BMWi-Projekt eBusiness-Lotse: Ein Kompetenzzentrum zu Social Media und E-Learning für KMU

logo_lotseEinige haben’s schon mitbekommen, nun wird’s höchste Zeit, ein neues Projekt auch hier einmal vorzustellen: Wir können zu den Themen Social Media und E-Learning dank Drittmittelunterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) nun einen noch besseren Wissenstransfer leisten. Zielgruppe hierbei sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), in denen oft noch ein sehr großes Bedürfnis nach Information und Austausch zu diesen Themen besteht. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir genau hierfür nun bei uns am Mediencampus der Hochschule Darmstadt ein Kompetenzzentrum aufbauen können, das im Rahmen der Initiative Mittelstand Digital finanziert wird.

Das Ganze firmiert unter dem Namen „eBusiness-Lotse Darmstadt-Dieburg“ – wobei wir einer von etwa 40 solcher eBusiness-Lotsen bundesweit sind. Schon in der Vergangenheit gab es in ganz Deutschland so gennannte Kompetenzzentren für elektronischen Geschäftsverkehr. Nun hat das BMWi für das neu konzipierte eKompetenz-Netzwerk den Begriff des eBusiness-Lotsen vorgegeben. Der Begriff des Lotsen soll deutlich machen, dass diese neuen Kompetenzzentren die Unternehmen an die Hand nehmen sollen, damit diese Orientierung erhalten in der digitalen Welt. Hierbei geht es sicherlich um Fragen von Einsteigern wie konkrete Einsatzmöglichkeiten. Und natürlich sollen interessierte Unternehmen vom Wissen der Forschung und – wie es in Netzwerken üblich ist – von praktischen Erfahrungen anderer Firmen profitieren.

Im Rahmen der Antragsstellung hatten wir die Möglichkeit, Schwerpunktthemen für unser Kompetenzzentrum zu wählen, weshalb nun jeder eBusiness-Lotse etwas anders aufgestellt ist. Gemeinsam mit unserem Partnter, dem Hessian Technology Transfer Center (httc e.V.), einem An-Institut der benachbarten TU Darmstadt, haben wir uns für die beiden Themen Social Media und E-Learning entschieden. Eine Kombination, die innerhalb des bundesweiten Netzwerkes einmalig ist. Wobei wir Social Media unter ganz unterschiedlichen Perspektiven anschauen wollen: Hier kann es um den Einsatz in der Online-PR, im Online-Marketing genauso gehen wie Recruiting oder in der internen Kommunikation. Die Kollegen des httc e.V. haben fachlich den Hut vor allem für E-Learning und Wissensmanagement auf.

Doch was machen wir nun konkret? Ein Angebot ist, Unternehmern bzw. Marketing- oder Kommunikationsverantwortlichen in persönlichen Gesprächen eine neutrale Orientierung zu geben. Je nach Fragestellung kann es dabei zum Beispiel auch um Tipps für die Wahl einer Agentur gehen. Besondere Bedeutung haben natürlich Veranstaltungen, die wir organisieren werden: Das können halbtätige Workshops zu einzelnen Aspekten der digitalen Kommunikation sein, aber auch kürzere Veranstaltungen am Feierabend oder größere Tagungen.

Und natürlich wollen wir intensiv online präsent sein. Dazu gibt es beispielsweise eBusiness-Hangouts, in denen in 20 Minuten ein Einstieg in ein Thema gegeben oder ein Fallbeispiel diskutiert werden sollen. Mit der Zeit werden wir auch eine Wissensplattform im Netz aufbauen, in der wir Erklärungen, Anleitungen, Erfahrungsberichte etc. sammeln. Hierbei wollen wir zum Teil auch Studierende einbinden und ihnen z.B. ermöglichen, in Abschlussarbeiten ähnlichen Fragen nachgehen.

Im Moment schrauben unsere Partner vom httc noch an der Website und wir – das sind im Wesentlichen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter in unserem Institut für Kommunikation und Medien (ikum) und ich – am Veranstaltungsprogramm für das erste Halbjahr. Die feierliche Eröffnung wird am 27. Februar sein, unter anderem mit dem Social Media Vorzeige-Malermeister Werner Deck. Wer sowieso in der Region Rhein Main ist, ist herzlich eingeladen!

Zur Übung haben wir schon mal zwei erste eBusiness-Hangouts gemacht, die gerade online gingen. Im einen stellen wir uns vor, im anderen geht es um eine Einführung zu E-Learning.

Und wie immer setzen wir auf die Vernetzung – will heißen, wir sind immer auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern für unsere Hangouts und Leuten, die z.B. in Workshops von Erfahrungen berichten oder erklären, wie man Social Media und e-Learning auch in KMU mit ihren begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen einsetzen kann. Damit man sich besser vorstellen kann, was wir vorhaben, werde hier demnächst etwas zu unserem Programm schreiben.

