst Amazon oder Apple gehören dazu. Hierbei können (eher moderate) Kosten entstehen, und natürlich muss das Ganze mit Hilfe entsprechender Tools in die richtige Form gebracht werden. Tipps hierzu gibt es zum Beispiel bei der Karrierebibel.

Eine weitere Möglichkeit, die ich vor Jahren mit meiner eigenen Diplomarbeit genutzt habe, ist die Veröffentlichung eines oder mehrerer Artikel zu den Ergebnissen der Arbeit in einer Fachzeitschrift. Das setzt natürlich voraus, dass man einen Redakteur von seinem Thema überzeugt. Alternativ könnten Absolventen solche Artikel auch als Gastbeiträge den Betreibern von Fachblogs anbieten.

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Frage der Publikation einer Abschlussarbeit je nach wissenschaftlicher Disziplin mit anderen Nuancen beantwortet wird. Und natürlich sollte man zunächst kritisch die Qualität der eigenen Arbeit betrachten. Und man sollte für sich klar überlegen, wie viel Aufwand man in die Publikation stecken kann. Da Wissenschaft für mein Empfinden der Öffentlichkeit bedarf, favorisiere ich immer den freien Zugang zu Publikationen. Dies ist auch mit Blick auf Bewerbungschancen bei Unternehmen positiv: Denn ein potenzieller Arbeitgeber kann sich so ein sehr gutes Bild von der Qualtität einer Arbeit machen und sieht nicht nur deren Titel in einem Verzeichnis.

Liege ich mit diesen Einschätzungen einigermaßen richtig? Habe ich wichtige Aspekte und Tipps vergessen?

Lesetipps zum Wochenende (KW 23)

Morgen früh möchte ich mit meinen Studenten wieder besprechen, was sich in der PR- und Social Media-Welt in den vergangenen Tagen so getan hat. Ein paar dieser Themen bereite ich mal in den Lesetipps auf und bin gespannt, auf welche die Studenten noch kommen. Wer nur meine nachbetet, hat seinen Job nicht gemacht ;)

Vorsicht, ungesund. Noch ein Fundstück am Wochenende.

PR und Management

  • So kann man Transparenz schaffen: Der Grünen-Abgeordnete im Europaparlament Sven Giegold listet auf, mit welchen Lobbying-Organisationen er wann zu welchem Thema Gespräche geführt hat.
  • PetaXXX – oder: Sex sells. Nach dieser Devise laufen Kampagnen der Tierschützer von Peta schon lange. Jetzt begeben sie sich direkt in den virtuellen Rotlichtbezirk und die Netzpiloten erklären das Ganze.
  • Human Resources sind nach derzeitigem Konzept kontraproduktiv, meinte Heiko Fischer bei TEDx vor einigen Monaten. In einem Interview konkretisiert er. Fazit: Unternehmen sollten nicht nur auf Gewinn achten, sondern auf gesellschaftlichen Gewinn und damit verbunden die Unternehmenskultur so ändern, dass Mitarbeiter nicht Befehlsempfänger sind, sondern sich verwirklichen könnten. Klingt für PR-Ohren nicht gerade fremd.
  • Mal ein kleines, Pinterest-taugliches Fallbeispiel: Die Allianz setzt im Personalmarketing eine Infografik ein.
  • Blogger Relations: Skoda ist in den letzten Wochen häufig Thema von Autobloggern gewesen. Sebastian Bauer (passiondriving.de) lobte im Interview mit w&v Skodas offenen Dialog mit Bloggern und betont die Bedeutung der Autoblogger, die sich in den letzten Jahren etabliert haben. (Disclosure: Als Sparringspartner diskutiere ich gelegentlich mit den Verantwortlichen von Skoda deren Social Media-Strategie.)

 

Social Media und Internet

Studien

  • Facebook, Youth and Privacy in Networked Publics: Die in den USA durchgeführte Studie zeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene in sozialen Netzwerken weit weniger unbedarft sind als es manche Medienberichte glauben lassen. Vielmehr ist klar zu erkennen, dass sie sich mit Fragen der Privatsphäre beschäftigen und überwiegend deutlich striktere Einstellungen zur Privatsphäre (z.B. auf Facebook) vornehmen.
  • Reputation: BMW an der Spitze. Das Reputation Institute hat ein aktuelles globales Ranking vorgestellt. Reputationsfaktoren sind unter anderem, ob man sich vorstellen kann, bei einer Firma zu arbeiten, ob man sie im eigenen Netzwerk haben möchte und klar: Der mögliche Kauf und die Empfehlung sowie ein mögliches Investment werden auch einbezogen.

Lebenshilfe