Wir freuen uns natürlich auch über erste Abonnenten des eBusiness-Blogs (RSS), über Twitter-Follower und G+-Einkreiser ;)

Lesetipps zum Wochenende (KW13)


In den heutigen Lesetipps geht es um ein besonders bitteres Thema, Emden, ums Urheberrecht und natürlich gibt wieder Hinweise zu lesenswerten Beiträgen rund um Online-PR.

Polizei-PR und Medien

Ist es der Versuch, Transparenz herzustellen? Ist es mangelnde Routine, (gefühlte) Notwendigkeit angesichts eines enormen Mediendrucks oder gar Geltungssucht, wenn in einer Pressekonferenz zu polizeilichen Ermittlungen zu viel bekannt wird? Die Öffentlichkeitsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaften ist bei spektakulären Verbrechen immer ein Drahtseilakt. Meist wird jedoch der Blick vor allem auf die bösen Medien (die natürlich nach Headlines lechzen) und auf das noch bösere Netz gelenkt. Im Fall von Emden, in dem es nach dem Mord an einem Mädchen sehr früh auf einer Pressekonferenz detaillierte Auskünfte zu einem Verhafteten gab, in dem zuvor schon Lynchaufrufe durch das Netz geisterten und sich ein Mob vor einer Polizeistation versammelte, wird zumindest vereinzelt auch die Rolle der PR thematisiert. Zumal sich kurz darauf zeigte, dass der zum Mörder Geschriebene unschuldig war. Sehr kritisch äußerte sich u.a. der Strafrechtler Prof. Henning Ernst Müller in seinem Blog und stellte klar:

„Die Presse kann Auskunft verlangen, aber wenn es ermittlungstechnisch unpassend ist, braucht niemand zu antworten. Wenn eine Information geeignet wäre, die Unschuldsvermutung faktisch außer Kraft zu setzen, dann darf diese Auskunft nicht erteilt werden.“

Mir scheint, in diesem Fall kam eine schlimme Mischung aus PR-Fehlern und überzogener Berichterstattung einiger Medien zusammen. Mit katastrophaler Auswirkung: Denn das Leben des unschuldig angeprangerten Jugendlichen in Emden ist vermutlich weitgehend zerstört.

Tatort Urheberrecht

Ein anderes im Netz intensiv diskutiertes Thema diese Woche war der offene Brief von 51 Tatort-Drehbuchautoren zum Thema Urheberrecht. Aus ihrer Sicht sollte alles so bleiben, wie es ist. Schnell und vielstimmig wurde an diesem Statement kritisiert, dass gerade diejenigen, die von sicheren öffentlich-rechtlichen Geldern finanziert werden, in dieser Sache nur mäßig glaubwürdig seien. Zudem, so zum Beispiel Marcel Weiß, hätten die Autoren keinen Diskussionsbeitrag, sondern ein „Basta-Pamphlet“ abgeliefert, das wohl mehr dem Lobbyismus der Verwertungsindustrie denn der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema diene. Mir ging da durch den Kopf, dass ich bereits vor gut 15 Jahren als Freiberufler alle denkbaren Verwertungsrechte an einige Verlage abtreten musste.

Online-PR

Mit der CEO-Kommunikation hat sich Jana Beuter im PR-Blogger beschäftigt. Sie zeigt am Beispiel von Bill Mariott, wie das mit Hilfe eines CEO-Blogs funktionieren kann und verweist darauf, dass das Thema in Deutschland in den Kinderschuhen steckt. Da ist nach meinem Eindruck vieles auch eine Frage der Haltung.

Entscheidet sich ein CEO (oder ein Blogger, ein Politiker oder Journalist), zum Beispiel in Facebook aktiver zu sein, stellt sich die Frage, ob er ein Profil oder eine Seite anlegt. Futurebiz zeigt die Unterschiede.

Holger Schmidt hat ausführlich beleuchtet, wie Konzerne Social Media (v.a. Facebook und Twitter) nutzen und greift dabei auf verschiedene Untersuchungen zurück. Eines der Ergebnisse: Kommunikation kommt für deutsche Unternehmen in diesen Kanälen vor Kommerz. Anders ausgedrückt:

„Als Kaufhaus ist Facebook ein Flop. (…) Schlimmer noch für Facebook: Informationen für Kaufentscheidungen suchen und finden die Nutzer an vielen Stellen im Netz – aber nur ganz selten auf Facebook.“

Quelle hierfür ist der so genannte „Digital Influence Index“ von Fleishman Hillard. Nun gut, wirklich überraschend (und vor allem problematisch) ist das aus meiner Sicht nicht. Viel spannender sind für mich die 14 Statements aus Dax-Unternehmen, in denen die Verantwortlichen für Social Media einen Einblick in ihre Strategien geben.

Abschließend noch ein Blick nach Österreich: Dort haben Kollegen der Uni Wien die politische Twitter-Sphäre analysiert, und zwar so, dass allein der Methodenteil einen Blick lohnt, wie Alexander Stocker zeigt.

Mehr zur PR-Lehre hier im Blog

http://www.flickr.com/photos/stanfordedtech/
Notebooks in der Lehre? Selbstverständlich. Nicht nur in Stanford (Foto: StanfordEdTech/flickr).

Vor einiger Zeit schon habe ich mir vorgenommen, hier im Textdepot öfter mal wieder die Lehre zu thematisieren – entweder durch Diskussion von Fragen rund um die PR-Lehre oder durch Bereitstellen von Inhalten. Beginnen wir mit zwei Themen: einer Blaupause für einen Social Media-Kurs und der Diskussion um Laptops im Unterricht.

Just als ich mich an diesen Post hier machen wollte, kam mir etwas Tolles von Howard Rheingold unter: Er hat ein Kursprogramm zu Social Media online gestellt (danke für den Tipp, Heinz). Das Ganze ist als Uni-Seminar geplant und fordert den Studierenden einiges ab. Auf sie kommt einiger spannender Lesestoff zu und sie üben Online-Kollaboration in verschiedenen Konstellationen und mit zahlreichen Instrumenten (von der Live-Berichterstattung über das Schreiben von Wiki-Artikeln bis zur Diskussion in Foren). Für mich als Lehrenden besonders spannend sind die so genannten Learning Outcomes, die Rheingold formuliert hat. Dort steht an erster Stelle das Thema Aufmerksamkeit. Die Studierenden sollen erfahren, wie sie ihre Aufmerksamkeit (in Zeiten von Informationsfluten) steuern. Andere Lernziele sind der kritische Umgang mit Informationen, der Einsatz von Online-Tools zur Zusammenarbeit oder (besonders wichtig) ein angemessenes Verhalten online. Klar, dass diese Ziele ganz ähnlich auch bei uns im Studiengang erreicht werden sollen. Ich werde mir im nächsten Schritt noch Rheingolds Literatur genauer anschauen und die Art, wie die einzelnen Übungen konzipiert sind und was davon eventuell sinnvoll für unser Studenten genutzt werden kann. Im Gegensatz zu vielen Universitäten haben wir jedoch keinen reinen Social Media-Kurs, sondern integrieren den Aufbau der entsprechenden Kompetenzen in PR-Fachveranstaltungen (bzw. tun dies die Kollegen im Journalismus).

Entsprechend wird in Kürze wieder nebenan in den PR-Fundsachen gebloggt, und auch Facebook und Twitter (ein paar Erfahrungen) werden wir wieder nutzen, das Team überlegt sich gerade ein neues Konzept. Für die interne Kommunikation und das Projektmanagement nutzen wir übrigens eine Facebook-Gruppe sowie Google Sites. Und zum Ende des Semesters soll auch wieder ein eBook entstehen – das Thema verrate ich noch nicht, das Ganze wird ein Ergebnis eines größeren Projektes sein, das ich in den nächsten Tagen hier vorstelle.

Beim Absurfen erster Links in Rheingolds Angebot bin ich auf ein Thema gestoßen, das auch meine Kollegen im Studiengang und vor allem die Dozenten aus der Praxis bewegt: Das Notebook im Unterricht. Jetzt sollte man ja meinen, in einem Studiengang für Online-Journalismus bzw. in einem Schwerpunkt Online-PR wundert sich niemand, wenn die Studenten Rechner dabei haben und nutzen. Tatsächlich (ver-)stört das jedoch immer wieder und war prompt Anfang der Woche bei einem Dozententreffen einmal mehr intensiv diskutiert worden. Das Beruhigende: Das Thema scheint überall virulent zu sein, deshalb erst einmal ein längeres Zitat von Amy Bruckman, Associate Professor of Interactive Computing im College of Computing bei der Georgia Tech-Universität:

When I go to a meeting, I almost never bring my laptop. I have a light one and I could easily bring it along. But I know that if I do, I will not pay attention.I am terrible that way. Someone will start saying something redundant, boring, or irrelevant, and I’ll take that moment to look down at my laptop. I’ll check my email. I’ll check Facebook or Twitter.My attention will stray, and when I look up again I will find that the boring/irrelevant moment is long over, and I’ve missed something significant. I’ve missed part of the point of why I bothered to be there in the first place.

I know some of you genuinely find it helpful to take notes on a computer. I also know that others really do use your computer to look up more information about what we’re talking about. And sometimes those contributions are invaluable to the whole class. I also know that some of you are on Facebook or checking email. You need to ask yourself a question: What do I want to get out of being here in class?

Wie Amy Bruckman schreibt, ist der Einsatz von Laptops im Seminarraum zweischneidig: Sie können ablenken, sie können Arbeitstools sein und sie können damit das Lernen beeinträchtigen oder unterstützen. Die Kollegin appelliert schließlich an die Verantwortung der Studenten und fordert nur, dass in ihren Seminaren nicht gespielt bzw. andere nicht gestört werden. Damit ist eigentlich das Wesentliche gesagt. Einzige Variante: Es gibt Phasen im Unterricht, die volle Präsenz erfordern – bestimmte Diskussionen oder entsprechende Lehrinhalte. Dann lassen sich die Notebooks einfach zuklappen. Oder die Gruppe geht für eine halbe Stunde hinaus in die Sonne. Hierauf freue ich mich auch.

Weiterführende Artikel im Textdepot: